Heute geht es noch einmal zu den Lokzügen am Brünig, bevor sich die erste Runde dieser Tour in Dallenwil schließt und ich mit dem Auto hinüber ins Wallis wechseln werden.
Dienstag, 24. Juni 2025
Der Titel mag erstmal verwirrend klingen: Zurück über den Brünig Richtung Luzern ist ja eher die falsche Richtung, um anschließend ins Wallis zu fahren. Aber ich hatte mich entschieden, die aktuelle Radrunde nach vier Tagen vorerst zu schließen und das Auto für die nächste Runde nachzuziehen. Zu ungewiss war die Abhängigkeit des weiteren Wetter- und Reiseverlaufes, um noch weiter vom Auto weg zu fahren.
Für heute standen zunächst aber noch einmal die beiden morgendlichen Lokzüge am Brünigpass Richtung Interlaken auf dem Programm. Ungefähr um halb zehn und halb elf wären die an der Betriebsausweiche Chäppeli kurz vor der Passhöhe. Da ich dort noch nie war, man mit dem Auto eher mäßig gut hinkommt und aus dem Zug nicht aussteigen kann, war das nun mit dem Rad die perfekte Gelegenheit. Nur früh losgehen müsste es heute, denn aus Innertkirchen ist es dann doch noch ein kleines Stück bis über die Passhöhe und weiter nach Chäppeli. Das unbesetzte Frühstück war hier schon ab 6 Uhr freigegeben. Perfekt, um schonmal etwas im Magen zu haben für morgendlichen 550m Anstieg.
Dem um 7 Uhr öffnenden Volg in Innertkirchen machte ich auch noch eine kurze Aufwartung, dann konnte es losgehen. Fast, denn genau passend begann gerade der Übergang der Meiringen-Innertkirchen-Bahn zu läuten. Den GTW 2/6 125 013 nahm ich im schönen Morgenlicht gern mit.

Auch am frühen Morgen dreht der GTW 2/6 125 013 schon unermüdlich seine Runden zwischen Meiringen und Innertkirchen. Nach dem Halt in Innertkirchen Grimseltor, erreicht der Wagen gleich den Endbahnhof Innertkirchen MIB.
Die rund 14 km auf der schon in Gegenrichtung von Vorgestern bekannten Piste zogen sich bergauf nun durchaus. Es ist zwar steil, aber gleichmäßig fahrbar, der Untergrund wechselt zwischen Asphalt und leichtem Schotter. Ein schönes Programm für den Morgen. Gegen 8.30 war ich oben am Brünigpass und rollte auf dem Wanderweg entlang der Strecke weiter Richtung Chäppeli. Wiedermal hatte sich eine kleine Horde E-Biker um die 60 auf diesen Weg verirrt. Auf einem Weg der als Wander-/MTB-Route ausgewiesen ist, sollte man wirklich nur fahren, wenn man selbst und das Rad auch dafür geeignet sind…
Vor dem ersten Lokzug war noch eine normale Zugkreuzung an der Passhöhe dran, sodass ich mir erstmal noch ein Motiv in Fahrtrichtung Luzern suchen konnte. Ganz einfach ist das hier oben aber in beide Richtungen nicht, alles ziemlich eng im Wald außer rund um die Betriebsausweiche. Situativ entdeckte ich aber ein schönes Hochkantmotiv mit blühendem Zeugs im Vordergrund, dass den eigentlichen, eben beschriebenen Charakter der Strecke ziemlich gut zeigt. Ein Bild, dass man so eher nicht plant, sondern spontan entdeckt, wenn man an der Strecke entlangwandert oder -radelt. Nach kurzer Wartezeit kam die Adler-Komposition Richtung Luzern. Und wenig später war das Motiv auch schon wieder Vergangenheit, denn das motivbereichernde Blühezeugs versank bereits wieder im Baumschatten.

Anstieg auf den Brünig bei Hasliberg Hohfluh.

