Durch Rumäniens Osten I: Nur Trolleybusse in Ploiești

Im Mai 2015 machte sich eine dreiköpfige Reisegruppe auf den Weg zu den Straßenbahnbetrieben im Osten Rumäniens. Erste Station sollte Ploiești sein, allerdings sollten uns dort keine Straßenbahnen vor die Kameras fahren…


Prolog

Die Straßenbahnen von Rumänien – Bereits 2007 und 2014 konnte ich einige Betriebe intensiv kennenlernen. Auf beiden Reisen war Rumänien allerdings nur eines der Ziele, sodass beide Male nur die westlichen Betriebe besucht wurden, welche der ungarischen Grenze nicht gar so fern sind.
Damit fehlten mir allerdings noch so einige Betriebe des Landes, allen voran die Hauptstadt Bukarest und natürlich das Altenheim für Stuttgarter GT4 in Iasi. In den vergangenen Jahren hatte sich bei fast allen Betrieben im Osten Rumäniens einiges getan: Bukarest hatte erste Niederflurwagen erhalten, Ploiești wurde umfangreich modernisiert, Brăila erhielt Gebrauchtwagen aus Wien, Rotterdam und Berlin, Galați erhielt die GT6 aus Rotterdam und Iasi ist ohnehin immer eine Reise wert. So brauchte es keine großen Überzeugungskünste, zwei weitere Mitreisende zu finden, einzig in Botoșani hatte sich nicht wirklich etwas verändert. Eine Reise also, bei der jedenfalls für mich jeder Betrieb Neuland sein würde. Nach dieser Reise sollte mir dann nur noch die Straßenbahn von Craiova und die Reste der Überlandbahn von Sibiu fehlen.
Das Programm war also ausgelotet, es galt nur noch, das „wie“ und „wann“ zu klären. Für das „wann“ ergab sich Anfang Mai bei allen dreien als passend und ohnehin ist dies ja eine sehr schöne Zeit zum Reisen. Beim „wie“ wurde es schon etwas komplizierter. Für eine Anreise mit dem Auto ist der Osten Rumäniens eigentlich zu weit entfernt und unterwegs zu viel, was man in diesem Zuge noch besuchen könnte, was den Rahmen aber sprengen würde… Also mit dem Flugzeug nach Bukarest, von dort aus eine große Runde drehen und anschließend von Bukarest wieder zurück.
Für die große Runde stand jetzt ein Mietwagen oder die Bahn zur Wahl. Der Mietwagen barg einen nicht zu verachtenden Zeitvorteil, denn die Bahnverbindungen in Rumänien stellten sich als doch seeeehr langsam heraus. Was mit dem Auto in ein bis zwei Stunden abzureißen wäre, sollte mit dem Zug schon mal drei bis vier Stunden dauern. Letztendlich entschieden wir dann doch pro Zug, denn zum Einen ist es zu dritt im Auto schon manchmal etwas eng und zum Anderen sollte es ja Urlaub werden und die rumänische Eisenbahn ist einfach wahnsinnig entschleunigend und der Punkt „Land und Leute“ kommt mit der Bahn auch nie zu kurz!


Freitag 1. Mai 2015

Pünktlich zum Feiertag am 1. Mai ging es los. Abflug sollte am Morgen in Berlin Tegel sein und so wurde die A2 über Magdeburg nach Berlin abgespult und das Auto unweit des Flughafens kostengünstig am Straßenrand abgestellt. Diese kostenlosen Stellplätze recht nah am Flughafen sind in Tegel auch bei den Freunden Autoknacker bestens bekannt und so warnen zahlreiche Schilder davor, keinesfalls irgendetwas im Auto liegen zu lassen. Aber wie das so ist, man muss nur immer neben einem höherwertigen Wagen parken, dann wird schon der andere geklaut werden 😉

