Cymru 2017 – Entlang der Cambrian Coast von Porthmadog bis Barmouth

Moin,
heute komme ich zum letzten Teil meiner Wales Reihe. Es geht zur Cambrian Coast Line. Da wir ja in Harlech praktisch zwei Wochen direkt an dieser Strecke wohnten, sind natürlich immer mal so „nebenbei“ Bilder entstanden. Da ich aber die Bilder nicht gerne einfach so lieblos hinschmeiße, versuche ich mich mal an der Aufgabe zu diesen eigentlich zeitlich zusammenhanglosen Bildern dennoch eine Geschichte in Form einer fiktiven Reise von Porthmadog bis Barmouth zu erzählen 😉
Auch das Drumherum in dieser tollen Landschaft soll nicht zu kurz kommen, so dass sich Eisenbahn- und „offtopic“-Bilder in diesem letzten Teil in etwa die Waage halten.

Alle Teile dieser Reihe findet ihr hier: Reiseberichte 2017

Beginnen wir unsere Fahrt also in Porthmadog. Der Bahnhof in Porthmadog liegt unmittelbar neben einem großen Supermarkt. Gerade waren es auch nur noch zwanzig Minuten bis bei dem etwas dürftigen zweistunden Takt der nächste Zug Richtung Birmingham erwartet wurde. Was lag also näher, als sich um den lästigen Wocheneinkauf zu drücken und stattdessen kurz zum Bahnhof zu schauen? Beginnen wir hier also unsere Fahrt.
Bereits zwanzig Minuten vor Ankunft war der Bahnsteig gut gefüllt – bei dem Takt will man den Zug ja nicht verpassen 😉 Bei Ankunft der wie immer solo verkehrenden class 158 füllte sich der Zug aus Pwllheli dann auch merklich.


Das dürftige Angebot auf dieser Strecke wird dennoch gut angenommen: 158 833 in Porthmadog

Den Afon Glaslyn kreuzt die Strecke nicht wie die Ffestiniog Railway über den langen Damm, sondern etwa einen Kilometer weiter im Landesinneren hinter den Feuchtwiesen. Anschließend kreuzt die Strecke in Minffordd die Ffestiniog Railway. Hier besteht auch der offizielle Übergang zwischen den beiden Strecken. Die Anlage des Depots der Ffestiniog Railway ist dabei sehr ungewöhnlich, beschreiben die Abstellanlagen doch eine Bogen von fast 270 Grad. Besonders schön ist das bei Openstreetmap zu sehen. Einfach mal „Minffordd“ eingeben:[url]https://www.openstreetmap.de/karte.html[/url]


158 832 in Minffordd neben der Abstellanlage der Ffestiniog Railway. Der Wagen links ist übrigens ein Steuerwagen, der eine Zeit lang als Wendezug mit einer Diesellok auf der Ffestiniog Railway zum Einsatz kam.

Um die breite Bucht des Afon Dwyryd zu umfahren, macht die Strecke anschließend einen Schlenker über Penrhyn und überquert auf einer völlig unfotogenen neuen Betonbrücke den Fluss. Über die Bedarfshalte Llandecwyn, Talsanau und Tygwyn geht es weiter nach Harlech. Die Entfernung zwischen Minfford und Harlech beträgt dabei übrigens keine sieben Meilen bei vier Bedarfshalten unterwegs. Irgendwie muss man ja vier Stunden bis Birmingham brauchen…
Ab Llandecwyn geht es dabei praktisch schnurgeradeaus zurück zur Küstenlinie, schön zu sehen ist das von einem Public Footpath der in Harlech den Berg zum oberen Ortsteil hinaufführt.


Etwas einsam wirkt die class 158 auf der endlosen Geraden vor Harlech. Aus den dicht bewachsenen Hängen zum oberen Ortsteil lässt sich nur an wenigen Stellen ein Blick auf die Strecke erhaschen

Drehen wir doch eine kleine Runde durch dieses gemütliche Küstenörtchen, das uns zwei Wochen beherbergte. Der Bahnhof befindet sich im unteren Teil des Ortes etwa auf Meereshöhe, während die Burg und der alte Ortsteil darüber thronen. Verwinkelte enge Gassen mit den typischen Steinhäusern und mannshohen blühenden Hortenisenbüschen prägen das Ortsbild.


Auf Höhe der Burg sind die Blicke auf eben dieses sehr zugebaut oder aber mit buntem Vordergrund zugewuchert


Auch ein schöner Blick auf Harlech Caslte lässt sich von noch weiter oben im Ort erhaschen. Am Besten ist das vom Friedhof aus möglich


Vom offiziellen Viewpoint auf das Castle erheben sich im Hintergrund die Highlands. Hier möchte man verweilen…

Bei der langen geraden vor dem Ort ergibt sich von einer der Schafwiesen aus, in die ein „Public footpath“ weist, in den Abendstunden ein Motiv der Strecke mit Harlech Castle darüber.


