Die Isle of Man 2013: Teil 3: Endlich auf die Insel und Post für Laxey

Weiter geht es mit dem dritten Teil, in dem wir Großbritannien verlassen und per Schiff endlich die Isle of Man erreichen.
Teil 1: Anrise über London
Teil 2: Weiter über Manchester und Blackpool

23.07.2013 Mit dem Schiff nach Douglas

Heute sollte es mit der Fähre von Heysham aus zur Isle of Man gehen. Das Schiff sollte erst am Nachmittag fahren und so hatten wir genügend Zeit, gemütlich das natürlich frisch zubereitete English Breakfast zu genießen und zusammenzupacken.
Am North Pier wurde noch dem bekannten „Blackpool Tram Shop“ ein Besuch abgestattet, bevor es zum Bahnhof ging. Der Zug sollte um kurz nach elf abfahren. Zwischenziel war Preston, vorher wurde aber in Blackpool North noch traditionell ein Blaubeermuffin und ein großer Kaffe von Pumpkin gekauft. Den Kaffe in Hotels sollte man in England bekanntlich besser nicht anrühren und stattdessen stilecht Tee trinken 😀
Die Fahrt bis Heysham Port war ziemliches Stückwerk. Zunächst von Blackpool nach Preston, dann von Preston nach Lanchester und weiter nach Heysham. Von Fleetwood aus wäre es eigentlich gar nicht mehr weit gewesen, uns war aber keine öffentliche Verbindung bekannt und so nahmen wir die zweistündige Zugfahrt, mit zweimaligem Umsteigen, für gerade einmal ca 25km Luftlinie in Kauf. Besonders der letzte Abschnitt zwischen Lanchester und Heysham Port war äußerst kurios. Der Zug schafft hier kaum einmal 50 km/h und macht rund 2km vor Heysham sogar noch Kopf im kleinen Küstenort Morecambe, bevor er schließlich Heysham Port erreicht.


Umsteigen in Lanchester. Unser Zug nach Heysham steht schon bereit.

Am Fähranleger blieb noch etwas Zeit für einen kleinen Snack während die LKW’s auf das Autodeck manövriert wurden, bis die Fähre zu ihrer rund vierstündigen Fahrt in See stach.


Endlich angekommen in Heysham am Fähranleger

Die Überfahrt bei bedecktem Wetter mit steifer Brise verlief unspektakulär, während hin und wieder eine Bohrinsel an uns vorbeizog. Das Oberdeck hatten wir jedenfalls dank des Wetters für uns allein.

Endlich tauchte dann die Isle of Man aus dem Wolkensiff auf und die Fähre manövrierte sich, nach einer längeren Parallelfahrt zur Küste, an den Anleger. Bereits bei der Überfahrt hatten wir einige kuriose Gestalten entdecken können, die unser Hobby mit ziemlicher Sicherheit teilten und ebenfalls das Manx Heritage Transport Festival für ihren Besuch ausgewählt hatten. Tatsächlich sollten uns einige von ihnen in der kommenden Woche immer wieder über den Weg laufen 😀


Willkommen auf der Isle of Man – Das Wetter hatte durchaus noch Verbesserungspotential


Das Logo der Betreibergesellschaft gab bereits einen ersten Vorgeschmack auf das, was uns erwartete. Diese Gesellschaft operiert bereits seit 1830, was auch am Design des Firmenlogos zu erkennen ist

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit wurde erstmal im „Edelweiss“ eingecheckt. Unsere Unterkunft für die nächste Woche und uneingeschränkt zu empfehlen! Nettes Personal, schönes Zimmer, leckeres Essen und W-lan. Aber genug der Werbung 😉
Da wir uns noch absolut nicht auskannten in Douglas, suchten wir in der Fußgängerzone erstmal nach etwas zu Essen, was sich allerdings aufgrund der Uhrzeit schwieriger geschtaltete als gedacht. Die Bordsteine werden hier schon um acht Uhr hochgeklappt. Der gerade schließende KFC verkaufte uns noch ein paar Hünchenreste in Knusperhülle mit Pommes und Coke. Nun gut, morgen würden wir uns was Richtiges zu Essen suchen, aber für heute muss es reichen.
Mit letzter Kraft schleppten wir uns und den Eimer Hünchen zur Promenade und genossen die Abendsonne, die sich unverhofft doch noch die Ehre gab. Unter strenger Beobachtung zahlreicher gieriger Möwen endete dieser Reisetag mit einem Eimer gefetzten Hünchens an der Promenade ;D


