Über den Röstigraben und Retour X: Entlang der CJ von Le Noirmont zur Spitzkehre

Heute geht es erneut zur CJ und mit dem Rad von Le Noirmont hinab zur einzigen meterspurigen Spitzkehre der Schweiz im Combe Tabeillon. Es sollte ein herrlicher Tag auf dem Rad entlang der Chemin de fer du Jura am Ast nach Glovelier werden.


Donnerstag, 29. August 2021

Das Wetter für heute: Sonne pur. Das durfte aber auch mal wieder sein nach den letzten, eher durchwachsenen Tagen. Erstaunlich, wie viele Sonnenbilder trotz der miesen Großwetterlage seit unserem Wechsel in die Westschweiz doch gelungen waren. Allerdings waren wir der Sonne auch auf Schritt und Tritt gefolgt. Viele Spielräume blieben da nicht, im Grunde wurden immer nur am Außenbogen des Genfersee nennenswert Sonnenstunden prognostiziert, die wir dort glücklicherweise maximal ausnutzen konnten, hatte unsere Planung doch schon im Vorhinein einige Tage dort beinhaltet. Nun war zumindest mal für einen Tag etwas großzügiger der blaue Himmel in den Prognosen.

Um halb acht ging es zum Frühstück hinunter, wobei wir erstmal herausfinden mussten, wo das überhaupt ist. Die enge Treppe am Ende des Ganges wären wir jedenfalls nicht hinabgestiegen, wäre mir gestern bei Ankunft dies nicht mitgeteilt worden. Aber der Hof ist ja am Hang gebaut, sodass wir nicht im Keller, sondern in der Küche des Hauses herauskamen und schon erwartet wurden, nachdem wir uns durch unzählige Katzen einen Weg gebahnt hatten. Es gab Kaffee, frisches Baguette, Marmelade, diverse Käsesorten, Obst und Joghurt. Wirklich top und unser Gastgeber war auch sehr freundlich und versuchte eine Art von Gespräch aufzunehmen. Leider scheiterte das wiedermal an meinen nicht vorhandenen Französischkenntnissen, denn Englisch war natürlich wiedermal Fehlanzeige. Da waren selbst die bruchstückhaften Wörter Deutsch nützlicher, die unser Gastgeber aus den hintersten Ecken des Gehirns hervorholte. Aber er war sehr freundlich und äußerst bemüht um unser Wohlergehen. Ich hatte hier gleich mal zwei Nächste gebucht, drei gingen leider Magels Verfügbarkeit nicht, denn mit den Unterkünften hier im Jura ist das nicht gar so einfach. In den größeren Orten gibt es natürlich immer ein Hotel am Platz, aber die dort aufgerufenen Preise sind meist nicht ohne. Die Auswahl an bezahlbaren Unterkünften ist dann aufgrund des geringen Gesamtangebotes gerade jetzt zur Schweizer Ferienzeit eher gering bis nicht vorhanden.

Pünktlich zur nächsten Zugfahrt stand ich mal an die Strecke und stellte fest, dass ich das Bild gleich hier an “unserem” Haltepunkt Petit Martel machen könnte. Wenige Minuten vor dem Zug kam dann die zweite Hälfte der Reisegruppe zum Haltepunkt geschlendert und drückte den Knopf des Bedarfshalts. Noch ein Gruß aus dem Fenster und dann bis heute Abend.


Im schönsten Morgenlicht verlässt Be 4/4 6 den Haltepunkt Petit Martel und eilt über die unzähligen ungesicherten Überwege weiter Richtung La Sagne, dem vorübergehenden Streckenende.
Während im oberen Jura von La Chaux-de-Fonds Richtung Osten inzwischen ein regelrechter Bauboom entstanden ist und die lange zurückgebliebene Region langsam wieder den Anschluss findet, ist das Hochtal von La Chaux-de-Fonds Richtung Les Ponts-de-Martel noch immer dünn besiedelt, etwas heruntergekommen und geprägt von Viehwirtschaft. Ohne die Schmalspurbahn würde man diese Region kaum in der Schweiz vermuten…