158 833 am Abend des 20.07. Im Hintergrund thront das Caslte und der obere Ortsteil im Hügel

Der Bahnhof selbst ist eher unspektakulär, weißt für diese Strecke aber schon eine beachtlichen Infrastruktur auf. Immerhin ist Harlech ein planmäßiger Kreuzungspunkt. Und dies ist ein Akt für sich: Zunächst fährt der Zug aus Birmingham ein. Von der Fußgängerbrücke ist dann schon der Gegenzug am Ende der langen Geraden zu erkennen, benötigt aber noch fast fünf Minuten bis zur Ankunft. Sind beide Züge im Bahnhof geht es nicht etwa weiter, sondern beide Züge machen noch 5-10 Minuten Pause, die Crews quatschen eine Runde und irgendwann geht es dann auch mal weiter. Britische Gemütlichkeit. Man fühlt sich bei all dem irgendwie an die Thomas Filme erinnert 😀 Nur eilig haben darf man es nicht…


158 821 fährt am 10.07. aus Birmingham kommend in Harlech ein


Am Morgen des 22.07. wartet 158 820 auf die Abfahrtszeit

Hinter Harlech gelangt die Strecke kurzzeitig direkt an die Küste. Auf einer Stützmauer zwängen sich die Züge zwischen den grünen Hängen der Steilküste und dem Wasser entlang. Am späten Abend im Sommer schafft es die Sonne so weit herum, dass man praktisch am Strand sitzend den letzten Zug fotografieren kann. Die Stelle ist über einen Public Footpath, der sich von der A496 kurz hinter Harlech den Hang herunter schlängelt sehr leicht zu erreichen. Dabei überquert man auch einen der typischen britischen Fußgängerüberwege. Diese sind nur mit einem Warnschild mit dem Hinweis „Stop Look Listen – Beware of trains“ gesichert.
Nachdem ein Zug früher in Barmouth noch dicke Wolken hingen, kam am 11.07. der letzte Zug bei Tageslicht noch im Sonnenschein Richtung Barmouth gefahren.


Der letzte Zug bei Tageslicht passiert bei tief stehender Sonne den Strand von Harlech. Im Juli schafft es die Sonne noch gerade weit genug herum.

Eineinhalb Wochen später ging schon nur noch ein Zug früher in der Sonne. Dafür kommt der dann aber ins Bild gefahren in Richtung Porthmadog. Diesmal wählte ich eine Perspektive in den Dünen. Die beiden Sonnenuntergänge die wir im Anschluss an die beiden Fotoabende am Strand geboten bekamen, waren einfach nur herrlich! Da sagen die Bilder wirklich mehr als tausend Worte…


158 839 ebenfalls am Strand von Harlech in Richtung Porthmadog


Sonnenuntergang am Strand von Harlech


Ein unvergleichliches Farbenspiel

Geht man den Public Footpath über den Bahnübergang wieder hinauf und wählt diesmal den Abzweig der etwas weiter südlich an der Straße herauskommt, kann man den Sonnenuntergang auch von oben mit Blick über die Bucht von einer Bank aus genießen. Kurz nach dem Sonnenuntergang kam am 22.07. noch ein Zug aus Harlech. Der gleiche der am 11.07. noch Sonne hatte. Ich versuchte mal ein Bild mit der tollen Lichtstimmung, den Nebelschwaden die um die Highlands waberten und den rot leuchtenden Wolken. Was eigentlich nur ein Versuch war, gefiel mir dann im Ergebnis ausgesprochen gut. Für mich eines der schönsten Bilder des Urlaubs.


Zurück zur Straße über den Public Footpath. Die nächsten zwei Stunden kommt nichts…


Kurz nach Sonnenuntergang kommt noch eine Class 158 bei mystischer Stimmung durch die Dünen gefahren


Die Bucht im Abendrot

An einem der Abende führte der Rückweg noch durch den oberen Ortsteil am Castle vorbei, das zur blauen Stunde über dem Land thront.


Harlech Castle zur blauen Stunde

Setzen wir unsere Reise bei Tageslicht fort. Die Strecke führt die nächsten Kilometer Richtung Barmouth durchs grüne Küstenhinterland, das von diversen Flüssen und Kanälen durchzogen wird. Ansonsten gibt es viele grüne Wiesen und Büsche und ab und zu kleine Häfen. Natürlich befindet sich auch bei jedem kleinen Dorf fast im Sichtabstand ein Bedarfshalt. Einer dieser Bedarfshalte ist Llanbedr den wir eines Vormittages ansteuerte, weil eigentlich gleich ein Zug entgegen kommen musste. Der Haltepunkt bestand aus einem kleinen Bahnsteig, der ein wenig als dauerhaftes Provisorium anmutete. Er war nicht mal lang genug für die class 158, weshalb der Zug während des Halts mit dem zweiten Zugteil auf dem Bahnübergang stehen blieb. Trotz dieser Pampa stiegen hier gleich fünf Fahrgäste in den Zug ein!


