Sonne, Schnee und Berge VI: Roma und Ticino von Creggio bis Camedo

Der dritte und letzte Tag im Centovalli und Vigezzotal steht heute an, bevor es am Abend zurück in die Schweiz für den letzten Urlaubstag an der MGB geht. Natürlich stehen dabei noch einmal die Altwageneinsätze der Italiener im Fokus meiner Aufmerksamkeit.


Donnerstag, 17. Februar 2022:

Wetter sollte es wieder ordentlich haben heute und so schlurfte ich wieder pünktlich um halb acht hinunter zum Frühstück. Es war wieder eine ausgezeichnete Stärkung für den Tagesbeginn und an so ein frisches Omelette mit darin geschmolzenem Käse könnte man sich ja fast gewöhnen. Ob das Ganze der Gesundheit auf Dauer so zuträglich ist, sei mal dahingestellt, aber das Frühstück ist bei mir ohnehin die Mahlzeit am Tag, die traditionell aus allen Gesundheitsgedanken ausgeschlossen wird – ein starker Kaffee und etwas unvertretbar Süßes dazu muss es einfach sein um Morgens in Gang zu kommen 😀
Anschließend kehrte ich mein Zimmer zusammen, verlud alles ins Auto und zahlte noch die letzten zwei Nächte samt Verkostung. Angenehme italienische Off-Season-Preise hier – das gefällt.
Auch heute Morgen hingen wieder einige Wolken im Vigezzotal, aber diesmal welche mit Konturen und nicht so ein Siff wie gestern lange Zeit. Damit kann man doch arbeiten.

Für den nun aus der Schweiz anstehenden Internationalen musste trotz viel blauem Himmel erstmal ein Motiv her, an dem überhaupt schon die Sonne scheint um kurz vor neun. Dazu bietet sich doch der breite Talabschnitt ab Malesco an. Ohnehin wollte ich mich an der Ortsausfahrt von Malesco Richtung Re noch einmal genauer umschauen, vielleicht ließe sich ein wenig Ortskulisse mit ins Bild bringen. So ganz das Super-Motiv fand ich am Ende nicht, aber es stellte die Situation doch ganz nett dar und mit frischer Morgensonne geht ja schließlich eh fast alles.


Der Schweizer ABe 4/8 46 gibt als Internationaler Richtung Domodossola an der Ortseinfahrt von Malesco den Start in den Fototag ab. In der Gegenkurve ist schon das Einfahrtsignal des Bahnhofes von Malesco zu sehen, zu dem sich die Strecke hier in einer großen S-Kurve emporschlängelt. Gut, dass sich mein Reisegefährt(e) vor dem Asphalt so passend zu tarnen weiß 😉


An dieser Stelle ein kurzer Einschub:

Was ich irgendwie gar nicht auf dem Schirm hatte: Der Internationale würde gleich auf 8:46 Uhr den morgendlichen Schülerkurs Re-Domodossola-Re auf seiner Rückfahrt nach Re kreuzen. Warum bloß hatte ich den gestern und heute eigentlich verdrängt? Wahrscheinlich, weil ich davon ausging, dass der ohnehin noch komplett im Schatten abgehen würde zu dieser Jahreszeit. Zumindest hier oben zwischen Santa Maria Maggiore und Malesco tat er das nun allerdings ganz offensichtlich nicht. Jetzt im Nachhinein ist das besonders ärgerlich, da ich eine Woche später erfuhr, das ausgerechnet auf diesem Kurs am Morgen einer der drei ABe 6/6 33-35 unterwegs war – zumindest eine Woche nach meinem Besuch, was bei der SSIF nicht viel heißt. Die 1968 für Lugano – Ponte Tresa als ABe 4/6 gebauten Fahrzeuge, wurden schon 1977 an die SSIF abgegeben, wo sie von der Fart weitgehend an deren ABDe 6/6 31-32 angepasst wurden. Ab 1979 gingen die Triebwagen dann als ABe 6/6 bei der SSIF in Betrieb.
Ob jetzt während meines Besuches auch einer der ABe 6/6 diesen Kurs fuhr, ist natürlich schwer zu sagen – ärgerlich wäre es jedenfalls gewesen. Jetzt im Nachhinein bin ich mir gar nicht sicher, ob ich den Gegenzug nicht vielleicht sogar aus dem Auto heraus noch gesehen habe. In diesem Fall wäre es dann ein gewöhnlicher ABe 4/6 gewesen, sonst wäre ich dem ja direkt hinterher… Lässt sich jetzt im Nachhinein einfach nicht mehr schlüssig rekonstruieren und erst recht nicht ändern. Jedenfalls sollten sowohl die italienischen ABe 6/6, als auch die schweizer ABDe 6/6 somit meine einzige Lücke im aktiven Fahrzeugpark bleiben. Die Schweizer werden aber meines Wissens gar nicht mehr im Planverkehr eingesetzt. Und die Italiener – wer weiß das schon. Zumindest kam es mir irgendwann so vor, als hätte in Italien fast jeder Kurs sein eigenes Fahrzeug. Immerhin verfügt der aktive Bestand für den Planverkehr über die drei Panoramazüge, vier ABe 4/6, drei ABe 8/8 und drei ABe 6/6, plus den umgebauten ABe 8/8 24, so der denn überhaupt (noch) betriebsfähig ist. Das macht dann mindestens 13 Triebwagen für den doch recht übersichtlichen Fahrplan – schon beachtlich.