Eine Adler-Komposition mit 150 202-6 an der Spitze Richtung Luzern zwischen Brünigpass und Chäppeli.
Die Betriebsausweiche Chäppeli ist eine der wenigen Stellen hier in der Ecke, wo es mit dem Licht am Morgen ganz gut funktioniert mit einem Lokzug Richtung Interlaken. Nach einem kurzen Check der Aussicht vom Wanderweg auf den Lungernsee, wechselte ich auf die Lichtseite der Strecke und schaute mich etwas um. Zu einem Hof führt hier ein Weg, den man ein ganzes Stück reinlaufen kann, um vernünftig seitlich zu stehen und die Betriebsausweiche samt dem Berner Oberland ins Bild zu bekommen. Irgendwann verschwimmen die Wege hier aber alle in der Wiese, sodass man nicht so recht auf die Lokseite kam, was mein eigentliches Ziel gewesen war. Letztlich war aber der seitliche Blick vielleicht sogar schöner und noch besser war: Irgendwas kam da gefahren weit vor Planzeit. Es war die Reservekomposition für den Regio Meiringen – Interlaken mit HGe 4/4 101-965-2, die ich bislang immer nur in Meiringen hatte herumstehen sehen. Den hübschen kleinen Zug mit drei Einheitswagen und Steuerwagen nahm ich hier natürlich auch gern mit. Die Komposition wartet dann noch gute fünf Minuten auf den entgegenkommenden Verstärker-Lokzug aus Luzern.

Blick von meiner Offroad-Route auf den Lungernsee bei der Betriebsausweiche Chäppeli.

Aus Meiringen kommt die Reserve-Komposition mit HGe 4/4 101 965-2 Richtung Luzern. Der Zug fuhr dann schon in Lungern auf Seite und blieb dort einige Zeit stehen, bevor er wohl zurück Richtung Berner Oberland entschwunden war. Vermutlich hat der irgendeine Reisegruppe aus Fernost aus Lungern abgeholt und Richtung Jungfraujoch oder Brienz gebracht. Beides beliebte Zwischenstopps der internationalen Gruppenreisen.

Wenig später kommt der lokbespannte Verstärker aus Luzern entgegen. Eigentlich hätte ich gern irgendwo da hinten an der vorletzten Hütte gestanden. Das war mir aber alles schon zu viel Wiese um dort einfach durch zu marschieren. Diese Variante mit dem Berner Oberland als Kulisse, war letztlich vielleicht gar nicht schlechter. Und das dort eine Lok an der Spitze des Pendelzuges hängt, ist durch die seitliche Perspektive gut erkennbar.
Quasi parallel rollte ich dann mit der Reserve-Komposition in Lungern ein. Für ein Bild reichte es aber nirgends mehr – hätte auch erstmal ein Motiv gebraucht… Ein bisschen was ging kurz vor dem Bahnhof Lungern. Dort wartete ich auf den nächsten IR Richtung Interlaken, der nun nicht mehr fern sein konnte. Über Lungern ist irgendwie der fernöstliche Gruppentourismus hereingebrochen, das war mir schon auf der Hinfahrt aufgefallen. Überall stehen hier rund um Lungern nun Schilder, dass das Betreten der Wiesen verboten ist (eigentlich eine Selbstverständlichkeit im Sommer), dass das Drohnenfliegen verboten ist und überhaupt: Alles Privat hier. Tja, wer diesen Tourismus ruft und davon profitiert, der bekommt auch diesen Tourismus. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Der nächste IR Richtung Interlaken fährt aus Lungern aus, an der Spitze 150-103-6.
Zum Abschluss hier an der Brünigstrecke wollte ich nun noch einige klassische Motive rund um Lungern mit dem See umsetzen und dabei auch den zweiten Lokzug abpassen. Irgendwie war ich zu den Motiven hier noch nie gekommen. Oberhalb der Strecke gibt es hier ein kleines Sträßchen und einen markierten Wanderweg durch eine Wiese, von wo sich das alles recht gut umsetzen lässt. So lungerte ich an diesem Vormittag noch eine Stunde in Lungern herum und schoss die verschiedenen Perspektiven. Es war einfach herrlich hier an der Wiese oberhalb des Sees. Die Sonne kam gerade ziemlich seitlich. In Kombination mit den Schlenkern der Strecke, ließ sich so in beide Richtungen was anfangen.

