Über den Röstigraben und Retour XIII: An der MOB zwischen Zweisimmen und Rossinière

Heute bricht nun der letzte volle Tag in der Schweiz an. Bei überwiegend noch mal prächtigem Wetter geht es mit dem Rad entlang der MOB zwischen Zweisimmen und Rossiniére. Morgen geht es dann auf der Flucht vor dem nächsten Tief gen Heimat.


Montag 2. August: Entlang der MOB zwischen Zweisimmen und Rossinière

Durch das nächtliche Feuerwerk war die zurückliegende Nacht nicht allzu lang ausgefallen. Nach über zwei Tagen Schlechtwetter, folgte zumindest ich dennoch dem frühen Ruf des Weckers, holte schon um kurz nach sechs das Rad vom Dach und strampelte die erste Steiletappe des Tages in die Schleifen oberhalb Zweisimmen hinauf. Frühstück war bei unserem Zimmer hier ohnehin nicht inkludiert, wodurch mir mit dem frühen Aufbruch nichts entging.

Noch suppte es etwas im Simmental, aber auch ohne Sonne ging der 7 Uhr Pullman Richtung Montreux bei toller Lichtstimmung mit den sich langsam auflockernden Wolken durch. Der Sonnenstand hätte hier ohnehin nicht gepasst.


Noch hängen einige Wolken und sorgen um kurz nach sieben “nur” für Stimmungslicht bei der Durchfahrt des Pullman-Sandwich mit den ABe 4/4 9202 und Be 4/4 9303 in den Schleifen oberhalb Zweisimmen.

Für die nächsten Züge ging es wieder einen Hof zurück. Durch die Verstärker bis Gstaad ist hier doch einiges an Verkehr. Der erste Verstärker nach Zweisimmen ging noch im Dunkeln durch. Der Gegenzug nach Gstaad hatte aber schon Halblicht und auch der nächste Panoramic nach Zweisimmen. Die Sonne kämpfte und ich kratzte aus dem Rucksack noch die Reste der letzten Tage für eine kleine Stärkung zusammen. Der frühmorgendliche Aufstieg aus Zweisimmen zählte auf 1,7 Kilometer schon wieder 140 Höhenmeter – ohne Frühstück im Magen gar nicht nett 😀
Nachdem die drei Züge bei Nicht- und Halblicht durchgegangen waren, beschloss ich, noch die Rückkehr des Panoramic aus Zweisimmen abzuwarten. Von Oeschseite kam dann früher als erwartet mein Mitreisender daher geschlendert – wiedermal den gleichen Motivriecher gehabt. Der Panoramic ging dann aber leider wieder ganz ohne Licht durch.


Ganz knapp hat es nicht geklappt mit dem Volllicht bei der Durchfahrt des Verstärkers nach Gstaad oberhalb der Saanenmöserstraße zwischen Zweisimmen und Oeschseite. Der goldenen Pendel aus 344+5004+244 kommt aber auch bei Halblicht nicht schlecht.

Dann musste es eben das Halblicht der letzten zwei Züge sein, irgendwann müsste ich ja doch mal weiterfahren. Ich verabschiedete mich und machte mich an den langen aber recht sanften Aufstieg über Oeschseite nach Saanenmöser. Wenn es nicht hin und wieder unnötig auf und ab gehen würde, könnte man hier mit der Steigung der Bahn doch recht entspannt radeln. So ohne Frühstück zog es sich dann aber schon ein wenig bis zum Dorfladen nach Saanenmöser. Die Route auf der alten Saanenmöserstraße ist aber eine herrliche Strecke auch für nicht Offroad-Radler, ist das einspurige Sträßchen doch durchgehend asphaltiert. Leider verläuft hier die Strecke allerdings recht unfotogen immer oberhalb am Hang und am Vormittag bieten sich im Grunde genau Null Motive im Verlauf bis Saanenmöser. Dort angekommen, wurde erstmal der kleine Dorfladen konsultiert. Ich scheiterte jedoch beim Kampf mit einer riesigen Nesspresso-Maschine – die wollte wohl das ich mir erst einen Account oder so anlege – bitte was? Für einen Kaffee? Vielleicht war ich aber auch in ein falsches Untermenü abgedriftet… Dann eben einen Emmi-Café zum Croissant und noch einen großen Kakao als Energie-Booster.