Weiter im hier und jetzt. Was immer mit dem Schülerzug auch gewesen ist, für mich spielte das zu diesem Zeitpunkt jedenfalls keine Rolle. Stattdessen stand schon in einer knappen halben Stunde der IR 41 als erste internationale Verbindung des Tages nach Locarno an. Und auf diesem fuhr zumindest gestern schließlich die Roma – vorgestern allerdings nicht. Ich hatte den ABe 8/8 gestern zwar den Tag über nicht zurückfahren sehen, aber es gehen ja auch zwei internationale Verbindungen am Abend komplett im Dunkeln ab um diese Jahreszeit. Also könnte ja… und es tat! Ich hatte mir noch einmal das große Viadukt am Melezzo orientale bei Malesco vorgenommen, diesmal aus anderer Perspektive und bei feinstem Morgenlicht. Einfach herrlich, wenn sich der Tag schon um halb zehn gelohnt hat.


Auf der anderen Seite des Bahnhofes von Malesco überquert ABe 8/8 22 Richtung Locarno den Torrente Loana, einen der vielen seitlichen Zuflüsse des Melezzo orientale im Vigezzotal.

Jetzt aber nichts wie hinterher. Nachdem mir die letzten zwei Tage schon einige Top-Motive mit den ABe 8/8 gelungen waren, wollte ich mir jetzt sehr gezielt noch etwas vornehmen: Die große Stahlträgerbrücke bei Camedo oberhalb des Lago di Palagnedra. Wenn schon mal ein ABe 8/8 in die Schweiz hinüberfährt, will dieses unverwechselbare Motiv schließlich auch einmal umgesetzt werden. Für weitere Umtriebe bliebe dann jetzt aber keine Zeit, denn ein paar Minuten Vorsprung mussten es bis Camedo schon sein, um auf der anderen Seite des Stausees den Berg hinauf zu kommen. Zum Glück waren die Straßen jetzt um halb zehn schön leer und ich mit den Kurven und Tücken der italienischen Piste inzwischen bestens bekannt. Es zahlt sich doch immer wieder aus, sich für so eine Strecke mal ein paar Tage Zeit zu nehmen. Hinter der Grenze in Camedo schnell die Straße zum Bahnhof hinab, selbigen passiert weiter hinab zum Stausee, über die Brücke ans andere Ufer, und noch einmal wenige hundert Meter weiter bis zu einer mir schon aus dem letzten Jahr bekannten kleinen, inoffiziellen Parkbucht. Kamera geschnappt, die nächsten zwei Serpentinen hinauf gesprintet und ich stand an meinem Ausguck für das Brückenmotiv. Gerade senkten sich vor dem Bahnhof die Schranken und der kleine blaue Triebwagen lief ein – da war wirklich nicht viel Luft in meinem Plan gewesen.


ABe 8/8 22 hat soeben auf der Ponte Ribelassca vor Camedo die EU-Außengrenze passiert und rollt wenig später oberhalb des Lago di Palagnedra auf der großen Stahlträgerbrücke weiter Richtung Locarno.


Immer wieder faszinierend, wie ein derart filigran wirkendes Bauwerk, derartige Lasten zu stützen im Stande ist.

Einfach grandios dieser Morgen! Das war eben übrigens die Roma von gestern gewesen. Die muss also, wie vermutet, irgendwann abends den letzten oder vorletzten Kurs im Dunkeln zurückgefahren sein. Damit müsste ich jetzt auch nicht auf deren Rückkehr warten. Stattdessen wollte ich meinen bereits grob zurecht gelegten Plan für heute weiter durchziehen und jetzt noch einmal quasi komplett die Strecke nach Italien fahren, alles mir unterwegs entgegen kommende mitnehmen und mich dann etwas in den Schleifen und abgelegenen Stellen an der Rampe hinab nach Domodossola herumtreiben. Am späten Nachmittag würde ich mich dann zurück Richtung Schweiz treiben lassen und mal schauen, was sich da noch so mit Sonne mitnehmen ließe.