Die Sonne gab sich doch nochmal die Ehre und warf den Jachthafen von Douglas in warmes Abendlicht


Beim Blick in die Ferne konnte beim Abendessen schon das Ziel unserer Reise ausgemacht werden

24.07.2013 Post für Laxey

Der nächste Morgen begrüßte uns wenig freundlich mit dem selben Wolkensiff wie der Vortag. Wir ließen uns die Laune nicht verderben, war doch angeblich im Laufe des Tages mit besserem Wetter zu rechnen. Erstmal wollten wir ohnehin das Auto für die nächsten drei Tage abholen. Die zweite Hälfte des Aufenthaltes sollte dann mit dem Inselticket gemühtlicher angegangen werden.
Für den Besuch der Dampfbahn und des betriebsschwächeren Streckenabschnitt der MER ab Laxey war für uns ein Auto aber von klarem Vorteil. Bei der Autovermietung/Tankstelle erwartete uns nur ein Telefon. Nummer gewählt, eine wage Zusage des Vermieter, er sei gerade bei der Zweitstation am Flughafen und sei in 30min da, dann warten. Wir stellten uns auf das schlimmste á la Italien ein, wo „in einer halben Stunde“ soviel bedeutet wie „heute komme ich vielleicht noch vorbei“ 😀
Freudig überrascht waren wir von der tatsächlichen Ankunft des Vermieters nach 30min. Papierkram erledigt und endlich konnte es los gehen 🙂

Für heute war eine Fahrt des, zusammen mit Tw 1, ältesten Fahrzeugs der Bahn, dem Tw2, mit Postfracht geplant. Der Triebwagen stand schon mitsamt des schnuckeligen Postwagen vor den Toren des Depot.

Die Triebwagen 1-3 wurden im Jahr 1893 als erste Fahrzeuge für die damalige Douglas & Laxey Electric Tramway von G.F Milnes geliefert. Wagen 3 fiel dem verherenden Brand im „Laxey Car Shed“ 1930 zum Opfer. Die beiden übrigen Triebwagen sind zur Hauptsaison noch heute im täglichen Betrieb zu erleben und gelten damit als die ältesten betriebsfähigen Straßenbahnwagen, die noch heute auf ihrer ursprünglichen Strecke in Betrieb stehen!

Kaum wollten wir unser erstes Bild der Manx Electric Railway machen, riss die Wolkendecke auf – just in time!


Tw 2 mit Postwagen vor dem Depot in Douglas

Wenig später machte sich der Zug auf den Weg nach Laxey.
Die Manx Electric Railway führt von ihrem Ausgangspunkt, am Endpunkt der Pferdebahn in Douglas, über Laxey nach Ramsey. Die Strecke erschließt damit etwa die Hälfte der Ostküste der Insel. Zunächst wurde 1893-94 der erste Abschnitt zwischen Douglas und Laxey als Douglas & Laxey Electric Tramway eröffnet. 1899 wurde schließlich der finale Abschnitt bis Ramsey eröffnet.
Wir verfolgten das Postgespann bis Laxey


Tw 2 umfährt seinen Postwagen am Endpunkt der MER in Douglas


Das Gespann erklimmt die höhe der Steilküste am Port Jack


Zwischen Douglas und Laxey verläuft die Strecke zum Großteil neben der Straße


In Laxey angekommen wurde der Postwagen ins Abstellgleis gedrückt und Tw 2 ging in den normalen Dienst über

In Laxey besteht Anschluss an die Snaefell Mountain Railway(SMR), die den mit 2036 Fuß höchsten Berg der Insel, den Snaefell, erklimmt. Dazu aber später mehr…
Wir ließen die SMR vorerst außen vor und bannten den restlichen Vormittag erst einmal den Abschnitt zwischen Laxey und Douglas bei herrlichem Wetter auf den Chip.
Dazu begleiteten wir den Triebwagen 6 „Tunnel Car“ zurück nach Douglas. Die sechs Tunnel Cars wurden 1894 von G.F.Milnes gebaut. Heute befinden sich noch vier Fahrzeuge, mit teils verschiedenen Lackierungen, in Betrieb.


