Durch Lettlands Regen I: Über Frankfurt nach Rīga

Zum Abschluss der Sommersaison buchte ich recht spontan noch einen Flug nach Lettland und verbrachte eine Woche bei den dortigen Straßenbahnen in Rīga, Daugavpils und Liepāja. Während Rīga noch immer von T3SU- und T6B5SU-Zügen dominiert wird, verdrängen in Daugavpils und Liepāja zunehmend Niederflurfahrzeuge die teilweise aus Deutschland stammenden Hochflurwagen. Geprägt war die Woche vor allem von ergiebigem Dauerregen, letztendlich sollten aber auch bei jedem der drei Betriebe einige Sonnenbilder entstehen…


Mit dem Reisebericht aus der Schweiz geht es derzeit etwas langsamer voran. Aufgrund der zwei separaten Fahrten über dann insgesamt gut drei Wochen, werden uns die Berichte von den schweizer Schmalspurbahnen ohnehin noch bis in den Winter begleiten. Nicht nur beim Bearbeiten und Schreiben bedarf es da mal etwas Abwechslung, sondern sicher auch beim Lesen und Betrachten, sodass jetzt zwischendurch immer mal wieder ein Reisebericht für die Straßenbahnbegeisterten unter den Lesenden eingeworfen wird: Eine Reise zu den drei lettischen Betrieben Ende August 2021.


Prolog

Ende August hatte ich noch eine nicht verplante Urlaubswoche. Recht schnell nach der Rückkehr von der zweiten Schweiz-Tour musste also eine Entscheidung her, wo es zum Abschluss dieses sommerlichen Urlaubsmarathons noch hingehen sollte. Endlich war auch der vollständig gültige Impfstatus erreicht, sodass Corona den potenziellen Zielen wenigstens etwas weniger Grenzen setzte. Nach einigem Abwägen der Ziele, Recherchieren der jeweils gültigen Corona-Auflagen und Suchen nach so spontan noch bezahlbaren Flügen, fiel schließlich eine Entscheidung. Ich wollte genau dort anfangen, wo Corona vor eineinhalb Jahren meine bis dato letzte geplante Straßenbahntour verhindert hatte: Das Baltikum. Das gesamte Baltikum ist auf meiner Karte noch eine große leere Fläche. Ursprünglich hatte ich für den Mai 2020 eine ausgiebigere Tour geplant, die nach einem Flug nach Rīga und den beiden lettischen Kleinbetrieben, noch die Weiterfahrt nach Tallin und Helsinki vorgesehen hatte. Geplant waren dafür aber knapp zwei Wochen. Nun blieben mir noch genau acht Tage vom Beginn der gültigen Impfung bis zum Ende der Urlaubszeit am 1. September.
Der ursprüngliche Plan aus 2020 war also nicht zu schaffen. Mit irgendetwas müsste ich im Baltikum aber mal anfangen. So fiel die Wahl, aus einer Mischung von bezahlbarem Flug und Dringlichkeit besonders der beiden kleinen Betriebe, auf Lettland. Für Helsinki und Tallinn hege ich ohnehin noch die verwegene Idee, das irgendwie mal mit St. Petersburg zu verbinden – irgendwann mal, wenn das Reisen wieder wie „früher“ möglich sein sollte…

Im Hier und Jetzt sollte es aber von Frankfurt mit airBaltic direkt nach Rīga gehen. Einziges Problem, das ich beim Buchen des Fluges völlig ausgeblendet hatte: Die Bahn war ja ständig am Streiken. Die Option, mit dem ICE nach Frankfurt zu fahren fiel sowieso schon aus, da der Flieger mit 09:50 Uhr für die erste vertretbare Verbindung aus Braunschweig zu früh abheben sollte. Der eigentliche Plan, an der S-Bahn zu Parken und mit eben jener zum Fraport zu fahren, war durch den Streik nun aber mit einiger Unsicherheit behaftet. So blieb letztlich nur das Parken am Flughafen, was dann für die acht Tage gleich nochmal rund ein Drittel des Flugpreises kostete. Wobei mir die knapp hundert Euro für einen Parkplatz direkt am Terminal 2 doch eher noch günstig vorkamen. Parkplatz und Flug waren also gebucht, fehlte nur noch ein Hotel für den Start in Rīga. Ich buchte mal für die ersten zwei Nächte im Hotel Justus direkt in der Altstadt, alles weitere würde sich dann ergeben. Denn wie genau ich die Abstecher nach Daugavpils und Liepāja in der Woche unterbringen würde, wusste ich noch nicht so richtig. Letztendlich sollte dabei auch das Wetter noch eine gewichtige Rolle spielen…


