Sonne, Schnee und Berge V: ABe 8/8 auf dem Internationalen oder die Suche nach der Roma

Heute geht es den ganzen Tag entlang der Centovallina und Vigezzina, wobei der Fahrzeugeinsatz wieder kleinere Überraschungen bereithalten soll.


Mittwoch, 16. Februar 2022

Gut ausgeschlafen schlenderte ich als einziger Gast der Trattoria Bar Pace gegen halb acht hinunter zum Frühstück. Neben einigem Gebäck mit selbstgemachter Marmelade, wurde mir auch noch ein nach persönlichem Wunsch zusammengeschmissenes Omelette serviert. Dazu gab’s hintereinander weg zwei vorzügliche Cappuccino aus der fetten Siebträgermaschine.
Mehr als gut gestärkt ging es also kurz nach acht hinüber zum Auto, hinab nach Re und mal zum nächsten Bahnhof Richtung Grenze. Der kleine Bahnhof Folsogno liegt abseits der Hauptstraße am Talgrund am Rand des kleinen Ortes, fast am Ende der einzigen von der Hauptstraße abzweigenden Straße. Das Wetter war zwar eigentlich sehr sonnig angesagt, heute Morgen hing es aber noch etwas über dem Vigezzotal, sodass ich beschlossen hatte, hier im ohnehin schattigen, engen Abschnitt Richtung Schweiz einige der kleinen Bahnhöfe abzuklappern. Jeweils ein Internationaler sollte hier je Richtung innert der nächsten Stunde folgen, danach käme zumindest Richtung Domodossola erstmal eine Taktlücke.


Während im Vigezzotal noch ein paar Wolken siffen, wäre es hier im engen Abschnitt Richtung Schweiz ohnehin noch schattig gewesen, als ABe 4/8 45 ohne Halt den Bahnhof Dissimo-Folsogno durchfährt. Zumindest laut dem Fahrplan auf der SSIF-Website, hält hier in Richtung Domodossola nur ein einziger Zug am Tag um 10:51 Uhr. In Gegenrichtung sind es immerhin deren zwei um 13:25 Uhr und 18:25 Uhr. Wo ich mich nun insgesamt fast drei Tage an dieser Strecke aufhalte, bleibt auch genügend Zeit, etwas genauer auf den Fahrzeugpark einzugehen: Von den ursprünglich acht Schweizer ABe 4/6 51-58 wurden 2011 die vier Triebwagen 55-58 mit einem türlosen Mittelteil verlängert. Besonders auffällig ist dabei auch die neue, subjektiv etwas dynamischer und frischer wirkende Lackierungsvariante der vier Triebwagen. Nach einigen Problemen scheinen die zu ABe 4/8 45-48 umgenummerten Fahrzeuge heute recht stabil zu laufen und werden bevorzugt auf den von der FART bedienten, internationalen Verbindungen eingesetzt. Aber auch auf den Regios nach Camedo ist immer mal wieder einer der ABe 4/8 anzutreffen.

Als nächstes steuerte ich den aufgelassenen Haltepunkt Isella-Olgia an. Der Bahnhof liegt unmittelbar hinter einer Ansammlung von sich teils kreuzenden Brücken von Straße und Schiene. Das Ganze gewinnt zwar landschaftlich keinen Preis, wirkte auf mich aber irgendwie schon ein wenig spektakulär, sodass ich hier für die Aufnahme des nächsten Internationalen nach Locarno wartete. Zu meiner großen Überraschung kam dann nach 20 Minuten warten der italienische ABe 8/8 21 “Roma” des Weges. Wie genial ist das denn bitte? Auf einem internationalen Kurs hätte ich damit nun wirklich nicht gerechnet, zumal diese Leistung zumindest im Schweizer Fahrplan mit “PE” für PanoramaExpress ausgewiesen wurde. Im italienischen Fahrplan der SSIF gibt es wiederum abgesehen von der Unterscheidung zwischen R und IR, letztere sind die internationalen Züge, gar keine solche Unterscheidung zwischen den Zugkategorien. Und wenn man schon im Fahrplan nicht unterscheidet, kann man ja einfach mal irgendwas in die Schweiz schicken. In diesem Fall dann halt einfach das Älteste, was man mit der “Roma” noch so zu bieten hat für den Planverkehr.
Hatte ich eben beim Warten noch überlegt, was denn nun mit dem recht mageren Fahrplan die nächsten zwei Stunden zu tun sei, bestand nun natürlich kein Zweifel mehr: Hinterher! Und möglichst noch ein oder zwei Aufnahmen des Oldies abstauben.


