6 Länder, 11 Tage, 15 Trambetriebe XIII: Zum Abschluss mit dem T3 durch Prag

Von Brünn war es nach der gestrigen Etappe nurmehr ein Katzensprung hinüber nach Prag. Dort soll dann der restliche Tag und auch der Großteil des morgigen verbracht werden, bevor die Reise anschließend ihr Ende findet. Auf dem Programm stehen neben den neuen Skoda 15T vor allem nochmal die nicht modernisierten T3SUCS, denen wohl ein baldiges Ausscheiden aus dem Planbetrieb bevorsteht.


Freitag, 13. Juni 2014: Ein Nachmittag und Abend im T3 durch Prag

Die rund 200 Autobahnkilometer aus Brünn waren am späten Vormittag entspannt und zügig zurückgelegt. Die größte Etappe hatten wir ohnehin gestern schon hinter uns gebracht, auch die morgige Rückfahrt würde diese nicht mehr toppen.
Aus Südosten erreichten wir die tschechische Hauptstadt, ckeckten gleich mal ins Hotel ein und stellten das Auto vor der Tür in dem lauschigen, typischen Prager Villenviertel mit kleinen Sträßchen und viel Grün ab. Bewegen würden wir uns hier die nächsten gut 24 Stunden selbstverständlich mit der Elektrischen. Das Hotel lag zwar etwa sieben Straßenbahnkilometer vom Stadtkern entfernt, dafür aber günstig zur Autobahn, sodass wir uns mit dem Prager Straßenverkehr nicht weiter auseinander zu setzen brauchten. Lange hielten wir uns gar nicht im Hotel auf, denn draußen schien wie immer die Sonne und eine meiner Top-Favoriten unter den europäischen Metropolen lud zum Fotografieren ein. Von dem kleinen Villenhügel ging es hinab zur Hauptstraße, wo eine große Brücke eine Abstellanlage der Eisenbahn überspannte. Hinter der Brücke erreichten wir die Straßenbahnlinien 11 und 14 an der Haltestelle Chodovská und enterten gleich mal die nächsten Tatra Richtung Innenstadt. Über den großen Straßenbahnknoten Otakarova/Náměstí Bratří Synků erreichten wir schließlich die Innenstadt. Mit der Straßenbahn durch Prag zu fahren macht einfach immer wieder Spaß. An jeder Ecke springen einem direkt Motive ins Auge und außerhalb der touristischen Hotspots ist man auch recht schnell im „normalen“ Leben. Dazu noch die gut gepflegten Fahrzeuge unterschiedlichster Bauarten – hier könnte ich wohl wochenlang fotografieren… Mit der praktischen 24h-Karte blieb uns nun zumindest bis morgen Nachmittag Zeit dazu und die heutigen Sonnenstunden wollten wir noch ausgiebig nutzen, sollte doch morgen, nach einer Woche fast ununterbrochenem Sonnenschein, erstmals wieder so etwas wie eine geschlossene Wolkendecke unterwegs sein.
An der Most Legií stiegen wir eine Brücke südlich der Karlsbrücke aus und starteten direkt unseren fotografischen Spaziergang.


Kaum ausgestiegen, kommt an der Most Legií schon der erste unmodernisierte T3SUCS mit der Nummer 7260 als Linie 24 um die Ecke gebogen.


Nach den ältesten noch eingesetzten Fahrzeugen gleich der neuste Fahrzeugtyp mit Skoda 15T 9215 an der Haltestelle Národní divadlo. Da können wir ja eigentlich gleich weiter oder?

Einen genauen Plan hatten wir uns in Sachen Strecken nicht zurechtgelegt. Hauptsächlich sollte es einfach ganz gemütlich durch die fotogenen Straßen der Innenstadt gehen und dabei noch einmal die unmodernisierten T3SUCS, die nun doch allmählich deutlich weniger werden, aber auch die neuen Skoda 15T abgelichtet werden, die beim letzten Besuch nur erste Proberunden drehten. Wobei, genau genommen fuhren bei meinem letzten Besuch 2013 schon unzählige der Fahrzeuge. Dieser Besuch hatte aber wiedermal andere Prioritäten gehabt, sodass meine letzten Straßenbahnbilder aus Prag von 2010 datieren.


Erstmal ging es jetzt über die Most Legií, die nicht nur einen hervorragenden Blick auf die Karlsbrücke und die Prager Burg bietet, sondern auch von der Straßenbahn befahren wird. Wozu soll man sich eigentlich über diese uralte Brücke schieben, wenn man sie doch gar nicht sehen kann wenn man darauf herumlatscht. Da ist der taschendiebfreie Blick von der Most Legií auf jeden Fall das entspanntere Erlebnis…


Schon kommt der nächste 15T in Gestalt von 9216 über die Most Legií zwischen den Haltestellen Národní divadlo und Újezd gefahren.