Dienstag, 24. August 2021: Über Frankfurt nach Rīga

Die Abflugzeit um 9:50 Uhr zurückgerechnet auf die notwendige Abfahrtzeit in der Löwenstadt, ergab ungefähr halb fünf. Der Wecker klingelte also noch vor vier und unterbrach jäh die Nachtruhe. Noch ein Happen gefrühstückt, ein Koffeinsüppchen genehmigt, Koffer und Kamera ins Auto geschmissen und schon konnte es los gehen. Die Fahrt verlief erfreulich ereignislos. Bei der nun schon fünften Fahrt durch die 30km Baustelle zwischen Salzgitter und Kassel binnen weniger Wochen, fuhren sich die ständigen Schlangenlinien und Verengungen fast von allein. Im Großraum Frankfurt wurde es dann voller, ich war aber noch deutlich vor dem Peak der Rush-Hour unterwegs, sodass ich ohne Stau bis zum Flughafen durchkam. Dort folgte ich der Ausschilderung zum Parkplatz P8 des Terminal 2, für den ich am Vortag noch online gebucht hatte. Dass kann ich im Übrigen nur empfehlen – man spart durch die Online-Buchung doch einige Prozente! Die einzelnen Parkreihen im Parkhaus sind jeweils mit einer eigenen Schranke gesichert, sodass das System einem netterweise auch gleich nach einbuchen an der Schranke eine Mail mit der jeweiligen Parkreihe schickt. Sehr praktisch, sollte man mal vergessen sich Parkebene, Reihe und Stellplatz zu merken. Durch die Schranke musste ich aber erstmal hindurch, wobei sich fast die erste kleine Panne des Urlaubs ereignete: Zum Einfahren wird bei Online-Buchung ein QR-Code verschickt, den die Schranke dann vor Einfahrt vom Smartphone scannt. Dummerweise hatte ich aber den QR-Code im Anhang besagter Mail nicht direkt heruntergeladen und hier unten im Parkhaus zeigte das Smartphone dann nur ein zaghaftes Egde in der Empfangsstärke an. Es reichte aber geradeso, das Schwarz-Weiß-Rechteck in einer halben Minute zu laden. Da jede Reihe ihre eigene Schranke hat, hielt ich glücklicherweise auch keine aufgebrachte Blechmeute hinter mir auf…
Die Wege so manch eines Flughafens kennend, war ich dann schon begeistert, vom Parkhaus mit dem Aufzug praktisch direkt beim Check-In vorzufahren. Da hatten die 95 € doch durchaus einen deutlichen Komfort-Gewinn gebracht. So im Nachhinein betrachtet könnte man fast schwach werden, diese Anreise zum Fraport als neuen Standard zu etablieren – wobei ich nicht weiß, wie teuer das Terminal-Parken zu „normalen“ Zeiten einmal war und vielleicht wieder werden wird. Der Urlauber-Parkplatz war Corona-bedingt selbst jetzt im Sommer geschlossen und dafür wahrscheinlich die Preise der Terminal-Parkplätze günstiger.
Da die Schlange am Check-In gerade ohnehin maximal war, gab es erst noch ein kleines Frühstück im Terminal. Anschließend reihte ich mich dann doch mal an die zwei Schalter von airBaltic ein. Das Ganze wäre wohl auch einigermaßen zügig abgearbeitet gewesen, wäre da nicht eine ganze Kaffeefahrt am Anfang der Schlange gewesen. Eine klassische Senioren-Busreise-Gruppe, die zumindest aber bis Rīga allem Anschein nach Flugtickets hatte ergattern können. Der Altersschnitt dieser Gruppe dürfte locker über 70 gelegen haben und entsprechend starrsinnig waren auch die Versuche, unter all den neuen Rahmenbedingungen erfolgreich durch den Check-In zu kommen. Benötigt wurde neben den obligatorischen Ausweisdokumenten eigentlich nur ein gültiger COV-Pass und ein QR-Code des Einreiseformulares für Lettland. Welches der drei Dinge nun am Stillstand schuld war, blieb ein Rätsel. Eine Viertelstunde bewegte sich jedenfalls so gut wie nichts und die Seniorenbande schien zunehmend überfordert, ebenso die Dame am Schalter. Irgendwann erbarmte sich dann der zweite Schalter – eigentlich für Economy Plus oder so ähnlich reserviert – auch Normalsterbliche abzufertigen. So schafften es dann alle anderen Reisenden recht zügig ihre Koffer los zu werden.
Alles weitere lief routiniert. Einzig erwähnenswert vielleicht noch, dass der schnuckelige A220-300 der Low Cost Airline airBaltic am Fraport ein Gate direkt am Terminal mit Gangway ergattern konnte. Das hätte es vor Corona wohl nicht gegeben…