In einem Gewirr aus Brücken überquert ABe 8/8 21 “Roma” den Melezzo orientale und durchfährt wenig später den unmittelbar hinter der Brücke gelegenen, aufgelassenen Haltepunkt Isella-Olgia. Noch so ein interessantes Detail des italienischen Fahrplans der SSIF: Auch die aufgelassenen Haltepunkte werden in der Fahrplantabelle nach wie vor ausgewiesen, auch wenn dort kein einziger Zug mehr hält. Im Hintergrund wechseln Schiene und Straße gut zu erkennen nach nur wenigen hundert Metern erneut die Talseite.

Wenn man es darauf anlegt, kann man in Form einer mittelschweren Materialschlacht auf dieser Straße doch einiges herausholen, denn die zulässige und damit besonders in der Schweiz relevante Höchstgeschwindigkeit, ist hier selten der begrenzende Faktor, sodass sich mit rabiater Fahrweise und erhöhten G-Kräften jeweils kleine Vorsprünge herausfahren lassen. Im Winter ist dann auch das Parken in einer der kleinen Buchten kein größeres Problem, sodass auf den Punkt die Aufnahme der Roma auf dem großen Viadukt zwischen Verdasio und Corcapolo gelang. Ebenso einfach lässt sich das Viadukt vor Intragna ansteuern, sodass hier wenig später noch ein letzter Nachschuss auf den Italiener am “Standard-Motiv” gelang, bevor ich den Triebwagen die letzten Kilometer nach Locarno ziehen ließ.


ABe 8/8 21 auf dem beeindruckenden großen Steinviadukt zwischen Verdasio und Corcapolo Richtung Locarno.


Ein letzter Blick auf die Roma vor der Kulisse von Intragna am Standard-Motiv. Der Schnee ist doch schon merklich geschmolzen hier in den unteren Lagen des Centovalli, die Sonne hat sich heute aber noch nicht ganz durch den Schmodder gekämpft. Der eigentlich als Panorama-Express ausgewiesene Italiener war mir trotzdem eine weitere Aufnahme wert. Ursprünglich war die 1959 von SWP und TIBB gebaute “Roma” einmal eine Schweizerin und hörte bis zu ihrer Übergabe an die SSIF bei der FART auf den Namen “Ticino”, welcher heute vom ABe 8/8 22 getragen wird. Vier dieser ABe 8/8 wurden 1959 für die FART und SSIF gebaut, die Triebwagen 21 und 22 für die Schweizer, die 23 und 24 für die Italiener. 1982 wurden die beiden Schweizer Fahrzeuge 21 und 22 umgebürgert und hören seither bei der SSIF auf die Namen “Roma” und “Ticino”, nachdem bis dahin die 21 auf “Ticino” und die 22 auf “Lemano” gehört hatten. Die beiden Triebwagen 23 und 24 bekamen mit Ossola und Vigezzo die Namen der vom italienischen Teil verbundenen Täler. ABe 8/8 24 wurde 2007 mit einem neuen Panorama-Wagenkasten in Anlehnung an die Skoda-Triebzüge neuaufgebaut, ist aber seither nicht durch eine erhöhte Präsenz im Planverkehr aufgefallen – um es diplomatisch zu formulieren.

