Swiss Reloaded I: Prolog und Auftakt mit Tram 2000 und Flexity an der Limmat

Klingt verrückt, ist es vielleicht auch ein wenig: Nur eine knappe Woche nach den zwei Wochen in der Schweiz ging es erneut gen Süden in die Eidgenossenschaft. Einige hochalpine Ziele hatten sich bei dem wechselhaften Wetter einfach nicht umsetzten lassen. Dies sollte nun in einer Woche mit zahlreichen Tagen “Bergwetter” nachgeholt werden. Einem Besuch an der Rigi folgten zwei Tage an der DFB, bevor mit dem Gornergrat eines der Highlights dieses Sommers erreicht wurde. Anschließend besuchte ich noch das Tessin mit der Centovalli-Bahn und dem Monte Generoso.


Prolog

Das aufgrund des Wetters einige Tage vorgezogene Ende unserer Reise über den Röstigraben und Retour lag erst knapp eine Woche zurück. Der Blick wanderte aber schon kurz nach der Rückkehr immer mal wieder Richtung Meteo. Noch ohne vollständig gültigen Impfschutz wäre etwa eine Straßenbahn-Städtereisen, wie sie früher meist mehrmals im Jahr auf dem Programm stand, noch immer nicht wirklich entspannt möglich. Das könnte ich dann immer noch zum Ende des Monats machen. Einmal in der Schweiz, könnte ich dort aber wie vor einer Woche und auch im vergangenen Jahr, einen weitgehend von Corona-Gedanken befreiten Urlaub verbringen. Die größten Kontakte bei meiner Art des Reisens in der Schweiz, entstehen ohnehin im Supermarkt oder bei den wenigen Zugfahrten. Beides Dinge, die zuhause genauso anfallen… Auch einige der potenziellen Ziele, die auf unserer Liste der vergangenen Reise gestanden hatten, besonders alpine Ziele, wie die Rigi, die DFB oder das Gornergrat, aber auch das Tessin, hatte die Wetterlage doch erfolgreich verhindert.
Am Wochenende über den 8. und 9. August kündeten die Wetterkarten dann aber langsam eine deutliche Änderung der Wetterlage an: Das seit Wochen wechselhafte, eigentlich typisch mitteleuropäische Sommerwetter mit immer wieder durchziehenden Tiefs, sollte in der Schweiz einer großen Hochwetterlage weichen. Spätestens ab Dienstag sollte fast schweizweit die Sonne scheinen. Da ich noch den restlichen August frei hatte, hielt mich trotz der nur wenigen Tage Pause nichts mehr in der Heimat. Am Montagmorgen holte ich mir noch die zweite Impfdosis ab und beschloss dann spontan, schon in der Nacht zum Dienstag aufzubrechen.

Ein ganz grober Plan wurde schonmal zurechtgelegt: Anreise mit Pause in Zürich um nochmal ausgiebig Tram 2000 aufzunehmen und die ersten neuen Flexity anzuschauen. Mittwoch dann zum Histotic Day auf die Rigi. Im Gegensatz zu letztem Jahr, diesmal von Arth-Goldau aus. Zwei Nächte buchte ich also schonmal ein Zimmer in Sisikon. Anschließend wurde die Planung dann wage: An der DFB wollte ich schon lange einmal ausgiebig Zeit bei Kaiserwetter verbringen. Aber auch das Gornergrat lockte nach über zehn Jahren und nur mäßigem Wetter beim ersten und bislang letzten Besuch. Dazwischen könnte natürlich auch etwas MGB eingeschoben werden. Richtig drängen tat das nach 2018 und 2020 aber nicht mehr, als ich an der MGB doch sehr intensiv zu Gange war. Dann reizte aber auch das Tessin irgendwie schon sehr, kannte ich diesen Teil der Schweiz doch im Grunde nur von einer einzigen Fahrt mit der Centovalli-Bahn von Domodossola nach Locarno im Jahr 2009. Mal schauen, wie ich das alles im weiteren Verlauf der Reise einbauen würde – grober Zeitrahmen war mal eine Woche. Das Wetter versprach zumindest mal Großes für die kommenden Tage, da sollte also Einiges gehen…


Dienstag 10. August: Tram 2000 und Flexity an der Limmat

Schon für den heutigen Dienstag war in Zürich jede Menge Sonne angesagt. Das wollte ich nutzen, um noch einmal die Tram 2000 in voller Dröhnung zu genießen, bevor diese in den kommenden Jahren doch langsam weniger werden dürften. Zunächst galt es aber wiedermal die rund 700 Kilometer zur Schweizer Grenze abzureißen, die ich doch erst vor knapp einer Woche in Gegenrichtung gefahren war.

