Tirol, Trentino, Bernina – Alpentour 2019 III: Mit der Stubaitalbahn von Fulpmes nach Innsbruck

Für heute stehen die Stubaitalbahn von Fulpmes nach Innsbruck und die sogenannte „Mittelgebirgsbahn“ von Innsbruck hinauf nach Igls auf dem Plan.


Sonntag 9. Juni 2019

Endlich mal wieder eine Nacht mit normaler Länge – das tat nach den beiden letzten Tagen mehr als Not! Entsprechend erholt ging es hinunter zum Frühstück, welches mit einer Vielfalt aufwarten konnte, wie wir sie in diesem Urlaub kein zweites Mal vorfinden sollten, kein Wunder, war es doch auch das Frühstück des wesentlich teureren Hotels, in welches wir von booking.com einquartiert wurden, weil die Pension schon voll war…
Das mein Kollege dann beim Frühstück zufällig auf den Vater eines alten Schulkameraden traf, verbuchten wir als einen der Zufälle, die sich nur das Leben selbst ausdenken kann und für die jeder Hollywood-Regisseur seinen Job verlieren würde…
Mehr als satt verließen wir nach über einer halben Stunde den Frühstücksraum. Eigentlich bin ich ja morgens gar nicht so der Fan von viel fester Nahrung, aber einerseits waren die vielen Leckereien einfach zu verlockend, andererseits hatten wir Sonntag und wer weiß, wann man da wieder was zu Essen findet.
An der Rezeption verneinte ich die freundliche Frage, ob wir einen dieser Kurpässe oder was auch immer bräuchten, sparte mir allerdings heute mal die Erklärung was wir hier eigentlich trieben und verwies stattdessen darauf, das wir nur auf der Durchreise seien, was ja irgendwie auch stimmte. Die Sonne strahlte vom Himmel und ich wollte so schnell wie möglich los und endlich die ersten „richtigen“ Aufnahmen des Urlaubs schießen. Schon ging es die wenigen Kilometer von Neustift zurück nach Fulpmes und wir stellten uns gleich mal für den nächsten Kurs, der hier im Stundentakt fahrenden Stubaitalbahn, in den bekannten Schleifen von Fulpmes auf. Bei meinem letzten Besuch hier vor zehn Jahren, hatte sich das Stubaital ziemlich eingesifft, umso größer war die Freude, dass heute morgen die Sonne vom blauen Himmel strahlte.


Flexity 356 durchfährt die oberste Ebene der Schleifen oberhalb von Fulpmes in Richtung Innsbruck. Immer wieder übel, wie sich diese Multigelenker mühsam durch jede Kurve quälen. Mit für derartige Überlandstrecken geeigneten Drehgestellwagen, könnte man so manchen Radius mit doppelter Geschwindigkeit und wesentlich höherem Komfort durchfahren. Betriebe wie Alicante oder als jüngstes Beispiel Arhus, zeigen doch beispielhaft, dass es für solche Überlandstrecken doch vorteilhaft ist, eine Serie spezieller und besser geeigneter Fahrzeuge anzuschaffen. Wie dem auch sei, optisch gefallen mir die Flexity’s auch nach zehn Jahren noch sehr gut und setzen mit ihrem gefälligen dunkelrot schöne Akzente in der Landschaft.


Nur ein paar Schritte um die Kurve herum kommt wenig später 354 Richtung Fulpmes. Dort wird er anschließend über 30 Minuten Pause haben.


Gut zu erkennen ist das obere große Ohr der Schleife, in die 354 wenig später hinab fährt. Nach einem weiteren 180-Grad-Bogen ist der Bahnhof von Fulpmes erreicht.


Dort steht der Flexity wenig später während seiner langen Pause. Die Infrastruktur des Bahnhofes weist deutlich auf die Vergangenheit der Subaitalbahn als eigenständige Lokalbahn hin.

Für die Rückfahrt von 354 fuhren wir ein Stück weiter bis Telfes und warteten rund eine halbe Stunde an einer Wiese in Ortslage. Für die folgenden Kurse fuhren wir dann bis Telfes Luimes weiter. Dort lief ich ein ganzes Stück den Wanderweg in Richtung Telfes Wiesen. Zahlreiche Motive eröffnen sich dort weit abgelegen von jeglicher Straße: Während sich Straße und Ortschaften hier am Südhang des Stubaitals befinden, verläuft die Stubaitalbahn völlig einsam abwechselnd durch üppige Wiesen und dichten Wald am Nordhang des Tals und erreicht erst in Kreith wieder bebautes Gebiet. Der geschotterte Wald- und Wiesenweg verläuft aber über die gesamte Strecke mehr oder weniger parallel zur Stubaitalbahn und bietet Fotografen während einer Wanderung vielfältige Motivmöglichkeiten.