Den ersten Stopp gab es schon nach kaum einer Minute: Von der italienischen Seite fällt der Blick zurück auf die Ponte Ribelassca. Leider lässt sich dieser Blick wohl nie so richtig umsetzen. Im Winter immer gegenlichtig und/oder verschattet, im Sommer dürfte die Brücke aus dieser Perspektive weitgehend hinter dichtem Grün verschwinden… Als Beweis aber wenigstens dieses Trockenbild Nummer 1.


Zeit für den 10 Uhr Imbiss war dann zwischen Re und Malesco, wo natürlich rein zufällig auch gerade ABe 4/6 61 als IR 43 nach Locarno durchkam. Im Schatten gab es hier auf 800 Metern Höhe an mancher Stelle doch noch ganz nette Schneereste. 


Bei Orcesco war es dann schon wieder Zeit, für den nächsten Gegenzug Stellung zu beziehen, bevor ich diesen auf dem langen Weg hinab nach Masera umfahren würde. Mit 84+811+88+81 bildete der IR 47 den ersten Panorama-Triebzug des Tages Richtung Locarno. In Orcesco besteht Richtung Locarno am Vormittag eine beachtliche Fahrplanlücke von 4 1/2 Stunden, wobei der einzige Zug, der hier in diese Richtung am Vormittag hält, der 0828 Schülerzug ist, welcher wiederum nur bis Re verkehrt. Interessant ist auch das Ausweichgleis, welches abseits des Bahnhofsgebäudes und Bahnsteigs liegt.

Aus Domodossola wäre jetzt erstmal wieder eine der wenigen 2-Stunden-Pausen angesagt. Der richtige Zeitpunkt also, um an die Rampe hinab nach Masera zu wechseln und mich dort etwas genauer umzusehen. Zuvor stand aber in wenigen Minuten noch ein Internationaler aus Locarno an, der den Panoramatriebzug in Santa Maria Maggiore kreuzen sollte. Für diesen ging es nur wenige hundert Meter zurück Richtung Druogno, wo die Strecke wiedermal auf einer nicht ganz unscheinbaren Brücke einen der Zuflüsse zum Melezzo orientale überquert.


Der Riale Ragno führt in diesem Februar kein Wasser. In was sich diese zeitweise völlig unscheinbaren Bergbäche aber binnen weniger Minuten bei sommerlichen Unwettern verwandeln können, bezeugt das beachtlich breite Geröllfeld des Flusslaufes, welches von der Vigezzina großzügig überbrückt wird. ABe 4/8 48 überquert als erst zweite internationale Verbindung des Tages aus Locarno die Brücke zwischen Druogno und Orcesco.

Um an die drei kleinen Bahnhöfe an der Rampe hinab ins Ossolatal zu gelangen, muss man zumindest mit dem Auto erst hinab in selbiges bis zum aus Domodossola gesehenen Beginn der Steilstrecke in Masera. Von dort zweigt dann das kleine Asphaltsträßchen hinauf in den Hauptort Trontano ab, das ich schon vorgestern hinauf gefahren war. Trontano ist dabei auch der einzig ernst zu nehmende Ort zwischen Orcesco-Gagnone und Masera. Die übrigen Bahnhöfe und Haltepunkte versammeln höchstens einige wenige, uralte Natursteinbauten um sich herum, welche als teils winzige Bergdörfer bestenfalls in den grünen Monaten des Jahres bewohnt sind, um die Hänge oberhalb des Ossolatals zu bewirtschaften. In Trontano gibt es demgegenüber mit Kirche, Dorfladen und Rathaus sogar etwas ernsthaftere Infrastruktur. In Trontano angekommen, steuerte ich erstmal Vergio an, den nächsten Bahnhof Richtung Vigezzotal, welcher als letzter in diese Richtung annähernd mit dem Auto erreichbar ist. Beeindruckend dabei ein großes Steinviadukt, welches sich in einem eleganten Bogen über einen hier herabfallenden Bergbach spannt. Aufgrund der Lage in einem tiefen Einschnitt wohl höchstens im Sommer ansprechend umsetzbar. Kommt aber mal auf die gedankliche Merkliste. Ein Trockenbild habe ich leider vergessen, erstaunlicherweise sind aber selbst in dieser hinterletzten Ecke Googles Augen schon entlanggefahren. Man werfe zum Betrachten also einfach einen Blick in Street-View. Ich fuhr bis zum Ende der asphaltierten Straße weiter, stellte das Auto am Waldparkplatz ab und lief durch das kleine Bergdorf hinauf zum Bahnhof Vergio. Ein wenig gespenstisch war das im Winter vollkommen verlassene, aus uralten Natursteinbauten und ausschließlich engsten, verwinkelten Gassen bestehende Dorf schon irgendwie. Das hätte für so manches Film-Set herhalten können.
Erst positionierte ich mich an der Bahnhofseinfahrt aus Richtung Vigezzotal, um von einem kleinen Hügel dicht an der Strecke die Einfahrtskurve mit Teilen des Dorfes und der eindrucksvollen Bergkulisse dahinter aufzunehmen. Schnell merkte ich aber bei einem genaueren Blick in den Fahrplan und Aufnahmen von gestern, dass jetzt wohl ein vierteiliger Panorama-Triebzug dran wäre. Denkbar ungünstig für mein Motiv. Also doch zurück in den Bahnhof, auch wenn hier ebenfalls das Motiv etwas zu kurz sein würde.


