Tirol, Trentino, Bernina – Alpentour 2019 II: Wolkenverhangenes Zillertal

Erste Station der Alpentpour ist heute die Zillertalbahn von Jenbach nach Mayrhofen. Leider lässt uns allerdings das Wetter etwas im Stich.


Samstag, 8. Juni 2019

Nach dem nächtlichen Aufbruch gestern, durften es heute morgen schon ein paar mehr Stunden Schlaf sein und so ging es erst gegen halb acht vom Bodensee los. An der Grenze gab’s erstmal eine österreichische Vignette, denn schon um auf Hin- und Rückfahrt an Bregenz vorbeizukommen, waren die neun Euro gut investiert. Der Arlbergtunnel wurde aber, wie schon im vergangenen Jahr, umgangen. Zur Strafe gurkte dann aber auch auf voller Länge des Arlbergs ein unglaublich langsamer Reisebus vor uns her, welcher es auch angesichts der immer länger werdenden Schlange an Fahrzeugen hinter sich, nicht für nötig hielt, diese wenigstens auf Passhöhe kurz vorbeiziehen zu lassen. Ich vertrieb mir die Zeit als Auto-DJ und versuchte dabei, die immer wieder unfassbaren Playlists von OE 3 noch zu toppen. Diesem österreichischen Hitradio verdankten wir schon von der letzten Fahrt schreckliche Ohrwürmer wie „Cordula Grün“, welches erst Wochen später in Deutschland auftauchte und tatsächlich noch zum Erträglicheren gehört, was der österreichische Deutsch-Pop und -Rap zu bieten hat…
Weiter Richtung Innsbruck fand unsere Vignette dann wieder Verwendung, wenige Kilometer vor dem Inntal-Dreieck brach der Verkehr dann allerdings zusammen. Mit etwa 45min Zeitverlust hatten wir Innsbruck schließlich passiert – die Strafe für das späte Aufbrechen folgt eben doch postwendend. Der Blick in den Himmel ließ uns den Stau allerdings mit stoischer Gelassenheit ausharren, denn was sich da an Siff und Gewölk das Inntal entlag wälzte, motivierte nicht unbedingt zum sofortigen Zücken der Aufnahmegeräte.
In Jenbach angekommen, warfen wir einen kurzen Blick auf den Bahnhof und schon folgte nach dem Wetter die nächste Enttäuschung. Der aus dem Pinzgau übernommene 5090 VTs11, nun als VT1 bezeichnet, stand beschäftigungslos neben dem Lokschuppen abgestellt. Wegen eben diesem Fahrzeug war ich aber eigentlich hier, blieb doch im vergangenen Jahr nicht genug Zeit, um einige Streckenaufnahmen des ehemaligen SLB-Triebwagens zu machen. Die Motivation, bei einer Bahn trübe Dunkelbilder zu schießen, bei der man schon unzählige Sonnenaufnahmen auf der Festplatte hatte, hielt sich dann doch arg in Grenzen aber der Dampfzug sollte in Kürze fahren und so positionierten wir uns mal am Bahnhof Fügen-Hart. Zuglok war heute die Lok 5 „Gerlos“.


Lok 5 „Gerlos“ erreicht den Bahnhof Fügen-Hart


Ein kleines Detail zum Schmunzeln sind die neuen LED-Leuchten der „Gerlos“. Als ich die Lok letztmalig 2012 sah, hatte sie jedenfalls noch konventionelle Glühbirnen.

Da man nun mal hier war und ohnehin kein Schlechtwetter-Alternativprogramm auf dem Zettel stand, fuhren wir eben einmal die Strecke bis Mayrhofen hinauf und schossen hier und da ein Bild der im Halbstundentakt fahrenden Wendezüge und Triebwagen.


Kurz vor dem Haltepunkt Erlach fährt D15 mit ihrem Zug Richtung Jenbach.

