Einzigartiges Gespann in Braunschweig – NGT8D+B4 reaktiviert

Schon wieder geht es heute nach Braunschweig. Seit rund einer Woche befindet sich einer der vier, für den Betrieb hinter den NGT8D Niederflurwagen adaptierten Beiwagen vom Typ Mannheim, wieder im Einsatz. Grund genug, sich im außerordentlich sonnigen Februar ein wenig an der Linie 1 herumzutreiben.

Mit der Lieferung von 12 NGT8D im Jahr 2007, wurden in Braunschweig die ersten GT6 vom Typ Mannheim abgelöst. Waren die acht Triebwagen der 73er Lieferung ohnehin schwächer motorisiert und wurden daher in der Regel ohne Beiwagen eingesetzt, wurden durch die Abstellung der ersten Fahrzeuge der Baujahre 1975 und 1977 insgesamt auch vier Beiwagen vom Typ Mannheim entbehrlich. Diese waren im Gegensatz zu den Triebwagen allerdings nicht für die Schrottpresse, sondern für den Einsatz hinter den damals neuen Niderflurwagen vom Typ NGT8D vorgesehen, um insbesondere auf den Linien 1 und 3 dem höheren Kapazitätsbedarf gerecht werden zu können. Hierfür waren sechs der neuen Niederflurfahrzeuge bereits ab Werk mit Scharfenbergkupplungen am Heck ausgestattet.
Die vier Beiwagen 7471, 7472, 7475 und 7476 wurden daraufhin noch einmal grundlegend saniert, was neben der Anpassung der Bremsanlagen für den Einsatz mit den NGT8D, mit einer vollständigen Entkernung und Auffrischung des Innenraumes einherging. Die letzteren drei Wagen erhielten zudem auffällige eckige Dachaufbauten, um die Dachlinie optisch den Niederflurwagen anzupassen. Die gravierendste bauliche Veränderung war allerdings der Ausbau der letzten Tür, da die Beiwagenzüge ansonsten für viele Haltestellen zu lang gewesen wären. Durch diese Maßnahme mussten nur wenige Haltestellen entlang der Linien 1 und 3 angepasst werden.

Nach einigen Anfangsschwierigkeiten mit der Abstimmung der Bremsanlagen, standen die ungewöhnlichen Gespanne ab 2010 recht zuverlässig im Einsatz, wobei die Zugverbände stets konstant blieben und aus 0757+7471, 0758+7472, 0755+7475 und 0754+7476 gebildet wurden. Mit dem lang anhaltenden Bau der neuen Okerbrücke am Botanischen Garten, musste die Linie 3 umgeleitet werden und endete für viele Monate am Radeklint. Die kapazitätsstarken Hängerzüge wurden daraufhin vollständig auf die Linie 1 von Wenden nach Stöckheim verschoben und auch nach der Wiederinbetriebnahme der Strecke der Linie 3 nach Volkmarode, wurden die vier Züge fortan ausschließlich auf der Linie 1 eingesetzt.

Recht unbemerkt verschwanden die Züge ab 2016 mit der fortschreitenden Inbetriebnahme der fassungsstarken neuen Traminos aus dem Liniendienst. Im April 2017 standen bereits nur noch die Züg aus 0757+7471 und 0755+7475 im Einsatz. Wenig später verschwanden auch diese beiden Züge ohne großes Aufsehen und die Triebwagen verkehrten fortan im Soloeinsatz. Das Schicksal der vier adaptierten Beiwagen schien wie das der vielen weiteren abgestellten Fahrzeuge besiegelt. Doch genauso unbemerkt wie die Züge verschwunden waren, tauchte am Samstag den 23. Februar der auffällige orange Zug aus 0757+7471 im Stadionverkehr auf der Linie 1E auf und stand auch in der folgenden Woche wieder im täglichen Einsatz auf der Linie 1.

Grund genug, dem einzigartigen Zug mit einem internen Altersunterschied von 33 Jahren, bei herrlichen Frühjahrswetter Ende Februar auf der Linie 1 aufzulauern und einen kleinen Bilderbogen zusammenzustellen:


Am Montag den 25. Februar 2019 stand einer der vier Hängerzüge aus 0757 und 7471 unvermittelt wieder im regulären Einsatz auf der Linie 1, nachdem er zuvor schon am Samstag im Stadionverkehr aufgetaucht war. Eine erste Aufnahme nach dem fast zweijährigen Dornröschenschlaf gelang am J.F.-Kennedy-Platz in Richtung Wenden.


In Wenden konnte der Zug rund eine halbe Stunde später erneut aufgenommen werden, als er soeben von der Endschleife Heideblick im Norden Braunschweigs zu einer weiteren Runde nach Stöckheim startete und gleich die Haltestelle Veltenhöfer Straße erreicht.


An Nachmittagen im Februar werden die Schatten in der Stadt doch recht schnell sehr lang und so eignen sich die Außenstrecken der Linie 1 optimal, um die Nachmittagssonne dennoch auszunutzen. Am 27. Februar konnte der Zug in Stöckheim hinter der Haltestelle Siekgraben aufgenommen werden.


Nahezu bis zum Sonnenuntergang können in der langezogenen Fotokurve vor der Haltestelle „Trakehnenstraße“ die Züge der Linie 1 fotografiert werden. Mit etwas Einfallsreichtum lassen sich sogar die Züge nach Wenden verarbeiten.


Der Standardschuss an dieser Stelle mit perfekter Ausleuchtung der Züge ist freilich in die entgegengesetzte Richtung nach Stöckheim.


Im Streiflicht konnte der Zug bei der Rückkehr aus Stöckheim ein letztes mal in der Fotokurve aufgenommen werden.

Es bleibt abzuwarten, ob der Zug dauerhaft im Einsatz bleibt, aber wenn der Beiwagen nach so langer Abstellung wieder reaktiviert wird, darf wohl von einem längerfristigen Einsatz ausgegangen werden. Wie die Pläne für die übrigen drei 74er Beiwagen aussehen, werden dann wohl die kommenden Wochen und Monate zeigen, aber wieder einmal hat sich bestätigt, dass die Braunschweiger Straßenbahn immer für kleine Überraschungen gut ist…

Update: Zum Beginn der KW 10 wurde der Beiwagen 7471 wieder aus dem Verkehr gezogen. An seiner Stelle ist nun das Gespann aus 0758 und 7472 wieder im Einsatz.

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