Durch Rumäniens Osten II: Von Ploiești zu den Dresdner T4 in Botoșani

Gestern waren wir am ersten Tag unserer Reise bis nach Ploiești, eine Autostunde nördlich von Bukarest gekommen. Da die Straßenbahn hier außer Betrieb ist, geht es gleich am frühen Morgen weiter gen Norden bis nach Botoșani, wo wir uns in diesem Teil die Dresdner T4 anschauen, bevor es weiter nach Iasi geht.

Samstag, 2. Mai 2015: Von Ploiești nach Botoșani.

Rund 400 Kilometer sind es von Ploiești nach Botoșani. Mit der rumänischen Eisenbahn schon eine Ansage, bei der doch eher mäßigen Durchschnittsgeschwindigkeit. Dementsprechend früh ging heute morgen um sieben der Zug in Ploiești, welcher uns bis nach Suceava bringen sollte.
Das war leider zu früh für’s Frühstücksbuffet im Hotel, aber die freundliche Angestellte hatte uns am Abend zuvor angeboten, an der Bar Kaffee und Sandwich bereitzustellen. Es ging also wenigstens einigermaßen gestärkt gegen halb sieben zum Bahnhof. Die verbliebene Zeit wurde auf dem Bahnhofsvorplatz vertrödelt, wo auch am Samstag nur Neoplan’s auf der Trolleybuslinie unterwegs waren. Dafür fuhr mal wieder ein herrlicher Ikarus-Gelenkbus laut brüllend ums Eck.


Vor dem Gara Ploiești Sud werden wir von einem laut brüllenden Ikarus verabschiedet.

Unser Zug war pünktlich, wir hatten uns noch mit dem Nötigsten für die über fünf Stunden Fahrt bis Suceava eingedeckt und so konnte es losgehen.


Pünktlich um kurz vor sieben läuft unsere 41-0769-4 in Ploiești Sud ein.

Die Geschwindigkeit lässt es über weite Teile der Fahrt nicht vermuten, aber die Strecke von Ploiești über Buzău, Focșani, Bacău, Roman und Pașcani nach Suceava ist die Hauptstrecke von Bukarest in den Nordosten des Landes. Immerhin gibt es durchgehende Züge und die Strecke ist ununterbrochen elektrifiziert.
Da wir noch ganz am Anfang der Reise standen, gab es noch viel zu schnacken, unterbrochen von Essenpausen, ein wenig Hörbuch und Hornochse, verging die Zeit im gemütlichen 1.Klasse Abteil doch unerwartet schnell.


Unterwegs gab es in den eben genannten größeren Bahnhöfen, immer mal wieder Einiges zu sehen. Gerade die E-Loks machten dabei einen doch sehr mitgenommenen Eindruck, wie diese 43-0105-7.


Umsteigen in Suceava

Gegen ein Uhr erreichten wir Suceava. Hier war Umsteigen in den Regio nach Botosani angesagt. Jetzt wurde es schon einigermaßen übel. Nur zwei Wagen nahm das Kleindiesel 82-0615-3 an den Haken und die waren dementsprechend gut gefüllt. Eineinhalb Stunden quälte sich die Lok die gerade einmal 40 Kilometer über die Nebenstrecke nach Botosani. Die schreienden Kinder, die permanent den Gang des Abteilwagens hoch und runter liefen, machten die Fahrt durch immer schlechter werdendens Wetter in der rumänischen Flachlandpampa, nicht gerade erträglicher und so zog sich dieser letzte Teil der Fahrt wie Kaugummi. Schade auch, dass diese Dieselstrecke mit Lokzügen bedient wird, gern wären wir mal mit einer der westeuropäischen Triebwagenbaureihen gefahren.
Gegen drei erreichten wir dann doch endlich mal Botosani. Wir hatten uns etwas angenervt von der letzten Etappe vorgenommen, mal Busverbindungen nach Iasi zu checken, denn ansonsten müssten wir für die 120 Kilometer Luftlinie am morgigen Tag erneut stundenlang mit der Bahn zurück über Suceava und Pașcani nach Iasi gurken. Da es ohnehin sehr trüb war, suchten wir mal etwas auf, was wie eine Reiseauskunft aussah, aber irgendwie kamen wir nicht so richtig weit und so verwarfen wir diese Idee vorerst wieder.