Seit meinem letzten intensiveren Besuch bei der Zillertalbahn im Sommer 2012, hatte sich dann aber doch besonders an der Infrastruktur so einiges verändert. So sind unter anderem die Bahnhöfe Ramsau-Hippach und Strass vollständig modernisiert worden. Letzterer befand sich sogar letzten August noch im ursprünglichen „Sandhaufen-Zustand“ und war nun vollständig barrierefrei umgebaut und mit einem großen Bahnsteigdach ausgestattet worden. Das dritte Gleis ist verschwunden und hat Platz für einen großzügigen Mittelbahnsteig gemacht. Andere Bahnhöfe wie Fügen-Hart, Zell am Ziller oder Mayrhofen versprühten aber auch noch den Charme der vergangenen 50 Jahre. Mal sehen, wann diese dann an den S-Bahn-artigen Verkehr angepasst werden, den die Zillertalbahn heute das ganze Jahr über anbietet. Fehlt eigentlich nur noch die Fahrleitung und neue Fahrzeuge und man könnte diese Bahn regelrecht als modernes, zeitgemäßes Nahverkehrsmittel bezeichnen…
Am frühen Nachmittag war die Motivation schließlich so weit gesunken, das wir spontan das Abendessen auf Mittag verlegten und am Gasthof am Bahnhof Ramsau-Hippach einkehrten. Anschließend vertrödeten wir noch ein wenig Zeit und brachen schließlich am späten Nachmittag Richtung Stubaital auf.


Der Bahnhof Mayrhofen präsentiert sich unverändert. D14 ist soeben neben den wartenden Dampfzug eingefahren und wir in Kürze zurück nach Jenbach fahren.


Gut das die Fenster bei diesem Wetter ohnehin geschlossen sind, als VT6 und VT8 einen Misthaufen bei Aschau passieren.


Entlang saftiger Wiesen rollt das Gepann Richtung Jenbach.


Zum Abschluss der neue Bahnhof Strass im Zillertal. Außer dem Bahnhofsgebäude erinnert hier nichts mehr an den Bahnhof, wie er noch vor rund einem Jahr ausgesehen hat. D16 hält mit einem Zug Richtung Mayrhofen

Mehr Bilder ist dieser trübe Tag dann aber auch nicht wert zu zeigen.
Auf dem Weg nach Innsbruck, stellten wir uns nochmal ohne großen Plan eine halbe Stunde an die Hauptstrecke, ohne das außer einer S-Bahn etwas nennenswertes durchgekommen wäre. Nun hieß es noch ein festliches Mal für den Abend einzukaufen. Da wir bereits mittags Essen waren, wollten wir das Reisebudget nicht schon am ersten Tag überstrapazieren und deckten uns in einem Billa von Brötchen über Obst und Joghurt bis zum Gösser, mit allem Nötigen für ein nahrhaftes Abendessen ein.
Für morgen stand die Stubaitalbahn auf dem Plan und so fuhren wir in Mutters von der Autobahn ab und suchten nach einer Bleibe für die Nacht. Dies stellte sich in Anbetracht des Pfingswochenendes allerdings als alles andere als einfach heraus. So waren die Gasthöfe entweder restlos ausgebucht oder aber die Presie jenseits von Gut und Böse. Schnell brachen wir das blinde Suchen ab und konsultierten booking.com und google. Das Ergebnis war recht ernüchternd und entsprach ungefähr dem, was wir zuvor schon in freier Wildbahn festgestellt hatten. In Neustift gab es allerdings noch eine Pension für knapp 90€ und so viel mehr Fahrerei war es auch nicht. So könnten wir morgen den Fototag gleich in den Schleifen von Fulpmes starten.
Wie so oft, stellte sich dabei das Buchungssystem von booking.com als echter Jackpot heraus: Die eigentliche Pension war wohl schon ausgebucht und wir wurden stattdessen zum selben Preis in eines der deutlich teureren Zimmer des angeschlossenen Hotels des gleichen Betreibers einquartiert. An der frischen Bergluft konnten wir daher anschließend auf dem Balkon des Zimmers unser feudales Mal einnehmen. So klang der Tag dann doch sehr versöhnlich aus. Einfach Urlaub pur, hier im ruhigen Stubaital so entspannt auf dem Balkon abzuhängen und ein wenig zu Schnacken…
Morgen geht es dann zur Stubaitalbahn und nach Innsbruck, bevor wir am Abend über den Brenner nach Italien fahren.

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