Cymru 2017 – Mit der Ffestiniog Railway in die Schieferberge

Moin,
heute geht es weiter mit der Ffestiniog Railway, der zweiten von Porthmadog aus startenden Bahn.

Alle Teile dieser Reihe findet ihr hier: Reiseberichte 2017

Zur Ffestiniog Railway war es von unserer Basis in Harlech aus, genau wie zur WHR, ein Katzensprung. Daher wurde mehrmals kurzfristig die Gunst der Stunde genutzt, wenn BBC für einige Stunden Sonnenschein prognostizierte. Im Laufe des Urlaubs konnten wir so fast jedes Motiv, dass wir auf dem Zettel hatten oder spontan entdeckten, bei passendem Sonnenstand und auch tatsächlichem Sonnenschein ablichten.
Zur Historie gibt es im Netz neben Wikipedia auch viele weitere interessante Seiten, daher spare ich mir das und lege den Fokus mal eher auf die fotografische Komponente mit der nicht ganz einfachen Motivsuche. Vielleicht erleichtert das dem einen oder anderen auch die Standortwahl vor Ort…

Den ersten Kontakt mit der Ffestiniog Railway gab es genau wie bei der WHR am 13.07.2017. An diesem Tag brachen wir auf zu einer Erkundung der Landzunge, die sich westlich von Porthmadog in die Irische See erstreckt und damit die Westspitze des Landes bildet. Der Weg führte uns mehr oder weniger zwangsweise über Porthmadog. Da gerade auf beiden Bahnen Züge im Anmarsch waren, wurde ein kleines Päuschen eingelegt und das Treiben im Bahnhof beobachtet.
Der Zug der Ffestiniog Railway wurde von der Double Fairlie „Merddin Emrys“, einer der originalen Fairlies aus dem Jahr 1879 gezogen. Die Lok ist damit die älteste betriebsfähige Double Fairlie der Ffestiniog Railway und vielleicht sogar weltweit? Wir schossen den Zug einfach mal vom Bahnsteig aus in der ungewöhnlichen Kurvenlage des Bahnhofs.


Merddin Emrys erreicht Porthmadog

Für die Ausfahrt versuchten wir ein erstes Mal den langen Damm über den Afon Glaslyn. Es war schon mal recht hell, ganz zufrieden waren wir zwar noch nicht aber der Urlaub sollte ja noch ein paar Tage dauern…
Direkt neben den Gleisen verläuft übrigens der Fußweg über den Damm. Völlig unbritisch ist dieser weder durch einen mannshohen Zaun, noch durch leuchtende Warnschilder vor den rasenden Zügen gesichert. So stört es auch niemanden, wenn man sich bei entsprechendem Sonnenstand auf die andere Seite der Schienen stellt.


Ein erster Versuch auf dem langen Damm über den Afon Glaslyn. Merddinn Emrys auf dem Weg Richtung Ffestiniog

Ein Bild vom eigentlichen Ziel des Tages sei derweil auch noch erlaubt. Die Westspitze von Wales. Hinter dem kleinen Küstenort Aberdaron geht es über schmale Sträßchen noch einige Kilometer weiter durch die mit Heide überwachsenen Hügel, bevor man das Ende von Wales erreicht. Jedenfalls kann man es von hier aus in Form der kleinen vorgelagerten Felseninsel Bardsey Island schon sehen.
Die Schafe stehen übrigens nicht nur wie im letzten Teil mit der Eisenbahn auf Kriegsfuß, auch der individuell motorisierte wird in Formation angegriffen, wie wir am eigenen Leib erfahren mussten. Gesundheit und Blech wurden glücklicherweise am Ende verschont, nachdem sich die Schafe, nach einer ausgiebigen Diskussionsrunde, doch davon überzeugen ließen, den Weg freizugeben 😉


Das Ende der Welt, oder auch nur von Wales. Aber wenn man so da oben auf der Warte der Westspitze des Landes steht, kommt es einem schon recht einsam vor…


