Cymru 2017 – Wolkenlotterie an der Welsh Highland Railway

Moin,

heute soll es dann endlich „richtig“ losgehen mit Wales. Nach der etwas strapaziösen Anreise stellte sich im entschleunigten Norden von Wales schnell ein richtiges Urlaubsfeeling ein und so konnte das Erkunden der umliegenden Bahnen beginnen.

Alle Teile dieser Reihe findet ihr hier: Reiseberichte 2017

Von Harlech aus war es naheliegend, das wir den beiden wohl bekanntesten Schmalspurbahnen von Wales, der Welsh Highland und der Ffestiniog Railway einiges an Zeit widmen würden. In diesem Teil halten wir uns an erstgenannter auf, der Welsh Highland Railway.

Die Wetterlage war die klassische walisische Wolkenlotterie. Und wie das so ist beim Lotto, mal gewinnt man nichts und mal garnichts. An den schönsten Motiven kam die Fotowolke irgendwie immer im entscheidenden Moment mit einer Zuverlässigkeit wie die Schafgatter auf den Wanderwegen… Eine Menge Arbeit für Lightroom, aber den Sonnenbutton hat Adobe nach wie vor nicht eingeführt und so musste aus der Situation das Beste gemacht werden.

Die durch den Zusammenschluss mehreren Bahnen entstandene Welsh Highland Railway wurde im Jahr 1923 mit dem Lückenschluss zwischen Rhyd Ddu und Beddgelert fertiggestellt. Bereits 1937 wurde die Bahn aufgrund wirtschaftlicher Probleme wieder eingestellt. In den 1960er Jahren kamen Pläne auf, die Strecke wieder aufzubauen. Nach jahrelangem Gezerre und Streitschlichtungen wurde die Strecke schlussendlich im Jahr 2011 durchgehend wiedereröffnet und wird seither von der Ffestiniog Railway betrieben. Zum Einsatz kommen im Planbetrieb ausschließlich südafrikanische Garrats der Bauart NGG 16.
Soviel zur Historie, soweit ich sie mir auf gängigen Internetseiten angeeignet habe. Ich würde mich selbst in keinster Weise als Experte auf diesem Gebiet bezeichnen, es wird einfach fotografiert was fährt, eher mit dem Ziel, ein paar schöne Motive in den Kasten (oder sollte man heute Katalog sagen?) zu bekommen, anstatt irgendwelchen Fahrzeugnummer hinterherzulaufen. Aber zum Glück sind wir da alle etwas unterschiedlich orientiert, sonst würde es an den Motiven viel zu voll werden 😉 Über Richtigstellungen oder interessante Details freue ich mich daher umso mehr!
Insgesamt ist der Bahn natürlich anzusehen, dass sie deutlich jünger ist als man auf den ersten Blick vermuten würde. Der Oberbau ist einfach zu professionell und die Gleisanlagen insgesamt sehr betriebsoptimiert, gerade im Vergleich zur Ffestiniog Railway. Dennoch bieten sich im Abschnitt zwischen Y Waunfawr und Beddgelert einige schöne Landschaftsmotive. Leider ist die Strecke seit ihrer Eröffnung im Jahr 2011 schon wieder massiv zugewuchert. Das bekannte Motiv am Fluss Afon Glaslyn zwischen Rhyd Ddu und Beddglert ist beispielsweise nahezu nicht mehr darstelltbar (jedenfalls nicht im Sommer wenn die Bäume Laub tragen, oder wir waren einfach zu blöd). Nach wie vor am schönsten ist der Abschnitt unmittelbar oberhalb von Rhyd Ddu. Hier lassen sich auf etwa einem Kilometer Strecke über den Tag zahlreiche verschiedene Motive mit den Highlands umsetzen.

Ihren Ausgangspunkt hat die Bahn parallel zur Ffestiniog Railway in Porthmadog. An einem wechselhaften Nachmittag waren wir zu einer ersten Visite auf dem Bahnhof von Porthmadog. Garrat 143 kam gerade von ihrer ersten Fahrt aus Caernaforn, Abfahrt 1000 Uhr, in Porthmadog an.


Garrat 143 erreicht den Endbahnhof Porthmadog


Unter den aufmerksamen Blicken einer Möwe setzt 143 für ihre zweite Fahrt des Tages um

Am 20.07 widmeten wir der Welsh Highland dann mal einen ganzen Nachmittag. Vormittags waren ohnehin noch Wolken über dem „Pass“ angesagt, also reifte der Plan, von Harlech aus erstmal nach Holyhead rauf zu fahren und sich dort den bekannten Leuchtturm anzusehen. Nachmittags sollte der Rückweg dann an der Welsh Highland Railways entlang führen, und so die beiden nachmittäglichen Zugpaare am Pass umgesetzt werden.
Dennoch wurde auf der Hinfahrt am Morgen rund um Porthmadog noch mal nach Motiven für den Vormittagszug gesucht. Mit dem Ergebnis das dort aber mal garnichts zu holen ist. Das vorherige Studieren der Satellitenbilder und die Suche nach Bildern im Netz hatten auch nichts anderes erwarten lassen… Der anschließende Besuch auf Holy Island war die Fahrt aber alle mal wert!


