6 Länder, 11 Tage, 15 Trambetriebe V: Ungarns neue Niederflurwagen – Debrecen

Nach den morgendlichen Bildern in Miskolc, geht es nun zum nächsten ungarischen Straßenbahnbetrieb in Debrecen. Auch hier laufen seit vergangenem Jahr mit dem Urbos 3 von CAF erste Niederflurwagen.


Im Jahr 2013 erhielt der kleine Straßenbahnbetrieb in Debrecen 18 neue Niederflurwagen vom Typ Urbos 3 des spanischen Herstellers CAF. Die letzten vierachsigen „Bengali“-Gelenkwagen von konnten damit abgelöst werden.
Seit 2010 wurde zudem eine neue Strecke in die Wohnsiedlungen Vénkert und Újkert gebaut, welche Anfang diesen Jahres eröffnet wurde und ausschließlich von den Urbos 3 auf der neuen Linie 2 bedient wird. Die Linie 1 wird dafür nun ausschließlich von den älteren Fahrzeugen des Typs KCSV6 von Ganz bedient. Welche betrieblichen Gründe diese Trennung hat, ist mit nicht bekannt, für die Fahrgäste bedeutet dies allerdings den Nachteil einer weiteren rein hochflurigen Linie 1.
Diese zahlreichen Neuerungen waren Grund genug dem kleinen Betrieb nach 2007 mal wieder einen Besuch abzustatten. Hin und wieder werde ich einige Aufnahmen von meinem ersten Besuch im Jahr 2007 einstreuen, als neben den KCSV6 auch noch die urigen Bengali’s im Einsatz standen.


Wir erreichten Debrecen gegen Mittag und steuerten die neue Linie 2 an. Die Ankunft stellte sich jedoch als schwerer heraus als gedacht: Sehr zum Leidwesen Fremder, ist die gesamte Innenstadt in einem Radius von 5km (auch völlig unbedeutende Nebengassen) Parkzone, in der lediglich mit einem für Ortsfremde nicht erschließbaren SMS-Parksystem oder mit Münzgeld bezahlt werden kann. An sich ist gegen die Parkraumbewirtschaftung ja absolut nichts einzuwenden, allerdings sollte man es dem „Kunden“ dann auch so einfach wie möglich machen und wer schonmal versucht hat in Ungarn einen größeren Betrag in Münzgeld zu bekommen ahnt vermutlich wovon ich jetzt spreche: Der Gegenwert eines Euros entspricht über 300 ungarischen Forint, sodass der meiste Zahlungsverkehr, trotz vorhandener Münzen bis 200 Forint, über Banknoten abgewickelt wird. Im Zweifelsfall wird gerundet und so gelangt man kaum an die für die Parkuhr nötigen Münzen, auch auf Nachfrage will oder kann einem oftmals niemand Münzen herausgeben.
Wir mussten also notgedrungen den Parkzonenradius von 5 km verlassen und weiter draußen in den Wohnsiedlungen entlang der neuen Linie 2 parken. Die nächste Hürde war dann die Fahrkarte, denn weder an Haltestellen noch in den nagelneuen Fahrzeugen war so etwas wie ein Fahrscheinautomat, der Fahrer wiederum verkaufte nur Einzelfahrscheine, alles andere ist nur an ausgewählten Vorverkaufsstellen erhältlich. Für so einen modernen Betrieb mit jungem Fahrzeugpark und generalsanierter Infrastruktur ist diese Verkaufsstrategie aus dem letzten Jahrtausend schon ein wenig traurig… Notgedrungen beließen wir es also bei einer kurzen Mitfahrt und hechteten bei fast 40 Grad fortan entlang der Strecke mit kurzen strategischen Parkplatzwechseln von Schatten zu Schatten. Nunja, wir wollten ohnehin nicht den ganzen Tag hier verbringen…


Auf der neuen Linie 2 konnte Urbos 526 an der Haltestelle Nádor utca aufgenommen werden.


Die neue Linie endet in einer großen eingleisigen Blockumfahrung. CAF 524 verlässt die Haltestelle Doberdó utca. villamos.


Unweit der Haltestelle DAB székház. villamos konnte CAF 527 aufgenommen werden.


