Tirol, Trentino, Bernina – Alpentour 2019 V: Die Brennersüdrampe

Nachdem nun endlich wieder Werktag ist, soll der heutige Tag an der Südrampe der Brennerbahn verbracht werden. Leider machte das Wetter sehr früh dicht, sodass es wiedermal einen Teil mit weniger Bildern gibt.


Dienstag, 11. Juni 2019

Wie an jedem Morgen, begrüßte uns auf unserem Hof in Albions auch heute die Sonne durch’s Fenster. Motiviert räumten wir daher gegen halb acht unsere Sachen zusammen und verließen nach zwei Nächten die Ferienwohnung. Im Tal angekommen ging es nordwärts, durch Brixen hindurch nach Franzenfeste. Erstes Ziel war die große Brücke neben der Festung der hier abzweigenden Nebenstrecke. Anschließend ging es erstmal wieder für ein Frühstück nach Brixen zurück. Nach ein wenig Herumgegurke, fanden wir eine Bäckerei mit direkt davor liegendem Kurzzeitparkplatz, in der es äußerst leckere belegte Brötchen, Baguettes und Fladen gab, aber auch diverse süße Stückchen. Der Kaffee war selbstredend wieder hervorragend. Das können sie hier in Südtirol einfach: Backen und Kaffee. Selbst die kleine Bäckerei hatte eine riesige Barrista-Maschine deren Erzeugnisse die Lebensgeister zu wecken wussten. Besonders unterhaltsam war auch die auf dem Tisch liegende Tageszeitung. Eine Art Südtiroler BILD-Verschnitt, deren Titelzeile vor einem Bild mit einem Stapel Scheinen und der Siluette römischer Gebäude prollig lautete: „So viel Geld schicken wir nach Rom“. Gefolgt von einer Statistik die eigentlich zeigte, dass die Tiroler Transaktionen mit Rom nahezu neutral sind, während insbesondere die Lombardei großer Nettozahler ist und die südlichen Regionen Mittel beziehen – aber Hauptsache erstmal ne reißerische Überschrift…
Nach dem Frühstück wurde in Brixen noch ein Supermarkt geplündert. Nach den zwei Feiertagen waren unsere Vorräte doch rapide zu Ende gegangen. Dann ging es aber wieder an die Strecke. In Franzenfeste stellten wir uns mal auf dem Bahnhof auf.


In Franzenfeste wartet ein abfahrbereiter ETR170 nach Lienz, während der ETR526 015 einen kurzen Halt auf dem Weg nach Brenner einlegt.

Schon in Franzenfeste begann es sich merklich zuzuziehen. Von überall schienen die Wolken zu quellen. Wir arbeiteten den Tag über trotzdem mal einige vorgemerkte Motive ab und hatten insbesondere um Sterzing auch immer mal wieder Sonne. Allerdings ließ der Güterverkehr doch sehr zu wünschen übrig. Wir hatten uns um keine große Planung gekümmert und waren eher davon ausgegangen, dass praktisch den ganzen Tag zwischen den regelmäßigen EC’s, REX und Regios zahlreiche Güterzüge verkehren würden. Allerdings kamen doch nur sehr vereinzelt Frachtzüge über den Brenner und auch im Bahnhof Brenner selbst, war so gut wie nichts los.


Die DB Vectron 193 330 mit einer MRCE Vectron und einem fast artreinen LKW-Walter Taschenwagenzug bei Freienfeld.


Am Schutzzaun bei Gossensaß hängend, war die Wolkenkulisse dann schon so dunkel, dass sie wieder etwas hermachte, als der Pendelzug mit E464 039 Richtung Süden durchkam.


ÖBB Taurus 1216 019 mit einem EC Richtung München kurz hinter Gossensaß.


ÖBB Vectron 1293 029-5 mit einem Autozug bei Sterzing


ÖBB Taurus 1216 023 Richtung Süden an gleicher Stelle

Am Bahnhof Brenner angekommen, legten wir erstmal unseren Nachmittags-Kaffee ein. Im Bahnhof tat sich während der halben Stunde wiedermal absolut garnichts, bis schließlich ein EC nach München einfuhr. Güterverkehr? Über eine Stunde Fehlanzeige! Keine Eile also beim Verzehr von Kaffee und Kuchen.


