Auf Schienen durch Stockholm II: Tvärbanan, Nockebybanan und Lidingöbanan

Nachdem es im letzten Teil um die einzige „richtige“ Straßenbahnlinie Stockholms ging, möchte ich heute die straßenbahnähnlichen Linien der schwedischen Hauptstadt vorstellen. Bei uns würde man die Tvärbanan, Nockebybanan und Lidingöbanan wohl als Stadtbahnen oder Vorortbahnen bezeichenen. Einzig die Tvärbanan weißt vereinzelte Teilstücken im Straßenraum auf.

Während die Nockeby- und Lidingöbanan alte Vorortstrecken mit Anschluss an das alte Stockholmer Straßenbahnnetz waren, entstand die Tvärbanan erst in diesem Jahrtausend. Beginnen wir mit dieser, die Stadt im Halbkreis umfahrenden Stadtbahnlinie.

Tvärbanan

Die Tvärbanan verläuft in einem großen Halbkreis vom Nordwesten der Stadt über den Westen bis in den Südosten. Für die ca. 17 Kilometer und 25 Haltestellen benötigt die Tvärbanan ca. 50 min. Allerdings ist die Linie vom Stadtteil Solna in den Stadtteil Sickla auch nicht als Verbindung der beiden Stadtteile gedacht, sondern viel mehr als Zubringerlinie und Querverbindung zur Tunnelbanan. Da die Linien der Tunnelbanan größtenteils sternförmig aus dem Zentrum verlaufen, fehlte es zwischen den bevölkerungsreichen Stadtteilen um das Zentrum Stockholms herum an leistungsstarken Querverbindungen. Daher auch der Name „Tvärbanan“, welcher nicht mehr bedeutet als „Querbahn“ und damit bereits die Aufgabe der Linie erahne lässt.
Der erste Abschnitt der Linie ging im Jahr 2000 zwischen Gullmarsplan und Liljeholmen in Betrieb, welcher die grünen Linien der Tunnelbanan im Süden der Stadt, mit dem roten Linienbündel im Südwesten verbindet. Als nächstes ging die Verlängerung nach Alvik in Betrieb, womit das grüne Linienbündel der Tunnelbanan, sowie die Nockebybanan erreicht wurde. Im Jahr 2002 ging die Verlängerung in den Stadtteil Sickla bis zur Station Sickla udde in Betrieb. Im Jahr 2013 wurde der nördliche Streckenteil von Alvik nach Solna centrum mit Anschluss an die blauen Tunnelbanan in Betrieb genommen und im Jahr 2014 bis zum heutigen Endpunkt Solna Station, wo Anschluss an den Pendeltåg besteht.
Die Jüngste Verlängerung war im Jahr 2017 von Sickla udde eine Haltestelle bis Sickla Station, wo Übergang zur Saltsjöbanan besteht.
In den vergangenen 20 Jahren wurde somit eine leistungsfähige Querverbindung geschaffen, welche die Stadt inzwischen mehr als zur Hälfte umrundet.
Zum Einsatz kamen zunächst Fahrzeuge des Typs Flexity Swift von Bombardier, intern als A32 bezeichnet, wie man sie aus Istanbul und Gouda, und mit abgeänderter Frontpartie auch aus Croydon und Köln kennt. Insgesamt 37 dieser Fahrzeuge wurden bis 2009 für die Tvärbanan und Nockebybanan beschafft. Um die ständig steigende Linienlänge weiterhin bedienen zu können, wurden im Jahr 2013 zusätzlich 15 Urbos AXL von CAF beschafft, von denen einer wie im letzten Teil zu sehen auf der Djurgardslinjen eingesetzt wird, alle weiteren 14 Wagen auf der Tvärbanan. Werktags werden die Fahrzeuge im Normalfall in Doppeltraktion eingesetzt. Nur am Wochenende und spät Abends konnte ich solo fahrende Triebwagen beobachten.

Fotografisch ist die Tvärbanan allerdings nur schwierig umzusetzten. Am Besten gelingt dies noch in den drei Straßenbahnabschnitten in Sundbyberg/Solna, Gröndal und Sickla. Die beeindruckenden großen Brücken lassen sich derweil fotografisch kaum, oder nur mit Insiderwissen über geeignete Standpunkte darstellen. Meist verläuft die Strecke jedoch völlig unfotogen auf eigenem Bahnkörper und eingezäunt, und auch die Haltestellen bieten durch die vielen Zäune nur kompromissbehaftete Motive. Während meines Besuchs konnte ich die Strecke in voller Länge bereisen und habe dabei insbesondere den Straßenbahnabschnitten etwas mehr Zeit gewidmet.
Beginnen wir die Fahrt in Solna und arbeiten uns langsam bis nach Sickla vor:

Die erst 2014 eröffnete Verlängerung nach Solna Station bietet Übergang zu den Vorort-/Regionalzügen des Pendeltåg. Eine Station weiter in Solna Centrum besteht Übergang zur blauen Linie 11 der Tunnelbanan.