Der moderne kleine A220-300 der airBaltic steht am Gangway-Stellplatz direkt am Terminal doch etwas fehlplatziert.

Obwohl es die Kaffeefahrt irgendwie doch noch in den Flieger geschafft hatte, war selbiger kaum zur Hälfte gefüllt – das dürfte wohl kaum kostendeckend gewesen sein. So blieb mir in der kleinen Sardinenbüchse mit 2+3 Bestuhlung eine 2er Reihe direkt über der Tragfläche für mich. Nach schier endlosen Hinweisen in zwei bis drei Sprachen, die sich durch die neuen Corona-Regeln noch einmal verlängert hatten, brachte der Airbus endlich Luft zwischen sich und die Startbahn.
Der Abflug aus Frankfurt war grandios, ging es doch bei klarer Sicht direkt über die Stadt mit Blick auf die Hochhauskulisse. Anschließend ging es knapp zwei Stunden immer Richtung Nord-Osten. Über Brandenburg, Polen und die Ostsee erreichte der Flieger die lettische Küste genau bei Liepāja und setzte zum Landeanflug auf Rīga an. Dort wiederum bekamen wir an der Home-Base von airBaltic nur einen Vorfeldplatz, wenigstens aber ohne Bus-Transfer.


Der Abflug bot einen tollen Ausblick über Frankfurt.


In Riga gab es derweil nur einen Platz auf dem Vorfeld.

Praktischerweise fährt vom Flughafen direkt der 22er Bus des städtisches Betreibers Rīgas Satiksme in die Innenstadt. Tickets sind an der Haltestelle am Automaten erhältlich und gelten bereits für den gesamten Stadtbereich. Ich zog mir gleich mal eine 3-Tages-Karte und schon kam der nächste 22er in Gestalt eines Solaris vorgefahren. Da die großen Einfallachsen nach Rīga eigentlich immer voll sind, quälte sich der Bus etwa eine halbe Stunde durch stockenden Verkehr, bis ich an der Haltestelle Grēcinieku iela, hinter der Daugava-Brücke und unmittelbar an der Altstadt ausstieg.
Das Hotel Justus war von der Haltestelle keine fünf Minuten Fußweg entfernt, was aber auch ganz gut war, denn Rollen kann man den Koffer auf dem Rīgaer Kopfsteinpflaster nur sehr bedingt. Das Zimmer war bereits bezugsfertig, also checkte ich schonmal ein, machte mich kurz frisch und rüstete auf leichtes Gepäck um.
Obwohl der Himmel auf dem ganzen Flug nicht mehr so klar war wie in Frankfurt und der Landeanflug bereits im Regen stattfand, hielt mich nichts im Hotel – eine neue Stadt wollte erkundet werden.
Ich lief mal Richtung Norden durch die Altstadt, bis ich auf Schienen traf. Bei diesen handelte es sich um die nördlich die Altstadt tangierende Strecke der Linien 5, 7 und 11 zwischen Oper und Theater.