Nach dem nicht ganz gelungenen Tageseinstieg lief es dann aber von Saanenmöster über Schönried bis nach Gstaad: Bei bestem Vormittagslicht und interessantem Wokengewaber, ging es die eben gewonnene Steigung nun nach Gstaad wieder hinunter, wobei alle paar Meter ein Fotohalt eingelegt wurde.


Durch den zeitweise verdichteten Takt auf der Tallinie von Zweisimmen nach Lenk, wechseln auch auf den Verstärkern von Zweisimmen nach Gstaadt mehrmals am Tag die eingesetzten Be 4/4-Pendel. Zwischen Saanenmöser und Schönried rollt der Pendel aus 342+5002+242 gen Tal.


Es folgt der Panoramic mit ABe 4/4 9301 Richtung Montreux.


Aus Montreux kommt Be 4/4 9204 mit einem der beiden älteren Panormasteuerwagen die Steigung zwischen Schönried und Saanenmöser hinauf.


In der ersten Schleife unterhalb von Schönried liegt einer der Klassiker dieses Streckenabschnittes mit der großen Außenkurve mit Blick auf die Gipfel auf der anderen Seite des Saanentals. Nach Kurzwende in Zweisimmen kommt ABe 4/4 9204 bereits zurück Richtung Montreux.


Jetzt ist wieder der goldene Pendel aus 344+5004+244 an der Reihe und konnte unterhalb des Kreuzungsbahnhofes Gruben auf dem Weg nach Gstaad aufgenommen werden.


Die Höhe des Saanentals ist fast erreicht. Nur noch die große Brücke von Gstaad und die anschließende Kehre muss der Pendel aus 344+5004+244 bis zu seinem Ziel passieren.


Die Wendezeit in Gstaad war gerade ausreichend, um nach Erreichen des Talgrundes von der Gstaadstraße aus unter dem Viadukt hindurch den Hang hinauf zu fahren und den Pendel auf der Rückfahrt Richtung Zweisimmen noch soeben bei Sonne zu erwischen.

Mit dieser Vormittags-Session konnte ich erstmal mehr als zufrieden sein. Von irgendwoher hatte auch schon wieder einiges an Gewölk hereingedrückt. Dennoch versuchte ich mein Glück noch an der Hauptansicht des großen Viaduktes mit Blick ins Saanental. In voller Länge war der Pullman dann aber schon nicht mehr im Licht. Der entgegenkommende Panoramic nach Montreux hatte dann gleich gar kein Licht mehr und bildete den Anfang einer langen Durststrecke bis zum späteren Nachmittag am Lac du Vernex bei Rossienère.


Das letzte Bild mit zumindest etwas Sonne auf dem Viadukt von Gstaad mit dem Pullman-Sandwich aus ABe 4/4 9202 und Be 4/4 9303 Richtung Zweisimmen.

Die leicht abfallende Fahrt das Saanental hinunter und über den Röstigraben bis zum Lac du Vernex war dennoch ein schönes Programm. Auf den gut 20 Kilometern geht es recht unmerklich immerhin 260 Höhenmeter bergab. Mit dem MTB kann man hier immer wieder abseits von Straße und Bahnlinie ausweichen und über teils sehr spaßige Pisten durch den Wald fahren. So müssen nur kurze Abschnitte auf der Straße zurückgelegt werden. Irgendwo mitten im Wald zwischen Saanen und Rougemont wechselt dann unvermittelt das “Grüezi” zu einem “Bonjour” und umgekehrt. So wurde der heutige Tag zum Inbegriff des Titels diese Reiseberichtes.

Fotografisch klappte in den nächsten drei Stunden allerdings überhaupt nichts. Meist war es nicht mal knapp und kurz gab es sogar ein wenig Nieselregen.