Neben der gestern besuchten Strecke Neuchâtel-Boudry, betreibt die transN (Transports Publics Neuchâtelois) im Jura zwei der kleinsten Meterspurstrecken des Landes. Die Strecke Le Locle – Les Brenets steht auch noch auf unserer Liste und mit ihren nur 4,2 Kilometern derzeit konkret auf der Abschussliste und soll in den nächsten Jahren durch eine neue Buslinie ersetzt werden. Die Zukunft unser immerhin rund 16 Kilometer langen “Hausstrecke” La Chaux-de-Fonds – Les Ponts-de-Martel ist zwar immer wieder unsicher, scheint derzeit aber nicht konkret in Gefahr. Im Normalverkehr kommen beide Strecken mit nur einem Triebwagen aus.
In diesem Sommer ist die Strecke wegen Bauarbeiten in La Chaux-de-Fonds auf den nur 6 Kilometer langen Abschnitt La Sagne – Les Ponts-de-Martel eingekürzt. Umso erstaunlicher, dass hier überhaupt etwas auf Schienen rollte und der Ersatzverkehr nicht einfach bis zum Streckenende verlängert wurde. So fuhr der Be 4/4 6 den ganzen Tag im Stundentakt die fast schnurgerade Strecke am weiten Talgrund hin und her, wobei der Fahrer weit mehr Pause, als Fahrzeit gehabt haben dürfte.

Ziel war nun wieder der schon bekannte Parkplatz an der CJ vor Le Noirmont. Ich ging also die drei Schritte zurück zum Hof und holte das Auto. Je nachdem, wo der Triebwagen seine fast 40 Minuten Pause absteht, könnte er aber auch gleich wieder zurückfahren. Wäre doch sinnvoll, wenn sich der Bus aus La Chaux-de-Fonds und der Zug in La Sagne treffen und gleich in beide Richtungen die Anschlüsse zurückfahren. Klar, ich hätte auch einfach in den Fahrplan schauen können, aber das kann ja jeder. Also ging es noch schnell über die Strecke und mal etwas seitlich ins Tal gestellt. Tatsächlich kam der Triebwagen nach wenigen Minuten aus La Sagne zurückgeeilt.


Ein wenig wie im Bilderbuch liegt unser Hof am Rande des sanften Tals. Zu schnell dürfte ich nicht Ausparken, sollte der Frontspoiler seine angestammte Form behalten…


Ja die Ziegen sind echt. Auch wenn sie hier wie in einer gestellten Filmszene synchron in die Kamera glotzen.


Kaum eine Minute unterwegs, hat der Be 4/4 6 zwischen La Sagne und dem Haltepunkt Les Coeudres-Est bestimmt schon wieder knapp zehn unbeschrankte Bahnübergänge überquert, die als Zufahrten auf die üppigen Weidegründe dienen und schon einmal fast als Einstellungsbegründung für die Strecke herhalten mussten.

Nach gut zwanzig Minuten erreichte ich meinen Schotterparkplatz vor Le Noirmont und sattelte um. Geplant für heute ist eigentlich die Strecke von Noirmont Richtung Glovelier, mindestens bis hinab zur Spitzkehre im Combe Tabeillon. Schon lange wollte ich mir die Spitzkehre einmal anschauen, erreichbar ist diese Kuriosität aber nur mit der Bahn, per Wanderung oder Rad. Die letzte Möglichkeit war nun heute gegeben. Zuvor stand aber noch ein Güterzug an, den ich jetzt nicht so ganz ungeschoren davonkommen lassen wollte. Diesen musste ich noch irgendwo bei Le Noirmont abpassen, da er – so er denn fahren sollte – vom südlichen Ast aus Tavannes kommen sollte. Mit der Sonne ist das mit den Zügen Richtung La Chaux-de-Fonds ja eher schwierig um diese Zeit. Richtig gut geht es eigentlich nur aus der Außenkurve bei La Chaux d’Abel. Ein Punkt für morgen früh, sollte der Zug gleich tatsächlich kommen. Nach einem Sonnenschaden beim Nachschussversuch auf den vorausfahrenden Planzug, stellte ich mich etwas querab auf die Wiese an der Ausfahrt Le Noirmont und musste nicht lang warten, bis der kleine Be 4/4 mit zwei Müllwagen durchkam.