Da wir nun erstmals auf die Straßenbahn treffen, hier ein paar einleitenden Info’s:

Das Straßenbahnnetz von Rīgas besteht derzeit aus den sechs Hauptlinien 1, 2, 5, 7, 10 und 11, die insgesamt acht Äste bedienen. Dazu gibt es noch die drei Verstärkerlinien 3 und 9 mit nur wenigen Fahrten am Tag, die während meines Besuches, wohl wegen der Ferienzeit nicht fuhren. Die einzelnen Linien werden in der Regel typenrein bedient. Die neuen ab 2010 beschafften Niederflurwagen von Skoda vom Typ 15T werden ausschließlich auf der Durchmesserlinie 1 zwischen den Plattenbausiedlungen Jugla und Imanta, und auf der Linie 11 Mežaparks – Ausekļa iela eingesetzt. Beide Linien fahren in enger Taktung mit vier bis acht Bahnen pro Stunde. Wobei von Takt zu sprechen trifft es in Rīga – und eigentlich in ganz Lettland – nicht wirklich. Vielmehr ändert sich die Anzahl und der Abstand zwischen den Bahnen und auch die Abfahrtsminuten über den Tag permanent. Man könnte sagen, es wird ein stark nachfrageorientierter Fahrplan gefahren. Das trifft es allerdings angesichts der teilweise nur ein bis drei Bahnen pro Stunde auf manch anderer Linie auch nicht so richtig. Zu diesen Linien zählen die 2, 5 und 10. Alle drei Linien bedienen hauptsächlich die “Altbauviertel”, also jene Stadtviertel, die geprägt von den typischen lettischen Holzhäusern sind und wenige bis keine Plattenbauten aus sowjetischer Zeit aufweisen. Einzige Ausnahme bildet die Linie 7, die mit vier bis neun Fahrten pro Stunde durch die Moskauer Vorstadt (Maskavas forštate) führt, in der sich eben jene klassischen Straßenzüge zeigen. Dahinter bindet die Linie allerdings noch das große Plattenbauviertel Ķengarags an, welchem sie die dichte Taktung verdankt. Während auf dieser Linie und der Linie 2 nur Doppeltraktionen T6B5SU zum Einsatz kommen, werden die Linien 5 und 10 ausschließlich von T3SU-Doppeltraktionen bedient. Das alles werde ich mir aber in der kommenden Woche mal genauer anschauen und im Laufe der Zeit das Gesamtnetz befahren. Als Überblick vorweg aber schonmal das Liniennetz während meines Besuches:


Liniennetz der Straßenbahn Rīga im August 2021 mit den Linien 1, 2, 5, 7, 10 und 11. Zusätzlich waren mit wenigen täglichen Fahrten die Verstärkerlinien 3 Jugla – Ķengarags und 9 Ķengarags – Aldaris ausgehangen, die während meines Besuches eventuell wegen den Ferien aber nicht verkehrten.


Wo waren wir stehen geblieben? Richtig – Ich war durch die Altstadt Richtung Norden gelaufen, bis ich auf Schienen traf. Dabei handelt es sich um die Strecke der Linien 5, 7 und 11, die zwischen den Haltestellen Nacionālā opera und Nacionālais teātris die Altstadt nördlich streifen. Die Linien 7 und 11 enden bereits eine Haltestelle später in der Schleife Ausekļa iela. Die Linie 5 verläuft als zweitlängste Linie der Stadt bis weit in den Norden ins Hinterland des Hafens nach Mīlgrāvis.
Nachdem am Flughafen noch letzte Aufhellungen auszumachen waren, hatte es nun endgültig zu gemacht, sodass ich erstmal weitgehend unabhängig vom Sonnenstand in der Innenstadt ein paar Aufnahmen machen konnte.