Diese endlosen Adler/Fink-Kompositionen hier bei Lungern ganz drauf zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Hinter der Bahnhofsausfahrt Richtung Luzern passte es ganz knapp mit dem nächsten IR, gebildet aus – hier mal vollständig – 160 002, 105 204, 105 304 und 161 013.

Um kurz nach halb elf erreicht der zweite Vormittagsverstärker aus Luzern Lungern, gezogen von HGe 4/4 101 966-0.

Am Hang entlang schlängelt sich der Zug oberhalb des Sees in den Bahnhof.

Auch der nächste IR Richtung Luzern ist eine in der Hauptsaison übliche, zehnteilige Adler/Fink-Komposition.
Jetzt war ich hier durch und das Hochlicht wurde langsam brutal. Also Strecke machen. Ich fuhr zurück in den Ort, um wieder die schöne, autofreie Schotterpiste am gegenüberliegenden Ufer zu nehmen. Die nächste Stunde rollte es einfach nur wunderbar das Tal hinab, nur einen kurzen Abschnitt am Sarnersee war wieder Straße angesagt. Wenn auch sehr hoch am 24. Juni, stand das Licht an der großen Wiese vor der Bahnhofseinfahrt Sarnen doch gerade richtig. Ich wartete in der brütenden Mittagssonne die nächste S-Bahn nach Giswil ab und zog dann doch lieber wieder den Fahrtwind vor.

Ein Fink eilt als S-Bahn über die Wiese hinter dem Bahnhof Sarnen Richtung Giswil.
Die Route über Kerns und Ennetmoos nach Stans hatte ich schon in Teil 1 vor drei Tagen beschrieben. Die ging es nun einfach stumpf zurück, mit dem schönen Unterschied, dass diesmal umgekehrt weite Teile des kleinen Anstieges im kühlen Wald lagen und die durch Fahrtwind gekühlte Abfahrt in der Sonne.
Mit den Lokzügen auf der Engelberger Linie hatte ich jetzt noch drei Nachmittagsmotive offen, die auf der Hinfahrt durch den Siff geschluckt worden waren. Das erste befand sich direkt an meiner Einfallsroute nach Stans. Vorteil wiedermal, dass sich das Rad ganz einfach an der Wiese parken ließ. Kurz auf den nächsten IR nach Engelberg gewartet und das Bild war im Kasten.

Vor Stans macht die Strecke der Engelberger Linie eine große Kurve in den Ort hinein. Zumindest die Umgebung des vordergründig idyllischen Wiesen-Motives wird allerdings immer mehr verbaut.
Ich hatte nun fast eine Stunde Zeit und nutzte das, um am Coop am Bahnhof Stans für ein Mittagessen vorbeizuschauen. Im Schatten vor dem Coop Zuflucht suchend, ließ sich Energie nachschieben, auch wenn es heute in Summe mehr bergab, als bergauf gegangen war. Mit der nächsten IR-Kreuzung in Dallenwil ließen sich dann mit wenigen Minuten Abstand die beiden anderen Motive zwischen Dallenwil und Stans umsetzen.

HGe 4/4 101 961-1 zwischen Stans und Dallenwil Richtung Engelberg.

Wenige Minuten später die Gegenrichtung mit 101 961-1 Richtung Luzern an der langsam aus allen Blickwinkeln abgelichteten Kapelle vor Stans.
Damit war die erste Viertagesrunde dieser Tour auch am Ende. ich rollte die letzten Meter nach Dallenwil zurück zum Auto und verlud das Rad. Immerhin noch einmal 65 km waren bei dieser Halbtagsetappe bei 4 Stunden Fahrzeit zusammengekommen, erstmals mit 860 Metern Anstieg aber nicht die 1000er-Marke geknackt.
Der weitere Nachmittag war dann eine sehr gemütliche Autofahrt hinüber ins Wallis. Im Grunde fuhr ich die erste Strecke einfach wieder zurück, was ich eben mit dem Rad gefahren war, denn ich musste jetzt wieder zurück nach Innertkirchen, um über den Grimsel ins Goms zu kommen. In Giswil hielt ich für einen Kaffee gegen das Mittagstief am Bahnhofs-Avec. Unterwegs war mir der reaktivierte BDeh 4/4 mit seiner Pendelgarnitur entgegengekommen. Dem Anschein nach aber nicht im Fahrgasteinsatz. Dem jetzt irgendwie nachzusetzten, erschien wenig vielversprechend. Also weiter im Programm über den Brünig zum Grimselpass. Dort genoss ich hier und dort die atemberaubende Aussicht auf den von der Passstraße nicht mehr sichtbaren Bächligletscher, den schroffen Grimselsee und den Totesee an der Passhöhe.