Flexity 354 in der Ortslage von Telfes kurz hinter dem Halt Telfes Ort.


Hinter Telfes Luimes geht es abseits von Straße und Bebauung durch die wunderschöne Wald- und Wiesenlandschaft des Stubaitals. Flexity 325 befindet sich auf dem Weg nach Innsbruck zwischen Telfes Luimes und Telfes Wiesen.


Einige Meter zurück Richtung Telfes konnte 326 auf dem Weg nach Fulpmes festgehalten werden.

Wie der Wetterbericht schon befürchten ließ, zog nun gegen Mittag von allen Seiten Wolkensiff ins Tal. Da wir vom oberen Teil nun aber schon einige schöne Aufnahmen im Kasten hatten, war es für mich nur halb so schlimm – den unteren Teil um Mutters und Natters hatte ich schon 2009 sehr schön bei Sonne abarbeiten können.
Wir liefen zurück zum Auto und nahmen den großen Umweg der Straße nach Kreith in Angriff. Dort wurde wiedermal der Klassiker mit der Dorfkirche umgesetzt. Die nächste Stunde ließen wir uns die Strecke hinab nach Innsbruck treiben. Ab Kreith verkehren die Züge auch wieder im Halbstundentakt, sodass langes Warten hier nicht mehr angesagt ist. Da das Licht nun aber doch sehr unschön wurde, spare ich in diesem Abschnitt mal etwas mit Bildern.


356 passiert den Klassiker mit der Dorfkirche in Kreith.


Alle Bahnhöfe entlang der Stubaitalbahn sind inzwischen barrierefrei modernisiert worden, wobei die Bahnhofsgebäude erhalten blieben und in neuem Glanz erstrahlen. Nur sehr wenige Haltepunkte wie beispielsweise „Telfes StuBai“ befinden sich noch im ursprünglichen „Schotterbahnsteig mit Haltestellenschild“-Zustand aus Lokalbahnzeiten.


Vom Ende des Bahnsteigs bietet sich noch ein weiterer Blick auf das Kirchenmotiv von Kreith.


Unmittelbar vor dem Kreuzungshalt Mutters Feldeler, überquert 325 als Halbstundenverstärker nach Kreith eine kleine Brücke.

Eine Möglichkeit, die neue große Mühlgrabenbrücke darzustellen, fanden wir leider nicht, gaben uns angesichts der Lichtsituation aber auch keine große Mühe. Stattdessen ging es nun hinab nach Innsbruck. Baustellenbedingt endete die Stubaitalbahn wie zu alten Zeiten am Stubaitalbahnhof in Bergisel.
Beim Versuch dort neben der Schleife der Linie 1 zu parken, machten wir Bekanntschaft mit einem Verkehrsteilnehmer der besonders freundlichen Art. Mit Blinker nach rechts stand der kleine Opel am rechten Straßenrand und tat nichts. Da in Österreich das parken entgegen der Fahrtrichtung erlaubt ist, zogen wir rund fünfzig Meter weiter vorne nach links und parkten entgegen der Fahrtrichtung am linken Straßenrand in eine freie Parklücke ein. Kaum ausgestiegen, schoss der Opel plötzlich los und die Insassen begannen wüste Beschimpfungen loszulassen, drehten um und fuhren mit gereckten Mittelfingern an uns vorbei. Als hätten wir ahnen könnnen das er es ausgerechnet auf diese Parklücke abgesehen hatte, davon abgesehen, dass nicht einmal erkennbar war, dass er überhaupt auf der anderen Straßenseite parken wollte, wenn er weit entfernt von der Lücke am rechten Straßenrand rumsteht. Zu allem Überfluss gab es auch noch weitere freie Plätze entlang der Straße, in die er mit seinem Kleinwagen dreimal reingepasst hätte…
Nach diesem freundlichen Empfang gingen wir mal zu Fuß zum Hauptbahnhof von Innsbruck hinüber. Leider besserte sich unser Bild vom heutigen Besuch in der Stadt nicht wesentlich. Irgendwie bestand die ganze Stadt aus Baustellen und es war absolut nichts los auf den Straßen an diesem Sonntag. Während bei uns alle in Cafés auf den Straßen sitzen würden oder einfach nur einen Sonntagsspaziergang machen würden, hatte hier außer im Bahnhof nicht mal ein Bäcker offen. Einer der neuen Flexitys begegnete mir auch im Stadtnetz leider nicht, dafür aber auf dem Weg zur Museumsstraße zahlreiche windige Gestalten, an denen ich lieber rasch vorüber lief. Nach ein paar Aufnahmen in der Museumsstraße, ging es zurück zum Bahnhof einen kleinen Snack beim Bäcker holen und einen Kaffee trinken, wobei wir uns Gedanken über das übrige Tagesprogramm machten. Die Motivation, angesichts des Wetters noch groß was zu reißen, war eher mäßig und so beschlossen wir einfach mal nach Igls hoch zu fahren und anschließend gemütlich über den Brenner nach Italien zu schaukeln.