Der leitende Ingenieur der Brennerbahn, Karl Etzel, muss sich im Bahnhof Brenner nun täglich das Treiben der Züge und Fahrgäste anschauen.

Da das Wetter nun entgültig zugemacht hatte, beschlossen wir, den Brenner hinter uns zu lassen und südwärts Richtung Trentino zu fahren. Die Fahrt Richtung Trient zog sich ordentlich, da es aber auch erst Nachmittag war und wir bei diesem Wetter nichts mehr zu tun hatten, nahmen wir gemütlich die Landstraße und lauschten den schaurigen Songs des österreichischen Hitradio, bis wir Südtirol hinter uns ließen und uns OE3 schließlich erstmals auf dieser Tour verließ. Unterwegs buchte ich eine Unterkunft an der Schmalspurbahn Trient-Mezzana am Hang des Nonstal. Eine halbe Stunde später erhielt ich plötzlich einen unbekannten Anruf aus den Niederlanden. Am anderen Ende war ein booking.com-Fuzzie, der mir erklärte, die Unterkunft sei schon ausgebucht gewesen. Darauf erwiederte ich, das sei kein Problem, ich würde einfach etwas anderes buchen und wir würden den Fehler einfach vergessen. Nein, er würde mir eine Alternative per Mail schicken, die ich dann ohne Mehrkosten buchen könne, das sei das übliche Vorgehen und überhaupt und sowieso, keine Ahnung was er mir noch minutenlang erzählte. Nun gut, ich wartete mal auf die Mail.
Inzwischen hatten wir Mezzocorona am Abzweig des Nonstal vom Etschtal erreicht und stellten das Auto für die Nahrungssuche ab. Da unsere Unterkunft noch nicht fixiert war, machte es keinen Sinn weiter zu fahren und der Hunger meldete sich langsam zu wort. Der Seiteneingang zur Pizzeria/Restaurant Al Caminetto unweit des Bahnhofs, mutete etwas pitoresk an, im Innern war aber alles einladend und zahlreiche Menschen saßen laut plaudern im Hinterhof – ein gutes Zeichen. Die dargereichte Pasta war auch äußerst schmackhaft und die Beststellung eines erfrischenden Alsters stellte kein Problem dar, auch wenn ich mir den italienschen Namen, für dieses in Deutschland weithin als Radler bekannte Mischgetränk, nicht merken konnte.
Achja, was war eigentlich mit booking.com los? Mein Maileingang verzeichnete auch nach über einer Stunde keine Aktivitäten, sodass ich die Zeitangabe „umgehend“, innerhalb derer die Mail eingehen sollte, als verstrichen erachtete und kurzerhand doch selbst eine neue Unterkunft buchte. Die Mail trudelte dann am nächten Tag im SPAM-Ordner ein – da müssen ja echte Experten am Werk gewesen sein, wenn deren Mails bei gängigen E-Mail-Providern als SPAM detektiert werden. Da die neue Unterkunft aber ohnehin ein paar Euro günstiger war, hatte ich auch keinen Grund zur Beanstandung und von booking.com kam zu diesem verunglückten Vorgang auch nichts mehr…

Bei der neuen Unterkunft klappte alles problemlos und wir bekamen wenig später im kleinen Ort Flavon am Hang des Nonstals auch gleich wieder ein ganzes Apartment, weil das eigentlich gebuchte Doppelzimmer wohl schon vergeben war. Die familiengeführte Pension war modern eingerichtet aber gemütlich mit viel Holz ausgekleidet. Da die jüngere Frau des Hauses ihre Deutschkenntnisse auffrischen wollte und sich hier angeblich nicht so häufig Deutsche hin verirrten, durften wir erstmal erklären, was wir hier eigentlich so trieben. Aufgrund unserer exotischen Erklärung war sie aber davon überzeugt, dass sie uns nicht richtig verstehen würde, was zu einer recht unterhaltsamen Konversation führte. Am Ende ging es soweit, dass wir versuchten, den Unterschied zwischen einer gewöhnlichen Schmalspurbahn und einer Standseilbahn, die sie uns ausdrücklich empfahl, zu erklären.
Der Tag war dann aber doch schon recht weit fortgeschritten und draußen war es sogar schon dunkel geworden, sodass es anschließend ohne große Umwege in die Betten ging.

Welche böse Überraschung uns morgen an der Schmalspurbahn Trient-Mezzana erwarten soll, davon erzählt dann der nächste Teil.

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