Tirol, Trentino, Bernina – Alpentour 2019 VI: Schmalspurbahn Trient-Mezzana

Heute soll es an die über 70 Kilometern lange Schmalspurbahn von Trient nach Mezzana gehen. Eine böse Überraschung erwartete uns allerdings schon gleich zu Beginn des Tages…


Gegen halb acht verließen wir mal unser tolles Appartment und schwankten zum Frühstück hinunter. Auch dieses wusste in Vielfalt und Geschmack zu überzeugen, auch wenn es doch schon eine Spur italienisch angehaucht war, was die Süße der dargebotenen Leckereien und die Spärlichkeit des bei uns gemeinhin als Brötchen bekannten Gebäcks anbelangte. Der frisch aus der gigantischen, in edlem silber strahlenden Barrista Maschine, zubereitete Kaffee, suchte dafür wiedermal seines Gleichen.


Morgendlicher Blick von unserem Balkon ins italienische Bergdorfidyll.

Kurz darauf wurde ausgecheckt und wir fuhren den kurzen Weg von unserem Bergdorf Flavon zum nächsten Bahnhof der Schmalspurbahn in Denno hinunter. Das Bahnhofsbild von der Straßenbrücke stand als Morgenmotiv gleich als erstes auf dem Zettel und so saßen wir dort auf der Leitplanke und warteten auf den von Google Maps in kürze angekündigten Zug nach Mezzana. Doch auch zehn Minuten nach Plan bewegte sich nichts und die Blicke richteten sich mal detaillierter auf die Schienen. Befahren sahen die schon aus aber so richtig viel – Mmmh…
Also die Website von Trentino Trasporti befragt und prompt der Schock: Bauarbeiten. Der genauere Blick auf den Ersatzplan offenbarte allerdings, dass die Sperre derzeit „nur“ für den Abschnitt Mezzolombardo-Cles galt. Unser Motiv in Denno viel damit allerdings ins Wasser.


Zeitweise lag der Bahnhof von Denno zwischen den dicken Quellwolken sogar in der Sonne. Züge waren allerdings nicht zu erwarten…

Wir trollten uns also mal nach San Michele, um das Bild der Betonbrücke über den Etsch anzuvisieren. Die dicken Quellwolken verdunkelten das Motiv allerdings gleich bei den ersten zwei Versuchen, sodass zwischendurch noch der Bahnhof Mezzolombardo angesteuert werden konnte. Hier stand auch diverses Baugeraffel, unter anderem ein Rumänendiesel herum, was den blanken Zustand der Gleise im gesperrten Abschnitt erklärte.


Aufgrund der Streckenunterbrechung zwischen Mezzolombardo und Cles, endeten die Züge aus Trient im Bahnhof von Mezzolombardo. ETi 413 wartet auf die Abfahrtszeit Richtung Trient.


Beim dritten Anlauf klappte dann auch die Etschbrücke bei San Michele mit ETi 403.


Zwischendurch konnte auf der Hauptstrecke auch noch ein ETR485 aufgenommen werden.


In Mezzocorona Borgata konnte ETi 403 aufgenommen werden.

Gegen Mittag hatte dann auch die Brücke geklappt und so verschoben wir uns zur anderen Streckenhälfte. Die S-Bahn artige Strecke im Etschtal nach Trient hinein, sparten wir uns einfach mal. Durch die rund 20 Kilometer lange Sperre, kam auch keine der älteren Ansaldo-Garnituren zum Einsatz. Auch Doppeltraktionen konnten wir nicht beobachten. Kurz hinter Cles warteten wir im kleinen Bahnhof Mostizzolo auf den nächsten Kurs, welcher dann in Form des grün/blauen ETi 407 vorbeikam. Eine ganz nette farbliche Abwechslung, zu den nicht minder gewöhnungsbedürftigen pinken Triebwagen.


Der grüne ETi 407 im Bahnhof von Mostizzolo auf dem Weg nach Mezzana.


Eng an den Hang geschmiegt, verläuft die Strecke die meiste Zeit von Cles nach Malé zwischen Laubwald und Obstplantagen.