Flexity 351 während einer kurzen Aufhellung in der Museumsstraße.


Flexity 301 hat den Bahnhof von Igls erreicht. Bei meinem letzten Besuch hier im Jahr 2003 – übrigens einige meiner ersten Straßenbahnbilder – quitschten noch Bielefelder Achtachser durch die Schleife. Heute wird diese nur noch von dem in den Sommermonaten an Samstagen verkehrenden Museumszug durchfahren. Während an Schultagen nur ein einziger Schülerkurs die Mittelgebirgsbahn nach Igls befährt, pendelt am Wochenende immerhin ein Wagen im Stundentakt von Bergisel nach Igls

Die anschließende Fahrt von Igls über den Brenner verlief vollkommen entspannt. Bis Matrei ging es am Osthang des Tals entlang und anschließend auf der 182 bzw später der SS12 nach Italien. Wo immer die zahlreichen Staus und Deadlocks während des Pfingstwochenendes gewesen sein sollen, wegen denen später im Jahr die Nebenrouten für den Reiseverkehr gesperrt wurden, auf unserer Strecke waren sie nicht. Es lief vollkommen entspannt und flüssig bis nach Brixen hinein, wo wir den Wagen abstellten und uns auf die Suche nach Essbarem begaben. Eine Unterkunft hatte ich während der Fahrt in Albions gebucht, einem kleinen Bauerndorf wie aus dem Bilderbuch, einige Kilometer von der Brennerstraße den Osthang hinauf.
In Brixen schlenderten wir durch die beschauliche Innenstadt und ließen uns in einem Restaurant/Pizzeria nieder. Die Hauptspeisen ließ ich angesichts der üblichen italienischen Restaurantpreise gleich links liegen und bestellte eine Quattro Stazioni, meine Standardpizza, die ich im Grunde auch ganz ohne in die Karte zu schauen, hätte bestellen können.
Die Pizza war für deutsche Maßstäbe nicht schlecht, für italienische war allerdings noch Steigerungspotenzial. Dennoch war es sehr entspannt hier in der Fußgängerzone auf der Straße zu sitzen und das Treiben zu beobachten. Zwischendurch ließ der „Weiße Turm“ der Pfarrkirche St. Michael, minutenlang sein ohrenbetäubendes Glockengeläut erklingen und unterbrach die Gespräche für kurze Zeit, sodass man sich voll auf das Essen konzentrieren konnte. Der abschließende Capuccino machte den italienischen Barrista-Künsten dann auch wieder alle Ehre.


Architektonische Kontraste am Rande der Innenstadt von Brixen.

Anschließend schlenderten wir noch ein wenig durch die Straßen, suchten erfolgreich das Auto und fuhren die kleine Bergstraße nach Albions hinauf. Zu unsere Freude stellten wir fest, dass der Bauernhof mit unserer Ferienwohnung sogar eine eigene Hofschänke besaß. Das war einfach zu perfekt, sodass wir gleich mal um eine weitere Nacht verlängerten und uns mit einem großen Forst auf die Holzbank vor der Schänke niederließen und in der angenehm lauen Bergluft den Abend ausklingen ließen.

Für die nächsten zwei Tage ist dann die Rittnerbahn und die Brennersüdrampe vorgesehen. Da morgen in Südtirol erneut Feiertag ist, werden wir wohl mal auf den Ritten hinauf fahren, bevor es am Dienstag an die Brennerbahn geht.

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