Der vormittägliche Müllzug ab Tavannes scheint eine recht zuverlässige Leistung zu sein. Gegen 9 verlässt der Zug Tavannes, gegen 10 Le Noirmont in Richtung La Chaux-de-Fonds. Neben der Ausfahrt Le Noirmont führt eine ausgewiesene Wanderroute mitten durch eine Viehwiese, sodass hier bedenkenlos querab auf den Güterzug geschossen werden kann.

Ich vermeldete schnell meine Sichtung und machte mich dann Richtung Glovelier auf. Weit kam ich nicht, denn schon hinter Les Emibois lachte mich das nächste Motiv an. Sogleich erreichte mich auch die Nachricht, der Güterzug mache sich schon wieder auf den Rückweg. Deutlich früher als ich erwartet hatte, kam der Zug scheinbar auf einer der fakultativen Trassen zurück anstelle der “normalen” Güterzugtrasse. Mmh, doch noch mal die kurze Strecke zurückeilen und den Zug, der nach Tavannes zurückgehen und daher nicht hier entlangkäme, irgendwo verarzten. Das würde aber nochmal ordentlich Zeit kosten. 10 Uhr war inzwischen durch und ich wollte es ja wenigstens bis zur Spitzkehre hinunter schaffen heute – diverse Fotohalte einberechnet. Nein, dem Thema Güterzüge würde ich mich morgen Vormittag nochmal annehmen, wenn dann bei teils noch brauchbarer Prognose der Ast nach Tavannes ohnehin auf dem Plan stünde. Lieber mal ganz gemütlich weitermachen hier.


Den Güterzug lasse ich Güterzug sein und nehme stattdessen einen planmäßigen GTW 2/6 kurz hinter dem Haltepunkt Les Emibois Richtung Glovelier mit.

Den richtigen Weg kannte ich schon von meiner Erkundung vorgestern Nachmittag, sodass ich ohne großartige Konsultation von Osmand weiter über Saignelégier nach Le Bémont gelangte. Die Wege hier entlang der Hochtäler des Juras sind derweil nicht nur für die allgegenwärtigen Reiterschaften ein Paradis. Auch für Mountainbiker bieten sich hier kaum gekannte Freiheiten: Muss man sonst häufig als radelnder Bahn-Fotograf auch Abschnitte auf größeren Straßen zurücklegen um größere Umwege zu vermeiden, sind die weitläufigen Wiesen und Nadelwälder hier durchzogen von Schotterpisten oder Wegen, die allesamt Radlern und Reitern geöffnet sind. Zugegeben, spektakulär wird die Fahrt dabei selten, weder landschaftlich noch vom Anspruch der Wege her, aber es ist einfach eine herrlich gemütliche Landschaft und es können problemlos weite Strecken zurückgelegt werden. Für Tourenradler mit schmalerer Bereifung sei allerdings darauf hingewiesen, das einige der Schotterpisten doch recht grobschlächtig daherkommen, sodass man sich lieber an den Asphaltsträßchen halten sollte, oder hin und wieder auf die Hauptstraßen ausweichen muss.
Getrennt werden die Weidegründe dabei von großen Toren für die wenigen Fahrzeuge, neben denen sich meist noch eine kleinere Tür befindet, die sich mittels Wippe auf ca. 1 1/2 Meter Höhe zu Pferd bequem aus dem Sattel heraus öffnen lassen. Das kommt auch dem Radelnden zu Gute, muss man sich dann doch nicht mit den 4 Meter langen Straßentoren herumschlagen und kann die Weidegrenzen recht schnell passieren.
So waren die nächsten sechs Kilometer schnell zurückgelegt und ich hielt erst hinter Le Bémont für den nächsten Fotohalt.