Wenn schon das bekannte Motiv der großen Brücke über die Noce-Schlucht baustellenbedingt flach fiel, wollten wir wenigstens den zweiten Klassiker der Strecke mit dem Castello von Cles ablichten. Also ging es das kurze Stück zurück nach Cles und nach einem kleinen Einkauf im örtlichen Spar und der anschließenden Zufriedenstellung der Mägen, unternahmen wir vom Bahnhof aus den kleinen Spaziergang zum Motiv in den Obsthängen.


ETi 414 während seiner und unserer Mittagspause im Bahnhof von Cles.


Der Blick auf das Castello von Cles über der Santa-Giustina-Talsperre, ist wohl das bekannteste Motiv der Schmalspurbahn Trient-Mezzana – hier mit ETi 402.

Ein weiteres „must-have“ (ja, ein schreckliches Unwort!), war für mich der Blick von der Straße auf die S-Kurve unterhalb des kleinen Ortes Bozzana. Ganze drei Kurse warteten wir hier ab, was bei dem verdichteten Takt zwischen Cles und Malé wenigstens keinen drei Stunden entsprach, doch die Sonne verzog sich zuverlässig in letzter Sekunde und ließ nur den Hintergrund grell erstrahlen. Bei steigender Frustration wurde also kurzerhand ein Bild ohne Zug gemacht und in meiner Verzweiflung anschließend am heimischen Rechner Photoshop angeschmissen…


Ganz böse wurde einer der drei verschatteten Kurse in Bozzana kurzerhand ins Sonnenbild „gephotoshopped“. Aber Hand auf’s Herz, wer hätte es ohne den Hinweis bei dem ohnehin von Gewitterluft diesigem Sonnenlicht erkannt?

Der Nachmittag war mittlerweile weit fortgeschritten und die Motivation, ob des recht langweiligen Verkehrs bei immer schlechter werdendem Wetter, hielt sich doch stark in Grenzen. Der Weg nach Tirano dürfte ja auch noch mal gut zwei Stunden in Anspruch nehmen und so entstand, während einer Aufnahme bei Cavizzana in einer der hunderten S-Kurven in den Obstplantagen, der Entschluss, allmählich das Weite zu suchen.


ETi 402 in einer S-Kurve bei Cavizzana.

Witterungsbedingt entstanden im Verlauf bis Mezzana nur noch nicht vorzeigbare Ergebnisse und ein Beweisbild im Betonendpunkt des Wintersportortes. So richtig meinen Frieden geschlossen, hatte ich mit dieser eigentlich reizvollen Strecke zwischen Obstplantagen und den typsichen italienischen Bergdörfern irgendwie noch nicht, bestimmt wird es mich in den nächsten Jahren noch einmal hierher verschlagen.
Die anschließende Fahrt nach Tirano zog sich durch teils wolkenbruchartige Regenfälle wie Kaugummi und recht bedient von diesem eher entäuschenden Tag, liefen wir schlussendlich durch das verregnete Tirano und ließen uns in einer Pizzeria nieder. Die Jacken trieften schon nach dem kurzen Rundgang durch die Stadt, als wir uns endlich beim Essen wiederfanden. Bevor die Lasagnen kredenzt wurden, warf ich töricht wie ich bin, vor lauter Verzweiflung mal einen Blick auf den Wetterbericht für den morgigen Tag. Doch was war das? Große Sonnen von morgens bis Abends strahlten mir dort entgegen. Kaum zu glauben, bei dem, was da noch immer vor dem Fenster abging…
Doch schon auf dem Weg zurück zur Unterkunft hatte der Regen aufgehört und der Plan wurde gefasst, sollte das Wetter tatsächlich morgen so kaiserlich werden wie behauptet, gleich morgens hinauf nach Ospizio zu fahren und den Tag am Pass zu verbringen. Bis dahin sollten allerdings noch einige Stunden Schlaf getankt werden.
Ob der Wetterbericht dann morgen tatsächlich recht behalten soll, davon dann mehr im nächsten Teil.

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