So hatte ich mir das Motiv in der Einfahrt von Vergio eigentlich vorgestellt – natürlich dann mit Sonne. Blöd nur, dass der nächste Zug ein vierteiliger PanoramaExpress sein dürfte. Beim recht weit angeschlagenen Weitwinkel würde der hier seeeehr lang werden 😉 Ein ABe 4/6 mit etwas sommerlich höherem Sonnenstand würde sich hier aber super machen. Daher Trockenbild No. 2, vielleicht will es ja mal jemand MIT Zug nachmachen.


Das kleine Bergdorf Vergio vom Bahnhof gesehen. Sieht doch erstmal ganz harmlos aus. Wenn man aber durch die verwinkelten Gassen des im Winter völlig verlassenen Dorfes läuft, bekommt man schon das Gefühl in einer Film-Kulisse gelandet zu sein.


Der Knaller wurde es am Ende nicht in Vergio – der Bahnhof selbst von Gestrüpp weitgehend verdeckt, das Motiv an sich auch nicht der Bringer und die Sonne siffte auch gerade etwas ab. Vielleicht hätte ich doch auf meinem Hügel bleiben sollen? Aber ich hatte es mal gesehen und zu anderer Jahreszeit würde sich sicher etwas mehr herausholen lassen. Der PanoramaExpress aus 83+87+810+82 durchfährt den Bahnhof Vergio ohne Halt Richtung Domodossola.

Die Zwei-Stunden-Pause Richtung Locarno war jetzt auch bald durch. Der Versuch eines Einkaufes im Dorfladen von Trontano scheiterte an der Mittagsschließung. Zumindest das Auto konnte ich aber in einer kleinen Pause mal wieder etwas entmüllen und die letzten Nahrungsreserven zusammenkramen. Dann suchte ich mal ein Motiv in den engen Schleifen hinab ins Ossolatal, welche noch am Bahnhof Creggio vorbeiführen. An der teils ultra-engen Strada-Vecchia, welche den zweiten Weg vom Ossolatal nach Trontano darstellt, wurde ich schon an der ersten Kehre der Bahnstrecke fündig, an welcher die Straße quasi direkt vorbeiführt. Jetzt bloß irgendwo das blöde Auto loswerden – achja, was hätte ich hier für mein MTB gegeben heute. Aber für einen halben Tag fährste das auch nicht quer durch Europa… Wenige hundert Meter hinter mir lagen einige verlassene Häuschen. Die noch dazwischen liegende extrem enge Ecke um eines der Häuser herum, wollte ich jetzt aber nicht unbedingt rückwärts durchfahren. Also erstmal bis zum nächsten Hof weiter, dort gewendet und dann vorwärts zurück zur erspähten Abstellmöglichkeit. Ich weiß schon wieder warum ich solche Unternehmungen mit dem Auto nicht oft mache – einfach mega nervig dieses Gekurve und eine ausufernde Materialschlacht. Wie ich dann so zu Fuß zur Kehre hinablaufe, quietscht plötzlich etwas die Kurven hinab. Ein italienischer ABe 4/6 auf Dienstfahrt. Ärgerlich, um die nächste Ecke hätte es ein hübsches Motiv gegeben, dass die Enge hier am Hang oberhalb des Ossolatals ganz nett illustriert hätte. Für den wenig später hinaufkommenden Internationalen wählte ich dann aber das “Hauptmotiv” in der Kehre, weshalb ich hier eigentlich hergekommen war.