Eigentlich wollte ich mitten in der Nacht aufbrechen, um den vollen Tag in Zürich zu haben. Die Zweitimpfung am Vortag machte dem aber einen kleinen Strich durch die Rechnung. Kopfschmerzen und ein mattes Gesamtgefühl ließen mich den Wecker dann doch noch einmal auf halb sechs weiterdrehen. Es war dann auch schon etwas wohler und mit dem ersten Koffeinsüppchen des Tages erwachten angesichts des bevorstehenden Urlaubs dann doch irgendwann die Lebensgeister. Bei dem erst gestern spontan gefassten Entschluss, heute erneut in die Schweiz aufzubrechen, musste auch noch routiniert ein wenig Gepäck zusammengeschmissen werden. Erst hatte ich in einem Anflug von Aktionismus gestern Abend auch schon den Dachträger und das Rad montiert. Bei einem ruhigen Gedanken über das Programm und wo ich da das Rad nutzen könnte, fiel mir dann aber doch irgendwie auf, das einzig an der Rigi das Rad irgendwie von Nutzen sein könnte. Dafür müsste ich aber keine 2000 Kilometer mit dem Zweirad und allem was dazu gehört durch die Gegend schaukeln. Also wieder runter damit. Nach vielen Jahren ging es also mal wieder ohne Rad Richtung Alpen. Schon ein wenig ungewohnt – immer wieder beschlich mich am ersten Tag das Gefühl, etwas vergessen zu haben. Auch die Cruise Control auf der A7 ohne Dachladung mal über 120 stellen zu können, war irgendwie nicht ganz geheuer 😀

Ohne nennenswerte Störungen erreichte ich schließlich gegen 14 Uhr Zürich. Perfekt für die 6h-Parkplätze unweit des Hallenstadions an der Haltestelle Leutschenbach in Oerlikon. Dadurch, dass hier der halbe Parkplatz für maximal 6 Stunden genutzt werden darf, ist den ganzen Tag über ein gewisses Kommen und Gehen auf dem Parkplatz und man findet auch um die Mittagszeit wieder freie Plätze. Mit den Parkplätzen ist das schließlich so eine ganz eigene Geschichte hier in Zürich und mit 50 Rappen pro Stunde ist dieser Parkplatz praktisch geschenkt. Noch eine Tageskarte gezogen und einem Nachmittag in Zürich stand nichts im Wege. Die meiste Zeit verbrachte ich dann doch an dem tollen Streckenabschnitt direkt am Limmatufer, aber auch schon in Oerlikon und unterwegs oder beim Umsteigen entstanden einige Aufnahmen. Nach dem vielen Text, lasse ich daher einfach mal die Ausbeute des Nachmittages, ergänzt durch einige Kommentaren, für sich sprechen.


Los geht es unweit des Hallenstadions in Oerlikon an der Haltestelle Leutschenbach. Hier verkehren die Linien 10 und 11, erstere von der Glattalbahn bedient. Die Cobra 3077 der Glattalbahn bremst in die Haltestelle Leutschenbach. Links ist der große Parkplatz erkennbar, in dessen 6h-Bereich sich auch tagsüber noch Stellplätze finden.


Auf der Linie 11 verkehren neben Tram 2000-Doppel auch die ersten Flexity, hier Wagen 4012.


Oerlikon ist einer der großen Knotenpunkte des umfangreichen Tramnetztes von Zürich. Als Linie 14 trifft Cobra 3084 am Knotenpunkt Sternen in Oerlikon auf die Linien 10 und 11, die von rechts kommen und sich hier teilen.


Ich folge weiter der Linie 11 über den Bahnhof Oerlikon. Mit den Cobras, Tram 2000 und Flexity wurden alle drei Fahrzeugtypen auf der Linie 11 eingesetzt. Lediglich die Untervarianten Be 2/4 und Be 4/8 der Tram 2000 kamen hier nicht zum Einsatz.


Am Bucheggplatz wechselte ich auf die dort startende Verstärkerlinie 15, auf der ausschließlich solo fahrende Tram 2000 vom Typ Be 4/6 zum Einsatz kamen. Am Haldenegg verließ ich meinen Wagen und lief zu Fuß weiter Richtung Limmat. In einer engen Kehre kommt unweit der Haltestelle Haldenegg die Linie 10 von der ETH herab Richtung Central, die aus Oerlikon einen völlig anderen Weg Richtung Innenstadt genommen hat als ich.


