Zwei Wochen in Graubünden VII: Von Davos ins Prättigau

Während meines Aufenthaltes im Engadin Ende Juli 2019, unternahm ich auch zwei Abstecher über den Flüelapass an die Ursprungsstrecke der RhB nach Davos und ins Prättigau, wo vor der Einführung der neuen Flügeltriebzüge CAPRICORN noch eine rege Fahrzeugvielfalt herrscht.


Dienstag, 30. Juli 2019: Von Davos ins Prättigau

In der zweiten Woche meines Aufenthaltes im Engadin, waren die zahlreichen Motive zwischen St. Moritz und Susch allmählich abgearbeitet und es durfte noch einmal etwas Abwechslung sein. So kam am 30. Juli morgens in Bever das Fahrrad auf’s Dach und die rund einstündige Fahrt über den Flüelapass wurde in Angriff genommen.
Zunächst wollte ich heute hoch nach Davos, wo rund um den weltbekannten Ort noch einige Motive auf dem Zettel standen. Dort sollte auch die morgendliche Krokodilfahrt nach Filisur und der zwischen Davos und Klosters pendelnde Stammnetztriebwagen den Weg auf den Chip finden.
Das Auto wurde zwischen Davos Platz und Frauenkirch vor dem Schützenheim abgestellt, wo schon am Morgen fleißig trainiert wurde. Dann ging es den restlichen Tag auf zwei Rädern weiter.


Wie so oft hingen über dem Flüela am Morgen noch einige Wolken, dennoch wärmte bereits die Morgensonne und lud zu einigen Fotohalten am Pass ein.


Aus Filisur kommt Ge 4/4 III 645 als eine von zwei RTR-Werbeloks und erreicht entlang des Landwassers in Kürze Davos Platz.

Der Betriebsablauf zwischen Landquart und Davos bzw. Filisur, läuft seit einigen Jahren unverändert ab: Aus Landquart kommt eine meist sechs Wagen starke Garnitur mit Ge 4/4 II oder Ge 4/4 III voraus und einem Steuerwagen nach den ersten drei Personenwagen. Als Steuerwagen kommen bei den vier benötigten Garnituren die teilniederflurigen BDt aus der Serie 1751-1758 zum Einsatz. Die zwei hinter dem Steuerwagen laufenden Personenwagen, werden dann in Davos Platz abgehängt und der Zug fährt als vier Wagen starker Pendelzug nach Filisur und zurück. Auf der Rückfahrt werden dann in Davos die Wagen wieder hinten an die Lok angehängt, sodass die Züge von Davos nach Landquart stets Steuerwagen voraus und Lok in der Mitte fahren – eine bei Fotografen doch eher unbeliebte Zugzusammenstellung, die in der Schweiz aber alles andere als unüblich ist.
Da der Taktfahrplan in Davos Platz ohnehin gebrochen werden muss, um die Anschlüsse in Filisur an die Albulalinie zu halten, hat der Zug in Davos auch ausreichend Zeit für das An- und Abkuppeln der Wagen.


Der nächste Pendel nach Filisur kommt mit Ge 4/4 II 630 und BDt 1753 zwischen Davos Platz und Frauenkirch daher.

Seit 2019 wird auch aus Landquart ein morgendlicher Bernina-Express nach Tirano geführt, welcher in früheren Jahren noch in Davos startete. An meinem anvisierten Motiv hinter Davos Frauenkirch Richtung Filisur, machte dies freilich keinen Unterschied.


Der Bernina-Express aus Landquart wird heute mit Allegra 3509 geführt. In Davos wurde dem Zug ein zweiachsiger Panoramawagen am Zugschluss beigestellt.

Anschließend stand die vormittägliche Runde des Krokodils nach Filisur an, welches in den Sommermonaten täglich zwei Fahrten von Davos nach Filisur und zurück bewältigt. Ich stellte mich auf die Landwasserbrücke vor Davos Frauenkirch. Geführt wurde der Zug heute von Ge 6/6 I 414, wobei der heute wieder mitlaufende Pullmannwagen entgültig für Schüttelfrost beim Fotografen sorgte und mich dazu veranlasste, die Rückfahrt des Krokodils nicht mehr abzuwarten, sondern direkt den Weg hinunter nach Kloster anzutreten, schließlich wollte ich auch noch ein Mittagsmotiv bei Cavadürli ansteuern.


Das Krokodil Ge 6/6 I 414 erreicht mit seiner bunten Fuhre Davos Frauenkirch. Die Ästhetik des Zuges erinnert dann doch schon fast an österreichische Touristen-Bummelzüge 😉


Ge 4/4 II 630 wurden in Davos Platz die zwei zusätzlichen Wagen für die Fahrt nach Landquart beigestellt und der Zug rollt nach Davos Dorf.