Wir enterten nach einem zweiten Frühstück im Flughafen den pünktlichen airberlin-Flug nach Bukarest. Der Flug verlief ereignislos und zügig. In Bukarest stieß dann noch im Flughafen das letzte Drittel der Reisegruppe aus Hessen hinzu. Unser heutiges Ziel war Ploiești. Unglücklicherweise hatten wir vor der Reise erfahren, dass die Straßenbahn vorübergehend wegen Modernisierungsarbeiten eingestellt ist. Die Flüge waren aber zu diesem Zeitpunkt schon gebucht und die Stadt lag ohnehin auf unserem Weg ganz in den Norden des Landes nach Botoșani.
Vom Flughafen Bukarest-Băneasa im Norden der Stadt, sollte es nicht viel mehr als eine Autostunde nach Ploiești sein, daher war die Wahl des Transportes für diese Kurzstrecke im Vorhinein auf’s Taxi gefallen. Vor dem Terminal wurde sogleich mal ein Fahrer bequatscht, wie viel es denn sein solle bis Ploiești und nach einigem hin und her war ein etwas schrapeliger Oktavia gefunden, welcher uns über die Anfangs als Schnellstraße ausgebaute Strecke nach Ploiești bringen sollte.
Sogleich begann das rumänientypische, doch für europäische Verhältnisse recht wilde gefahre. Tempolimits sind Richtwerte, Rechtsfahrgebot eher eine Empfehlung und Blinker und Sicherheitsabstand ohnehin völlig überflüssig – ach wie schön, die restliche Reise mit der Bahn unterwegs zu sein…
Wir erreichten Ploiești unbeschadet und wurden direkt vor dem online gebuchten Hotel am „Bulevardul Independenței“ abgeladen, welcher direkt auf den großen Bahnhof „Ploiești Sud“ zuläuft. Hier verkehrt auch gleich der Trolleybus, welcher mangels Straßenbahn, den restlichen Tag unser Programm darstellen sollte. Nach kurzem frisch machen auf dem Zimmer, wurden die Kameras geschultert und Trolleybusse gejagt.
Zum Einsatz kommen hier ausschließlich Gebrauchtfahrzeuge. Die Hauptlast tragen die 2001 für Lausanne gebauten N6121 von Neoplan. Aufgrund zahlreicher Probleme wurden die Niederflurfahrzeuge in Lausanne vorzeitig ausgemustert und gelangten 2010 nach Ploiești. Weiterhin sind noch zahlreiche Hochflurgelenkbusse aus dem Jahr 1975 aus Genf vorhanden, welche allerdings dank Sonntagsfahrplan nicht im Einsatz standen.
Rustikaler ging es dafür noch bei den Dieselbussen zu: Ikarus-Gelenkbusse stellten noch keine Seltenheit dar…


Angekommen in Ploiești werden wir an der Haltestelle „Ana Ipatescu“ sogleich von einem laut brüllenden Ikarus empfangen – Willkommen in Rumänien

Zunächst liefen wir zum Bahnhof, um uns dort auf dem Vorplatz Tageskarten zu besorgen. Anschließend ließen wir uns durch die Stadt treiben und wollten auch mal das Straßenbahndepot aufsuchen.


Das „Monumentul Vânătorilor“ vor dem Bahnhof


Neoplan 5923 hat den Bahnhofsvorplatz erreicht.

Das Depot der Straßenbahn wird vom Trolleybus nicht erreicht und so musste ein herkömmlicher Dieselbus für die Fahrt in den äußersten Norden der Stadt herhalten. Eine nette Annekdote beim Umsteigen war das „Beste Kebap Haus“ namens „Berliner“. „Nr. 1 Kebap in Ploiesti“. Von einem Besuch sahen wir allerdings lieber ab…


Beste Kebap Haus von Welt 😉

Das Straßenbahndepot war wie erwartet verrammelt und da nur der Sicherheitsdienst vor Ort war – auch in Rumänien ist der 1. Mai Tag der Arbeit – bestand keine Aussicht auf einen Depotbesuch.


Näher war an die Potsdamer KT4D im verschlossenen Depot nicht heranzukommen.


Wenn dieser NAW gewusst hätte, wo er später seinen Lebensabend verbringen müsste, hätte er vielleicht eine Serpentine auf einer lauschigen Postautostraße in den Alpen nicht so präzise durchfahren…

Anschließend ging es zurück zum Trolleybus und wir statteten auch dessen Betriebshof im äußersten Westen der Stadt noch einen Besuch ab. Zahlreiche Lausanner und Genfer Fahrzeuge standen hier, von den unvermeidlichen Depothunden umzingelt, abgestellt und warteten auf den nächsten Werktag.


Neoplan 5906 im Stadtzentrum.


Das „Depoul de Troleibuze RATP“ im Westen der Stadt. Der ehemalige Genfer ist bestens bewacht…

Wir ließen den Tag bei allerlei Gegrilltem in einem Imbiss in der Innenstadt ausklingen und bummelten anschließend zurück zum Hotel, wo der Abend angesichts der Reisestrapazen früh endete…


Große Teile von Ploiesti wirken auch noch durchauß trist…

Morgen gilt es dann schon in der Früh die lange Reise in den Nordosten des Landes nach Botosani anzutreten, wo uns dann hoffentlich auch mal Straßenbahnen vor die Linse fahren werden.

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