6 Länder, 11 Tage, 15 Trambetriebe II: Viel Neues in Krakau und Trolleybus Prešov

Heute geht es ein wenig durch Krakau. Im Fokus stehen dabei die Dreifachtraktionen der Konstal 105Na, die Wiener Umbauten und die neuen Bombardier-Niederflurwagen. Hinzu kommen natürlich wie immer noch einige Einzelgänger. Mal sehen, was wir alles so erwischen, bevor es am späten Nachmittag über Prešov weiter nach Košice geht.


Donnerstag, 5. Juni 2014

Unser Hotel lag verkehrsgünstig in der Nähe der großen Endschleife Bronowice Małe, zu dem das Linienbündel mit den Linien 4, 8, 14 und 24 hinausfährt. Blöd nur, dass hier am Morgen keine Tram kam. Aber auch die Einheimischen wirkten überrascht ob der Betriebseinstellung, konnten aber der Laufschrift an der Haltestelle mehr entnehmen, als wir mit unseren gegen null tendierenden Polnisch Kenntnissen. Wir folgten einfach mal den Massen und bezogen an der Straße Stellung. Es war SEV angesagt, was in der abklingenden Rushhour und schon stattlichen Temperaturen über 20 Grad kein wirklicher Spaß war. Glücklicherweise fuhr die Tram ab der Zwischenschleife Bronowice wieder und wir konnten nach kurzer Zeit die überhitzte Jelcz-Sardinenbüchse verlassen.
Auf diesem Linienbündel liefen dann auch alle uns fehlenden Fahrzeugserien: Die grundlegend Modernisierten ehemaligen Wiener E6, welche als Einrichter und mit Niederflurwagen im Grunde nicht mehr als solche zu erkennen sind, die Konstal Dreifachtraktionen und die neueste Generation Flexity’s von Bombardier.


Bis zur Zwischenschleife Bronowice war der Straßenbahnverkehr zum Erliegen gekommen. Ein eilends eingerichteter SEV versuchte mühsam, die Menschenmassen der Innenstadt näher zu bringen und wurde bis zum Plac Inwalidów geführt.


Von dort ging es mit der Straßenbahn weiter. Kurz vor dem Innenstadtring konnte an der Haltestelle Batorego, der Umgebaute Wiener E6 3010 aufgenommen werden.


An der Haltestelle Teatr Bagatela zweigt das Linienbündel auf den Innenstadtring ein. Die Linien 4 und 24 wurden noch mit 105Na-Dreifachtraktionen gefahren, wie dem Gespann aus 833+834+835.

Kaum auf dem Ring angekommen, sichteten wir auch schon den ersten Einzelgänger, den ersten umgebauten Nürnberger N-Wagen 3071. Anders als die übrigen Nürnberger N-Wagen, welche bislang im Wesentlichen nur neu lackiert wurden, wurde 3071 als erstes Testexemplar der Serie komplett umgebaut, mit neuen Fahrzeugfronten, Türen, Innenraum und nur noch als Einrichtungswagen ausgeführt. Seinen Ursprung sieht man dem Wagen wie den Wiener E6 nicht mehr an.
Wir merkten uns die Linie 2 vor und machten einige weitere Aufnahmen auf dem Ring, bevor wir einen umgebauten Wiener E6 Richtung Salwator enterten und dem Nürnberger auf der Linie 2 dorthin vorausfuhren. Die Mittfahrt in dem einst den Charme der späten 70er Jahre ausstrahlenden Fahrzeug war eine Offenbarung im negativen Sinne: Der gesamte Innenraum war entkernt worden und billigst in Hartplastikbauweise neu eingerichtet worden. Jede kleinste Erschütterung sorgte für ein infernales Scheppern des Interieurs, es schien tatsächlich jedes einzelne Teil in dem Wagen zu klappern und zu scheppern – einfach ein unerträglicher Lärm. Da merkte man dann schon, dass die Wagen irgendwie möglichst billig in der eigenen Hauptwerkstatt umgebaut wurden und nicht von einem professionellen Waggonbauer…
Ich war jedenfalls froh, den Plastebomber in der Schleife Salwator wieder verlassen zu können.


Eine weitere 105Na-Dreifachtraktion aus 811, 812 und 813 auf dem Ring als Linie 24 an der Haltestelle Teatr Słowackiego.


Die Schleife Salwator bot sich eher weniger für eine Fahrzeugaufnahme des erwarteten Nürnberger GT8NF 3071 an. Der Umbau-Wiener 3018 und der Flexity der ersten Generation 2004 warten in der Endschleife.


Unmittelbar hinter der Schleife Salwator gelang wenig später die Aufnahme des umgebauten N-Wagen 3071. Weitere Exemplare dieser Umbauvariante werden wohl folgen.