Am Kálvin tér am nördlichen Ende der Fußgängerzone trifft die neue Linie 2 auf die alte Linie 1. Anschließend verlaufen die Linien parallel durch die Fußgängerzone über den Kossuth tér zum Hauptbahnhof. Zwischen Kossuth tér und Kálvin tér konnte Urbos 525 in der schön gestalteten und gepflegten Fußgängerzone aufgenommen werden. Beide Linien fahren annähernd im 5-Minuten-Takt, sodass in diesem Abschnitt fast immer mehrere Bahnen im Bild zu sehen sind.


Wenige Meter weiter Richtung Hauptbahnhof treffen sich die Wagen 526 und 527 vor der Kulisse der Großen Reformierten Kirche Debrecens, heute leider teilweise eingerüstet.


Sieben Jahre zuvor sah der Fahrzeugeinsatz hier noch etwas anders aus: Die Linie 2 existierte noch nicht und auf der Linie 1 halfen noch drei der alten Bengali’s von Ganz aus. An diesem 23. August 2007 standen die drei Bengali’s 484, 488 und 490 im Einsatz. Der Bengali 488 trifft vor der Kirche auf den KCSV6 506.


Auch der Prototyp 500 stand am 23. August 2007 bei ähnlich großer Sommerhitze wie im Jahr 2014 im Einsatz und konnte an der Haltestelle Városháza aufgenommen werden.


Zurück ins Heute: Auf der Linie 1 verkehren nach wie vor die hochflurigen KCSV6. Wagen 508 erreicht von der Endschleife vor dem Hauptbahnhof kommend die Fußgängerzone mit ihren prächtigen Fassaden.


Kurz vor dem Hauptbahnhof werden auf dem Petőfi tér noch einige Wohnblöcke passiert.


Anschließend wird die E573 überquert, die auch vom Trolleybus befahren wird, und die Bahnen erreichen den Hauptbahnhof. 2007 konnte hier der Bengali 490 aufgenommen werden.


Die Haltestellenanlage am Hauptbahnhof wurde ebenfalls grundlegend saniert. Ankunfts- und Abfahrtsbahnsteige wurden in zwei separate Bereiche der Schleife getrennt und die beiden Abstellgleise neben der Stichstrecke zum Depot wurden demontiert. CAF 526 ist in die Abfahrthaltestelle vorgerückt.


2007 starteten und endeten die Bahnen noch in ein und derselben Haltestelle unmittelbar vor dem eher funktionalen Bahnhofsgebäude. Am Vormittag des 23. August 2007 wartet der Bengali 488 neben dem KCSV6 504.

So waren wir dann am Nachmittag auch schon mit unserer kurzen Visite durch und konnten weiter Richtung Oradea aufbrechen. Wie schon wieder weiter? Ja, bei dem Programm, das wir uns vorgenommen hatten, war nur bei wenigen Betrieben ein längeres Verweilen drin. Das hatten wir aber ganz bewusst so gemacht, denn gerade auch bei den ungarischen Betrieben ging es im Grunde nur darum, einige Lücken zu aktualisieren, wie eben die neuen Niederflurwagen. Eine intensive Netzbereisung war eben nicht bei jedem Betrieb geplant, kannte ich doch abgesehen von Košice und Cluj, auf dieser Fahrt schon alle Betriebe von mindestens einem früheren Besuch. Die fast maximal langen Sommertage waren zudem äußerst vorteilhaft, ließen sie doch genügend Zeit auch für Ortswechsel mitten am Tage, ohne dass das Ganze in Stress ausgeartet wäre.

Weiter geht es dann also am späten Nachmittag im rumänischen Oradea mit seinen gebrauchten Tatrawagen aus Berlin, Magdeburg und Dresden und den ersten rumänischen Niederflurwagen vom Typ Ulf von Siemens.

2 thoughts on “6 Länder, 11 Tage, 15 Trambetriebe V: Ungarns neue Niederflurwagen – Debrecen”

  1. Die alten vierachsigen Gelenkwagen sind allerdings nicht von GANZ, sondern wurden in diversen Hauptwerkstätten auf alten Zweiachs-Fahrgestellen aufgebaut. Die wenig später gebauten Achtachser für Budapest (CSMG, CSM6, modernisiert KCSV-7, unterschiedliche Schreibweisen existieren) werden auch als ICS (Iiih-Ché) bezeichnet, kurz für „Ipari Csuklós“ (industrieller Gelenkwagen), weil sie eben von einem Industriebetrieb gebaut worden waren, im Gegensatz zu den anderen Wagen).

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