GTW 2/6 633 kurz vor Le Bémont in Richtung La Chaux-de-Fond. Typisch für die weitläufigen Weidegründe und Wiesen des Jura sind die Abgrenzungen durch aufgeschichtete Steinmauern, wahlweise noch mit einem zusätzlichen Stacheldraht gesichert.


Eine gute halbe Stunde später passiert auch der Gegenzug in Gestalt eines weiteren GTW 2/6 die Stelle, nun aus einer anderen Perspektive betrachtet. Der Jura war lange Zeit eine eher ärmliche und noch heute hauptsächlich von Vieh- und Forstwirtschaf geprägte Region. Verlassene Gehöfte und eingefallene Scheunen wie hier links im Bild, sind anders als in der sonst so herausgeputzten Schweiz, hier keine Seltenheit.


Viel mehr Jura auf einem Bild geht kaum: Eine glückliche Rinderherde, große Wiesen mit Steinmauern und einzelnen Laubbäumen, getrennt durch größere Nadelwälder und überall in der Landschaft verstreute Höfe.

Die nächsten Meter radelte ich nun oben auf der großen Straße, um in Montfaucon noch den Volg für einige Besorgungen zu konsultieren. Der Bahnhof liegt hier weit ab, am Grund des sanften Hochtals und hört auf den Namen Pré-Petitjean. Dort hinab ging es anschließend in zügiger Fahrt. Gemütlich am Wegesrand essend, wartete ich auf den nächsten Zug Richtung La Chaux-de-Fonds. Im Stundentakt ist das hier alles nicht gar so stressig und es bleibt genügend Zeit etwas zu entspannen und Reiter und Radler in der Landschaft zu beobachten. Nur für zwei Stunden am Nachmittag wird der Takt auf diesem Ast verdichtet.

Unweit des Bahnhofes Pré-Petitjean befindet sich auch der örtliche Museumsverein, der zur Hauptsaison regelmäßig Dampfzugfahrten mit einer ehemaligen portugiesischen Mallet durchführt. Das Angebot ist eher auf “gewöhnliche” Touristen denn auf Enthusiasten ausgerichtet, der obligatorische Raubüberfall inklusive 😀


Die erste Tageshälfte war heute definitiv geprägt von den GTW 2/6, den Be 4/4 umlief ich irgendwie immer… So nahm ich auch in Pré-Petitjean wieder einen GTW 2/6 Richtung La Chaux-de-Fonds auf. Im Hintergrund befinden sich die großen Abstellanlagen des Museumsvereins.


Für einen Bahnhof im Nichts sind die Anlagen in Pré-Petitjean durchaus stattlich. Selbst die obligatorische Bahnhofsherberge darf nicht fehlen und war sehr gut besucht. Auch einen aktiven Holzverlad gibt es hier bei Bedarf noch. Vor kurzem wurde der Bahnhof behindertengerecht umgebaut.


Blick zum beachtlichen Museumsdepot unweit des Bahnhofes. Neben der portugiesischen Mallet 164, steht auch ein Hobel und der CFe 4/4 608 vor den Toren. Das Fahrzeug dient nur noch als Ersatzteilspender für den mustergültig hergerichteten Zug aus CFe 4/4 601 und Ct4 702.