Nachdem die Aufnahme des Umbauwagens im Kasten war, traten wir den Weg zurück zum Ring an und stiegen erst an der südöstlichen Ringausfahrt bei der Haltestelle Poczta Główna aus. Von dort liefen wir zur Haltestelle Starowiślna hinüber und beobachteten für einige Zeit den Verkehr, schließlich hofften wir auch noch auf den Prototypen 4001, welcher 2012 bei Protram aus drei 105Na und zwei zwischengehängten Sänften entstanden war. Leider sichteten wir das Fahrzeug über den gesamten Tag nicht. Dafür waren hier aber zahlreiche der recht betagten Wiener E1+c3-Züge unterwegs. Einige der Züge haben in den letzten Jahren sogar noch einmal eine kleine Auffrischung erhalten, mit neuen getönten Scheiben und der mit den Düsseldorfer GT8S eingeführten neuen Lackierung mit grinsendem Bart.


Der Wiener E1+c3-Zug aus 114 und 574 biegt hinter der Haltestelle Poczta Główna vom Ring in Richtung Südosten ab. Dieser Zug wurde zwar neu lackiert, erhielt aber keine neuen getönten Fensterscheiben mit schwarzen Rahmen.


An der Haltestelle Starowiślna konnte ein ebenfalls aufgefrischtes Wiener Gespann mit neuen Scheiben festgehalten werden.


Auch ein Fahrzeug der neusten Bombardier Flexity Generation für Krakau konnte mit dem Wagen 3066 an der Haltestelle Starowiślna aufgenommen werden.

Auch wenn es nicht der erste Besuch in Krakau war, durfte im Anschluss eine kleine Runde durch die historische Innenstadt nicht fehlen. Bekannt ist natürlich der große Markt genau im Zentrum der Stare Miasto, mit obligatorischer Markthalle und Marienkirche, aber auch die Gassen rund herum und die Wehranlagen entlang des Ringes, welche den Stadtkern von der übrigen Stadt trennen, sind immer wieder sehenswert. Die Burg ließen wie heute allerdings aus, die Temperaturen hatten eine durchaus grenzwertige Höhe erreicht und verleiteten eher zu schattigen Bänken. Auf eben einer solchen ließen wir uns im Anschluss an die kleine Touristenrunde, mit Blick auf den Barbakan Krakowski nieder und tranken gemütlich einen längst überfälligen Kaffee mit dazugehörigen Gebäckstücken als kleine mittägliche Stärkung.


Wir haben den Brama Floriańska (Floriansturm) als Tor zu Stare Miasto durchschritten und Blicken an der Wehranlage der historischen Innenstadt entlang.


Der eigentlichen Stadtmauer mit dem Brama Floriańska, ist der Barbakan Krakowski als zusätzliche Schutzanlage vorgelagert. Dieser gilt als der größte erhaltene Barbakan Europas und wurde bereits 1498-1499 errichtet. Während die Touristenmassen hier hindurchströmen, um in den historischen Stadtkern zu gelangen, nehmen wir lieber mit Kaffee auf einer schattigen Bank Platz und beobachten das Treiben während der Mittagshitze.

Allmählich mussten wir nun auch ans Aufbrechen denken, denn das Tagesziel war für heute Abend das slowakische Košice. Nach ein paar weiteren Aufnahmen auf dem Ring ging es daher mit unserem Linienbündel wieder hinaus nach Bronowice zum Auto. Die Tram hatte nach der morgendlichen Störung den Betrieb wieder aufgenommen und so entfiel bei der Hitze glücklicherweise die zusätzliche Busfahrt.


Auch der Straße wird es zu heiß und staubig – da gibt’s erstmal eine kleine Erfrischung.


Es folgt auf frisch gewässerter Schiene die 105Na-Dreifachtraktion aus 814, 815 und 816.


Und gleich darauf der N-Wagen 3081 im neuen Grinsebart-Design der Düsseldorfer GT8S. Während die N-Wagen 2010 noch verschiedenste Kreationen der Werkstatt trugen, scheint sich diese Lackierung inzwischen durchgesetzt zu haben.