Bei Château-d’Oex wird mit Blick auf die MOB ein kurzer Anflug von Nieselregen ausgesessen.


Blick von der Pausenbank auf ABe 4/4 9302 Richtung Montreux. Ein stellvertretendes Bild für die drei Stunden zwischen Gstaad und dem Lac du Vernex.

Die Wetterlage war aber keinesfalls hoffnungslos und nach dem kurzen Nass, tat es sich am Lac du Vernex langsam wieder auf. Der Plan für den weiteren Tag stand derweil noch nicht so richtig. Im Hinterkopf hatte ich auch, über Montbovon bis Allière hinauf zu fahren und dann Teile des Rückweges mit dem Zug zu machen. Die Entscheidung fiel dann aber mit dem nächsten Zug: Gemütlich oberhalb der Staumauer des Lac du Vernex essend, hatte ich mir die neue Brücke über den Abfluss des Stausees als Motiv vorgenommen. Die erste Chance bot der nächste Zug Richtung Zweisimmen. Zwar nur ein Nachschuss, aber dafür gab es mit der Sonne nach über drei Stunden Flaute endlich wieder eine Punktlandung. Noch besser: Am Zugschluss schob die Ge 4/4 8001 und netterweise waren auch die Markisen nicht heruntergelassen. So ein Lokzug ist auf der MOB inzwischen ja doch ein kleines Highlight zwischen all den Triebwagen der Westschweizer Schmalspurbahnen. Irgendwie musste die 8001 in Montreux in den Umlauf rotiert sein, denn zuvor hatte ich an diesem Tag ausschließlich Triebwagen gesehen.


Am Lac du Vernex lockert es langsam wieder auf und die Pechsträhne nimmt ein Ende. Ge 4/4 8001 schiebt einen Be 4/4 Richtung Zweisimmen an. Die etwas ungewöhnliche Komposition überqert den Abfluss des Lac du Vernex, passiert die Staumauer und erreicht schließlich hinter dem Stausees Rossinière.

So fiel dann auch die Entscheidung, bei auflockernder Bewölkung aus dem Saanental, lieber Richtung Gstaad irgendwo ein sicheres Motiv für die Rückkehr des Lokzuges, dann mit Lok voraus, zu suchen. Ich peilte mal die Ortsdurchfahrt von Rougemont an. Übermäßig viel Zeit blieb nicht, durch die Kurzwende in Zweisimmen würde der Zug schon in rund zwei Stunden wieder das Saanental hinunterrollen. Es ging sich aber auch bergauf bis dort ganz locker aus und unterwegs wurde noch etwas kompromissbehaftet ein Panoramic mitgenommen – eine nicht wirklich zeigenswerte Aufnahme. Eigentliches Ziel war aber auch der Lokzug an der bekannten Außenkurve in der Ortsansicht von Rougemont. Nach kurzem studieren der Karte hatte ich den richtigen Standort an einer kleinen Straße im Ort oberhalb der Strecke ausgemacht. Nun begann eine wahre Zitterpartie mit den Wolken. Mehrmals hintereinander ging das Licht an und aus. Knapp nach der Planzeit senkten sich schließlich die Schranken im Ort und mit nur ganz wenig Luft ging der Zug gerade bei Sonne durch. Das Bild wäre im Kasten!


Das Ziel für den Nachmittag war nun klar: Eine vernünftige Aufnahme des Lokzuges mit Lok voraus bei der Rückfahrt nach Montreux. Bei Rougemont wechselte ich wieder hinauf zu Bahn und Straße, vorbei am Château de Rougemont.


Jetzt lief es aber wirklich: Die aus Zweisimmen Richtung Montreux zurückfahrende Ge 4/4 8001 ging im malerischen Dorf Rougemont perfekt bei Sonne durch.