Die Schafe haben Formation angenommen und ziehen in die Schlacht 😉

Der nächte Tag wurde dann erstmals ausgiebig der Ffestiniog Railway gewidmet. BBC sagte für den Nachmittag durchaus einige Stunden Sonne voraus und den Vormittag nutzten wir zum Einkaufen und Auskundschaften des unteren Streckenabschnitts bis Penrhyn. Eine schöne Stelle befindet sich kurz hinter dem Ort in Richtung Ffestiniog: Biegt man von der Hauptstraße im Ort auf die A4085 Richtung Norden ab, stößt man nach kurzer Zeit auf einen Bahnübergang. Hier kann man auch das Auto gut parken und dann den Feldweg hinter der Bahnkreuzung rechts reinlaufen. Es geht durch ein kleines Waldstück und anschließend offenbart sich eine offene Stelle, die von der Bahn auf einem Steindamm durchfahren wird.
Das Hautmotiv mit den Highlands im Hintergrund ist allerdings erst Nachmittags im Licht und beim ersten Besuch am Vormittag war dann doch noch sehr dicker Siff unterwegs. Also erstmal zurück nach Porthmadog, wo schon der Earl of Merioneth II bereitstand. Diesen stolzen Namen trägt die Double Fairlie aus dem Jahr 1979 in Anlehnung an ihr Vorbild Earl of Merioneth aus dem Jahr 1886. Damit gehört der Earl gemeinsam mit der David Lloyd George aus dem Jahr 1992 zu den beiden letztgebauten Fairlielokomotiven der Welt. Beide Lokomotiven wurden einzig für den Museumsbetrieb auf der wiederaufgebauten Ffestiniog Railway erbaut.


Der Earl dampft in Porthmadog vor sich hin

Anschließend fuhren wir dem Earl ein Stück voraus bis zum Bahnhof Minffordd. Ein wirklich wunderschön gepflegter Bahnhof mit viel Liebe zum Detail, nicht nur bei dem schönen steinernden Bahnhofsgebäude, sondern auch bei der Möblierung und bunten Bepflanzung!


Wenig später erreicht der Zug Minffordd

Da es noch nicht Aufklären wollte, ging es erstmal zurück nach Harlech für eine Tasse Kaffee. Am Nachmittag kam dann aber doch das versprochene Wetter und so waren wir rechtzeitig zur Rückkehr des Earls wieder in Minffordd.


Schon ist der Earl wieder aus Ffestiniog zurück

Für den Nachmittag stand die Schleife bei Dduallt auf dem Plan. Die jahrzehntelang wehement vorangetriebene Wiederinbetriebnahme der Ffestiniog Railway stieß mit dem Erreichen von Dduallt im Jahr 1968 auf ein Problem: Der weitere Streckenverlauf bis Tanygrisiau war zu großen Teilen in einem mittlerweile angelegten Stausee versunken. Um die notwendige Höhe zu gewinnen, um hinter dem ebenfalls neu errichteten Moelwyn-Tunnel oberhalb des Stausees herauszukommen, wurde in Dduallt eine Kreiskehrschleife errichtet. Die „Dduallt spiral“ gilt heute als die einzige Eisenbahnkreiskehrschleife der britischen Inseln.
Die Schleife selbst ist über einen Public Footpath recht einfach zu erreichen, auch wenn das nicht ganz ohne Anstrengung möglich ist, da die Schleife etwa 200m über dem Straßenniveau liegt. Nach etwa einer Stunde warten im schönsten Sonnenschein, war die Fotowolke natürlich zur Stelle und sorgte bei Durchfahrt des Zuges für drei sehr lange Gesichter. Eins war klar, den Berg müssten wir uns noch mal hinaufschleppen, denn das Motiv ist Pflicht mit Sonne!


Der public footpath zur Ddudallt spiral. Noch lacht die Sonne

Warten auf den nächsten Zug war aber auch nicht möglich, denn das war schon der letzte für heute. Die Fahrpläne der beiden Bahnen sind ja nicht gerade üppig. Aber der Zug musste ja noch zurückkommen und wir hatten für Talfahrer noch die heute Vormittag ausgekundschaftete Stelle im Köcher. Also gemütlich den Berg rundergestapft, noch ein Käffchen getrunken und pünktlich zur erwarteten Zugfahrt standen wir am mit Heide überwucherten Hang kurz vor Penrhyn im Sonnenschein. Und diesmal hielt das Licht und bescherte uns eines der absoluten Highlights des Urlaubs. Über den Highlands waberten schon wieder dunkle Wolken und der Earl wurde neben der violetten Heide von schönster Abendsonne angestrahlt – *das gefällt*


Eben noch im Pech, jetzt im Sonnenlotto gewonnen. Ein echtes Highlight zum Tagesabschluss: Der Earl kurz vor Penrhyn Richtung Porthmadog