Naiv wie ich zu diesem Zeitpunkt noch war, dachte ich, der müsste dann ja auch demnächst wieder zurückkommen. Schließlich würde das italienische Fahrzeug wohl kaum ewig in der Schweiz herumstehen. Das würde sich auch insofern ausgehen, als dass der als “PE” ausgewiesene Kurs um 1019 in Locarno ankommen sollte und ein eben solcher um 1048 dort wieder Richtung Domodossola ablegen würde. Gestern war übrigens noch regulär ein PanoramaExpress auf diesem Kurs unterwegs. Den hatte ich gestern Vormittag noch beim kleinen Spaziergang in Intragna erwischt, wenn auch nicht vorzeigbar.
Die kleine Pause ließe sich doch hier in Intragna wieder perfekt in dem Aussichtscafé überbrücken. Bei nun herauskommender Sonne konnten Kaffee und Kuchen jetzt sogar auf der Terrasse genossen werden, mit dem weiten Blick Richtung Locarno und dem am Hang entlang kriechenden Regio Richtung Camedo – so geht Urlaub! Zuvor erklomm ich aber von der Straße aus zwischen Corcapolo und Verdasio noch eines der Tunnelportal-Motive. Dummerweise kam jetzt aber ein ABe 4/8, der hier nicht ganz ins Motiv passen wollte. Hätte ich aber mit rechnen können – war schließlich ein internationaler Kurs nach Domodossola…


Zwischen Corcapolo und Verdasio erblickt ABe 4/8 47 Richtung Domodossola zwischen zwei kurzen Tunnels ebenso kurz das Sonnenlicht. Der Achtachser passte hier leider nicht ganz ins kurze Motiv.

Die vermeintliche Rückleistung des ABe 8/8 wollte ich dann in Verdasio abwarten und aus der erhöhten Perspektive mit Blick über das Tal umsetzen. Zuvor stand aber noch die Kreuzung eines Internationalen aus Italien und eines Regios nach Camedo an, die von Schienen-Niveau im Bahnhof umgesetzt wurde.


In Verdasio kreuzen ein Italienischer und ein Schweizer ABe 4/6 Richtung Locarno und Camedo. Links geht die Seilbahn in das nur über diesen Weg erreichbare Dorf Rasa ab, die daher auch im Winter betrieben wird. Von den ABe 4/6 wurden 1992-1994 insgesamt zwölf Triebwagen geliefert, acht Fahrzeuge mit den Nummern 51-58 an die FART, vier Fahrzeuge mit den Nummern 61-64 an die SSIF. Von ersteren wurden, wie bereits erwähnt, 2011 die letzten vier Fahrzeuge zu den ABe 4/8 45-48 umgebaut. Zur Hauptsaison können die kleinen Triebwagen auch gelegentlich in Doppeltraktion beobachtet werden, was den doch arg aufgeblasenen Fahrzeugpark bei der SSIF in Teilen, aber bei Weitem nicht vollständig erklärt.

Nur eine halbe Stunde später stand dann schon die Kreuzung des PE Richtung Italien und des aus Camedo zurückkehrenden Regios nach Locarno an. Ich erklomm meinen Ausblick an dem kleinen Sträßchen hinauf nach Verdasio und wartete in zunehmendem Sonnenschein gespannt, was denn da nun kommen möge. Um es kurz zu machen: Es war nicht der ABe 8/8, sondern diesmal planmäßig ein Skoda-Triebzug. Eine knappe halbe Stunde Wendezeit war vielleicht auch zu sportlich kalkuliert für einen italienischen Zug. Den nächsten Internationalen könnte ich dann ja nochmal irgendwo im Vorstadtverkehr von Locarno abwarten und dann immer noch zur Verfolgung ansetzen.