Für die restlichen abendlichen Sonnenstunden wollte ich mir jetzt noch die Abendansichten zwischen Gstaad und Schönried vornehmen. Noch kurz im Dorfladen von Rougemont einen Nachmittagssnack und das Abendessen besorgt, nachdem ich dort auf der Hinfahrt genau die Mittagspause erwischt hatte und die Reserven allmählich zu Ende gingen. Dann ging es über Flendruz und Saanen entlang des Flugplatzes nach Gstaad und hinauf in die Steigung nach Schönried.
Die Abendstunden in den Schleifen von Schönried waren dann einfach nur genial: Das Licht war herrlich, die Wolkenformationen spektakulär und jeder Aufnahmeversuch wurde ein Volltreffer. Die drei Stunden Flaute am frühen Nachmittag waren längst vergessen und ich setzte bis zum letzten Licht gegen halb acht die verschiedenen Perspektiven zwischen Schönried und Gruben um.


Zwischen Rougemont und Saanen kommt der Pullman mit ABe 4/4 9202 und Be 4/4 9303 entgegen.


Die Rampe von Gstaad über Gruben nach Schönried wird in Angriff genommen. Kurz vor Gruben geht bei einem frühabendlichen Snack an der gleichen Kurve wie heute Vormittag mit dem goldenen Pendel, der Panoramic mit ABe 4/4 9301 durch. Diesmal allerdings aus der Innenkurve gesehen.


Das gleiche Spiel an der Panoramakurve unterhalb Schönried. Auch hier gibt es jetzt die Abendperspektive aus der Innenkurve. Mit dem Pendel aus 341+5001+241 fährt mir hier heute dann auch die letzte der drei teils fragwürdigen Farbvarianten dieser Garnituren vor die Linse.


Geniale Wolkenstimmung in den Wiesen unterhalb Schönried.


Zwischen Schönried und Gruben passt der Panoramic mit ABe 4/4 9301 perfekt in die von mir angedachte Lücke und wird auf dem Weg nach Montreux gleich in Gruben den Gegenzug kreuzen.

Was für geniale Nachmittags- und Abendstunden. Die Sonne verschwand nur wenige Minuten nach dem letzten Bild hinter den Bergen. Für mich galt es damit, die letzten Höhenmeter über Schönried zum Scheitelpunkt in Saanenmöser in Angriff zu nehmen. Richtung Simmental hatte es anscheinend erst wenige Minuten zuvor noch einen heftigen Schauer gegeben, zumindest war ab Oeschseite das kleine Asphaltsträßchen klitschnass und es wurde abrupt deutlich kühler. Dennoch war die Abfahrt mit nochmals über 300 Höhenmetern hinab nach Zweisimmen ein großer Spaß und die Geschwindigkeit stieg das ein oder andere Mal deutlich über die 50, bevor die nächste enge Kurve wieder zum Einbremsen zwang. Fotografisch gab es nur noch die Reste eines Regenbogens über Zweisimmen, ansonsten wäre jetzt auch ohne Wolken wohl schon alles verschattet gewesen.


Die Reste eines, wie mir berichtet wurde, vormals prächtigen Regenbogens liegen noch über Zweisimmen.

Kurz nach acht erreichte ich schließlich unser Hotel am Bahnhof. Der Mitreisende war bereits eingetroffen. Den Schlüssel hatten wir im Auto deponiert, sodass nicht die Gefahr bestand, dass jemand vor geschlossener Zimmertür verenden würde. Recht witzig ist im Hotel Post das Schlüsselsystem. Mit dem ersten Schlüssel gelangt man durch die Eingangstür zur Rezeption. Dort hängt dann ein großes Bord, in dem über ein Schlosssystem mit dem ersten Schlüssel der Zimmerschlüssel ausgelöst werden kann. Umgekehrt funktioniert das ganze beim Verlassen natürlich genauso. Hatte ich so auch noch nicht gesehen.

Ein letztes Mal gab es anschließend auf dem Zimmer ein großes Abendessen mit allerlei Leckereien. Morgen früh gibt es noch einmal eine kurze Chance auf Sonnenfotos, bevor es schon am Vormittag zuziehen soll und wir das Weite suchen werden. Dieser Tag war aber definitiv ein sehr versöhnlicher Abschluss gewesen und nochmal eine richtig schöne Tour mit dem Rad – immerhin fast 100 Kilometer standen zum Schluss auf dem Tacho. Fotografisch hatten gerade die vielen Wolkenfelder neben einigen Fehlversuchen für einige geniale Stimmungsfotos gesorgt.