Einige Meter weiter die nächste T3SUCS-Traktion aus 8228 und 8229 an der Haltestelle Újezd.

Auf dem auch unter Straßenbahnfotografen bestens bekannten Malostranské náměstí hatte ich auch noch mehr als ein Motiv offen. Also ging es zwei Stationen nach Norden zum unverwechselbaren Ensemble des Malostranské náměstí mit der bekannten eingleisigen Hausdurchfahrt.


Es wimmelt nur so vor T3. Der modernisierte Zug aus 8219 und 8120 erreicht die Haltestelle mitten auf dem Malostranské náměstí.


Inzwischen sind auch zahlreiche der zu T3R.PLF umgebauten T3 mit Niederflureinstieg im Einsatz. Ein solcher Zug konnte mit T3R.PLF 8265 an der Spitze aufgenommen werden.


Das bekannteste Motiv ist hier aber wohl die enge eingleisige Hausdurchfahrt. Auch hier waren noch zahlreiche ursprüngliche T3SUCS im Einsatz. Auf der Linie 22 kam der Zug mit 7070 an der Spitze durch die Engstelle.


Nicht ganz zufällig waren wir genau zu der Zeit an Ort und Stelle, als die Sonne perfekt in die Häuserschlucht fiel und den T3SUCS 7082 beim Verlassen der Hausdurchfahrt perfekt in Szene setzt.


Wir folgten dem Streckenverlauf durch die Engstelle und kurz vor Malostranská und der Mánesův most kam uns 15T 9251 entgegen. Rechts hinter uns liegt hinter einer Mauer der Valdštejnská zahrada (Wallenstein Garten).


Ein kleiner Abstecher in diese Oase darf natürlich nicht fehlen. Der Blick fällt auf die Herkulova fontána.


An der Haltestelle Malostranská unmittelbar an der Moldaubrücke herrscht immer wildes Treiben. Nicht weniger als neuen Linien schaffen hier die Massen an Touristen und Einheimischen von einem Ort zum nächsten. Auch ein Skoda 14T lässt sich hier in Gestalt von 9131 mal blicken.

Über die Mánesův most geht es nun wieder auf das andere Moldauufer, wo das Rudolfinum der Tschechischen Philharmonie ein gern genommenes Motiv am Vormittag ist. Der Blick zurück über die Brücke ist derweil der Vormittagsklassiker von Prag schlechthin, mit den Tatras auf der Mánesův most und der sich darüber erhebenden Prager Burg. Vor allem letzteres ist dann aber eher ein Fall für Morgen, das Rudolfinum kann man bei der kurzzeitig aufziehenden Bewölkung allerdings auch jetzt schonmal ganz gut mitnehmen – wer weiß was das Wetter morgen Vormittag macht.


Eine modernisierte T3-Traktion mit 8359 an der Spitze neben dem Rudolfinum der Tschechischen Philharmonie am Abzweig auf die Mánesův most.


Wo man die Kamera auch hinhält, überall springen einem die Motive entgegen. T3SUCS 7021 und 7041 an gleicher Stelle von der anderen Straßenseite gesehen.

Auf dem Wenzelsplatz wollten wir noch den als Cafebahn umfunktionierten Ringhoffer 2077 ablichten. Anschließend ging es für einige Fahrzeugaufnahmen zurück über die Mánesův most und die Serpentinen hinauf zur Haltestelle Hradčanská, wo sich die Bahnen im Sichtabstand aneinanderreihten und motivlich unspektakulär, aber perfekt im Licht für einige Fahrzeugportraits vobeirollten.


Mitten auf dem Wenzelsplatz dient der Ringhoffer 2077 schon seit Jahren als Café.