Die Rückleistung des PE aus Locarno wird dann wirklich von einem Skoda Panorama-Triebzug gefahren. In Verdasio hat der Regio nach Locarno gekreuzt und der Vierteiler kann seinen Weg Richtung Domodossola fortsetzen. Insgesamt drei dieser einzigartigen Triebzüge wurden 2007 von Skoda und der Officine Ferroviaire Veronesi an die SSIF geliefert. Dabei handelt es sich um jeweils drei ABe 4/4 mit Führerstand und den Nummern 81, 83 und 85, drei Be 4/4 mit Führerstand und den Nummern 82, 84 und 86, drei Be 4/4 Mittelwagen mit den Nummern 87-89 und drei antriebslosen Mittelwagen B4 mit den Nummern 810-812. In der Regel werden daraus drei vierteilige Triebzüge mit jeweils einem der vier Wagentypen gebildet, wie hier der Triebzug aus ABe 4/4 83, Be 4/4 87, B4 810 und Be 4/4 82.

Das war ja mal nicht gelaufen wie geplant, aber der Vierteiler hatte das Motiv immerhin optimal ausfüllen können. Dem nächsten Internationalen würde ich dann einfach noch mal ein Stück entgegen fahren an den Vorortabschnitt zwischen Intragna und Locarno. Zwischendurch ließe sich dann auch gleich noch einkaufen und mal in Ponte Brolla am alten Bahnhof vorbeischauen.


Am alten Bahnhof von Ponte Brolla, bis 1965 Betriebsmittelpunkt der Ferrovia Locarno–Ponte Brolla–Bignasco, besser bekannt als Maggiatalbahn, steht heute eine Fahrzeughalle der Fart. Gerade ist ein Mitarbeiter mit Arbeiten am Hobel Tm 2/2 9 – 1989 von RACO gebaut – beschäftigt.


Von Locarno über Ponte Brolla, Tegna und Verscio bis Cavigliano ist das Tal durchgängig bebaut und die Ortschaften gehen nahtlos ineinander über. Am letzten Bahnhof dieser kleinen Agglomeration von Locarno konnte der Schweizer Regio mit ABe 4/6 53 bei der Einfahrt in den Bahnhof aufgenommen werden. Die Logik der Gleisnutzung hat sich mir dabei bis heute nicht erschlossen und ändert sich auch gern noch im letzten Moment vor der Einfahrt, gut zu erkennen aber wenigstens an den straßenbahnähnlichen Lichtsignalen, welche beiderseits der Grenze die Weichenstellungen signalisieren.


Nach einem kleinen Einkauf im örtlichen Coop, bei dem schon mal die heimischen Lager- und Röstireserven ergänzt wurden, kommt eine halbe Stunde später der nächste Internationale nach Domodossola. Nach dem erhofften ABe 8/8 sah aber auch dieser nicht aus. Stattdessen war der ABe 4/6 62 für diesen Kurs eingeteilt, der vorhin noch in Verdasio Richtung Locarno abgelichtet werden konnte. Komisch, für diesen hatte die Wendezeit in Locarno jetzt gereicht…

Damit hatte sich die Roma für heute dann wohl auch erledigt. Lieber würde ich dann am weiteren Nachmittag noch einmal den italienischen Regio Domodossola-Re-Domodossola aufsuchen und dort auf den Ticino hoffen. Die Roma könnte mir dann ja trotzdem auf ihrer Rückfahrt irgendwo ins Netz gehen, auch wenn es dann natürlich für eine strategische Verfolgung nicht reichen würde. Das der italienische Triebwagen in der Schweiz übernachten würde, hielt ich dann doch eher für unwahrscheinlich. Insgesamt schien mir der italienische Regio aber erstmal die sicherere Anlaufstelle, als hier jetzt ewig auf die Rückkehr der Roma zu warten, zumal das Licht in der Schweiz irgendwie auch etwas siffte heute. Also erstmal wieder der große Sprung Richtung Vigezzotal. Unterwegs hatte ich noch eine Verabredung mit dem aufgelassenen Haltepunkt Isella-Olgia von heute Morgen, den ich jetzt am frühen Nachmittag noch einmal aus anderer Perspektive selbst mit ins Bild bringen wollte. Der ABe 4/6 62 würde mir ja in nicht allzu weiter Entfernung folgen. Unerwartet kam dann sogar noch der Gegenzug wenige Minuten vorher durch, den ich mit einem kleinen Sprint auch noch gern mitnahm.