Dienstag, 3. August 2021: Rückfahrt mit Zwischenstopp in Freiburg

Für heute Morgen war in einem kurzen Fenster noch Sonne angesagt. Spätestens um acht wollte ich daher nochmal nach Schönried. Mit dem optionalen Frühstück im Gasthof war es daher wieder nicht weit her. Stattdessen gab es vom Bahnhofskiosk schonmal einen Kaffee und Gebäck für den Start in den Tag. So ausgestattet schafften wir trotz leichter Verspätung hinter meinem Plan und der Baustelle zwischen Zweisimmen und Saanenmöser, noch soeben eine Punktlandung in der großen Kurve unterhalb Schönried.

Wo eben noch strahlend blauer Himmel war, drückte aber binnen weniger Minuten eine dicker werdende und nicht endende Siffschicht hinein, wie es der Wetterbericht prognostiziert hatte. Nach einem Pendel Richtung Zweisimmen und dem Gegenzug nach Montreux war daher schon wieder Schluss. Der Sprint an die Gerade hinter der großen Kurve war vergebens: Das Licht war bereits aus, als der Lokzug die Steigung Richtung Schönried hinaufkam.


Es ist wieder Verstärkerzeit zwischen Zweisimmen und Gstaad: Der goldene Pendel aus 344+5004+244 bezwingt die Steigung hinauf nach Schönried auf dem Weg nach Zweisimmen.


Der entgegenkommende Panoramic nach Montreux geht auch noch bei Sonne durch, danach beendet eine fette Wolkenschicht alle weiteren Ambitionen an der MOB.

Die rund zweistündige Episode, in der wir zunehmend verzweifelt versuchten, irgendwo einen dokumentierten Test für die Eineise nach Deutschland zu bekommen, überspringen wir an dieser Stelle lieber ganz schnell. Wir verließen schließlich die MOB, wie ich sie vor drei Tagen erreicht hatte: Über Montbovon und die tpf-Strecke nach Bulle. In Bulle wollte mein Mitreisender noch auf den Bahnhof schauen, allerdings waren die vor drei Tagen dort noch abgestellten Pendelzüge verschwunden.
Gestern hatten wir uns zwar noch einige Gedanken über mögliches Programm für die Rückfahrt gemacht, angesichts der trüben Wolkensuppe mit ersten Anflügen von Regen, sank meine Motivation allerdings rapide. Also Abfahrt! Vorher wurden allerdings noch die Detailhändler von Bulle für Verpflegung und zum Auffüllen der heimischen Rösti-Vorräte aufgesucht. Dann ging es am frühen Nachmittag auf die Autobahn Richtung Heimat. Fribourg, Bern, Basel war unsere Route und vollkommen unbehelligt reisten wir in Deutschland ein. Was bitteschön soll dieser Aktionismus mit einer Testpflicht, die dann ohnehin nicht kontrolliert werden kann?
Im Verlaufe des Nachmittages kollabierten dann allmählich die Autobahnen vor uns. Auf stundenlanges Stop and Go hatte ich aber nicht so richtig Lust. Dann könnten wir auch in Freiburg runterfahren, dort eine Kleinigkeit Essen und dann gemütlich am Abend weiterfahren. An einem sündhaft teuren Parkplatz unmittelbar an der Innenstadt überließen wir das Auto dann für zwei Stunden sich selbst. Bei einem kleinen Spaziergang durch die Innenstadt gab es ein Fischbrötchen und Cappuccino mit Kuchen. Zu meiner Überraschung gurkten noch immer die letzten rein hochflurigen DUEWAG GT8K durch die Stadt. Ich dachte die Karren wären endlich mal Geschichte…


Die Urbos von CAF stellen mittlerweile einen nicht unbeträchtlichen Anteil des Fahrzeugparks in Freiburg. Eines der Fahrzeuge, wie hier Wagen 314 kurz vor der Haltestelle Stadttheater, ohne Vollwerbung zu erwischen, gestaltet sich dabei gar nicht so einfach.


