Quer über den Balkan VIII – Durch die Schluchten des Balkan nach Sofia

Heute Mittag machen wir uns auf nach Sofia, wo wir dann die letzten zwei Tage unserer Reise verbringen wollen.

Den Vormittag verbrachten ich noch bei der im letzten Teil gezeigten Überlandlinie 3 und den Schindlerwagen auf der Linie 11. Gegen elf versammelte sich die Reisegruppe dann im Hotel zum auschecken. Nachdem wir den Rezeptionist davon überzeugt hatten, dass wir die angeblich von uns konsumierten Getränke im Hotelrestaurant, welches wir nie besucht hatten, nicht bezahlen würden, machten wir uns wenig später auf den Weg zum Busbahnhof. Der zentrale Busbahnhof von Belgrad liegt direkt neben dem alten Hauptbahnhof. Bereits gestern hatten wir die Fahrkarten für den Bus gekauft, was sich angesichts der zu nahezu 100% gefüllten Fuhre, als goldrichtig herausstellte.
Eine Direktverbindung hatte es wieder mal nicht oder nur zu unmenschlichen Zeiten gegeben. Der erste Teil der Fahrt sollte daher mit dem großen serbischen Busbetreiber Niš-Ekspres bis in die gleichnamige Stadt, etwa 50 km vor der bulgarischen Grenze gehen. Wir deckten uns im Busbahnhof noch mit der nötigen Verpflegung für den Reisetag ein und enterten den Bus.


Nein, dieser im Busbahnhof von Belgrad angedockte Low-Cost-MAN Regiobus von Lasta, war glücklicherweise nicht unser Transportmittel nach Niš.

Die knapp 240 km nach Niš spulte der Bus entspannt auf der Autobahn ab, nachdem er im Speckgürtel von Belgrad noch die letzten Fahrgäste aufgenommen hatte. Die Fahrt verlief angenehm und ereignislos, nur die Klimaanlage hatte ihre Mühe, den vollbesetzten Bus in der Mittagssonne herunterzukühlen. Warum ein vollbesetzter Fernbus dann allerdings kurz vor dem Ziel von der Autobahn abfährt, nur um in irgendeinem Vorort noch eine einzelne Figur abzuladen, während sich die Fahrzeit dabei für alle anderen Fahrgäste um mehr als 10 min verlängert, erschloss sich uns nicht so richtig…
Das Highlight der Fahrt war allerdings die Unterbodenwäsche in der Einfallstraße von Niš. Binnen kürzester Zeit hatten einige heftige Sommergewitter für leichte Überschwemmungen gesorgt. Für den Reisebus war die Waattiefe zwar noch unproblematisch, die Autofahrer begegneten dem See in der Unterführung allerdings mit etwas mehr Respekt und hangelten sich am rettenden Ufer entlang.


Die Autofahrer begegnen der Schwimmpartie in Niš mit angebrachtem Respekt und hangeln sich am rettenden Ufer entlang.

In Niš wartete schon unser nächster Transport in Form eines BOVA-Reisebusses mit klar erkennbarer, deutscher Vergangenheit. Voher wurden am Busbahnhof noch die Ausweisdokumente aller Reisenden eingesammelt und kurz gecheckt, wahrscheinlich um zu vermeiden, das später an der Grenze ungewollte Überraschungen auftreten. Nachdem wir die Ausweise zurück hatten nahmen wir unser Plätze an Bord des Exildeutschen ein und wenig später ging es erneut durch den See, bevor der BOVA die Kurve Richtung Bulgarien bekam.
Die Fahrt durch die Schluchten des Balkan im Sicevachka Klisura Nationalpark war das absolute Highlight auf dem Weg nach Sofia. Parallel schlängelte sich auch stets die Eisenbahnstrecke durch die engen Schluchten, welche hier das ein oder andere herrliche Motiv bereithält, wie ich später in den bekannten Bahngalerien feststellte. Allerdings gibt es auf der Strecke nur noch einen äußerts dünnen Güterverkehr. In der Stunde, die wir parallel zur Bahn fuhren, konnten wir aber immerhin einen Kesselwagenzug ausmachen. Hinter den engen Schluchten gab es dann immer wieder stückchenweise Autobahn, wobei der Fahrer die 100 km/h, die der alte BOVA noch immer hergab, ohnehin durchgehend ausfuhr. Im Gegensatz zum Kondor vor zwei Tagen, hatte der routinierte Meister am Steuer sein Gefährt allerdings zu jeder Zeit unter Kontolle, sodass dies die mit Abstand schönste Busfahrt der Reise war, sieht man mal von dem einstündigen Aufenthalt an der serbisch-bulgarischen Grenze ab. Die Abfertigung schien hier aber auch vorsätzlich langsam abzulaufen und so machte sich nach einem Cappuccino für unsere letzten Dinar, langsam die Ungeduld breit.


Letzte Pause vor der Grenze in irgendeinem gemütlichen Kaff zwischen Niš und der Grenze. Rechts unser BOVA

Hinter der Grenze griff der Fahrer dann zum ersten mal zum Telefon und dann ging uns auch auf, warum er zuvor kein einziges Mal telefoniert hatte, was sonst die absolute Kernbeschäftigung der hiesigen Busfahrer ist. Der Grund war, dass wir mit einem bulgarischen Bus unterwegs waren und für die zur EU gehörenden Bulgaren scheinbar die gleichen unsäglichen Auslandstarife für Serbien gelten, die uns vor zwei Tagen dazu veranlassten, in den Flugmodus zu schalten. Denn mit Serbien gibt es scheinbar bei den meisten Mobilfunkanbietern kein Abkommen, sodass das Land kurzerhand unter „Rest der Welt“ fällt, wodurch man hier mit einer EU-Flat für supergünstige 7,60€ die Minute telefonieren kann.
Schlussendlich rasten wir dann in der Dunkelheit gegen halb zehn, weiterhin auch innerstädtisch mit um die 80km/h, auf den am Hauptbahnhof gelegenen Busbahnhof von Sofia zu. Durch die Zeitverschiebung hatten wir noch eine Stunde verloren, sodass es mit der Metro direkt zum Hotel ging und im Anschluss nur noch kurz das gelbe M aufgesucht wurde, um nicht mit völlig leerem Magen ins Bett zu fallen.

Im nächsten Teil geht es dann mit dem regelspurigen Teil der Straßenbahn von Sofia weiter.

Bis dann,
Tobias

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