Im Abschnitt zwischen Re und Camedo fahren ausschließlich die internationalen Züge. Am aufgelassenen Haltepunkt Isella-Olgia halten indes auch diese nicht mehr, sodass der ABe 4/8 47 ohne Halt Richtung Locarno durchrauscht. Direkt von der Steinmauer vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude entstand heute Morgen die erste Aufnahme des ABe 8/8 21.


Keine zehn Minuten später hat mich dann der ABe 4/6 62 wieder eingeholt, dem ich ab Cavigliano ohne Fotohalt in Summe doch einiges an Zeit abgenommen hatte.

Nun war es aber an der Zeit für den nachmittäglichen Regio R 263 ab Domodossola, welche schon in einer knappen halben Stunde von dort starten sollte. Bis zum letzten “erreichbaren” Bahnhof hinter Santa Maria Maggiore wollte ich diesem noch entgegenfahren, um dann eine möglichst ergiebige Verfolgung nach Re und zurück zu starten.
Eben jener letzter vernünftig erreichbare Bahnhof Richtung Domodossola hört auf den Namen Gagnone-Orcesco. Der Bahnhof ist schon etwas abgelegen von der Hauptstraße, aber über ein fast parallel zur Trasse verlaufendes Sträßchen unkompliziert und für eine anschließende Verfolgung geeignet erreichbar. So bezog ich dann rund zehn Minuten vor der Planzeit Stellung vor dem Örtchen und hoffte, dass mich der ABe 8/8 nicht im Stich lassen würde. Tat er glücklicherweise nicht, sodass ich im Anschluss zur Verfolgung ansetzen konnte. Auf der Fahrt nach Re gelang noch eine Aufnahme auf der kleineren Brücke beim Haltepunkt Zornasco. Für die Rückfahrt blieb ich dann gleich bei Santa Maria Maggiore, was mir neben der Aufnahme zwischen dem Haltepunkt Prestinone und Santa Maria Maggiore, auch die Zeit für ein kleines Mittagessen aus dem Kofferraum gab. Den Abschluss machte dann erneut eine Aufnahme bei Gagnone-Orcesco, diesmal nur wenige Meter weiter auf der anderen Seite des Bahnüberganges


Wie schon gestern Nachmittag, ist auch heute auf den Regio R 263 / R262 Domodossola-Re-Domodossola verlass. Auch heute darf der über 60-jährige Veteran ABe 8/8 22 “Ticino” eine Runde durch das sonnige Vigezzotal ziehen, hier bei der Ausfahrt aus dem Kreuzungsbahnhof Gagnone-Orcesco.


Vor der großen Brücke vor Malesco, gibt es wenige Meter zuvor hinter dem Haltepunkt Zornasco bereits dieses kleinere Exemplar, auf dem mit einem kleinen Sprint der ABe 8/8 22 ein zweites Mal auf dem Weg nach Re aufgenommen werden konnte.


Die Rückleistung als R 262 erwartete ich anschließend zwischen dem Haltepunkt Prestinone im Hintergrund und dem Bahnhof Santa Maria Maggiore.


Dank der vielen Haltepunkte hier im breiten und dicht besiedelten Abschnitt des Vigezzotals, konnte ich den Triebwagen bis Gagnone-Orcesco erneut überholen und nur wenige Meter entfernt vom Standpunkt der ersten Aufnahme erneut ablichten. Hinter Orcesco verschwindet die Strecke dann endgültig im Nichts und die kleinen Bahnhöfe sind entweder gar nicht, oder nur mit erheblichem Zeitaufwand mit dem Auto erreichbar. Das wäre definitiv noch mal eine Aufgabe für einen weiteren Besuch…