Mit der Ausbeute waren wir für die paar gemütlichen Nachmittagsstunden schonmal sehr zufrieden. Einen kulturellen Punkt hatte ich aber für das letzte Büchsenlicht noch ganz oben auf der Liste stehen. „Oben“ ist dabei das Stichwort, denn ich wollte für das letzte Sonnenlicht auf den Aussichtsturm „Petřín“ auf dem Höhenzug westlich der Moldau am Rande von Strahov hinauf. Der Blick ist einfach nur genial, das hatte ich schon im September letzten Jahres festgestellt, damals aber nur das Smartphone dabeigehabt. Zudem war die Gruppe damals zu groß, um auf dem doch recht kleinen Turm einfach einige Minuten entspannt die geniale Aussicht auf alle Prager Sehenswürdigkeiten zu genießen. Der Blick schweift von hier über die Prager Burg hinweg über die Moldau Richtung Karlsbrücke und Altstädter Ring und weiter bis zur Festung Vyšehrad. Die aufgezogenen Wolken machten mir beim Aufstieg von der Haltestelle Újezd zunächst noch etwas Sorgen. Mit Erreichen des kleinen Aussichtsturms lugte die Sonne dann allerdings genau unter der dünnen Wolkenschicht hindurch und setzte ganz Prag in eine atemberaubende Theaterbeleuchtung. Wir hatten den Turm nahezu für uns und genossen einfach nur den spektakulären Blick auf die Stadt. Wenn ich später an diese Reise zurückdenken sollte, war dies stets einer DER Momente der ganzen Fahrt…


Für Lauffaule fährt von der Haltestelle Újezd auch eine Standseilbahn zum Stadttarif nach Strahov hinauf. Wir nahmen den kleinen Aufstieg allerdings zu Fuß in Angriff und lichteten stattdessen den Wagen 2 kurz hinter der Ausweiche ab.


Von den Touristenmassen in der Innenstadt ist hier oben jedenfalls um 8 Uhr am Abend keine Spur mehr.


Aufstieg geschafft und Theaterbeleuchtung an bitte! – Die Altstadt von Prag im schönsten Abendlicht


Nach links fällt der Blick auf die Prager Burg und reicht bis zu den weit dahinter liegenden Satellitensiedlungen der Metropole.


Unmittelbar rechts neben dem Turm streckt die Katedrální chrám sv. Vavřince ihre Türme aus dem Wald. Hier gesehen aus der Zwischenebene des Turms. Unmittelbar dahinter könnte ohne Bäume die Festung Vyšehrad am anderen Moldauufer erkannt werden.

Wahnsinn, der Aufstieg hatte sich mal mehr als bezahlt gemacht! Durch die Dämmerung schlenderten wir die Parkanlage wieder hinab und fanden auch gleich unweit der Haltestelle Újezd ein nettes kleines Restaurant abseits der gröbsten Touristenströme. Das Essen war auch wie in Tschechien gewohnt sehr lecker, natürlich wie immer in diesem Land sehr Fleisch lastig und dazu gab es selbstredend ein großes Pilsbier.
Gut gesättigt ging es nach dem Essen noch für einen nächtlichen Spaziergang und ein paar Aufnahmen der Karlsbrücke und Prager Burg zur blauen Stunde zurück zur Moldau. Während südlich der Most Legií gerade ein kleines Feuerwerk dargeboten wurde, konnte nördlich die Karlsbrücke mit der Prager Burg darüber, kalendermäßig beleuchtet zur blauen Stunde betrachtet werden.


Das östliche Ufer der Moldau mit Karlsbrücke in der Dämmerung.


Nach einigen Minuten hat die blaue Stunde ihr volles Leuchten entfaltet, sodass der Hauptschuss auf Karlsbrücke und Prager Burg fällig war.


Zum Tagesabschluss noch ein paar Tatrabilder auf dem Malostranské náměstí mit T3R.PLF 8266.


Auch die unmodernisierten T3SUCS sind zur späten Stunde noch unterwegs. Auf der Linie 22 das Gespann mit 7017 an der Spitze.

Das sollte es nun aber gewesen sein, besser hätte der Tag ohnehin nicht mehr werden können und elf war auch schon durch. Wir schnappten uns also die nächste passende Bahn und mit einmal Umsteigen erreichten wir wieder unsere Haltestelle Chodovská. Gegen Mitternacht fielen wir in die Betten. Für morgen steht dann eigentlich Garnichts dringendes mehr an, mal schauen was das Wetter so zulassen soll.


Samstag, 14. Juni 2014: Noch ein wenig Prag und ab nach Hause

So ganz früh schafften wir es heute nicht zum Frühstück. Angesichts des mehrheitlich bedeckten Himmels und unserer gestrigen Ausbeute bestand dazu aber auch keine gesteigerte Notwendigkeit. Das Auto ließen wir nach dem Auschecken weiterhin vor dem Hotel stehen und liefen zur Haltestelle hinunter – angenehm diese 24h-Tickets!
Am großen Knoten Otakarova / Náměstí Bratří Synků stiegen wir mal wieder aus. Otakarova war „meine“ Haltestelle im vergangenen Jahr gewesen und irgendwie hatte ich das Ganze doch recht fotogen in Erinnerung. Ich sollte mich nicht getäuscht haben und gerade bei der herumwabernden Wolkendecke konnten wir hier zahlreiche Motive ohne große Rücksicht auf den Sonnenstand umsetzen. Die Wolken waren zudem angenehm dunkel und keine so helle Siffschicht, sodass die Kontraste auch ohne Sonne super kamen. Anschließend ging es mehr oder weniger planlos weiter durch die Innenstadt.