Nächstes Ziel: Die Spitzkehre im Combe Tabeillon. Bis dorthin waren es noch einige Kilometer durch Wald und Wiesen in dem sich zunehmend verengenden Tal. Wie schon vorgestern, ging es vorüber am Bahnhof La Combe, wo sich einige Meter weiter übrigens auch eine große Beiz befindet, die mir aber entschieden zu voll war und angesichts des noch gut gefüllten Rucksacks auch nicht Not tat. Besonders für Gelegenheitsradler, die sich in den umliegenden Dörfern E-Bikes ausgeliehen hatten, schien die Beiz bei La Combe ein beliebtes Ziel zu sein, bevor die Strecke hinab nach Glovelier doch deutlich an Anspruch gewinnt und die meisten umkehren.
Viel schlimmer als die überall zunehmende E-Bike-Plage waren allerdings die allgegenwärtigen Tretroller. Irgendjemand schien sich in Saignelégier eine goldene Nase damit zu verdienen, unbedarften Touristen diese Roller für eine Fahrt hinab ins Combe Tabeillon anzudrehen. Was der Verleih den ahnungslosen Kunden nicht verriet, dass diese Roller für weite Teile des grobschlächtigen Weges völlig ungeeignet sind. Es handelt sich dabei nicht etwa um sogenannte Monsterroller mit ultrabreiter, schwerer Offroadbereifung, wie ich sie selbst auch schon etwa im Harz oder in Österreich gefahren war. Vielmehr sind es ganz normale Tretroller mit Straßenbereifung in der Gestalt, wie man sie etwa von japanischen Klapprädern kennt. Nicht nur ist das Ganze schon im oberen Bereich des Tals einfach unbequem und unsicher auf den grobschlächtigen Schotterpisten. Damit mit Kind und Kegel die Richtung Combe Tabeillon immer steiler und enger werdenden Wege hinunter zu brettern, grenzt schon an Wahnsinn. Noch hinzu kommt, dass es auf der Strecke keineswegs stetig bergab geht, sondern auch immer wieder einige Meter bergauf, wo mit einem Roller fast nur das Schieben übrig bleibt. Wenn es dann wirklich steil bergab geht, bleibt wiederum erneut nur das schieben, es sei denn, man hat nichts mehr zu verlieren… Zusammengefasst: Klare “Nicht-Empfehlung”. Wenn schon, dann bitte ein MTB oder E-Bike ausleihen! Macht mehr Spaß und ist einfach für alle Beteiligten sicherer. So richtig glücklich sah mir die Mehrzahl der Rollerfahrenden auch nicht aus, die ich unterwegs überholte oder die mir am Nachmittag entgegenkamen. Der Verleih scheint jedenfalls auf einmalige Besucher abzuzielen, eine Stammkundschaft kann ich mir bei diesem Angebot kaum vorstellen 😀
Zumindest konnte ich am Abend aber Kollege SwissPass aufklären, wo denn die ganzen Roller herkämen, die die CJ von Glovelier aus den Berg hoch schafft…

Die Fahrt hinab ins Combe Tabeillon zur Spitzkehre mit gleichnamigen Bahnhof war jedenfalls ein großer Spaß. Hin und wieder wurden ein paar verzweifelte Rollernde überholt. Wandernde hatte es hier auch nicht mehr übermäßig viele, sodass man sich mit entsprechender Rücksichtnahme auf beiden Seite auf dem engen und steilen Weg gut arrangieren konnte.
Das Combe Tabeillon ist sozusagen die Zuspitzung des zuvor noch breiten und sanften Tals, dem die CJ schon seit Saignelégier folgt. Ab dem Bahnhof La Combe verengt sich das Tal aber zusehends und fällt von der Hochebene des Juras immer steiler und im Wald verschwindend bergab. Der für das Tal namensgebende Bach Le Tabeillon wird mehrmals vom Weg überquert. Die Bahn verläuft derweil deutlich oberhalb des Weges am Hügelkamm und fällt über eine erste Kehre schließlich in Gegenrichtung, entgegen der eigentlichen Steigung des engen Tals dem Bach entgegen bis zum Bahnhof Combe Tabeillon. Bis 1944 endete hier die Meterspurstrecke und es bestand Übergang zur lokalen Regelspurstrecke hinab nach Glovelier und weiter in die Welt. Die Normalspurstrecke war jedoch von Anfang an unrentabel. Nach der Einstellung hätte die Schmalspur jedoch ohne jeglichen Anschluss im Nichts geendet. Da die Schmalspurstrecke in ihrem bisherigen Verlauf spitz dem Talgrund entgegen fuhr, ergab sich für die Streckenführung hinab nach Glovelier auf der alten Trasse der Regelspur ein Problem: Für eine weitere Kehre war im engen Tal nicht genügend Platz, ein Kehrtunnel, wie bei hochalpinen Verwandten, lag jenseits jeglicher finanzieller Möglichkeiten. So wurde die alte Regelspurstrecke praktisch 1:1 umgezimmert und in Combe Tabeillon entstand die einzige meterspurige Spitzkehre der Schweiz.