Das South Stack Lighthouse an der Westspitze von Holy Island


Auch bei Ornithologen sicher ein beliebter Ort bei den zahlreichen Meeresvögeln die in den Felsen rechts ihre Nester errichtet haben

Die Sonnenprognosen für den Nachmittag waren wie gesagt in den Bergen recht gut, allerdings schien oben dann die Sonne zuverlässig wenn nichts kam und das ist bei drei Zugpaaren am Tag ja auch eine beachtliche Sonnenscheindauer. So konnten zwar Kaffee und Kuchen in der langen Pause zwischen 1400 und 1700 Uhr bei schönstem Sonnenschein genossen werden, bei Zugdurchfahrten ließ uns der leuchtende Stern dann aber zuverlässig im Stich.
Von Norden kommend postierten wir uns erstmal auf einer Brücke hinter Y Waunfawr.


Hinter Y Waunfawr konnte der Zug mit Lok 143 an der Spitze zumindest mit Teilsonne abgelichtet werden

In Rhyd Ddu kreuzt unser Zug um 1400 den Gegenzug aus Porthmadog. Dadurch schafften wir es, den Zug sowohl in den S-Kurven vor Rhyd Ddu, als auch bei der Straßenbrücke kurz hinter Rhyd Ddu abzulichten.


In den Kurven vor Rhyd Ddu war dann die Fotowolke gänzlich zur Stelle

Kurz hinter Rhyd Ddu befindet besagte Straßenbrücke, von der noch einmal ein Bild möglich sein sollte. Das Licht war diesmal sogar an, das Bild scheiterte diesmal allerdings ein wenig an der eigenen Unfähigkeit beim Fotografieren über die hohe Mauer mit dem Live-View – immer diese langen Züge grrr –


143 hat Rhyd Ddu passiert und fährt weiter Richtung Beddgelert

Das Motiv am Fluss hinter Beddgelert konnte man sich wie bereits geschrieben schenken, daher war jetzt erstmal Mittagspause angesagt, denn nach der 1400 Uhr Kreuzung findet erst um 1700 Uhr die nächste statt. Die Zeit verging beim Kaffeetrinken und Schlendern durch Beddgelert aber wie im Fluge und natürlich schien auch die ganze Zeit die Sonne.


Bedgellert ist einer dieser typsichen walisischen Örtchen aus engen Straßen, einer noch engeren Brücke und direkt an der Straße stehenden Natursteinhäusern


Ein Ort von Bedeutung, denn hier verläuft nicht nur die Eisenbahn, sondern auch die Straße von Porthmadog nach Caernafon 😉


Dörfliches Idyll in Beddgelert

Kurz vor 1700 Uhr fanden wir uns dann wieder oberhalb von Rhyd Ddu zu einem zweiten Versuch ein, aber auch diesmal ließ uns die Sonne im Stich :/


Die schwarze Garrat No.87 in der Kurve oberhalb Rhyd Ddu


No.143 hat in Rhy Ddu No.87 gekreuzt und fährt nun weiter Richtung Caernaforn

So ging es schlussendlich nicht wirklich zufrieden zurück nach Harlech, so ganz hatten wir die Geschichte aber noch nicht abgehakt…

Und so ging es am Vormittag des 22.07. noch einmal von Harlech zum Pass und ein dritter Versuch bei Rhyd Ddu wurde gestartet, allerdings standen die Chancen hierbei entgegen des Wetterberichts für den Vormittag eher schlecht.


No.143 diesmal aus einer etwas anderen Perspeltive in der langen Kurve

Etwas frustriert gaben wir die Sache auf und beschlossen einfach zu behaupten wir seien nie an dieser Bahn gewesen. Gut, das habe ich soeben gebrochen, aber mit etwas Distanz findet man eben in 1300km Entfernung am heimischen Rechner doch ein wenig Gefallen an den Bildern. Das Wetter ist eben typisch walisisch…
Auf der Rückfahrt nach Harlech wurde aber noch im Bahnhof von Beddgelert vorbeigeschaut, denn der Zug folgte uns ja nun eh. Der Bahnhof Beddgelert wird hin und wieder als Kreuzungspunkt genutzt. Aufgrund des ständig wechselnden Fahrplans würde es aber zu weit führen jetzt aufzuzählen wann das der Fall ist. Jedenfalls war es an diesem Tag so 😀


Viel Leben herrscht während der Zugkreuzung in Beddgelert. Den restlichen Tag ist es hier auf dem Bahnhof menschenleer

Mehr war bei der Welsh Highland dann leider nicht drin. Mit dem Licht hätte wir natürlich mehr Glück haben können. Dennoch ist diese Bahn insbesondere landschaftlich sehr zu empfehlen und bei einer Mitfahrt stört es ja auch weniger wenn die Fotografen an der Strecke keine Motive finden – Hauptsache man sieht von drinnen was. Auch die Garrats sind einfach urige Maschinen welche ich bis dahin auch noch nicht kannte.

Demnächst werden die Bahnen dann etwas steiler, wenn es heißt „Bahn versus Schaf am Snowdon“ 😉

Grüße aus der Löwenstadt,
Tobias

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