Nicht totzukriegen: Auch im August 2021 gurken noch die letzten rein hochflurigen GT8K durch Freiburg. Auf der Linie 4 erlegte ich meinen Lieblingswagen, die Pepsi-Bahn 212 kurz vor der Haltestelle Stadttheater. Inzwischen sind auch die letzten GT8K abgestellt.


Wir schlenderten eine Runde die Neubaustrecke in der Innenstadt vom Stadttheater zum Europaplatz entlang. CAF Urbos 301 kurz vor der Haltestelle Stadttheater.

Um halb sechs ging es dann weiter. Die Autobahnkilometer unmittelbar vor uns waren wieder frei und alle weiteren Störungen bauten sich zuverlässig vor uns ab, bevor wir sie erreichten. Mein Mitreisender betätigte sich tapfer als DJ und hielt mich damit überraschend gut wach, auch wenn oder gerade weil die Musikwünsche immer wilder wurden je weiter der Abend voranschritt. Es war schließlich nach Mitternacht, als ich meinen Mitreisenden samt Gepäck absetzte und die letzten Kilometer hinüber in die Löwenstadt fuhr.


Epilog

Spontanität ist in diesen Zeiten bei der Reiseplanung alles. Diesmal waren es dann aber sogar andere Umstände als Corona, die kurz vor dem geplanten Urlaubsbeginn alles nochmal durcheinanderwirbelten. Schlussendlich führte dies dazu, dass ich auf meiner Reise ab Tag drei noch einen Mitreisenden gewonnen hatte – die meiste Zeit auch eine nette Abwechslung 😉 Potenzielle Ziele hatten wir in der Schweiz viele: Das Berner Oberland, die Schmalspurbahnen in der Westschweiz mit Schwerpunkt auf dem Jura und auch im Wallis und Tessin hätten wir uns Einiges vorstellen können. Einzig außen vor war eigentlich Graubünden, dass mit der RhB bis 2019 erstmal mehr als genug beackert war. Nach dem ersten Drittel der Reise kam uns unsere Flexibilität dann sehr zu Gute, war das Wetter doch über Tage fast ausschließlich oberhalb von Genfersee und Lac du Neuchâtel ganz erträglich. Für hochalpine Ziele war die letzten zwei Drittel der Reise aber einfach kein Wetter mehr. Nachdem es dann überall schlecht wurde, gab es wenigstens noch einen schönen Tag an der MOB. Ursprünglich hätten wir die angebrochene Woche eigentlich gern noch voll machen wollen, aber nach dann schon über zwei in Summe doch sehr schönen Wochen, war die Motivation, auf gut Glück nochmal auf Wetter zu hoffen, eher gering. Insgesamt war es doch auch ein schöner Mix gewesen die gut zwei Wochen. Das uns das Wetter Richtung Jura trieb, kam mir ohnehin sehr gelegen, wollte ich die dortigen Bahnen doch schon seit langem mal etwas ausgiebiger besuchen.

In Summe war es einfach schön, nach fast einem Jahr endlich wieder raus zu kommen. Es waren ein paar tolle Wanderungen und Radtouren dabei, vieles hat geklappt, anderes bleibt eben noch auf dem Wunschzettel. Und etwas zog sich (fast) durch die gesamte Reise: Egal wie der Wetterbericht war, es gab bis auf einen Tag, an jedem Tag dieser Reise Sonnenbilder und ein fotografisches Highlight, das in keinem Rückblick fehlen darf – was will man also mehr?

Das Fazit dieser Reise über den Röstigraben und Retour fällt damit sehr positiv aus. Noch positiver sollte es dann werden, nachdem von den nicht geschafften Zielen im weiteren August doch noch einiges erreicht werden konnte. Aber davon später mehr, wenn es im letzten 2021er Reisebericht heißt: “Swiss Reloaded” – demnächst auf diesem Kanal…

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