T3SU 30068 und 30057 kommen als Linie 5 aus dem Norden der Stadt und durchfahren die S-Kurve zwischen Nacionālais teātris und Nacionālā opera. Unmittelbar links hinter dem Wall befindet sich die historische Altstadt Rīgas. Im Sommer wird die Wallanlage allerdings von der Baumallee weitgehend verdeckt und lässt sich nicht mit den Bahnen in Szene setzten. Stolze 850 m liegen im Übrigen zwischen den Haltestellen Nacionālais teātris und Nacionālā opera. Eine Haltestelle dazwischen, als nördlicher Zugang zur Altstadt, wurde scheinbar vergessen.


Hinter der Haltestelle Nacionālā opera zweigt die Linie 11 Richtung Norden nach Mežaparks ab. Kurz nach dem Abzweig konnte Skoda 15T 57082 aufgenommen werden. Vor dem Haus hinter dem Skoda biegt wiederum die Linie 1 ab und umfährt die Universität auf der Nordseite zur nächsten Haltestelle Centraltirgus, während die Linien 5 und 7 auf der Südseite der Uni entlangfahren und hinter dem Häuserblock auf die Linie 1 treffen.


Die Linien 1 und 11 verlaufen hier eine ganze Weile schnurgeradeaus parallel nach Norden. An der Haltestelle Merķeļa iela hält in Gegenrichtung 15T 57049


Von der anderen Straßenseite fällt der Blick wenige Meter weiter auf den nächsten Kurs der Linie 1 mit Skoda 15T 57550. Da wie schon beschrieben in Rīga kein Taktfahrplan besteht, kommen die beiden Linien nicht immer wechselseitig, sondern häufig zwei Kurse der meist häufiger fahrenden Linie 1 hintereinander, bevor wieder eine 11 kommt.


An der eben bereits erwähnten Umfahrung der Universität hält Skoda 15T 57038 als Linie 1 an der Haltestelle Stacijas laukums. Die Haltestelle ist zwar nach dem Bahnhofsvorplatz benannt, selbiger liegt von hieraus allerdings noch jenseits der an dieser Stelle in meinem Rücken siebenspurigen und mittels Unterführung zu querende Satekles iela und etwa 500 Meter Fußweg entfernt. Ebenso weit zum Bahnhof ist es von der eben gesehenen Haltestelle Merķeļa iela. Deutlich besser erreichbar ist der Bahnhof mit Bus und Trolleybus.

Nachdem ich im gigantischen Einkauftempel neben dem Bahnhof zwischenzeitlich einen Kaffee mit Stückchen eingenommen hatte und im Narvesen noch etwas Trinkbares aufgetrieben hatte, wechselte ich hinüber zum Theater. Im Café machte ich dann auch gleich ein erstes Mal Bekanntschaft mit den doch happigen Preisen in und rund um die Rīgaer Innenstadt. Für die Gastronomie wird man im Touristen-Hotspot durchaus so viel los, wie hierzulande, während die Preise im übrigen Land doch eher bei der Hälfte liegen.

Vom Theater aus erkundete ich noch die lange Allee zur Schleife Ausekļa iela der Linien 7 und 11, bevor ich spontan auf einen der nur zwei- bis dreimal die Stunde fahrenden Kurse der Linie 5 nach Norden aufsprang.


T3SU 30896+30906 an der Haltestelle Nacionālais teātris. Selbiges befindet sich unmittelbar rechts der Straße und sollte in den kommenden Tagen noch mehrmals aus unterschiedlichen Perspektiven in Szene gesetzt werden. Am Ende der langen Allee über den Kronvalda bulvāris befindet sich die Zwischenschleife Ausekļa iela, an der die Linien 7 und 11 enden.


In der Schleife Ausekļa iela wenden T6B5SU 35217+35228 und treten eine neue Runde durch die Innenstadt und die Moskauer Vorstadt ins Plattenbauviertel nach Kengarags an.

