6 Länder, 11 Tage, 15 Trambetriebe III: Tatras bis zum Abwinken in Košice

Mit Košice steht für mich heute der erste neue Betrieb dieser Reise auf dem Programm. Geprägt wird der Betrieb durch das große Stahlwerk im Südwesten der Stadt. Mehrmals täglich jagen zahlreiche Verstärkerfahrten die Überlandstrecke zum Schichtwechsel hinaus. Den nachmittäglichen Schichtwechsel wollen wir uns heute anschauen, bevor es anschlißend nach Miskolc weitergeht.


Freitag, 6. Juni 2014

Nach dem Frühstück wurde heute gegen halb neun mit der Arbeit begonnen. Starten wollten wir am an der Haltestelle Staničné námestie am Hauptbahnhof mit seiner großen Wendeanlage. Mit den Linien 2, 3 und 6, verkehren hier an Werktagen die Hälfte der regulären Straßenbahnlinien. Von den acht Werkslinien R1-R8, welche nur zum Schichtwechsel bedient werden, endet hier zusätzlich die Linie R1.
Von unserem Hotel war es ein Katzensprung hinüber zum Staničné námestie. Kaum dort eingetroffen, trudelte auch noch einer der letzten Wagen des morgendlichen Schichtwechsels als R1 ein.
Ansonsten war es ein Paradies für Tatrafans. In den verschiedensten Lackierungsvarianten der letzten Jahrzehnte liefen T3SUCS und T6A5CS Solo und in Doppeltraktion, sowie KT8D5 und die bei Pragoimex mit Niederflurmittelteil modernisierten KT8D5R.N2. Für Abwechslung war also gesorgt und wir hielten rund eine halbe Stunde erstmal die verschiedenen Wagentypen in der grünen Bahnhofsschleife fest.


1991 bis 1992 wurden insgesamt 30 T6A5CS mit den Nummern 600 bis 629 für Košice gebaut. T6A5CS 616 kam am Morgen als letzter Kurs der Werkslinie R1 am Hauptbahnhof an und pausierte anschließend in der Schleife.


Als Linie 8 erreicht T6A2CS 604 den Bahnhof. Viele der T6 tragen leider Vollwerbungen, die ihre Formen fast gänzlich unkenntlich machen.


Die verbliebenen T3 wurden größtenteils erst in den 80er Jahren gebaut und gehören zu den moderneren T3SUCS. So auch Wagen 396 im aktuellen Farbschema, welcher gerade die Bahnhofsschleife erreicht.


Ein besonders schönes Duo gab der Zug aus T3SUCS 412 und 413, noch in der rot-cremen Lackierung ab. Auch die Linienanzeiger sind noch analog. Hier befindet sich der Zug in der grünen Hälfte der Bahnhofsschleife.


Auf der anderen Seite der Schleife wartet KT8D5R.N2 an der Haltestellenanlage auf weitere Aufgaben. Zehn KT8D5 wurden bei Pragoimex modernisiert und mit einem Niederflurmittelteil ausgestattet.

Anschließend ging es ein wenig durch die Stadt, die verschiedenen Fahrzeuge des 100% Tatra-Auslaufes auf Strecke festzuhalten. Mit Vario LF 701 verfügt Košice seit 2011 auch über sein erstes Niederflur-Neufahrzeug. Das von Pragoimex gebaute Fahrzeug stand allerdings nicht im Einsatz. Noch in diesem Jahr sollen dem Vierachser mit mittlerem Niederflureinstieg sechsachsige Gelenkwagen von Pragoimex vom Typ Vario LF2+ folgen. Diese werden wohl nahezu alle verbliebenen T3 aus dem Linienbetrieb verdrängen. Grund genug, sich diese nochmal etwas verstärkt vorzunehmen.


Auf dem Námestie osloboditeľov lässt sich der Dóm svätej Alžbety samt Straßenbahn ablichten. T3SUCS 404 biegt hinter der Haltestelle Námestie osloboditeľov als Linie 3 ab.


An der Haltestelle Radnica Starého mesta begegnete uns der Fahrschulwagen 100. Bei diesem handelt es sich um einen T3SU, welcher bereits 1970 gebaut wurde.


