Auf 760mm durch Österreich I: Die älteste Schmalspurlok Österreichs auf der Steyrtalbahn

Im August startete ich mit einem Hobbykollegen vom Bodensee aus eine große Rundfahrt durch Österreich mit dem Ziel der vielen verbliebenen Schmalspurstrecken des Landes. In dieser Reihe möchte ich in der nächsten Zeit von den Besuchen der vielen verschiedenen Schmalspurbahnen Österreichs mit einem kleinen Abstecher nach Südböhmen berichten.

Prolog

Schon lange standen die österreichischen Schmalspurbahnen auf meiner To-Do-Liste. Ernsthaft besucht hatte ich bislang eigentlich nur die ganzjährig nach täglichem Fahrplan verkehrenden Bahnen, also insbesondere die Mariazellerbahn, die Zillertalbahn und die Pinzgauer Lokalbahn. 2013 und 2014 waren zudem noch vereinzelt einige Museumsbetriebe hinzugekommen. Konkret waren dies die Bregenzerwaldbahn, die Steyrtalbahn, das Waldviertel und die Lokalbahn Payerbach-Hirschwang. Mein erklärtes Ziel war daher, in diesem Sommer diesen Flickenteppich „Österreichische Schmalspurbahnen“ zu vervollständigen. Hinzu sollten noch die beiden von der JHMD betriebenen Linien in Südböhmen kommen. Fix standen für mich also die Ybbstal-Bergstrecke, die Feistritztalbahn, die Stainzer Lokalbahn die Murtal- und Taurachbahn und die JHMD auf dem Plan. Für die zweite Hälfte der Reisegruppe waren zudem noch die Steyrtalbahn und die Mariazellerbahn konkrete Anliegen.
Um diese ambitionierte Rundfahrt in nur neun Tage schaffen zu können, zerbrach ich mir einige Abende den Kopf über die Betriebstage und Fahrpläne der einzelnen Bahnen, welche irgendwie zu einem Programm ohne zu große Lücken, aber auch ohne großartiges Hin- und Hergefahre zusammengesetzt werden sollten. Letztendlich konnte ich aus all den kleinen Unwegbarkeiten nur den bestmögliche Kompromiss herausarbeiten. Die genannten Fixpunkte wurden also erstmal so aufgenommen und die zeitlichen und räumlichen Lücken dazwischen wurden mit anderen Bahnen aufgefüllt. Herausgekommen ist eine fast 2000 Kilometer lange Rundfahrt: Vom Bodensee sollte es in einer ersten lange Etappe am Samstag zum Dampfbetrieb der Steyrtalbahn gehen. Für den Sonntag waren dann der Dieselzug auf der Ybbstal-Bergstrecke sowie die Fahrt in den Norden nach Südböhmen vorgesehen. Dabei sollte auch kurz Zeit für einen nachmittäglichen Stop bei den beiden Dieselzügen im Waldviertel bleiben. Montag und Dienstag waren dann für die beiden Linien vom Südböhmischen Jindřichův Hradec aus vorgesehen, an denen auch der Dampfzug praktischerweise beide Strecken befuhr. Am Dienstag Abend sollte es dann zurück Richtung Süden ins Mariazell gehen, wo auch der Mariä-Himmelfahrts Mittwoch vorgesehen war. Anschließend ging es weiter nach Süden in die Steiermark, wo am Donnerstag der Dieselzug auf der Feistritztalbahn und am Freitag der Flascherlzug in Stainz auf dem Plan standen. Die zweitägige Rückfahrt gen Westen sollte am Samstag bei der Murtal- und Taurachbahn verbracht werden. Für den Sonntag war dann nur noch Restprogramm aus ein bisschen Zillertal- und Achenseebahn und einem kleinen Abstecher zum Brenner vorgesehen.
Das Programm stand also, die zweite Hälfte der Reisegruppe gab das Okay und so konnte die Fahrt Mitte August starten und nur noch das Wetter müsste einigermaßen mitspielen.

Samstag, 11.08.2018: Die Steyrtalbahn

Eigentlich wollten wir zur ersten Fahrt des Tages um 11:00 Uhr ab Grünberg bei der Steyrtalbahn ankommen. Die von Kaiser Horst persönlich iniziierte Grenzbeamtenarbeitsbeschaffung an der A8 zwischen München und Salzburg, machte uns jeodch in Form von 5 Kilometern äußerst zähem Verkehr einen Strich durch die Rechnung. Mit etwa 30 min Zeitverlust waren wir allerdings am frühen Vormittag noch recht glimpflich davon gekommen. Top-Wert an dem Horst seinem Grenzübergang waren während der neun Tage über zwei(!!!) Stunden Wartezeit. Bei der Durchsage der Grenzwartezweiten nach dem Verkehrsfunk fühlte ich mich jedes mal als hätten wir eine Zeitreise gemacht. Der prüfende Blick durch das Interieur des Wagen verriet glücklicherweise immer wieder auf’s Neue, dass wir nicht in einem DeLorean DMC-12 saßen… Parodiert wurde das ganze Theater durch unsrere völlig unbehelligten Grenzübertritte auf einer Art Forstweg zwischen der Südböhmischen Pampa und einem österreichischen Grenzkaff, der uns nur durch das aufleuchten neuer Höchstgeschwindigkeiten im Navigationssystem verraten wurde und dem ebenfalls völlig unbemerkten Grenzübertritt auf der Autobahn bei Bregenz während der Rückfahrt.
Wie dem auch sei, ich hatte eigentlich eh nicht damit gerechnet das wir es auf dieser Strecke bis um elf schaffen würden und eigentlich war es auch egal, da die Lok ohnehin mit dem Kessel Richtung Grünberg stand und die erste Fahrt Richtung Steyr daher nicht gerade der Wahnsinn war.
Ein Bild der ersten Fahrt gelang uns dann allerdings doch noch am Haltepunkt Schloss Rosenegg kurz vor Steyr und damit komme ich nun endlich nach dem ganzen getexte zu den Bildern. Zum Einsatz kam mit der 298.102 die älteste 760mm Schmalspurlok Österreichs, die ehemalige St.B. Nr.2 „Sierning“.