Statt wärmender abendlicher Sonnenstrahlen, wurde es auf der Fahrt Richtung Norden dunkler und dunkler. Im Zusammenspiel mit den großen Fahrplanlücken verzichtete ich daher unterwegs auf weitere Expeditionen und fuhr bis zur Endstation durch. Fast drei Kilometer der Strecke verlaufen allerdings auch parallel zum vierspurigen Ganību dambis und sind mehr oder weniger unfotogen. Fast pitoresk sind die wenigen hundert Meter vor Erreichen des Ganību dambis zwischen den Haltestellen Eksporta iela und Ganību dambis. Heruntergekommene Platte wechselt hier unvermittelt zu typischen lettischen Holzhäusern. Ich notierte mir diese Stelle zwar im Kopf, sollte sie aber in den kommenden Tagen schlussendlich nicht mehr ansteuern. Erst nach den drei Kilometern auf dem Ganību dambis wird es dann wieder interessanter und nach der Zwischenschleife Aldaris, an der lediglich die wenigen Verstärkerfahrten der Linie 9 enden, verläuft die Strecke fast schon ländlich einige Zeit im Sand parallel zur Bahnlinie, ähnlich wie es auch die Linie 2 im Osten der Stadt tut. Wären nicht die parallelen Ausläufer des Hafens, würde neben der Bahnstrecke und auf den letzten Metern zur Endschleife Mīlgrāvis schon richtig ländliches Flair aufkommen. Kaum war ich an der Endschleife ausgestiegen, jagte das T3SU-Doppel auch schon durch die Schleife, sodass das Bild an der Endstation nichts wurde. Zumindest aber die Schleifenfahrt konnte ich noch festhalten. Anschließend lief ich eine Haltestelle zurück Richtung Stadt, um den nächsten Gegenzug im etwas verwahrlosten Hafen-Randgebiet festzuhalten.


T3SU 30024+30035 in der Endschleife Mīlgrāvis am Rande des Hafenviertels.


Zwanzig Minuten später kommt der nächste Kurs aus der Stadt unweit der Haltestelle Tvaika iela mit T3SU 30514 an der Spitze.

Den entgegenkommenden Kurs nahm ich nach dessen Schleifenfahrt dann zurück in die Stadt, denn bei diesem Licht war hier draußen nicht mehr viel zu wollen. An der Haltestelle 13. janvāra iela unmittelbar am Rande der Altstadt verließ ich den Kurs, sah mich noch kurz am Centraltirgus um und lief anschließend in die Altstadt hinüber. Ziel war erstmal etwas Essbares aufzutreiben und währenddessen auf die blaue Stunde zu warten. Viel hatte es heute auch noch nicht gegeben zu Essen, da meldete sich doch langsam der Hunger.


Vor dem Centraltirgus kurven T6B5SU 35032+35043 zur Haltestelle Prāgas iela.

Die Altstadt Rīgas gleicht inzwischen einem riesigen Touristen-Zoo der weniger angenehmen Sorte. Wie lange das schon so ist, kann ich nicht beurteilen, da dieser mein erster Besuch in Lettlands Hauptstadt war. Jedenfalls reihen sich Hotels, Restaurants und Bars auf den größeren Achsen der Altstadt und auf den Plätzen wie an einer Perlenschnur aneinander. An jeder Ecke vernimmt man die deutsche Sprache, wahlweise aus dem Munde der Kaffeefahrtenteilnehmer vom heute Morgen erlebten Typus, oder aber von der noch schlimmeren Art der “Wochenend-Sauftouris”. Zugegeben gibt es dazwischen sicher auch viele “moderate” Besucher der Stadt, aber die beiden genannten Gruppen fallen eben besonders auf und gehen bei Zeiten schon etwas an die Nerven… Jedenfalls ist durch diesen enormen Tourismus in der Innenstadt praktisch kein Lokal mehr zu finden, welches man vielleicht als typisch lettisch oder von Einheimischen frequentiert bezeichnen könnte. Überhaupt scheint es in der Innenstadt keine “Einheimischen” mehr zu geben. Ist ja auch alles voll mit Hotels, Bars und Restaurant und Nachts tobt dann die ganze Woche über die Party – wer will da schon wohnen. Die Restaurants kommen dann für lettische Verhältnisse auch alle recht überteuert daher, wofür die Portionen dann im Gegenzug oftmals umso kleiner ausfallen. Das Bier liegt auch gern mal schnell bei 5€. Irgendwie verkaufen die auch alle das Gleiche, was mich ein wenig an das “Great British Pub Food” erinnerte, wo gefühlt ganze Straßenzüge in Großbritannien sogar die gleiche Karte benutzen 😀 Fast überall scheint es eine Mischung aus Burger, Steak, Pizza und typischen osteuropäischen Fleischbergen zu geben. Mein Versuch eine Calzone zu bestellen, scheiterte dann nach fünf Minuten an der Rückmeldung, diese würde rund eine Stunde(!) brauchen. Das Bier war aber schon da, sodass ich auch nicht mehr fliehen konnte. Schon einigermaßen genervt von dieser Masche bestellte ich dann eben einen großen Salat mit Hähnchenstreifen. So richtig groß war dieser dann zwar nicht, was angesichts des nicht wirklich schmackhaften Dressings aber auch nicht so schlimm war. Würde ich dann eben auf dem Hotel später noch eine Kleinigkeit essen. Versuch eins mit der Rīgaer Restauration war jedenfalls nicht sehr erfolgreich. Fortsetzung folgt…