Fast 250 Kilometer lagen nun vor uns, von denen nur die ersten rund 50 Kilometer auf dem erst vor kurzem fertiggestellten Autobahnabschnitt östlich von Krakau abgespult werden konnten. Danach hieß es die erste große Landstraßenetappe der Fahrt zu bewältigen. Gegen 19 Uhr hatten wir die polnisch/slowakische Grenze bereits hinter uns gelassen und erreichten Prešov, die mit 90.000 Einwohnern drittgrößte Stadt der Slowakei. Die Stadt verfügt über ein recht ausgedehntes Trolleybusnetz und bietet dabei mit fünf Wagentypen ordentlich Abwechslung. Neben den einst omnipräsenten Skoda 14Tr und 15Tr, fahren seit 2006 auch immer mehr Niederflurbusse der Typen 24Tr, 25Tr und 31Tr unter den Fahrdrähten.
Das Auto stellten wir neben der Katedrálny chrám svätého Alexandra Nevského ab, deren viele Türme noch das restliche Abendlicht auskosteten. Anschließend drehten wir zu Fuß eine Runde durch das im Abendlicht liegende Städtchen, in dem Dank einer Veranstaltung im Zentrum noch jede Menge Leben war. Hier und da entstanden Aufnahmen des Trolleybusses, bis alle Wagentypen im Kasten waren. Leider schien die schon tiefstehende Sonne kaum mehr in die Straßen.


Die Katedrálny chrám svätého Alexandra Nevského am Rande der Innenstadt.


Gleich nebenan fährt auch schon der Trolleybus. 2006 bis 2008 wurden fünf dieser 25Tr von Skoda und Irisbus in Dienst gestellt.


Auch von der kurzen Variante wurden in diesem Zeitraum sieben Fahrzeuge beschafft.


Ab 2011 kamen weitere sieben Gelenkbusse, diesmal vom Typ 31Tr hinzu. Weitere sollen in den nächsten Jahren folgen.


Bis die 31Tr vollständig ausgeliefert sind, drehen auch noch die letzten 15Tr mit ihrem unverkennbaren Heulen ihre Runden durch die Stadt.


Auch die letzten 14Tr drehen noch munter ihre Runden unter dem Fahrdraht.

Nach der kurzen Visite in Prešov wurden die letzten 40 Kilometer nach Košice zurückzulegen. Gegen neun erreichten wir das Hotel in der Fußgängerzone und hielten uns nicht lang auf, denn nach dem Kaffee in Krakau heute Mittag hatte es nichts mehr gegeben und die Mägen meldeten lautstark Bedarf an. Wir schlenderten die in der blauen Stunde liegende Fußgängerzone entlang und hielten nach dem nächstbesten Biergarten Ausschau. Die Auswahl war trotz der späten Stunde noch groß und so fanden wir schnell wonach wir suchten. Wie für diese Region Europas üblich, gab es jede erdenkliche Form von Fleisch vom Grill, allerdings war die Karte ausschließlich auf Slowakisch gehalten – kein Wunder, ist doch das Stahlzentrum des Landes nicht unbedingt ein Touristen-Hotspot. Glücklicherweise waren in der Karte aber auch einige Bilder, sodass die Navigation recht leicht viel und viele der verschiedenen Bezeichnungen für „gegrilltes Fleisch“ kamen uns auch recht bekannt vor, sodass wir ohne großes Risiko einfach das Bestklingenste auswählten. Dazu gab es ein frisch Gezapftes – so ließ sich der angenehm laue Sommerabend doch genießen.

Mitten durch die Fußgängerzone verlaufen noch die alten Gleise der ursprünglich nur temporär eingestellten Innenstadtstrecke, allerdings erinnern sie nur noch an die einstige Strecke und verfügen nicht mehr über eine Fahrleitung. Der neben dem Dómu svätej Alžbety abgestellte historische Wagen, ein ehemaliger Ringhoffer Zweiachser aus Prag aus dem Jahr 1920, dient nur noch als Werbeträger für örtliche Kulturveranstaltungen und nicht mehr zur Fortbewegung.


Die Gleise verlaufen direkt auf den Dómu svätej Alžbety zu und umrunden diesen anschließend beidseitig.


Die Innenstadtmeile ist durchaus ansehnlich, der Rest der Stadt weist dagegen schon unverkennbar daraufhin, dass es sich hauptsächlich um eine Arbeiterstadt des nahegelegenen Stahlwerkes handelt.


So darf ein Tag mit 35 Grad Mittagshitze gern ausklingen! Im Gegensatz zum frisch Gezapften, ist das Trinkgefäß nicht wirklich slowakisch…


Auf dem kurzen Rückweg zum Hotel wurde noch beim Ringhoffer-Zweiachser aus Prag vorbeigeschaut, welcher 1920 gebaut und 1985 nach Košice abgegeben wurde. Heute dient er neben dem Dom in der Fußgängerzone nur noch als Werbeträger für Kulturveranstaltungen.

Damit endete ein doch recht erfolgreicher Tag, von der Sonnenausbeute auch nochmal deutlich besser als gestern. Ein stabiles Hochdruckgebiet hat sich breitgemacht über Osteuropa und wird wohl auch die kommenden Tage für viel Sonne und heiße Temperaturen sorgen. Morgen geht es dann erstmal hier im Tatraparadies Košice mit T3, T6 und KT8 weiter, bevor es am späten Nachmittag nach Miskolc hinüber gehen soll.

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