Auch Samstag noch unermüdlich im Einsatz: T3SUCS 7260 und 7261 verlassen auf der 24 die Haltestelle Otakarova.


Einen T6 hatte ich im gestrigen Bilderbogen noch gar nicht gezeigt. Bitteschön: T6A5CS 8741 solo auf der Linie 11. Die Linie 11 überquert die Kreuzung geradeaus und streift die Haltestelle Otakarova daher auf dem rechts liegenden Platz nur. Stattdessen hält sie einige Meter weiter an der Haltestelle Náměstí Bratří Synků. Zwischen beiden Haltestellen befindet sich eine große Blockschleife.


Am Wochenende sind deutlich mehr Solofahrer unterwegs als noch gestern. T3SUCS 7126 kurz vor der Haltestelle Hlavní nádraží.


T3SUCS 7201 als nächster 29er am Kopfbahnhof Masarykovo.


Am Platz der Republik auf der 26 erneut ein T3SUCS Doppel mit 7142 an der Spitze.


Gestern Nachmittag war ja noch das Motiv auf der Mánesův most mit der Prager Burg darüber offengeblieben. Die heutige Beleuchtung war zumindest deutlich besser als das gestrige Gegenlicht, als 15T 9226 die Brücke überquerte.


An der Haltestelle Malostranská auf der anderen Brückenseite strömen schon wieder die Touristen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten.


Vom Malostranské náměstí kommt zum Abschluss der Skoda 14T 9167 herüber.

Wie man so mit den Tatras durch die Straßen kurvte, war 13 Uhr schon wieder durch und allmählich dachten wir ans Aufbrechen. Auch wenn das Wetter gerade ohnehin nicht mehr so prall war wie gestern, fällt der Abschied aus Prag doch immer wieder schwer. Ich komme auf jeden Fall gern wieder! Seinen Platz in den unsortierten Top Ten meiner Lieblingsbetriebe hat die Stadt jedenfalls wiedermal untermauert…

Nach einer letzten Tatrafahrt durch die Straßen Prags, stiegen wir unseren Hügel hinauf und starteten nach über 24 Stunden wiedermal den Motor.
Von der Rückfahrt gibt es eigentlich nicht viel zu Berichten. Sie verlief an diesem Samstagnachmittag angenehm ereignislos. Bei Ústí nad Labem ließ ich mich mit einem Kaffee und einem Muffin im örtlichen Einkaufszentrum zum Abfahren von der Autobahn bestechen. Hintergedanke der Bestechung war der hier verkehrende Trolleybus. Für einen der hübschen 15Tr holte dann aber auch ich noch einmal das Aufnahmegerät heraus und drückte ein letztes Mal auf dieser Tour auf den Auslöser.


15Tr 577 im Zentrum der unmittelbar an der Grenze liegenden Stadt Ústí nad Labem.

Zügig wurden die übrigen 370 Kilometer abgespult und am Abend lag man nach 11 Tagen mit 6 Ländern, 15 Trambetrieben und rund 3400 Kilometern wiedermal im eigenen Bett.


Epilog

Eine abwechslungsreiche Reise lag hinter uns, mit der richtigen Mischung aus Neuem und näher Kennenzulernendem und jeder Menge gefüllter alter und neu entstandener Lücken in der Sammlung. Das Wetter war natürlich während der gesamten Fahrt top. Bei elf Tagen drei halb bedeckte Tage, da kann man wirklich nicht meckern. Die Hitze war zwar teils schon etwas heftig, aber wer Mitte Juni zu so einer Tour nach Osteuropa aufbricht, der darf sich darüber nicht beschweren. Letztlich stellten wir unseren Plan dementsprechend so auf, das wir meist über die heißen Mittagsstunden im klimatisierten Auto den Ortswechsel vollzogen und die langen Morgen- und Abendstunden bei schönstem Licht für’s Fotografieren nutzten. Das hätte man so Ende Oktober oder im Frühling natürlich ganz anders geplant. So boten die langen Tage eben die Möglichkeit, in den 11 Tagen extrem viel zu schaffen und nach ein, zwei Erfrischungsgetränken am Abend, ist die schweißtreibende Hitze vom Tag auch schnell wieder vergessen… 😉

Bis zur nächsten Reise,
Tobias