Das früh nachmittägliche Hochlicht war jetzt genau richtig, um in der mitten im Wald liegenden Spitzkehre die nächsten Züge mit Sonne aufzunehmen. Nach dem nächsten Bergfahrer kundschaftete ich noch ein Stück Richtung Glovelier, nur um festzustellen, dass die ehemalige Regelspurstrecke hier mitten im Wald verläuft. So gab es dann den Rückkehrer aus Glovelier auch noch in der Spitzkehre, genau wie den nächsten Zug aus La Chaux-de-Fonds.


Das Landschaftsbild verändert sich hinab Richtung Glovelier grundlegend. Das Tal hinab von der Hochebene des Jura ist eng und dicht bewaldet. Mehrmals wird der für das Combe Tabeillon namensgebende Fluss Le Tabeillon gequert. Auf der grobschlächtigen Schotterpiste hatte auch das Fahrwerk ordentlich zu arbeiten, mit einem ungefederten Tretroller mit Straßenbereifung möchte ich hier beim besten Willen nicht runterfahren…


Ein Be 4/4 mit Bt 711 erreicht die Spitzkehre am Bahnhof Combe Tabeillon Richtung Glovlier. Gehalten wurde Richtung Glovelier am Hausbahnsteig, Richtung La Chaux-de-Fonds am Gleis 2.


Nach einer guten halben Stunde kommt der Zug aus Glovelier zurück. Keine fünf Minuten dauert das Procedere mit Wechsel des Fahrerstandes, der Fahrtrichtung und einlegen der neuen Fahrstraße. Etwas umständlicher haben es derweil die Güterzüge hinab nach Glovelier, die hier auch noch umsetzen müssen. Die Weiche am Ende der Spitzkehre war zumindest etwas blank gefahren. Es scheint also, dass zumindest gelegentlich auch Güterzüge nach Glovelier hinab gefahren werden.


Die Einfahrt bestand nach dem Umbau auf Meterspur zunächst noch lange aus einer Doppelkreuzungsweiche. Inzwischen ist die Ein- und Ausfahrt zweigleisig, und erlaubt mit vier Weichen und einer Kreuzung noch immer jegliche Fahrbeziehungen.

Für den weiteren Nachmittag hieß es nun bergauf zu strampeln. Wirklich anspruchsvoll ist dabei aber nur der Anstieg aus dem engen Tal hinauf bis La Combe, danach wird es im weiten Tal bekanntlich wieder gemütlicher. Viel zu erzählen gibt es vom Nachmittag nicht mehr. Zusammengefasst war es einfach nur herrlich. Die Sonne hatte sich endgültig durchgesetzt, der aufkommende Halbstundentakt ermöglichte zahlreiche Motive, sodass ich an jedem zweiten Baum anhielt, gemütlich etwas aß und trank und auf den nächsten Kurs wartete. Erst gegen 19 Uhr traf ich dann wieder in Le Noirmont ein.


GTW 2/6 631 verlässt das enge Combe Tabeillon kurz vor dem Bahnhof La Combe. Dort stand im Stumpfgleis heute ein bereits beladener Rollwagen mit Holz. Da das Stumpfgleis nur Richtung Glovelier verlassen werden kann, muss es also auch Güterleistungen durch die Spitzkehre geben, außer man würde noch in Bollement umsetzten, was das Ganze aber nicht einfacher machen würde. Vor drei Jahren hatte ich in Glovelier auch eine betriebsfähige Rollwagengrube vorgefunden.