Die Piste von Trontano direkt hinab Richtung Domodossola ist noch einmal eine ganze Idee schmaler als die Straße nach Masera. Um diese Ecke wollte ich dann lieber doch nicht rückwärts herumzirkeln. Überhaupt ist man froh um jeden Zentimeter Auto den es nicht hat. Was bitte soll man hier mit einem SUV anfangen, die man ja angeblich braucht um auch mal etwas abseits der großen Straßen fahren zu können. Wer hier wohnt, fährt doch einen Subaru, RAV4 oder Jimny, aber keinesfalls einen dieser Möchtegern-Vorstadtpanzer, ääh ich meine -Geländewagen…


Um Sekunden verpasste ich hier eine talwärts bremsende Dienstfahrt. Hätte ich um dieses charakteristische Motiv gewusst, wäre es mit einem Sprint wohl noch drin gewesen. Trockenbild No.3 – für’s nächste Mal… Hinten rechts ist übrigens die Häuserecke vom vorherigen Bild noch zu erkennen – wirklich nicht viel Platz hier…


Nach der Zwei-Stunden-Fahrplanlücke am Mittag, kommt mal wieder ein Internationaler Richtung Locarno die Schleifen aus dem Ossolatal hinauf. ABe 4/8 48 durchfährt die letzte Kehre vor Trontano.

In einer guten Stunde würde nun wieder mein alter Bekannter, der nachmittägliche Regio nach Re und Retour anstehen. So langsam wurde das ohne Verpflegung nun aber doch unlustig. Hier in der Ecke gab es aber irgendwie so gar nichts. Trontano hatte geschlossen und Masera war auch Fehlanzeige. Ich beschloss also, den nächsten Internationalen durchgehen zu lassen, stattdessen noch schnell nach Domodossola zum Einkaufen zu fahren und anschließend in Ruhe ein Motiv für den ABe 8/8 in den Schleifen zu suchen, so er denn auch heute wieder Auslauf bekommen sollte. Beim Einkaufen direkt am Bahnhof in Domodossola war es dann fast schon unangenehm warm. 25 Grad im Februar sind dann doch irgendwie abartig und die kurzen Hosen hatte ich jetzt nicht im Gepäck 😉
Pünktlich zum Regio fuhr ich dann direkt aus Domodossola die Rampe über Creggio Richtung Trontano. Die von dieser Piste abzweigende Straße nach Creggio selbst, stellte sich als offiziell nicht befahrbar heraus – und auch inoffiziell nicht zu empfehlen, wenn einem die Reifen lieb sind. Aber von dieser durchfahrtsbeschränkten und langsam zerbröselnden Straße nach Creggio, eröffnete sich durch eine kleine Baumlücke über ein kleines Tal hinweg ein toller, niveaugleicher Blick auf die Kehre unterhalb des kleinen Bergdorfes. Von hieraus konnte ich gleichzeitig auch schon sehen, wie am Talgrund der Triebwagen die lange Gerade zwischen Domodossola und Masera entlangeilte. Wenige Minuten und viel Gequietsche später kam der Oldie die Kehre hinaufgeklettert.


Nach der Roma lässt mich auch der Ticino erneut nicht hängen. Wieder ist der ABe 8/8 22 auf dem frühen nachmittäglichen Regio nach Re und Retour im Einsatz und passiert hier die letzte Kehre vor dem Bahnhof Creggio an der Rampe aus dem weiten Ossolatal hinauf ins Vigezzotal.

Das Studium der Fahrzeiten hatte ergeben, dass der Triebwagen selbst mit dem langen Umweg, den ich auf der Straße erst wieder hinab ins Ossolatal nehmen müsste, bis Orcescu wieder einzuholen wäre. Dort wollte ich noch einmal eine etwas andere Perspektive zu gestern umsetzen. Das einzige Mal machte mir dabei bei einem ABe 8/8 die Sonne einen Strich durch die Rechnung. Dafür konnte ich anschließend noch die kleine Brücke hinter dem Haltepunkt Zornasco etwas besser umsetzten als gestern – ich wusste jetzt einfach genauer, wo ich hin zu sprinten hatte.


ABe 8/8 22 wie schon gestern auf der kleinen Brücke hinter dem Haltepunkt Zornasco. Mit den Erfahrungswerten von gestern, konnte das Motiv heute noch etwas besser ersprintet werden.