Der Grimselpass von Meiringen hinüber nach Gletsch ist einer der klassischen Alpenpässe der Schweiz und führt hinauf auf 2163m an der Wasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmeer.

Vom Bächligeltscher ist von der Straße aus nurmehr der zurückgelassene Fels zu sehen.

Der Grimselsee hat irgendwie etwas von einer Filmkulisse.

Direkt an der Wasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmeer liegt an der Passhöhe der Totesee. Ab hier geht es dann hinunter Richtung Gletsch, wo der Grimsel- auf den Furkapass trifft und beide weiter hinunter Richtung Goms führen.

Blick über den Totesee
In Münster hatte ich eine Nacht im Hotel Landhaus gebucht. Dort war gerade eine Kleingruppe am einchecken, sodass ich erstmal rüber zum Coop lief und mir mein Abendessen besorgte. Als ich wiederkam, servierte man mir in einer kleinen Sitzecke erstmal ein Getränk nach Wahl aufs Haus, während die Formalitäten geklärt wurden. Wo war ich denn hier gelandet? Machte irgendwie alles etwas auf chic. Da passte ich mit meinen verschwitzten Radklamotten mal so gar nicht rein. Trotzdem kümmerte man sich sehr freundlich – für mich eine Spur zu freundlich – irgendwie wirkte das alles schon sehr künstlich. Für 81€ hatte ich mit sowas jetzt mal gar nicht gerechnet. Vermutlich Spätbucherrabatt auf Booking, um die Zimmer noch auszulasten. Ich war wiedermal einfach nach dem Preis gegangen und hatte geschaut, dass die Durchschnittsbewertung halbwegs ordentlich ist. Mit diesen zwei Filtern bleibt in der Schweiz dann meist schon nicht mehr viel Auswahl übrig. Auf eine Tischreservierung verzichtete ich dankend, vermutlich hätte das Essen mehr gekostet als das Zimmer. Nicht ganz zum Anspruch passte dann, dass mir beim Versuch auf meinem kleinen Einzelzimmer zu Duschen, das Fehlen sämtlicher Handtücher auffiel. Aber das ließ sich mit einem Gang zur Rezeption auch lösen, auch wenn man mir erst nicht ganz glauben wollte, dass ein solcher Fehler passiert sein könnte. Aber ich hatte wirklich überall nachgeschaut mit dem Ergebnis, dass keine Handtücher zu finden waren.
Anschließend lief ich noch hinunter zur Wiese an der Ortseinfahrt, aber es wird langsam zum Running Gag, dass ich dort abends immer knapp zu spät ankomme, wenn die Sonne gerade hinter den Bergen verschwunden ist. Naja, ist eh nur die Steuerwagenseite und das Motiv auch kein “must have”. Es war einfach schön, am Abend noch einmal ein Runde durch den Ort zu laufen. Überhaupt: Gehen. War mal ein ganz ungewohntes und angenehmes Gefühl nach vier Tagen am Rad.
Gemütlich bei reichlich Essen klang der Tag auf dem Zimmer aus. Als nächstes steht dann nochmal eine Zweitagestour an: Von hier aus will ich das Goms hinunterradeln, dann bis Täsch das Mattertal wieder hinauf und retour. Sollte gut zu schaffen sein in zwei Tagen – wenn das Wetter halbwegs mitspielt.