An der gleichen Ecke begegnete uns mit den T3SUCS 378 und 379 eine weitere Doppeltraktion mit recht ursprünglichem Charme.


Nicht weit entfernt liegt der Abzweig an der Haltestelle Zimná. Hier konnten die T6A5CS 622 und 623 als Linie 7 aufgenommen werden. Auffällig an den T6-Doppeltraktionen in Košice ist, dass stets der hintere Wagen den Stromabnehmer angelegt hat.


Zurück an der Haltestelle Radnica Starého mesta konnte mit 551 auch noch ein werbefreier KT8D5R.N2 aufgenommen werden.


Linie 7 endet am botanischen Garten. Hier konnten die scheinbar in einem Kunstprojekt bemalten T3SUCS 410 und 411 in der Schleife aufgenommen werden.


Zurück in der Innenstadt wurde noch ein Blick bei Tageslicht auf den historischen Wagen in der Fußgängerzone neben dem Dom geworfen.


Der 1920 bei Ringhoffer für Prag gebaute Zweiachser gelangte 1985 nach Košice und dient heute neben dem Dom in der Fußgängerzone nur noch als Werbeträger für Kulturveranstaltungen.


Wieder zurück auf dem Námestie osloboditeľov, erneut die Traktion aus T3SUCS 378 und 379 auf Linie 6. Da der Großteil der T3 einem baldigen Einsatzende entgegen sieht, wird diesen Fahrzeugen wahrscheinlich sowohl die aktuelle Lackierung, als auch die bei zahlreichen T3 nachgerüsteten digitalen Zielanzeigen vorenthalten bleiben.


Ein anschließender Blick in den Betriebshof offenbarte, dass auch hier nichts vom Vario LF zu sehen war. Dafür begannen nun die Werkslinien für den frühnachmittäglichen Schichtwechsel auszurücken. Der 1986 gebaute KT8D5 500 rückt auf die Linie R2 aus.


Wir begaben uns an die „Überlandstrecke“ zum außerhalb der Stadt liegenden Stahlwerk, da hier nun einiges an Verkehr zu erwarten war. Über die großzügig trassierte Strecke rasen in kurzen Abständen zahlreiche Tatras aller Art auf den R-Linien zum Werk hinaus und wieder zurück. Die Strecke verläuft unweit der vierspurigen Schnellstraße, welche ebenfalls das Werk anbindet. In einer großen S-Kurve hat sich KT5D5 als R6 auf dem Weg zum Werk kurz vor der Haltestelle Perešská aus der Straßenmitte über die Schnellstraße geschwungen.


Ein Stück weiter Richtung Werk erreicht T6A5CS die Haltestelle Ludvíkov Dvor als R7.


Wenig später erreicht die Strecke hinter der Haltestelle Valcovne in einer langgezogenen Kurve das Stahlwerk. Hier lässt sich ein letzter Blick auf die Bahnen von öffentlichem Grund mit dem Stahlwerk im Hintergrund erhaschen. T6A5CS 620 und 621 haben soeben das Werksgelände verlassen und fahren als R3 zurück nach Košice. Der Zug trägt die türkis-weiße Lackierung, welche der heutigen farbenfrohen und geschwungenen weiß/blau/gelben Lackierung vorausging.


Am großen Kreisverkehr Kruhový objazd verteilen sich die stadteinwärts fahrenden R-Linien in die verschiedenen Wohnsiedlungen von Košice. Die Werbetraktion aus T3SUCS 415 und 416 begegnet stadtauswärts als R4 der Gegenbahn in Gestalt von KT8D5 500.


T5A5CS 607 befährt den Stern innerhalb des Kreisverkehrs als R7 auf dem Weg zum Werk.

Die Mittagsspitze flaute allmählich ab und unser Besuch in Košice neigte sich damit dem Ende entgegen. Wir wollten uns weiter in Richtung Ungarn aufmachen, zu unserem Tagesziel Miskolc. Am Freitagnachmittag sollten hier noch einige letzte Wiener E1 im Einsatz stehen von denen es auf dieser Tour wohl Abschied zu nehmen gilt.
Aber davon mehr in nächsten Teil…

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