Zwischen Davos Platz und Kloster Platz pendelt im Sommer, zusätzlich zu den Zügen Davos-Landquart, alle zwei Stunden einer der alten Stammnetzpendel aus den 70er Jahren. Dieser stellt in Klosters den Anschluss nach Davos, des alle zwei Stunden aus Landquart nach St. Moritz fahrenden Engadin-Star her. Im Winter fährt dieser Pendelzug sogar stündlich, besteht doch durch die vielen Wintersportler zwischen Klosters und Davos zur weißen Jahreszeit ein deutlich höherer Bedarf.
Da diese Leistung seit Jahren verlässlich von einem der alten Stammnetzpendel bedient wird, ist sie stets ein guter Anlaufpunkt, um die formschönen Triebwagen abseits der eher langweiligen S-Bahn Linie Schiers-Reichenau/Thusis, in der schönen alpinen Landschaft zwischen Davos und Klosters aufzunehmen.
Sollten die Stammnetzpendel Be 4/4 511-516 ürsprünglich schon ab 2011 von den neuen vierteiligen Stammnetz-Allegras ABe 4/16 3101-3105 weitgehend abgelöst werden, erhielten sie sogar noch einmal ein kleines Refit und sind noch heute unverzichtbar. Mit den 36 neuen CAPRICORN Flügeltriebzügen, welche ab 2020 schrittweise in Betrieb gehen sollen, dürfte es gerade für die sechs alten Stammnetzpendel allerdings langsam knapp werden. Grund genug auch die Garnitur zwischen Davos und Klosters noch einmal abzulichten.


Stammnetzpendel Be 4/4 513 hat Davos Dorf Richtung Klosters verlassen und passiert die große Wiese am Davosersee.

Nun ging es die erste Höhenstufe nach Davos Laret hinab. Dort kam mir der Pendelzug dann auf der Rückfahrt von Klosters entgegen, der Bahnhof Laret ist allerdings eher unfotogen. Stattdessen wollte ich den Zug noch einmal unweit des abgelegenen Bahnhofes Cavadürli, welcher nur mit der Bahn, zu Fuß oder eben dem schotterpisten-geeigneten unmotorisierten Zweirad erreichbar ist, an einem schon lange ausstehenden Motiv ablichten.


Zunächst kam mir nach der rasanten Abfahrt von Davos Laret nach Cavadürli im Bahnhof die Ge 4/4 III 645 mit dem Regio Landquart-Davos entgegen.

Anschließend ging es die Schotterpiste einige hundert Meter weiter oberhalb der Bahnstrecke entlang zu meinem anvisierten Motiv. Dort wartete ich rund eine Stunde auf den nächsten Regio aus Landquart und den kurz darauf nach Kloster hinab fahrenden Pendelzug. Dabei gab es durchaus schlimmere Plätze zum Warten und Verringern des Proviantes, als hier einige hundert Meter oberhalb von Klosters mit Blick hinab ins Prättigau.


Dieser kleine Vorsprung bietet den perfekten Blick auf das anvisierte Motiv bei Cavadürli. Schon frühzeitig hört man den Zug durch die Schleifen von Klosters hinauf quitschen.


Nach dem nächsten Regio aus Landquart, kommt der Be 4/4 513 aus Davos zurück, den ich nicht von der Hütte aus, sondern etwas seitlicher aufnahm.

Nun ging es die übrigen Höhenmeter nach Klosters Platz hinab. Die Schotterpiste bietet dabei kurz vor dem Erreichen des Bahnhofes einen netten Ausblick auf selbigen mit den mächtigen Holzbalkonen des Ortes darüber. Gerade war auch ein Engadin-Star nach St. Moritz abfahrbereit und so wurde den Bremsen eine kleine Abkühlungspause gegönnt und die Ausfahrt des Engadin-Star festgehalten.


Ge 4/4 II mit einem Engadin-Star nach St. Moritz in Klosters Platz.

Der weitere Plan war, noch bis Saas hinab zu fahren und anschließend diverse Nachmittagsmotive abzuarbeiten, welche mir an dieser Strecke noch fehlten, die ich bisher zumeist am Vormittag fotografisch beackert hatte.


Ge 4/4 II 623 mit Eigenwerbung für den Glacier-Express durchfährt den Bahnhof Kloster Dorf ohne Halt.


Die Eishockey-Lok Ge 4/4 III 652 mit einem Regio nach Davos kurz vor Saas am bekannten Motiv unterhalb der Kirche kurz vor dem kleinen Tunnel.