Dann war es erstmal Zeit für einen kleinen Nachmittagskaffee. Irgendwo an der Endlossiedlung zwischen Santa Maria Maggiore und Malesco fand sich ein nettes kleines Café, wo ich einfach mal eine Viertelstunde Pause bei Cappuccino und Nougat-Croissant einlegte. Das tat auch mal Not langsam. Anschließend wurde noch der Tank für die abendliche Fahrt ins Tavetsch ergänzt und schon stand auch die Rückfahrt des ABe 8/8 an. Auf eine weitere großangelegte Verfolgung wollte ich dann aber verzichten. Mir gingen bei dem niedriger werdenden Sonnenstand auch langsam schlicht die Ideen aus in diesem Abschnitt und ewig weit entgegen meines abendlichen Ziels wollte ich dann auch nicht mehr gurken. So erwartete ich den Ticino einfach noch mal auf der großen Wiese zwischen Prestinone und Santa Maria Maggiore, diesmal am Ortsrand von letzterem, anstatt am Bahnübergang zwischen den beiden Stationen. Der Schnee war hier nach zwei sonnigen und warmen Tagen nun endgültig verschwunden, sodass das eigentlich ähnliche Motiv gegenüber gestern doch noch einmal deutlich anders daherkam. Zum ersten Mal war der Himmel jetzt auch so richtig strahlend blau, keine einzige Wolke unterwegs. So geht das!


ABe 8/8 22 auf der Rückfahrt von Re nach Domodossola zwischen Prestinone und Santa Maria Maggiore.

15 Uhr war jetzt schon wieder durch und mein Ziel Sedrun für heute Abend lag nun auch nicht gerade um die Ecke. Der richtige Zeitpunkt also, um gemütlich an der Strecke entlang zurück Richtung Schweiz zu gondeln. Ich hatte zwischenzeitlich die Bestätigung der Unterkunft erhalten, dass auch eine Anreise gegen halb acht kein Problem wäre – alles andere hätte mich jetzt auch ein wenig gewundert. Die Zeit würde ich aber auch brauchen. Hinter Malesco lag dann im zunehmend tief eingeschnittenen Tal auch schon alles mehr oder weniger im Schatten. Kein Grund also, hier noch auf einen Zug zu warten. In Re gab es dann aber doch noch einen: Die Ortsdurchfahrt rund um die Kulisse des Glockenturmes und der gigantischen Wallfahrtskirche lag nun im schönsten Nachmittagslicht und konnte einfach nicht unfotografiert durchfahren werden.


Der Glockenturm und die Wallfahrtskirche im winterlich verschlafenen Re liegen im schönsten Nachmittagslicht. Das Ensemble mit der sich mächtig auftürmenden Architektur der Kirche in einem dazu gar nicht passen wollenden, verschlafenen Dorf, erinnert irgendwie immer an Kulissen aus Filmen der von Tolkien oder George R. R. Martin erdachten Fantasywelten.


Das in die Straße scheinende, tiefstehende Licht zeichnet die Gebäude auf eine geniale Art.

Weiter geht’s Richtung Schweiz. Durch den Stopp in Re hatte sich jetzt allerdings ein großes Problem vor mich geschwungen: Ein ukrainischer Multivan der, aus einem großen flachen Flächenland mit großzügigen Straßen und Schotterpisten stammend, mit den hiesigen Verhältnissen so gar nicht zurecht zu kommen schien. Wenn man dann aber schon langsam und unsicher fährt, dann doch bitte auch am Rand der Straße und nicht in der Mitte – dann nützt das nämlich alles nichts. Und das ausgerechnet noch auf dem schmalsten Abschnitt der Strecke zwischen Re und Camedo. Einige Male entfuhr mir wohl unwillkürlich ein Seufzer der Erleichterung, wenn wieder mal ein aus der Schweiz heimkehrende Pendler, italienische sportlich noch soeben irgendwie in die Eisen gehen konnte und millimetergenau zwischen Felswand und dem Multivan hindurch schlüpfen konnte. Selbst hielt ich lieber so viel Abstand, dass ich im Falle einer Frontalkollision noch hinter dem Trümmerberg zum Stehen kommen könnte. Der absolute Bremswegabstand ist dann doch dein Freund… Zum Glück wusste ich, dass hinter Re rund um die zwei großen Talbrücken noch einmal die Chance zum Vorbeiziehen bliebe. Dort wird die Straße bestimmt sieben Meter breit und führt geradeaus über die Brücken. Mit einer hupenden Vorankündigung ging es schnell an dem auch hier noch über dem Mittelstreifen peilenden Van vorbei. Wenn da nach mir lange Zeit nichts käme, wüsste ich jedenfalls warum. Nach diesem kleinen Aufreger lief es ganz entspannt weiter in die Schweiz, vorbei an Camedo und weiter ins Centovalli, wo die Hänge noch im schönsten Nachmittagslicht lagen. Erstaunt stellte ich in Verdasio beim Blick über die Leitplanke fest, dass Bahnhof und Ausfahrt für einen kurzen Triebwagen noch ausreichend in der Sonne lagen. Na, da würde doch sicher gleich ein Regio nach Camedo durchkommen. Der Blick in den Fahrplan verriet: Sehr gleich. Also nichts wie hoch zu meinem Ausguck von gestern an der Straße hinauf nach Verdasio.


