Die Isle of Man 2013 Teil 4: IoM Steam Railway und Manx Electric Railway Rush Hour

Nachdem wir im letzten Teil den ersten Tag auf der Insel größtenteils bei der Manx Electric Railway verbracht haben, steht nun auch die Dampfbahn auf dem Plan.

25.07.2013 „Doubleheader“ aus Port Saint Mary

Der heutige Tag versprach alles andere als gutes Wetter. Eine geschlossene Wolkendecke bei temporären Regenfällen.
Auf der „Isle of Man Railway“ waren heute Sonderfahrten geplant und so wurde der Tag für die Sichtung der Dampfbahn mit gelegentlichen Fotos, soweit es die meterologische Situation zuließ, eingeplant.

Die „Isle of Man Railway“ wurde 1873 mit einer Spurweite von drei Fuß eröffnet. Einst erschloss ein größeres Netz die Insel, welches aber mit Aufkommen des MIV seine Daseinsgrundlage verlor und größtenteils stillgelegt wurde.
Nur die Strecke von Douglas nach Port Erin blieb erhalten und ist noch heute in Betrieb. Da mein Interesse in diesem Gebiet jedoch auf die gelegentliche Fotografie solcher Bahnen, wenn sie mir über den Weg laufen, beschränkt ist, kann ich zu weiteren technischen und Fahrzeugtechnischen Aspekten wenig berichten, außer das noch eine größere Zahl teilweise verschiedener Maschinen in Betrieb steht.

An Fotostellen kannten wir im Voraus eigentlich nur das bekannte Motiv, mit Steilküste und Meerblick, kurz hinter Douglas. Ansonsten rechneten wir mit wenig Motiven, was sich auch weitestgehend bestätigte. Die Strecke verläuft doch sehr abseits und wenn sie die Straße kreuzt, dann meist in tiefen Gräben. Die typische Heckenreihe direkt neben der Strecke erschwert das Fotografieren zusätzlich.

Bei niedrigen Erwartungen kann man aber bekanntlich nicht mehr großartig entäuscht werden und so ging es nach dem Frühstück direkt mal zu der Stelle hinter Douglas, welche morgens von der Straßenseite aus umsetzbar ist. Gezogen wurde der Zug von der Lok „Caledonia“.


Das erste Bild des Tages kurz hinter Douglas. Mit etwas Sonne wäre es garnicht so schlecht gewesen…

Wir folgten der Strecke und beobachteten die Zugkreuzung in Ballasalla. Später sollte uns ein „doubleheader“ entgegen kommen. Wir fuhren einen geeigneten Bahnhof an und warteten dort auf den Zug.
Dabei gab es noch einen Plausch mit einem britischen Hobbykollegen, der uns etwas überrascht die Frage stellte, wie wir denn als Deutsche nicht mit einer „Leica“ fotografieren könnten. Er selbst sei mit diesem deutschen Qualitätsprodukt hoch zufrieden. Überrascht, ob der Wertschätzung deutscher Produkte, mussten wir zugestehen, dass selbst wir als Deutsche schon auf die günstigeren Produkte aus Japan zurückgreifen müssen ; )
Die Wartezeit verging schnell und der Zug nahte. Allerdings fungierte die zweite Lok als Schublok am Zugschluss.


Der „Doubleheader“ aus Port Erin

Neben dem Mangel an Motiven ließ leider auch das Wetter nicht viel zu und so entstand nur noch eine weitere Streckenaufnahme und einige Bilder am Endpunkt der Strecke in Port Erin. Hier waren auch noch einige historische Straßenfahrzeuge ausgestellt.
Der restliche Tag wurde für das Kulturprogramm des südwestlichen Inselteils genutzt. So wurde Castletown und Peel ein Besuch abgestattet. In Peel lugte beim gemühtlichen Kaffetrinken auf der Strandpromenade sogar kurz die Sonne durch die Wolkensuppe.
Zuvor hatten wir uns beim Mittagessen schon über den aus dem Supermarkt besorgten „Brunswick Ham“ gefreut. So weit weg von der Heimat schon ein schönes Detail, auch wenn dieser Brotbelag bei uns einfach „Kochschinken“ heißt 😀


Mangels Motiven und Sonne schon das letzte Streckenbild des Tages


Der Bahnhof von Port Erin


Castletown


Die Burg von Peel

Den letzten „Schlechtwettertag“ hatten wir so ganz gut überbrückt und nahmen uns vor, das bekannte Steilküstenmotiv am morgigen Tag noch einmal anzufahren. Beim heutigen Wetter wäre vom Meer nichts zu sehen gewesen 😀

26.07.2013 rush-hour auf der MER

Für heute war auf der MER ein „rush-hour“ Service zwischen Douglas und Laxey angekündigt. Das Vormittagsprogramm stand also fest. Am Nachmittag stand dann noch eine zuvor gebuchte Depotbesichtigung der MER in Douglas an. Außerdem sollte am letzten Tag mit Auto auch das gestern ins Wasser gefallene Motiv der Dampfbahn hinter Douglas umgesetzt werden.