Das Hotel lag nur um zwei Ecken, sodass ich mich mit dem Stativ bewaffnen konnte und bei einbrechender Dunkelheit erneut Richtung Oper aufbrach. Denn was tut man bei schlechtem Wetter? Richtig, die blaue Stunde und Dunkelheit nutzen. Ein Motto, dass noch an weiteren Tagen dieses Urlaubes gelten sollte…


Am Tor zur Altstadt liegt in der Flucht des Freiheitsdenkmals “Brīvības piemineklis” der Brīvības laukums (laukums = Platz).


Um 90 Grad gedreht fällt der Blick auf den Aspazijas bulvāris zwischen Nacionālā opera und Nacionālais teātris. Eine Besonderheit ist hier der etwa 50 Meter breite Zebrastreifen, der den Menschenmassen aus der Altstadt das Überqueren des Bulevards ermöglicht. Dabei scheinen auch die Straßenbahnen nicht bevorrechtigt und lassen geduldig und im Schritttempo vorankämpfend die Passanten queren. Hier bahnt sich ein T6B5SU-Doppel mit 32036 an der Spitze den Weg über den Zebrastreifen.


Nacionālā opera am Aspazijas bulvāris. Gegenüber das Kempinski.


Schräg gegenüber der Oper steht auf der anderen Seite des Aspazijas bulvāris das Grand Hotel Kempinsiki – wohl die beste Adresse der Stadt. Davon unbeeindruckt kommt T6B5SU 32036 mit Anhang bereits von der Schleife Ausekļa iela zurück.


Die Dunkelheit hat die Oberhand gewonnen und lässt die Beleuchtung des Aspazijas bulvāris vor der Oper zur Geltung kommen. T3SU 30024+30035 an der Haltestelle Nacionālā opera Richtung Mīlgrāvi.Im Hintergrund erhebt sich die große Mall zwischen Centraltirgus und dem Bahnhof.


Unter Einsatz des Weitwinkels lässt sich in die Gegenrichtung an der Haltestelle Nacionālā opera eben jene mit den mitten auf der Straße haltenden Bahnen in Szene setzten – hier mit T3SU 30068+30057.

Der Tag war lang und so beendete ich nach dieser Aufnahme die erste Nacht-Session in Rīga um kurz vor zehn. Spoiler: Es sollte nicht die letzte bleiben. Noch schnell in einen gerade schließenden Supermarkt gehuscht und den bereits angedeuteten Nachtimbiss besorgt und anschließend zurück zum Hotel gelaufen. Dort ging es dann nach dem kleinen Snack ohne große Umwege schlafen.

Für Morgen ist erstmal ein ganzer Tag hier in Rīga vorgesehen, an dem ich mich etwas genauer mit dem Netz bekanntmachen werde. Davon dann aber im nächsten, hoffentlich nicht ganz so textlastigen Teil mehr.

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