Das Viadukt bei Verdasio fällt schon in lange Schatten. Die Sonne an der Ausfahrt reicht aber noch aus für einen kurzen Regio nach Camedo in Gestalt des ABe 4/6 53.

Auch das “Standard-Motiv” bei Intragna lag vierzig Minuten später noch in der Sonne. Wenn auch das Viadukt selbst auch hier schon weitgehend verschattet war, das Licht war einfach nur genial und selbst für den nun folgenden vierteiligen PanoramaExpress nach Domodossola war die Stelle noch lang genug.


Die vierteilige Combo aus 81+88+811+84 überquert als PanoramaExpress nach Domodossola das Viadukt hinter Intragna im schönsten Abendlicht. Das wäre dann die dritte und letzte Ansicht dieses Motivklassikers in diesem Urlaub. Diesmal ganz ohne Schnee, dafür bei genialem Licht.

Wie ich anschließend feststellte, hätte wohl sogar die bekannte Stahlgitterbrücke auf der anderen Ortsseite “von hinten” noch Sonne gehabt. Das wäre allerdings knapp gewesen dort noch hinzukommen und dann wahrscheinlich auch eher in der Art “auf Brücke fliegender Zug über sehr viel Schwarz” – vielleicht genial, sehr wahrscheinlich aber eher für die Tonne. Für den nächsten Zug würde die Sonne hier jedenfalls definitiv nicht mehr reichen, sodass ich zum Abschluss noch den Bahnhof Verscio ansteuerte, wo die Strecke noch im tiefen flachen Abendlicht lag. Problem hier war lediglich die anstehende Kreuzung. So würde zwar sicher ein Zug auf das richtige Gleis vor dem kleinen Stationsgebäude fahren, allerdings konnten sich beide auch ungünstig zu fahren. Zumindest die weit sichtbaren Weichensignale gaben gut Auskunft darüber, welcher Zug denn wohin fahren würde. Als es dann absehbar wurde, dass das hier so nicht klappen würde, konnte ich noch zu einem kleinen Sprint vor den Bahnhof ansetzen und den einfahrenden Regio Richtung Locarno zumindest als Nachschuss verhaften.


ABe 4/6 53 erreicht den Bahnhof Verscio und wartet dort anschließend auf den Gegenzug. Da der ABe 4/6 hinter dem Gegenzug ausfahren würde, hätte sich das Bild am Stationsgebäude nicht ausgegangen, da der Triebwagen vor Einfahrt des Gegenzuges während des Haltens noch im Schlagschatten gestanden hätte – nicht verstanden? Egal. Ende der Geschichte war: Ich musste auf Höhe des Stationshäuschens wartend, im Angesicht des nahenden Zuges, noch schnell hierher zurückeilen.