Auf dem Weg zur MER begegnete uns noch die Pferdebahn auf der gerade „Steve“ seine zwei Runden absolvierte.


„Steve“ läutet den fotografischen Tag ein

Der morgentliche Wolkensiff, der noch vom gestrigen Tag übrig geblieben war, begann sich schon zu verziehen, während bei der MER bereits wild rangiert wurde um den geplanten 15min Takt starten zu können.
Crossbench Nr.16 und 32 standen schon samt Beiwagen für den sonnigen Tag bereit.
Die Crossbench’s Nr. 14-18 wurden im Jahr 1898 von G.F.Milnes geliefert. Von ihnen ist nur der grüne Wagen 16 betriebsfähig. Alle anderen sind aber noch vorhanden.
Die letzte von mehreren Lieferungen von Crossbench’s, die sich in vielen Details von der ersten unterscheidet, erfolgte im Jahr 1906 durch die United Electric Car Company aus Preston. Zu ihr gehört der ebanfalls betriebsfähige Wagen 32. Wagen 33 befand sich bei unserem Besuch gerade in Reparatur. Die zahlreichen weiteren seitlich offenen Crossbench und Paddlebox Fahrzeuge befinden sich derzeit nicht in betriebsfähigem Zustand. Aufarbeitungen sind aber geplant.

Wir arbeiteten uns im Laufe des Vormittags die Strecke bis Laxey hoch.


Wagen 5 eröffnet den 15min Takt. Im Hintergrund stehen schon die beiden betriebsfähigen offenen Triebwagen bereit.
Rechts die reste eines Betonkomplexes, der sich hier früher an den Hang schmiegte und zum Glück der Vergangenheit angehört


Wagen 16 lässt Douglas hinter sich und erklimmt die Höhe der Steilküste


Der erst kurz zuvor in das Farbschema der „Douglas & Laxey Electric Tramway“ zurückversetzte Wagen 7 kurz hinter Port Jack

Als nächstes sollte uns das älteste auf seiner Heimatstrecke betriebsfähige Straßenbahnfahrzeug der Welt zum ersten mal vor die Linse fahren. Triebwagen 1 gab sich heute, nach Triebwagen 2 am Mittwoch, ebenfalls die Ehre. Die beiden Fahrzeuge dürfen, für den Fall eines ähnliches Unglückes wie dem Feuer im Depot von Laxey, aufgrund ihrer besonderen historischen Bedeutung, niemals im selben Depot stehen.


Wagen 1 unweit dem Halt Far End


Tunnel Car 9 kommt aus Laxey zurück

Nahe dem Haltepunkt Baldromma ereignete sich gegen Mittag ein Zwischenfall. Winter Salloon 22 konnte die Fahrt wegen eines technischen Defekts nicht fortsetzen und blieb mitten auf der Strecke stehen. Wir waren zufällig vor Ort und konnten beobachten, wie die folgenden Züge nach und nach aufzulaufen drohten. Glücklicherweise befand sich unweit des Wagen 22 ein Gleiswechsel. Dieser musste dann von den folgenden Zügen rückwärts passiert werden, wobei die Trolleystange während des Rückwärtsfahrens vom Schaffner heruntergezogen wurde und an den Draht der anderen Seite angelegt wurde.
Ein interessantes Schauspiel, das ungefähr drei Züge vollführen mussten bis das Serviceteam der MER mit einem Lieferwagen anrückte. Noch kurioser als die vorherigen Überholungen verlief die anschließende „Reparatur“. Eine überdimensionale Zange wurde zur Hand genommen und unter dem Wagenboden ein paar sehr grobmotorische „Hiebe“ ausgeführt 😀 Es schien aber geholfen zu haben, denn der Wagen konnte später aus eigener Kraft zurück nach Douglas fahren. Dieser alten und minimalistischen Technik ist eben noch etwas einfacher beizukommen. Der Triebwagen musste nicht einmal neu gebootet werden 😀


Winter Salloon 21 muss rückwärts über den Gleiswechsel um den defekten Bruder Nr.22 zu überholen


Die Service-Crew ist schon angerückt, während Wagen 21 überholt


Unbeeindruckt des gerade passierten Wagen 22, setzt Tw 1 seine Fahrt nach Douglas fort. Der Fahrer wirkt jedoch etwas groß für seinen Wagen – vom Himmel sieht er jedenfalls nichts ; )


Wagen 5 erreicht den Haltepunkt Ballagawne

Nachdem wir Laxey erreicht hatten, ging es zum Felsabschnitt rund um den Haltepunkt Ballaragh. Allerdings ließ uns die Sonne im Stich und wir kehrten nach Laxey zurück, nicht ohne uns diese Stelle für später gemerkt zu haben.