Wir hatten aber mit der Kreiskehrschleife noch nicht unseren Frieden geschlossen und auch der obere Teil der Strecke rund um das Tanygrisiau Reservoir stand noch auf unserem Zettel. Und so sollte es Montag den 17.07. noch einmal intensiv zur Ffestiniog Railway gehen. BBC prophezeite für den ganzen Tag Sonnenschein – ja wo gibt’s denn sowas? – und tatsächlich hielt das Wetter was uns versprochen wurde. Für den Vormittag hatten wir uns den Streckenabschnitt oberhalb des Tunnels entlang des Tanygrisiau Reservoir bis nach Ffestiniog vorgenommen.
Vom Bahnhof Tanygrisiau (ich habe nicht den geringsten Schimmer wie das wohl ausgesprochen wird :D:D ) gibt es einen schönen Wanderweg entlang des Stausees. Wir liefen erstmal den gesamten See entlang, um ein Bild mit Fluss und Highlands zu machen. Da der erste Zug des Tages zunächst aber im Gegenlicht aus Porthmadog kam, stellten wir uns etwas querab auf einen Hügel und schossen den Zug seitlich in typisch walisischer Landschaft: Dichtes Farngestrüpp, eine steinernde Schafmauer, karge Wiesen und eine felsige Bergkuppe im Hintergrund. Auch ohne Bahn eine tolle Landschaft…


Der erste Zug des Tages passiert uns Richtung Ffestiniog, gezogen von Merddin Emrys

Für die Rückleistung bezogen wir jetzt am Hauptmotiv Stellung. Eile war derweil nicht geboten, denn bis der Zug zurück kam, verging eine gute dreiviertel Stunde. An dieser Stelle gibt es diverse Varianten die sich gut umsetzen ließen, alle haben allerdings kleinere Kompromisse. Ich entschied mich für ein Versuch mit Stausee, wobei leider der Zug recht klein wird und ziemlich weit in die linke Bildhälfte rückt. Von der gleichen Stelle lässt sich dann aber auch noch ein etwas schrägerer Schuss mit der Bergkette umsetzen.
Und wie das dann immer so ist, man wartet ewig ohne das sich irgendetwas für das Bild potentiell kritisches ereignet und wenn dann der Zug kommt, tauchen die Probleme plötzlich auf. Eine Wolke konnte bei diesem klaren Himmel nicht auftauchen, aber mit Erscheinen des Zuges tauchte plötzlich ein Wanderer mit Hund hinter einer Kuppe auf. Was ich zunächst mit Ärger bemerkte stellte sich im Nachhinein aber als sehr belebendes Bildelement heraus, irgendwie gefällt es mir, wie Hund und Herrchen einträchtig den nahenden Dampfzug in der herrlichen Landschaft betrachten…


Merddin Emrys kommt aus Ffestiniog zurück. Nicht nur die Blicke der Fotografen werden von dem Zug angezogen…


Und die Fuhre nochmal von etwas Näher

Jetzt war genug Zeit den Weg gemütlich zurück zu spazieren und den nächsten Zug im Bahnhof von Tanygrisiau abzuwarten. Anschließend ging es nach Blaenau Ffestiniog, der Zug ließ sich dort im Bahnhof aber nicht vernünftig umsetzen und so fuhren wir nach einer ordentlichen Stärkung aus dem Supermarkt zurück nach Tanygrisiau.
Dort schoss ich den Earl von der Wegeskreuzung mit dem Wanderweg.


Kurz hinter Tanygrisiau strebt der Earl Richtung Dduallt

Von einer früheren Sichtung hatten wir noch den Kreuzungsbahnhof Tan-y-Bwlch auf dem Zettel. Der 15 Uhr Zug müsste sich dort eigentlich gut umsetzen lassen und mit etwas Eile hatten wir den Earl bis dort auch wieder eingeholt. Die Strecke hat hier den wesentlich kürzeren Weg, trotz Kreiskehrschleife 😉


Der Kreuzungsbahnof Tan-y-Bwlch

Merddin Emrys kreuzte hier den Earl und war nun wieder Richtung Ffestiniog unterwegs. Bis sie zurückkam wollten wir oben bei der Dduallt spiral sein, was zeitlich auch kein Problem darstellte. Es blieb sogar noch Zeit für ein wenig Herumdösen am Bahnhof Dduallt. Das Licht ließ in Dduallt für Talfahrer sowohl das Motiv mit Bahnhof, als auch eine Umsetzung der 180-Grad-Kurve mit Berg im Hintergrund zu. Ich entschied mich für letztere Option.