Keine Fotografische Meisterleistung, sondern nur der Vollständigkeit halber: Die Endstation Solna Station. Die Züge sind für ein vernünftiges Bild leider zu lang… Der Zug mit Urbos 462 an der Spitze hat bereits das Ziel Sickla für die Rückfaht eingeschildert.


Eine Station weiter besteht in Solna Centrum Übergang zur Tunnelbanan. 451 verlässt die Haltestelle Richtung Sickla Station.

Rund um die Haltestelle Solna Buisness Park beginnt der erste kurze Straßenbahnabschnitt entlang zahlreicher neuer Bürogebäude. Der gesamte Straßenzug scheint in den letzten Jahren zusammen mit der Straßenbahn neu entstanden zu sein.


Urbos 452 fährt aus der Haltestelle Solna buisness park in Richtung Sickla aus.


In entgegengesetzter Richtung erreicht eine von Urbos 464 geführte Traktion die Haltestelle.

Auch bei den nächsten beiden Haltestellen Sundbybergs centrum und Bällsta bro befindet sich die Strecke wieder auf der Straße. Auch hier scheint das Umfeld teilweise neu gestaltet worden zu sein. In Sundbyberg Centrum besteht Übergang zum anderen Ast der blauen Tunnelbanan, der Linie 10 nach Hjulsta, sowie zum Pendeltåg.


Urbos 451 hat die Haltestelle Sundbyberg Centrum verlassen.


Urbos 462 zwischen Bällsta bro und Sundbyberg Centrum.


Ein von 435 geführtes Flexity-Doppel an gleicher Stelle in entgegengesetzter Fahrtrichtung.

Nun folgt ein weiter Sprung bis nach Alvik. Die gesamte Strecke Bällsta bro und Alvik verläuft auf eigenem Bahnkörper und nicht gerade fotogen. In Johannesfred, eine Station vor Alvik, befindet sich das Depot der Tvärbanan. Anschließend wird über eine Brücke ein Jachthafen überquert, bevor die Strecke direkt im Tunnel verschwindet und erst am Ende des Tunnels am großen Kreuzungspunkt Alvik wieder hält. Hier besteht Übergang zur grünen Tunnelbanan, sowie zur Nockebybanan. Die Tvärbanan unterquert die Station der beiden Bahnen im 90 Grad Winkel und verschwindet unmittelbar danach wieder im Tunnel.


Kurz vor Alvik befindet sich ein Flexity-Doppel auf der Brücke hinter der Haltestelle Johannesfred.

Ein weiterer Sprung führt uns nach Gröndal. Zwischen den Haltestellen Gröndal und dem nächsten Anschluss an die Tunnelbanan in Liljeholmen, verläuft die Strecke ein sehr langes Stück im Straßenraum.


Flexity 428 an der Haltestelle Gröndal

Zuletzt steigen wir im letzten Abschnitt der Strecke in Sickla aus. Hier verfügt die Bahn zwar über einen eigenen Bahnkörper, verläuft aber in den Straßenraum integriert in Mittellage.


Flexity 410 und 436 haben soeben die Haltestelle Sickla Kaj in Richtung Solna verlassen.


Erneut Flexity 410 und 436 beim Verlassen der Haltestelle Sickla Kaj.


Auch in Sickla verläuft die Strecke durch ein sehr modernes Umfeld, hier jedoch eher durch neumodische Wohnbebauung.

Das letzte Stück zwischen den Haltestellen Sickla Station und Sickla Udde stellt den jüngsten Streckenabschnitt der Tvärbanan dar und bietet Anschluss an die Saltsjöbanan.


Urbos 452 auf dem neuesten Abschnitt der Tvärbanan zwischen den Stationen Sickla udde und Sickla Station.

Soviel zur Tvärbanan. Schauen wir uns nun die in Alvik anschließende Nockebybanan an.

Nockebybanan

Die nur rund 6 Kilometer lange Nockebybanan verbindet den Stadtteil Nockeby mit der Tunnelbanan in Alvik. Ursprünglich war die 1929 eröffnete Strecke in das Stockholmer Straßenbahnnetz integriert und wurde als Linie 12 bezeichnet. Bereits vor der Einstellung der Straßenbahn verlor die Nockebybanan, mit der Umstellung der Straßenbahnachse von Alvik in die Innenstadt auf Metrobetrieb, im Jahr 1952 ihren direkten Anschluss an die Innenstadt und endete fortan in Alvik, mit Übergang zur Tunnelbanan. Da die Strecke vollständig über eigenen Bahnkörper verfügt, viel sie genau wie die Lidingöbanan nicht der Einstellung der Straßenbahn mit der Umstellung auf Rechtsverkehr im Jahr 1967 zum Opfer.
Bis 1997 kamen auf der Linie noch die alten Vierachser des Typs A30 zum Einsatz. Genau wie die Fahrzeuge, war auch die Infrastruktur veraltet und in schlechtem Zustand. Durch die Modernisierung der Linie und den Einsatz von neuen Fahrzeugen des Typs Flexity Swift ab 1998, konnte die Einstellung und der Ersatz durch eine Buslinie verhindert werden.