Einige Meter weiter überquert die „50 Jahre LGB“ Jubiläumslok Ge 4/4 II 617 mit dem Regio Samedan-Disentis den Viadukt unterhalb von Saas. Von hier aus ging es dann allmählich wieder zurück Richtung Klosters und Davos.

Nachdem die zwei Motive bei Saas abgearbeitet waren, ging es von nun an stetig bergauf zurück Richtung Kloster. Bei Pragrüeg hatte ich ebenfalls noch ein bekanntes Nachmittagsmotiv offen, welches schon lange auf dem Zettel stand. Am späten Nachmittag kommen zwei Engadin Stars im Stundenabstand aus St. Moritz und zusätzlich noch der Davoser Güterzug Richtung Landquart, sodass die Strecke mit sieben Zügen innerhalb von zwei Stunden in Richtung Landquart mehr als gut ausgelastet ist. Ich wartete an der Stelle unterhalb von Pragrüeg mal bis zum Davoser Güterzug, von dem ich nicht genau wusste, wann er sich zwischen die vielen Züge quetschen würde. Zunächst kam aber der Engadin-Star aus St.Moritz und die Regios Landquart-Davos und Disentis-Samedan durch. Auch die beiden letztgenannten Regios in Gegenrichtung wurden noch schnell durchgelassen, bevor der Güterzug mit Ge 6/6 II aus Davos schnell durchhuschte. In der halben Stunde, in der ich hier meine letzten Vorräte vertilgend, fasziniert die spätnachmittägliche Rush-Hour festhielt, hatte es sich merklich zugezogen. So gerade eben ging das Licht bei der Durchfahrt des Güterzuges nochmal an.


Ge 4/4 II 618 mit dem Engadin-Star aus St.Moritz bei Pragrüeg.


Mit dem einzigen täglichen Güterzug aus Davos, kommt Ge 6/6 II 704 um kurz vor sechs durch Pragrüeg Richtung Landquart.

Nachdem auch diese Motiv noch geklappt hatte, war die Wolkensituation nun zunehmend hoffnungslos und der Weg hinauf nach Davos würde auch noch gut zwei Stunden in Anspruch nehmen, galt es doch zwischen mir und dem Auto nicht nur gut 20 Kilometer Strecke zu überwinden, sondern auch rund 700 Höhenmeter.
Der erfolgreiche Fotonachmittag im Prättigau war also schon zufrieden für beendet erklärt worden, doch als ich von Pragrüeg die Steigung nach Klosters hinauf strampelte und die bekannte Fotokurve vor Klosters Dorf sichtete, kam mir der vorhin erwähnte, im Stundenabstand folgende Engadin-Star wieder in den Sinn. Der müsste eigentlich jeden Moment durchkommen und wurde in der letzten Woche häufig mit Ge 6/6 II geführt. Also schnell das Radel an die Hütte gelehnt und den Blick zum Himmel gerichtet: Ziemlich düster da oben, es hatte sich binnen weniger Minuten nun vollständig zugezogen. Doch schon kam am Hang oberhalb von Klosters Dorf eine rote Wagenschlange dahergefahren und an der Spitze war tatsächlich eine Ge 6/6 II. Als dann rund eine Minute später auch noch die Sonne völlig überraschend einen letzten Kraftakt für den Tag anstrengte und die wunderbar ins Motiv passende Komposition mit Ge 6/6 II 703 in warmes Abendlicht tauchte, war der Fototag perfekt.
Die rund 700 Höhenmeter über Schotterpisten und durch Regenschauer hinauf nach Davos zum Auto, traten sich dann anschließend, mit diesem Knaller zum Tagesabschluss, gleich viel leichter…


Der völlig unverhoffte Knaller zum Tagesabschluss: Ge 6/6 II 703 mit dem Engadin-Star aus St. Moritz bei Kloster Dorf in grandioser Lichtstimmung.

Nachdem es in der Steigung von Cavadürli nach Laret hinauf teilweise heftig regnete und das Hinterrad verzweifelt nach Halt im nassen Schotter-/Waldbodenmix suchte, war ich nach dem Überwinden des Scheitelpunktes hinter Davos Wolfgang schon wieder luftgetrocknet und rollte die letzten Meter dieser rund 80 Kilometer langen Tagestour durch Davos zum Auto hinab.
Anschließend wurde auf’s Auto umgesattelt und begleitet vom SRF 3 Reggea-Special ging es über den abendlichen Flüela zurück ins Engadin, wo ich um kurz nach neun leicht gerädert, aber vollauf zufrienden mit dem Tag in Bever den Motor abstellte.

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