Wagen 21 steht in seinem mittäglichen Pausengleis


Die rechte Tafel zeigt den dichten Takt zwischen 10 und 15min an diesem Freitag


Bei der Snaefell Mountain Railway wurde Wagen 1 Anfang des Jahres in ein blaues Farbkleid versetzt

Nun ging es erstmal zur Depot- und Werkstattbesichtigung in Douglas. Diese ist wirklich zu empfehlen und gibt einen wunderbaren Einblick in die Technik und Unterhaltung der über 100 Jahre alten Fahrzeuge, die zum Teil mit ähnlich alten Methoden stattfindet. Außerdem können die nicht betriebsfähigen Fahrzeuge in aller Ruhe angesehen und fotografiert werde.


Das heutige Herzstück der Triebwagen. Dieser Motor ist für Wagen 33 vorgesehen


Das Arbeitsfahrzeug der MER

Am späten Nachmittag sollte es jetzt noch zur schönsten und auch fast einzigen Fotostelle der Dampfbahn hinter Douglas gehen. Von der Straße aus ist der Standpunkt über einen „public footpath“ zu erreichen. Dies bedeutet keineswegs, dass ein guter Wanderweg hier entlang führt, sondern eher, dass es grundsätzlich erlaubt ist hier entlangzugehen. So muss unter anderem eine Steinmauer überwunden werden, die das weglaufen von Schafen verhindern soll. Die Mühen sollten sich aber mehr als bezahlt machen als „C1 H.Wood“ im schönsten Nachmittagslicht mit ihrem Zug die Stelle passierte.


Das wohl schönste Landschaftsmotiv der Isle of Man Railway

Das restliche Fotolicht sollte anschließend noch für die Snaefell Mountain Railway genutzt werden, bei der heute erneut Dinnerfahrten geplant waren.
In Douglas nahmen wir den Start des „mountain course“, des legendären und ebenso wahnsinnigen Motorradrennen „Tours Trophy“.
Das Motorradrennen wurde einst von England auf die Isle of Man verlegt, da hier außerorts keine Geschwindigkeitsbegrenzung besteht. Die Motorräder waren im Laufe der Zeit zu schnell für Straßenrennen in England geworden und so findet das Rennen seit 1907 auf der Isle of Man statt.
Mit über 200 km/h Durchschnitt rasen die Fahrer, oftmals dicht nebenenander, über die sonst öffentlichen Straßen des „mountain course“.
Mit unserem geliehenen Nissan Note schafften wir nicht mal ohne Kurven 80 Meilen und wir hatten auch nicht vor, uns in die lange Reihe der Verunglückten auf diesem Kurs einzureihen…


Wagen 4 erreicht in Kürze die Zwischenstation am „mountain course“

Wir entschlossen uns spontan bei diesem herrlichen Wetter noch Bilder auf dem Gipfel zu machen. Da die Fahrten aber nur bei vorheriger Reservierung zu nutzen waren, und unser Inselticket ohnehin erst ab morgen galt, erklommen wir den Berg kurzerhand zu Fuß. Bei diesem Wetter übrigens nur zu empfehlen. Wirklich steil wird der Aufstieg auch nicht.


Wagen 6 fährt den kahlen Hang entlang. Im Hintergrund ist Laxey zu erkennen.


Die Zwischenstation vom Gipfel aus gesehen. Auch die Zuschauerbrücke für das Motorradrennen ist zu erkennen


Tw 4 kurz vor der Gipfelstation


Nochmal Wagen 4


Anschließend erreicht auch noch Triebwagen 6 den Gipfel

Nach diesen unvergesslichen Eindrücken ging es zurück nach Douglas. Ein rundum gelungener Tag neigte sich dem Ende zu und wir freuten uns, morgen endlich mit dem Inselticket die MER hinuter zu rumpeln.


Abendstimmung im Jachthafen von Douglas

Im nächsten Teil erreichen wir mit der MER zum ersten mal Ramsey und fahren diesmal mit der Bahn auf den Snaefell.

Wem es bis hierher nicht langweilig wurde, vielen Dank fürs mitlesen und bis demnächst.

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