Der Haltepunkt Ballabeg ist ein Klasse für sich 😀


Und hier der Blick vom Haltepunkt Richtung Laxey auf Tw 6


Tw 6 passiert Port Jack Richtung Douglas

In Douglas angekommen erwartete uns eine freudige Überraschung. Auf der Pferdebahn wurde soeben der wunderschöne Doppeldecker Nr.18 „aufgerüstet“. „Teddy“ hatte die Ehre dieses Prachtstück ziehen zu dürfen. Wir suchten uns schnell ein Motiv an der Strecke und warteten auf die Ankunft des Gespannes. Mehr zur Pferdebahn foglt später…


Teddy und die Nr.18 kurz vor Abfahrt


Das Gespann auf der Promenade

Nach der Plünderung eines supermarket machten wir uns am Nachmittag auf den Weg, um den hinteren Abschnitt zwischen Laxey und Ramsey zu erkunden. Viele Aufnahmen sprangen dabei nicht heraus, da wir uns erstmal mit den Örtlichkeiten bekannt machen mussten.


Tunnel Car 5 irgendwo im Nichts zwischen Laxey und Ramsey


Der Blick in entgegengesetzte Richtung auf Winter Saloon 20

Aufgrund der tollen Wetterlage wollten wir im Abendlicht den Küstenabschnitt hinter Douglas mit Meerblick ablichten. Es ging also zurück Richtung Douglas. Parallel von uns fuhr die gesamte Zeit die Autofähre von Heysham. Die heutigen Passagiere hatten mehr Glück mit dem Wetter ; ) Aber nach einem Tag schon so tolle Bilder „im Kasten“ zu haben hätten wir uns nach dem gestrigen Siff auch nicht träumen lassen.
Nach diversen Querelen mit dem garstig stacheligen Inselgestüpp gelang es uns den landseitigen Hang zu erklimmen und es offenbarten sich uns ein unvergessliches Motiv.


Die Fähre von Heysham in der Abendsonne


Crossbench 16 auf dem Weg nach Douglas

Für den Abend war ein Dinner Event auf dem Snaefell geplant. Aus diesem Grund wurde Winter Saloon 20 eingesetzt um die Teilnehmer dieser Fahrt auch nach eigentlichem Betriebsschluss noch nach Laxey zur SMR zu bringen.
Tw 20 gehört zu einer Serie von vier Winter Saloons die im Jahr 1899 ebenfalls von G.F.Milnes beschafft wurden. Alle vier Fahrzeuge befinden sich noch immer im aktiven Bestand.


Winter Saloon 20 bringt die Dinnergäste zur SMR

Unser Budget gab zwar das abendliche Dinnieren auf dem Snaefell nicht her, die Fahrten der SMR konnten wir uns aber nicht entgehen lassen, fanden sie doch nach normalem Betriebsschluss im schönsten Abendlicht statt.
Die Snaefell Mountain Railway wurde im Jahr 1895 eröffnet und erklimmt den 2037 Fuß hohen Snaefell von Laxey aus. Die Fahrzeuge sind noch heute die Eröffnungsfahrzeuge und wurden im Jahr 1895 gebaut. Ab 1978 wurden die Wagen mit neuen Motoren aus alten Achener Straßenbahnwagen modernisiert. Anders als die MER(3 Fuß -914mm) fährt sie SMR auf Kapspur von 1067mm.

Wir fuhren mit dem Auto den berühmten Mountain Course zur Zwischenstation der SMR. Dort angekommen wurden die Zusatzfahrten bei schönstem Abendlicht abgelichtet.
Dabei ereignete sich eine weitere unvergessliche Situation: Wagen 4 war bei unserer Ankunft bereits in die Bergstation eingefahren. Anstatt dort zu verweilen, kam er jedoch kurz darauf zur Zwischenstation hinunter und es stiegen ein paar Figuren aus. Kurz darauf fuhr der Wagen wieder hinauf. Wir fragten beim Stationsvorsteher(!!!) nach, was es mit dieser Fahrt auf sich hatte und er antwortete, es hätte einen medizinischen Zwischenfall auf dem Berg gegeben. Krankentransport ist diese Bahn also auch noch ; )


Wagen vier kommt als Krankentransport von der Bergstation herab. Der Weitertransport erfolgte dann auf der Straße


Einfach schön – Tw 3 auf dem Weg zum Gipfel


Wagen 3 erreicht nun auch die Bergstation zum Dinner

Mit diesen Aufnahmen endete dieser höchst erfreuliche Tag. Zurück in Douglas fanden wir einen hervoragenden Italiener unweit des Fähranlegers. Von außen unscheinbar aber von innen wirklich hervoragend, mit Blick auf die Promenade und gut besucht.

Nach einer kleinen künstlerischen Pause geht es dann nächste Woche mit dem vierten Teil weiter, der dann auch zum ersten Mal die Dampfbahn beinhaltet. Bis dann 😉

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