„Keep Crossing Clear“ Für den Zug scheint das nicht zu gelten. Die letzte Tür reicht während des Halts nicht mal an den Bahnsteig in Llanbedr.


Der zu kurze Bahnsteig mutet ein wenig als dauerhaftes Provisorium an…

Weiter geht’s Richtung Barmouth. Bei Llanaber stößt die Strecke wieder direkt ans Wasser. Hinter einem riesigen Campingplatz verläuft die Strecke von der Straße aus gut sicht- und fotografierbar direkt am Meer entlang. Am 22.07. wagten wir hier vor dem Frühstück einen zweiten Versuch, nachdem es zwei Tage zuvor wegen den Wolken nicht geklappt hatte. Diesmal kam die Class 158 bei bestem Sonnenschein durch. Auch der Gegenzug aus Barmouth klappte wenig später bei Sonne, obwohl sich schon wieder eine Siffschicht über dem Land breit machte.


Bei Llanaber verläuft die Strecke erneut unmittelbar am Meer entlang. Vormittags sind die Züge auch schön in der Sonne, wie diese class 158 Richtung Barmouth


Und wenig später der Gegenzug ein kleines Stück weiter Richtung Barmouth

Nur ein kleines Stück weiter ist Barmouth erreicht. Hier überquert die Strecke dann die berühmte Holzbrücke. Aus Barmouth gab es ja vor Kurzem erst herrliche Abendbilder bei Sonne. Da es uns irgendwie nie so richtig mit Sonne gelang hier, machen wir lieber noch einen kleinen Abstecher über die Brücke nach Fairbourne. Wo die Bahn eine Brücke hat, muss der Straßenverkehr jedoch einen riesen Umweg um die Bucht herum machen. Gut zwanzig Minuten dauert die Fahrt auf die andere Seite. Die letzten Kilometer kann der Autoverkehr über die Penmaenpool Bridge abkürzen. Eine alte Holzbrücke auf die andere Seite des Tals für die sogar ein Gebühr von einigen Pence anfällt. Das ist der kleine Touristengack der früher wahrscheinlich mal eine wichtige Vekehrsverbinung war aber wert 😀


Die Penmaenpool Bridge auf die andere Seite des Afon Mawddach

Von Fairbourne aus fährt die Fairbourne Railway auf die Sandbank die in die Bucht hineinragt hinaus. Eine typisch britische Spielbahn mit echter Dampflok die mit großem Enthusiasmus betrieben wird. Von der Endschleife auf der Sandbank könnte man bei Ebbe und in einem wärmeren Land locker auf die andere Seite nach Barmouth hinüber schwimmen. Wahrscheinlich ist das aber auch wegen der Strömung nicht empfehlenswert. Es gibt aber auch eine kleine Nussschale die von hieraus nach Barmouth pendelt. Von der Sandbank aus hat man auch einen schönen Blick nach Barmouth und eine völlig neue Perspektive auf die Brücke.


Die Fairbourne Railway in den Dünen der Sandbank


Weltuntergangsstimmung in der Bucht


Ein Zug überquert die Barmouth Bridge, während der nächste Regenschauer schon im Anmarsch ist


Da stellt man sich lieber unter und schaut der Fairbourne Railway beim Umsetzen zu


Schon geht’s zurück nach Fairbourne

Jetzt aber schnell zurück nach Harlech bevor der nächste Schauer uns überrascht. Bei den schnellen Wetterwechseln kann ja alles passieren. Auch das sich die Sonne noch mal zeigt wie am 11.07. Ein Zug kam aber gerade nicht am Küstenabschnitt bei Llanaber. Dafür gibt’s zum Abschied ein Stimmungsbild mit dem Haltepunkt Llanaber im Hintergrund.


Die Strandpromenade von Barmouth im Abendlicht


Der Haltepunkt Llanaber liegt direkt am Meer und dient hauptsächlich dem großen Campingplatz. Ein Zug war gerade leider nicht zugegen, also zum Abschluss noch eine Stimmungsaufnahme

Ich hoffe ihr habt jetzt im letzten Teil keinen Kulturschock vor lauter „offtopic“ bekommen, aber die tolle Landschaft mit ihren einzigartigen Lichtstimmungen gehört für mich einfach untrennbar zu diesem schönen Streckenabschnitt dazu…

Damit endet meine kleine Wales Reihe auch schon wieder. Die zwei erholsamen und erlebnisreichen Wochen in Harlech waren zu Ende. Zurück ging es noch einige Tage durch Südwales, bevor es diesmal klassisch mit der Fähre Dover-Calais zurück aufs Festland ging.
Ich hoffe ich konnte dem einen oder anderen dieses tolle Fleckchen Erde etwas näher bringen und Reiselust wecken 😉
Vielen Dank für’s Mitlesen und die vielen netten Kommentare und Ergänzungen zu dieser Berichtreihe.

Bis zur nächsten Reise,
Tobias 🙂

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