Halb vier war schon wieder durch. Im Februar merkt man dann gefühlt doch täglich, wie die Tage wieder länger werden. Ich beschloss aber, das sei es jetzt gewesen. Mehr als diese Gerade hier dürfte kaum mehr in der Sonne gewesen sein. Im Ort ging es noch kurz zum bereits bekannten Coop rein, Verpflegung für die Fahrt und den Abend besorgen. Für morgen könnte ich dann auch gleich noch ausreichend Reserven anlegen, wobei mir aus Domodossola auch noch ein riesen Baguette geblieben war – oder dessen italienisches Derivat – das sollte morgen locker noch für den halben Tag reichen. Wie das dann immer so ist im Urlaub: Man vergisst doch komplett, dass andere Leute arbeiten müssen und nicht wenige von diesen auch nicht (mehr) im HomeOffice sitzen (können). 17 Uhr war also eine denkbar schlechte Zeit, um über die Kröppelverbindung von Locarno zur A2 Richtung Gotthard zu kommen. So stand ich mich bestimmt eine gute halbe Stunde hinüber zu Autobahn. Zum Glück hatte ich noch einen Kaffee aus dem COOP und dank des Donnerstages eine neue Ausgabe der ZEIT auf dem iPhone, die jetz gehört werden wollte. Und Fotolicht hatte es eh nicht mehr, also was soll’s…
Auf der A2 lief es dann aber und ich rollte ungestört bis Biasca hinauf, wo das entspannte Fahren dann aber schon ein Ende hatte, denn von hier aus würde es jetzt bei zunehmender Dunkelheit über den Passo del Lucomagno, zu Deutsch Lukmanierpass, gehen. Wieder einer mehr in der persönlichen Sammlung der Alpenpässe, denn vom Tessin direkt hinüber nach Graubünden, genauer Disentis, war ich bislang auch noch nie gefahren. Dementsprechend wusste ich auch nicht genau, was mich mit dieser Passstraße erwartete. Nur, dass das Gerät offen sein sollte und ohne Schneeketten passierbar war, hatte ich vorher natürlich mal geschaut. Kurz vor Beginn der “richtigen” Passstraße hinter Olivone wurde es dann langsam sehr warm im Auto. Mmmh, was ist das denn jetzt? An der Klimaautomatik hatte ich doch nichts verändert. Auch alles andere schien normal und im grünen Bereich – aber die Lüftung. Was ich auch drehte und drückte, da kam gefühlt nur noch maximal geheizte Saunaluft heraus – fehlt nur noch der Aufguss. Da habe ich mich ja totgeschwitzt, bis ich in Disentis bin… Blieb vorerst mal noch eine Hoffnung: Zündung Aus- und Einschalten und einmal die Komfortverbraucher neu hochlaufen lassen – das wirkt hin und wieder schon Wunder. Und siehe da: Kurz rechts rangefahren hinter Olivone, Alles abgeschaltet, die kurze Pause für andere Erleichterungen genutzt, alles wieder hochgefahren und zack feddich: Angenehme 17 Grad strömen aus der Lüftung. Irgendwie erinnere ich mich, diesen Bug schon einmal gehabt zu haben vor Jahren. Wer weiß, welches Bit da aus welchem Grund bislang zweimal im Autoleben falsch übergesprungen ist…

Der Lukmanierpass stellte sich in der Folge als völlig harmlos heraus. Es geht auch “nur” auf 1916 Meter hinauf und ist durchgängig mit zwei vollwertigen Spuren trassiert und der Schnee vom Wochenbeginn auf der Fahrbahn längst beseitigt oder getaut. So in die blaue Stunde hinein, war es aber irgendwie eine magische Stimmung während der Fahrt über den Pass, zumal ich mir auch noch völlig allein vorkam. Kein einziges Auto kam bis kurz vor Disentis auf rund 30 Kilometern in der einsamen in die Dunkelheit fallenden Bergwelt entgegen. Von Disentis noch schnell nach Sedrun hinüber und schon kam ich vor der letzten Unterkunft dieses Urlaubs zum Stehen. Irgendwie war hier in der Ecke besonders im Winter verständlicherweise ja alles recht teuer und ich hatte schon überlegt, noch auf der anderen Seite des Passes bei Acquarossa in der Ecke zu nächtigen – aber dann morgen früh so viel Zeit verlieren… Beim genauen Hinschauen hatte ich dann aber direkt am Ortseingang von Disentis das Jugendhotel Alpina gefunden, wo in der Sportlerunterkunft ein Bett und ein Frühstück wieder für günstige CHF 60 zu haben waren. Warum ich das Teil hier bislang nie gefunden hatte, sollte ich dann morgen noch erfahren…
Ich wurde schon erwartet und freundlich von der Betreiberin empfangen, die mir noch schnell das Zimmer zeigte und dann zusperrte. Dumm nur, dass ich jetzt die obligatorische Frage nach dem W-Lan Passwort vergessen hatte. Dann muss es heute Abend wohl wieder das Buch sein… Zum Abendessen gab es auf dem iPad aber noch eine offline gespeicherte frontal Sendung von Dienstag. Dann war das Buch dran und schnell ging auch das Licht aus.

Achja, was ist morgen? Auto nach drei Tagen endlich mal wieder stehen lassen und entlang der MGB bis Dieni und zurück durch den Schnee wandern. Und dann geht es abends auch schon zurück nach Hause.

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