Die Linie schließt heute im Wesentlichen die gut situierten und ruhigen Wohnviertel Nockeby, Höglandet, Smedslätten und Äppelviken an die Tunnel- und Tvärbanan an. Meist verläuft sie recht eng zwischen den Hintergärten der teils großzügigen freistehenden Häuser der reicheren Stockholmer. Daher ist beim Fotografieren auch sehr auf den Sonnenstand zu achten, damit das Licht in die enge Trasse der Nockebybanan fällt.


Auch hier der Vollständigkeit halber ein Bild der Endstation Alvik. Um aus Nockeby kommend, nach der Umstellung auf Rechtsverkehr der Nockebylinie, weiterhin einen direkten Umstieg am selben Bahnsteig stadteinwärts in die weiterhin links verkehrende Tunnelbanan zu ermöglichen, kreuzt sich die Strecke vor der Station Alvik selbst und verkehrt in der Station im Linksverkehr. Hier befährt Flexit 408 den Gleiswechsel in Richtung Nockeby und nimmt gleich die Fahrgäste aus der nebenan stehenden Tunnelbanan aus der Innenstadt auf.


Zwischen den Haltestellen Alléparken und Klövervägen verläuft die Strecke neben der Straße, bevor sie zwischen den Hinterhöfen verschwindet. Hier fährt 420 in Richtung Alvik.


Im weiteren Verlauf ergeben sich hauptsächlich an den Straßenkreuzungen interessante Motive. So zum Beispiel mit Flexity 406 an der Haltestelle Smedslätten…


…oder an der Haltestelle Nockeby Torg mit Flexity 414.


Das ansonsten vorherrschende Bild der Strecke zeigt sich an der Haltestelle Olovslund mit Flexity 420.

Von der Endstation Nockeby aus ist noch der Besuch von Schloss Drottningholm zu empfehlen. Von der nicht weit entfernten Bushaltestelle fahren in dichtem Takt Busse über die beiden langen Brücken nach Drottingholm. Wer wie ich nicht unbedingt in das Schloss hinein möchte, sondern nur das Gesamtansemble in Ruhe betrachten möchte, dem empfehle ich noch vor neun Uhr vor Ort zu sein, bevor das Schloss öffnet und sich die ersten Reisebusse entlehren.


Die Zeit für einen kleinen Abstecher von der Endstation Nockey zum Schloss Drottningholm sollte man sich nehmen.

Lidingöbanan

Bei der Lidingöbanan war ich während meines Aufenthalts in Stockholm nur sehr kurz. Im Grunde arbeitete ich nur die große Lidingöbron ab und fuhr anschließend noch einige Stationen mit, ohne aber motivlich wirklich etwas zu entdecken, was angesichts des vorübergehend schlechten Wetters aber auch an einen zwischenzeitlichen Motivationsloch gelegen haben kann. Daher werde ich mich hier etwas kürzer fassen.

Die 1914 eröffnete Lidingöbanan fuhr noch bis 2013 auf der rund 8 Kilometer langen Strecke mit den Triebwagen vom Typ A30, in der Regel mit zwei Triebwagen und einem Beiwagen in der Mitte. Bis 2015 wurde die Stecke umfassend modernisiert und sieben viertelige Urbos AXL von CAF beschafft. Kurios an dieser Fahrzeugbeschaffung ist die nicht dazu passende, neue Bahnsteiglänge. Für einen Triebwagen sind diese deutlich zu lang, für eine Doppeltraktion allerdings zu kurz. Passen würde hier nur eine Doppeltraktion der dreiteiligen Urbos, wie sie auf der Tvärbanan zum Einsatz kommen. Diese sind allerdings aufgrund des abweichenden Zugsicherungssystems auf der Lidingöbanan nicht einsetzbar. Bei der SL scheint hier doch einiges drunter und drüber zu laufen, anders ist die Inkompatibilität der verschiedenen Linien und die seltsame Fahrzeugpolitik kaum zu erklären…
Der Betrieb gestaltet sich jedenfalls recht eintönig, aber auch die vierteiligen Urbos wollten einmal fotografiert werden und so ging es von der Endstation Ropsten mit Anschluss an die Tunnelbanan über die Lidingöbron.


Das Motiv auf der Lidingöbron ist ein Klassiker, der vierteilige Urbos AXL 553 allerdings noch recht ungewohnt.


Urbos 553 auf dem Weg nach Lidingö.


An der nächsten Haltestelle Torsvik fahren die Wagen direkt am Felsen entlang. Schön zu sehen ist die unpassende Bahnsteiglänge, der Fotograf steht am Ende des Bahnsteigs, sodass noch die Hälfte eines weiteren Urbos Platz hätte…

Soweit noch der kleine Abstecher zur Lidingöbanan.
Damit endet auch der zweite Teil zu Stockholm. Im letzten Teil geht es dann noch zur Tunnelbanan, Roslagsbanan und Saltsjöbanan.

Bis demnächst,
Tobias.

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