Auf der ersten Fahrt des Tages erreicht 298.102 gegen Mittag den Haltepunkt Schloss Rosenegg in Richtung Steyr.

Da der Zug nun fast zwei Stunden in Steyr stand und erst um 14:00 wieder zurück fahren sollte, blieb genügend Zeit im Billa einzukaufen und das dort erworbene gemütlich am Ufer der Steyr zu vertilgen. Wir erwarteten den Zug dann gegen halb drei am Bahnhof Neuzeug und lichteten ihn auf dem großen Feld vor dem Bahnhof ab. Anschließend begann die „wilde“ Verfolgungsjagt, was konkret bedeutete, dass man sich alle Mühe geben musste, so langsam zu fahren, dass man den Zug nicht hinter dem Bahnhof schon wieder überholt hatte.
Ein zweites Mal erwischten wir den Zug dann hinter Aschach. Den blauen Bistro-Zweiachser hatte er dankenswerterweise in Steyr stehen gelassen.


Mit der ersten Fahrt des Tages Richtung Grünburg ist der Zug kurz vor dem Bahnhof Neuzeug zu sehen.


Hinter Aschach passiert der Zug durch trockene Wiesen einige üppige Obstbäume. Der Sonnenstand war zwar nicht mehr optimal, aber bei zwei Fahrten am Tag bleibt einem da kaum eine Wahl…

In Grünburg überbrückten wir in einem örtlichen Café die erneute Wartezeit bis zur zweiten Runde des Tages um 17:00 Uhr. Warum diese Fahrt derart spät stattfindet hat sich mir nicht ganz erschlossen, kommt der Zug doch erst gegen 19:30 wieder in Grünburg an. Für uns Fotografen bestand dafür allerdings die Chance auf einige Bilder im schönsten Abendlicht und tatsächlich öffneten die aufgezogenen Wolken während der letzten Fahrt von Steyr nach Grünburg ab 18:30 immer wieder im rechten Moment kleine Lücken. Das Personal des Zuges schien sich derweil während der langen Wartezeiten in Steyr einen Spaß daraus zu machen, jedes mal den Zug etwas umzubauen. So wurde wie erwähnt nach der ersten Hinfahrt der blaue Bistro-Zweiachser und ein Vierachser ausrangiert. Für die zweite Rückfahrt um 18:30 wurde dann noch ein weiterer Tonnendach-Zweiachser ausrangiert und dafür eine rollenden Gartenlaube hinter der Lok eingereiht. Gerade während der zweiten Pause am Nachmittag boten die Rangiermanöver viele willkommene Fotomöglichkeiten im zu dieser Stunde schön ausgeleuchteten Bahnhof Steyr


Stillleben während der fast zweistündigen Pause in Grünburg zwischen der ersten und der zweiten Runde des Tages.


Rechtzeitig für die letzte Fahrt von Steyr nach Grünburg zeigte sich in Steyr wieder die Sonne, während die Wasserkästen der 1888 gebauten Maschine ein letztes Mal an diesem Tag mit Wasser gefüllt werden.


Der Klassiker an den Apfelbäumen vor Sommerhuber-Mühle gelang im schönsten Abendlicht.


Kurz vor der Steyrbrücke fährt die Bahn am Waldrand entlang einer großen Wiese. In wenigen Minuten haben Lok und Personal Feierabend.


Zuvor muss das alte Dampfross allerdings noch diesen Ochser überwinden, was selbst im Schritttempo noch etwas haarsträubend aussah…

Das war’s auch schon mit dem ersten Teil der Österreichrundfahrt. Auch wenn ich hier größtenteils die „Straßenmotive“ zeige, hoffe ich das die Bilder gefallen finden. Gerade wenn eine Strecke zum ersten Mal besucht wird (was zwar in diesem Fall für mich nicht zutraf), möchte man dann doch mehr als ein Bild pro Fahrt machen, sodass die Fahrpläne der österreichsichen Bummelbahnen einfach nicht zu Wanderung zu ausgefallenen und unbekannten Motive einladen. Daher wird es auch in den kommenden Teilen immer wieder viele dem einen oder anderen wohl bekannte Stellen zu sehen geben, wenn es wieder heißt: „Auf 760mm durch Österreich“.

Bis dann,
Tobias.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.