In dem sich weitenden Tal tun sich immer wieder kleine Weier auf, wie hier der Etang Plain-de-Saigne zwischen La Combe und Pré-Petitjean.


Jetzt stand auch der CFe 4/4 608 schön im Licht, was mich noch mal zu einem Stopp in Pré-Petitjean veranlasste.


Weiter geht es das weite Tal hinauf. Kurz vor Le Bémont dann auch endlich mal ein Streckenbild eines Wagenzuges, hier mit dem zur Nachmittagsspitze eingesetzten Be 4/4 652.


Hinter Le Bémont dann auch schon der nächste GTW 2/6 Richtung Glovelier. Fast schon stressig mit zwei Zügen pro Stunde und Richtung.


Den zweiten Wagenzug mit Be 4/4 652 gab es dann auch noch im schönsten Abendlicht kurz vor Saignelégier.


Zwischen Saignelégier und Le Noirmont verläuft die Strecke ein ganzes Stück neben der Straße. GTW 2/6 633 hat soeben den Haltpunkt Muriaux Richtung Glovelier verlassen.

Was für ein herrlicher Nachmittag! In Le Noirmont angekommen, wechselte ich nochmal an die Ausfahrt nach Tavannes und nahm dort noch einen GTW 2/6 und den Be 4/4 655 mit dem seltsamen Steuerwagen mit.
Eingekauft hatte ich praktisch mit Ladenschluss noch in Saignelégier. Weniger Glück hatte derweil aber meine Begleitung im Zug und sich irgendwie etwas verzettelt mit der Nahrungsbeschaffung. Ich konnte aber Entwarnung geben, hatte ich doch gestern in La Ferrière noch einen “richtigen” alten Dorfladen entdeckt, der bis 20 Uhr geöffnet hat. Da ich jetzt eh in Le Noirmont auf’s Auto wechselte, konnte ich dort auch noch kurz vorbeischauen und etwas essbares beschaffen. Da der Laden in weniger als einer halben Stunde schließen würde, wurde mir auch das übrig geblieben, riesige Weißbrot noch passend zurechtgeschnitten. Etwas Frischkäse, Joghurt, Obst, Gemüse und ein Calander Radler – mehr braucht es doch gar nicht. Bei La Ferrière wartete ich anschließend noch einen Verstärker-GTW 2/6 nach Saignelégier ab, der allerdings leicht im Siff am Horizont abschmierte. Es war beim Warten schon dunkler, aber auch wesentlich heller gewesen.
In La Ferrière sammelte ich anschließend den Rest der Reisegruppe ein. Das sparte ihm einiges an Zeit und den SEV. Durch die im Schatten versinkenden Täler ging es zurück zu unserem Hof, wo der Abend nach dem großen Festmahl nicht mehr sehr lang wurde.


In Le Noirmont stellte ich mich nochmal an den Abzweig nach Tavannes. Diese Strecke würde dann auch für morgen Vormittag auf dem Programm stehen. GTW 2/6 632 verlässt Le Noirmont Richtung Tavannes.


Direkt in der Einfahrtskurve nahm ich den Gegenzug aus Be 4/4 655 und dem seltsamen Steuerwagen auf. Links zweigt die Strecke nach Glovelier ab.


Bei der letzten Aufnahme bei La Ferriére schmiert die Sonne mit GTW 2/6 631 dann doch etwas im Siff ab. Das war nach diesem Tag aber durchaus verschmerzbar…

Für morgen Vormittag ist nochmal ein wenig Sonne angesagt, die dann unter anderem für die Müllzüge Richtung Tavannes genutzt werden soll. Zum Nachmittag hin sind dann Schauer und Gewitter angesagt und es steht mangels Unterkunft hier, der Wechsel nach Les Brenets, am Ende der Strecke Le Locle – Les Brenets an.

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