Endlich ist unsere 82-0615-3 mit ihren zwei Wagen in Botosani angekommen.

Die Straßenbahn verläuft etwa 100 Meter vom Bahnhof entfernt in der „Calea Nationala“. Nachdem die Koffer im Hotel verstaut waren, bereisten wir das zwei Linien umfassende „Netz“. Das Wetter wechselte dabei im Laufe des Nachmittages von trüb zu regnerisch und lud kaum mehr zu Fotos ein. Nachdem der kurze Streckenast in die „Strada Ion Pillat“ bereist war, welcher östlich der Innenstadt endet, bummelten wir durch die Fußgängerzone zurück zum neuen Zentrum der Stadt an der großen „Uvertura Mall“. Für einen Samstagnachmittag war die Fußgängerzone erschreckend leblos. Schuld daran dürfte wohl eben jene neue Mall sein, welche den Geschäften und Lokalen im eigentlichen Stadtzentrum die Kundschaft streitig macht…


Der ehemalige Dresdner T4DMT 224 222, jetzt als 1202 bezeichnet, kehrt von der Endschleife östlich der Fußgängerzone zurück und begegnet uns vor einem kollosalen Wohnbunker beim Einbiegen in die Calea Națională.


Der unmodernisierte T4D 338 wendet in der Endschleife östlich der Fußgängerzone in der „Strada Ion Pillat“.


Kriegerdenkmal auf dem Platz des 1. Dezember 1918.

Einigermaßen unmotiviert durch das anhaltend trübe Wetter, kamen erste Rufe nach einen kleinen Nachmittagskaffee mit Snack auf. An der sechsspurigen Calea Națională wurde ein Café/Restaurant aufgesucht und erstmal ein schönes Koffeinsüppchen bestellt. Auf unsere mit Händen und Füßen vorgetragenen Bitte nach einem kleinen Stückchen zum Kaffee, wurden eilends eine Art Pfannkuchen mit Schokolade improvisiert. Wirklich lecker und genau das Richtige, um Energie für den restlichen Nachmittag zu tanken. Mit neuer Motivation wurden die übrigen zwei Äste bereist. Die Bilder spare ich mir an dieser Stelle mal, denn so viel sei verraten: Morgen wird das Wetter wieder deutlich besser.
Bei einem kleinen Abstecher zum Bahnhof wurde noch die Einfahrt des nächsten Zuges aus Suceava festgehalten. Diesmal mit einer der schönen „Schweizer“ Dieselloks.


60-1370-0 fährt in den Bahnhof von Botosani ein.

Da jetzt auch noch ergiebiger Regen einsetzte gab es nur noch einige Stimmungsbilder an der Linie 102 nach „Capat 1“, welche von der 101 in Richtung Süden abzweigt.


T4D 322 in der Endschleife der Linie 102 „Capat 1“.

Jetzt war aber wirklich nichts mehr zu holen. Wir kehrten in das Restaurant von heute Nachmittag zurück, lud doch die Leuchtreklame zu einem „Eggenberger Hopfenkönig“ ein. Das Restaurant war für einen Samtag erstaunlich leer, was allerdings kein Zeichen für schlechte Küche war, sondern dem Fußballspiel Botosani-Craiova im örtlichen Stadion geschuldet war.


Dem Hinweis auf das Eggenberger aus dem Salzkammergut konnten wir nicht wiederstehen 😉

Später im Hotel war dann auch die Auswärtsmannschaft aus Craiova zu Gast und feierte lautstark, offenbar hatte Botosani verloren. Glücklicherweise endete der Lärm in der einzig vernünftigen Adresse in dieser doch teils recht heruntergekommenen Stadt noch vor Mitternacht und so konnten wir ausgiebig Schlaf für den nächsten Tag tanken.