Merddin Emrys auf ihrer letzten Talfahrt des Tages in der „Dduallt spiral“

Jetzt stand noch das beim letzten Versuch missglückte Motiv von oberhalb der Schleife mit dem letzten Bergfahrer an. Nach einer weiteren dreiviertel Stunde kam auch schon der Earl angedampft. In dem dichten Farngestrüpp tummelten sich derweil zahlreiche Schafe und wir machten schon Witze darüber, dass die bestimmt im passenden Moment rauskommen und sich uns mitten ins Bild stellen. Hätten wir mal keine Witze darüber gemacht, denn die Schafe erschreckten sich vor dem Zug und kamen genau mit Durchfahrt des Zuges aus dem Farn gesprungen. Vor Schreck hätte ich fast die Kamera verrissen, aber zum Glück ging alles gut und das Bild war im Kasten.


Der Earl durchfährt die „Dduallt spiral“. Bei dem markanten Baum neben der Lok befindet sich der Bahnhof.

Zufrieden ging es zurück zum Auto. Da der Zug von eben noch nach Porthmadog zurück musste, nahmen wir uns noch ein Bild vom Damm vor. Es blieb aber noch genug Zeit, sich in Porthmadog einen Cappuccino zu genehmigen und in der wärmenden(!) walisischen Sonne zu genießen. Ich wollte den Damm mal von oben mit der Bucht versuchen, also fuhr ich nicht zum Damm, sondern eine Seitenstraße in Porthmadog etwas den Hügel hinauf. Von einem Parkplatz vor einem Altenheim bot sich ein wunderschöner Blick über die Bucht mit dem Bahndamm. Eigentlich sollte der Zug um 1830 ankommen, aber auch um 1845 tat sich noch nichts. Um 1900 zog dann leichter Schmodder über der See auf und trübte langsam das Licht. Als auch um 1915 noch immer nichts kam wollte ich schon aufgeben, doch dann sah man ganz klein in der Ferne auf der anderen Seite der Bucht eine Wagenschlange einen Hügel entlang ziehen. Um 2030 war der Zug dann auf dem Damm und wie die seltsame Pfeife schon vermuten ließ wurde er von einer Diesellok gezogen. Auf die Entfernung war das ohnehin egal, ärgerlicher war, dass das Licht durch die Stunde Verspätung nicht mehr sonderlich gut stand. Die Sonne drehte zwar nochmal voll auf als der Zug kam, stand aber schon ziemlich in der Gleisachse, sodass der Zug nicht mehr so schön strahlte und etwas unterging im Bild. Aber man kann sich nicht beschweren nach so einem tollen Tag und ich fuhr anschließend noch schnell in den Bahnhof um ein Dieselbild von etwas Näher zu machen. Dem offenbar schadhaften Earl begegneten wir übrigens noch bei der Durchfahrt in Minffordd Richtung Boston Lodge.


Das Diesel mit dem Namen Criccieth Castle überquert mit seiner Wagenschlange den Damm über den Afon Glaslyn


Und erreicht wenig später den Bahnhof von Porthmadog


Der Zug wird im Bahnhof stehen gelassen und schnell geht es in den verspäteten Feierabend über den Damm zum Depot Boston Lodge

Nach diesem tollen Tag hatten wir bei der Ffestiniog Railway eigentlich nichts mehr offen, obwohl, da war doch noch was? Genau, den Damm könnte man doch noch mal mit Sonne und Dampfzug von unten machen. Am Abend des 20.07. versuchten wir genau das, nachdem wir zuvor bei der Welsh Highland immer im Pech gewesen waren. Doch ganz wie gewünscht sollte es nicht klappen, denn die Sonnenfelder waren extrem klein und reichten kaum für eine Zuglänge. Der letzte Zug des Tages konnte daher nur mit viel Tele und etwas weit entfernt genommen werden, als er das Einfahrtsignal von Porthmadog passierte.


Der letzte Zug des Tages erreicht am 20.07.17 Porthmadog

Beim Einrücken nach Boston Lodge gab’s dann noch den Versuch einer Gegenlichtaufnahme. So richtig weiß ich bis heute nicht, ob der Versuch nun einen künstlerischen Wert hat, oder ob es beim Versuch geblieben ist. Ich zeige es einfach mal am Ende dieses Berichts, als die etwas andere Aufnahme. Der angehängte Zug lief übrigens den Tag über auf der WHR. Seinen eigenen Zug ließ der Earl im Bahnhof zurück.


Wenig später rückt der Zug nach Boston Lodge ein

Das war’s dann aber wirklich von der Ffestiniog Railway. Zwei Tage bevor wir Harlech wieder verlassen wollten, konnten wir die aus meiner Sicht schönste Schmalspurbahn von Wales mehr als zufrieden von der Liste streichen.

Bis zum nächsten Mal,
Tobias

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