Jetzt wäre der Triebwagen erst wieder in Masera erreichbar gewesen. Das hatte ich dann aber doch gestern schon ordentlich abgearbeitet, sodass ich die restlichen Sonnenstunden, anstatt weiter wild hin und her zu jagen, jetzt lieber ganz entspannt hier im breiten Abschnitt des Vigezzotals verbringen wollte. Von Orcescu kommend, blieb ich in Druogno gleich auf dem kleinen Sträßchen neben der Bahn bis zum Ortsrand, wo sich neben einer Sportanlage eine freie Wiese für einen Blick auf die Bahn eignet. Dort folgte eine halbe Stunde auf den Regio der nächste Internationale, diesmal von den Schweizern bedient und somit wieder nicht die Roma. Letzte Anlaufstelle für heute war dann der Bahnhof Santa Maria Maggiore, der wie ich gestern gesehen hatte, am Abend noch ewig im Licht liegt. Nachdem der PE Richtung Schweiz zwischen Santa Maria Maggiore und Prestinone schon fast im Bergschatten abschmierte und damit nicht wirklich sehenswert abgelichtet werden konnte, lag eine Stunde nach dem Schweizer Richtung Domodossola, der nächste PE Richtung Italien im Bahnhof Santa Maria Magiore auch um fünf noch in der Sonne. Zuvor blieb noch eine halbe Stunde Zeit, dem Stationsvorsteher beim Verrammeln seines Bahnhofes zuzuschauen und eine kleine Runde durch den angrenzenden Park zu drehen.


Außer in besonders schattigen Lagen, ist der Schnee nun auch auf der Höhe von 800 Metern im Vigezzotal weitgehend Geschichte. Am Ortsrand von Druogno rollt ABe 4/8 47 Richtung Domodossola.


Auch der gegen fünf in Santa Maria Maggiore haltende PE Richtung Domodossola war kein ABe 8/8. Der Bahnhof ist hier aber wohl abends die am längsten in der Sonne liegende Stelle im Vigezzotal, sodass das Warten hier ohnehin recht alternativlos war. Neben dem Denkmal Ce 2/4 4, rollt der PanoramaExpress aus 85, 89, 812 und 86 in den Bahnhof ein.


Bei der Ausfahrt zeigt sich der Triebzug dann im schönsten Abendlicht.

Jetzt war wohl wirklich vorbei mit Licht. Für’s Abendessen, dass ich mir heute abseits meiner Unterkunft suchen wollte – die “Karte” war dann doch sehr eingeschränkt – war es aber mit 17 Uhr für Italien natürlich noch viel zu früh. Ich fuhr mal ein wenig zwischen Santa Maria Maggiore und Malesco herum, um schonmal eine potentielle Location für das Abendessen zu finden, mit dem Ergebnis, dass es einfach mal gar nichts zu geben schien, außer gähnend leeren oder gleich geschlossenen Hotelrestaurants. Nur im Ortskern von Malesco schien mir eine Pizzeria/Bar den Anschein zu machen, zumindest später am Abend öffnen zu wollen. Nun gut, dann würde ich es wohl dort versuchen. Vorher ging es aber noch mal den Bahnhof von Malesco anschauen, an dem ich bislang immer nur vorüber gefahren war. Dort würde gleich um 17:16 Uhr der spätnachmittägliche Verstärker nach Re anstehen. Leider auch heute nichts Besonderes, sondern wie schon gestern der ABe 4/6 61.


ABe 4/6 61 verlässt den Bahnhof von Malesco als Regio nach Re.

Gut, wäre das auch geklärt. Trotzdem erst halb sechs. Ein Stündchen war aber noch damit rumzubringen, heute anstehende Geburtstagsgrüße in die Heimat auszurichten und anschließend eine andere Stelle, zwecks deren kurz bevorstehender Reise, über die aktuellen Geschehnisse an dieser Bahn zu informieren. Hier in Italien müssen schließlich die “normalen” Mobilfunkkonditionen gleich mal voll ausgenutzt werden. Inzwischen hatte ich nach fast zwei Tagen an dieser Linie nun auch schon einigermaßen den Überblick über die Fahrzeugeinsätze, sodass ich diese – natürlich unter Vorbehalt und ohne Gewähr – mal weitermelden konnte. So verging eine Stunde Dämmerung wie im Flug und schon stand noch ein Internationaler Richtung Locarno an.