Am Central herrscht ein dichtes Gewusel aus sechs Linien aus unterschiedlichen Richtungen. Die meisten queren hier die Bahnhofsbrücke über die Limmat und teilen sich auf die verschiedenen Haltestellen rund um den Hauptbahnhof auf. Die Cobra 3025 auf der 3 ging ohne störende Autos durch.


Ich hielt mich aber weiterhin westlich der Limmat, um die solofahrenden Be 4/6 auf der Linie 15 und die ebenfalls hier verkehrende Flexity auf der Linie 4 aufzunehmen. Be 4/6 2051 verlässt den Knotenpunkt Central Richtung Limmatquai. Insgesamt 121 Be 4/6 wurden in drei Serien zwischen 1976 und 1992 nach Zürich geliefert, 15 weitere als motorisierte Beitriebwagen ohne Fahrerstand.


Vom Mühlsteg über die Limmat lässt sich die Bahnhofsbrücke noch aus einer anderen Perspektive ablichten. Ein Tram 2000-Doppel aus Be 4/8 und Be 2/4 überquert die Limmat Richtung Bahnhof. 23 Be 4/6 der dritten und stärker motorisierten Serie wurden Anfang der 2000er Jahre mit einem weiteren Gelenk samt Jacobsdrehgestell und einer niederflurigen Sänfte ausgestattet. Oft kommen die Be 4/8 seither mit den fahrerstandslosen Be 2/4 im Verband zum Einsatz. 25 dieser motorisierten Beitriebwagen wurden in zwei Serien von 1985 bis 1992 geliefert.


Markant waren viele Jahrzehnte bei Fahrzeugen aus Schweizer Produktion die nach außen klappenden Falttüren. Die Konstruktion erlaubt Treppen ohne Verjüngung im Innenraum. Zusätzlich klappt eine Trittstufe beim Öffnen der Türen nach außen, so zieht sich der Einstieg nur eine Stufe tief in den Innenraum. Die Be 4/6 kommen solo, als Doppeltraktion wahlweise mit den fahrerstandslosen Be 4/6 oder mit den ebenfalls fahrerstandslosen Be 2/4 zum Einsatz. Be 4/6 2062 hält an der Haltestelle Rudolf-Brun-Brücke.


Ein toller Blick über die Stadt und die Strecke am Limmatufer entlang eröffnet sich vom Lindenhof oberhalb der Altstadt. Be 4/6 2062 ist als Linie 15 Richtung Bucheggplatz unterwegs.


In Gegenrichtung verlässt ein weiterer Be 4/6 die Haltestelle Rudolf-Brun-Brücke am Limmatufer.


Neben der Linie 11 verkehrten auch auf der Linie 4 entlang des Limmatufers die ersten Flexity Zürich. Bis 2027 sollen insgesamt 110 der siebenteiligen Be 6/8 geliefert werden und so der gesamte Fahrzeugauslauf, mit Hilfe der Zugverbände mit den umgebauten Be 4/8, über wenigstens einen niederflurigen Einstieg verfügen.


Durch die Altstadt wechselte ich vom Lindenhof hinüber zum Paradeplatz, mit neun Linien der vielleicht wuseligste Knotenpunkte des Tramnetztes. Das Be 4/6-Doppel aus 2062 und 2041 biegt von der Bahnhofsstraße in die Haltestelle Paradeplatz ein.


Auch etwas kürzere Verbände aus Be 4/6 und motorisierten Beitriebwagen Be 2/4 kommen zum Einsatz. So zum Beispiel das Doppel aus 2086 und 2428 auf der Linie 9.


An der Haltestelle auf der Bahnhofsstraße am Paradeplatz hält der Verband aus Be 4/6 2053 und 2033.


Der Versuch am Ende der Linie 4 am Bahnhof Tiefenbrunnen ein Typenfoto des neuen Flexity Zürich aufzunehmen, scheiterte an Verkehr und Schatten. Zumindest ein Streckenbild der Cobra Be 5/6 3083 gelang aber kurz vor der Endschleife. Von 2001 bis 2010 wurden insgesamt 88 Cobra-Trams mit der Typenbezeichnung Be 5/6 für Zürich und die Glattalbahn geliefert. Die ungewöhnlichen Fahrzeuge blieben bis heute ein Züricher Unikat.


Vor der Haltestelle Bellevue wird der Be 4/6 2021 symbolträchtig von seiner baldigen Ablösung, dem Flexity 4010 überholt.


An einem sonnigen Sommertag am Limmatufer zwischen Helmhaus und Rathaus ein Tram ohne störende Passanten davor abzulichten, stellt sich nicht gerade einfach dar. Mit Be 4/6 2051 klappte es um Haaresbreite.


In Gegenrichtung erwischte ich mit Be 4/4 2062 ebenfalls einen glücklichen Moment vor der Kulisse des Rathauses aus dem 17. Jahrhundert.