Eine Stunde später steht in Malesco wieder eine internationale Leistung nach Locarno an, gefahren von den Schweizern in Gestalt des ABe 4/8 47.

Eine letzte verwegenen Runde auf der Suche nach weiteren Lokalitäten, die ja vielleicht mit Anbruch des Abends öffnen würden, ergab lediglich, dass am Bahnhof selbst jetzt eine Bar öffnete, in der es allerdings nach ausschließlich flüssiger Verkostung aussah. Also hinauf in den Ortskern und zur Pizzeria. Auch hier wurde wieder deutlich, wie hart Corona in Italien bis heute eingeschlagen hat, war ich doch abgesehen vom florierenden Liefergeschäft der einzige Gast. Hier in Italien wollte auch überall noch ordnungsgemäß der Green-Pass vorgelegt werden, wie die Italiener das europäische Impfzertifikat nennen. Natürlich ist hier auch eher Neben- bis Nichtsaison und es ist mitten in der Woche. Wobei, wann ist hier eigentlich Saison? Im schwülen Sommer oder doch eher im Frühling und Herbst, wenn die schweizer Mittelländer auf die Suche nach Sonne gehen? Jedenfalls erschien mir die Gesamtsituation hier im Vigezzotal doch einigermaßen erschreckend. Das Liefergeschäft sorgte aber zumindest dafür, das die Küche ordentlich am Laufen war und die Pizza frisch und knusprig an den Tisch kam. Die Bedienung zeigte derweil schon besorgniserregende Verhaltensweisen, ähnlich eingesperrten Raubtieren im Zoo, die unablässig am Gitter hoch und runter marschieren: Sobald keine Lieferung abzufertigen war, schlich sie unablässig auf immer den gleichen Pfaden durch den Gästeraum, ordnete immer wieder die gleichen Speisekarten und Bestecke und lies den Blick immer wieder identisch durch den leeren Raum schweifen – schon ein wenig gespenstisch. Kurz vor meinem Nachtisch in Gestalt eines Cappuccinos kam dann aber doch noch Beschäftigung in Gestalt einer Gruppe, die sich zu Pommes, Burger und Bier irgendein Euro- oder Campions-League Spiel unter italienischer Beteiligung auf der großen Leinwand ansah. Vielleicht war ich auch einfach viel zu früh, denn als ich gegen 19 Uhr die Bar verließ, hatte schließlich in italienischer Zeitrechnung die Zeit zum Abendessen noch gar nicht begonnen… Ich war hingegen um diese Zeit mit vollem Magen schon gut erledigt und steuerte durch die Dunkelheit ohne weitere Umwege meine Unterkunft in Re an.

Auf dem Zimmer nahm dann langsam die restliche Planung für den Urlaub Gestalt an. Morgen würde es weiterhin nur südlich der Alpen ernsthaft Wetter haben, sodass ich noch einen dritten Tag hier verbringen würde, was mir keinesfalls schwerfallen sollte. Irgendwie hatte es mir diese Bahn und Gegend jetzt schon ein wenig angetan und es würde noch mehr als genug zu entdecken geben. Eine Frage gab es derweil mindestens noch zu klären: Wo bitteschön war eigentlich die Roma abgeblieben?
Für Übermorgen standen dann auch nördlich des Gotthard wieder nennenswert Sonnenstunden auf der Karte, sodass ich meinen Plan, noch einmal das Tavetsch bei Sonne zu besuchen, vielleicht noch würde umsetzen können. Danach sah es hingegen arg schlecht aus mit dem Wetter für’s Wochenende. Das könnte es also nach exakt einer Woche dann gewesen sein und ich würde das Wochenende vielleicht einfach noch zum Entspannen in der Heimat verbringen…

Da das in meinem Zimmer nicht ankommende WLan kein Streamen durch die Mediatheken zuließ, gab’s nach der kleinen Planerei dann eben ein paar ZEIT-Artikel und ein wenig analoges Buch, bevor die Augen zufielen.

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