Halb Zürich schien an diesem Nachmittag an der Limmat zu flanieren oder die Treppen am Ufer zu belagern. Ein kurzes Fenster öffnete sich aber auch für Flexity 4005 neben dem Limmatquai.


Nur sehr wenige Fahrzeuge tragen in Zürich Vollwerbung – wie eigentlich bei allen Schweizer Tram-Betrieben. Cobra 3033 hat eine Discounter-Werbung erwischt.


Be 4/6 2003 und Be 2/4 2412 biegen in die Haltestelle Central ein. Schön zu erkennen ist die abweichende Fahrzeugfront der Beitriebwagen. Die Front verläuft dabei senkrecht, ohne schräg gestellte Scheibe und der Linienkasten ist nur eine verkleinerte Attrappe. Auch die führerstandslosen Be 4/6 haben diese abweichende Front.


Die Parkuhr lief nun langsam ab und ich musste heute Abend noch bis Sisikon weiter. Von Central bis zum Bucheggplatz ging es wieder mit der Linie 15. Die dortige Radbrückenkonstruktion war mir beim Warten auf die nächste 11 noch eine Aufnahme wert.


Ein paar Minuten blieben aber noch und so fuhr ich mit der Linie 11 am Auto vorbei bis zur Endstation an der Zwischenschleife Auzelg. An der vorletzten Haltestelle Fernsehstudio fuhr mir der Flexity 4012 vor die Kamera.


Dann gab es noch eine letzte Mitfahrt von Auzelg zurück zur Haltestelle Leutschenbach. Die Tram 2000 sind wohl so ziemlich das Beste, was an klassischen Hochflurstraßenbahnen je gebaut wurde. Völlig ruckelfreie Fahrt, für Straßenbahnen außergewöhnlich leise im Innenraum und ein butterweicher Kurvenlauf. Dazu bequeme Polsterbestuhlung und eine Fahrzeugpflege, als seien die Bahnen erst gestern ausgeliefert worden. Die teils über 40 Jahre sind den Tram 2000 einfach zu keinem Moment anzumerken. Wenn man bedenkt, was zur Erstauslieferung 1976 in manch westdeutschem Betrieb so an Neufahrzeugen ankam und wie diese heute aussehen, so sie noch in Betrieb sind – das sind schon Welten. Da brauche ich ja nur an unsere Düwag GT6 “Typ Mannheim” in Braunschweig zu denken – die waren schon zur Auslieferung technisch veraltet, ganz zu schweigen von dem Zustand, in dem sie noch heute durch die Straßen fahren…

Trotz einer zwischenzeitlichen Siffschicht, war doch für einen halben Tag eine gute Ausbeute zusammengekommen. Überhaupt war es einfach schön gewesen, nach fast zwei Jahren endlich mal wieder unbekümmert mit der Tram eine Stadt zu erleben. Nachdem Corona zuletzt lange Zeit klassische Straßenbahn-Städtereisen sehr unattraktiv hatte erscheinen lassen, stieg die Lust nach so langer Zeit auf eine solche Tour an diesem Tag doch enorm. Der August hat ja noch ein paar Tage 😉

Für Verpflegung hatte ich schon bei einem kurzen Zwischenstopp in Oerlikon gesorgt. So musste ich jetzt nur noch mein Hotel in Sisikon erreichen. Das Navi schickte mich gefühlt einmal quer durch die Stadt. Da es aber schon halb acht war und der Weg tatsächlich der beste zu sein schien, folgte ich brav der freundlichen Stimme aus den Lautsprechern. So rollte es ab der Autobahn dann völlig entspannt rund eine Stunde zum Vierwaldstättersee.
Nachdem ich bei dem am Hang gebauten Hotel in Sisikon den richtigen Eingang gefunden hatte, wurde mir sogleich das Zimmer im großen Nebengebäude gezeigt. Für rund 50 Franken mit eigenem Bad konnte man da wirklich nichts sagen. Es war zwar wie gewohnt klein und auch recht dunkel, aber tagsüber würde ich hier eh keine Zeit verbringen.
Morgen sollte schließlich schon der Early Bird ab Arth-Goldau an die Rigi locken. Entsprechend lehnte ich das Angebot eines aufpreispflichtigen Frühstücks auch dankend ab. 7:30 Uhr wäre wie so oft im Sommer einfach zu spät.

Noch ein großes Abendessen mit den eingekauften Leckereien angerichtet und einige Nachrichten aus der Heimat beantwortet, dann war auch Schluss mit diesem Tag, der nun doch nicht gerade der kürzeste war.

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