Sonntag, 3. Mai 2015: T4D in Botosani und weiter nach Iasi

Für den Vormittag war heute im Grunde die Wiederholung des gestrigen Nachmittages geplant, mit dem kleinen Unterschied, das heute wieder mal die Sonne am blauen Himmel strahlte.
Nach dem Frühstück ging es fix raus an die Strecke, um in den verbleibenden Stunden bis zur Abfahrt des Zuges nach Suceava, noch möglichst viele Motive bei Sonnenschein zu wiederholen.


Blick aus dem Hotelfenster: So ganz fertiggestellt wirkt das örtliche Theater noch nicht…

Zum Einsatz kamen wie gestern, sowohl modernisierte T4DMT aus Dresden, von denen im Jahr 2011 elf Fahrzeuge übernommen wurden, als auch die nicht oder nur teilmodernisierten T4D und T4DMI aus Dresden, von denen ab 2001 5 bzw. 20 Fahrzeuge übernommen wurden. Zu unterscheiden sind die T4DMT von den T4D und T4DMI am Einfachsten an den großen Zielfilmenkästen der T4DMT, wohingegen die anderen Fahrzeuge noch die ursprünglichen, kleineren Zielfilmkästen besitzen.
Begeben wir uns nun also an die Strecke und durchfahren die Stadt von West nach Ost:


In der westlichen Endschleife der Linie 101 „Fabrica de mobila“ konnte T4D 333 aufgenommen werden, gefolgt von einem modernisierten Vertreter der T4D aus Dresden.


Von der Endschleife folgt die Strecke nun der Calea Națională. Hier am Stadtrand ist die Straße noch von Bäumen gesäumt und nur moderat befahren. Links des hinteren Wagens befindet sich der Betriebshof mit den üblichen Massen an abgestellten Fahrzeugen. Der asynchrone Takt beider Linien führt hin und wieder zu Kolonnenfahrten, wie hier mit T4D 329 und T4DMT 1204 unweit der Endschleife.


Hinter dem Bahnhof zweigt die Strecke der 102 Richtung Süden nach „Capat 1“ ab, wo wir gestern schon im Regen gestanden haben. T4DMT 340 hat als Linie 102 soeben den Abzweig genommen.


In Gegenrichtung ist T4DMT 1202 unterwegs.


Zurück auf der Hauptachse begegnet uns auf der Calea Națională T4D 322. Man merkt es schon: Wirklich viel Abwechslung bietet der über sechs Kilometer lange Abschnitt auf der Calea Națională nicht, der die Strecke von der westlichen Endschleife „Fabrica de mobila“ über den Bahnhof, das Stadion und die neue Mall, bis zum Kreisverkehr Piata Mare folgt.


Ebenfalls zentrumsnah ist T4DMT 344 auf der Calea Națională unmittlebar neben dem „Monumentul Eroilor“ unterwegs.


Ganz taufrisch ist dieser Roman Turmwagen auch nicht mehr…


Kurz vor der großen Mall begegnet uns auf Linie 101 der unmodernisierte T4D 322. Wie so oft in Rumänien, gibt es einen freundlichen Gruß des Fahrers.


Am Piata Mare zweigt die Strecke nach über sechs Kilometern endlich aus der vier bis sechspurigen Calea Națională aus. Von hier sind es aber auch nur noch etwa 500 Meter bis zur Endschleife auf der Strada Ion Pilat, welche wir gestern schon besucht haben. T4D 333 konnte am Kreisel laut Zielfilm auf dem Weg nach Friedrichstadt aufgenommen werden 😉

Nun wurde es aber Zeit zum Bahnhof zu kommen und langsam hatten wir die rumpelnden gelben T4 auch satt. Der Zustand des gesamten Betriebes war derweil besorgniserregend: Die Gleise waren völlig ausgefahren und hatten immer wieder üble Stufen, sodass an eine Geschwindigkeit jenseits der 30 nicht zu denken war. Noch schlimmer war es um die Weichen bestellt, welche alle nur im Schrittempo befahren werden konnten. Dennoch zeugten die Spuren auf dem Asphalt von zahlreichen Entgleisungen…
Um die Fahrzeuge war es kaum besser bestellt: Gerade die unmodernisierten T4 waren völlig heruntergekommen. Das alles erinnerte mich doch stark an den Betrieb in Resita, welcher im Jahr 2007 einen ähnlichen Eindruck machte und bekanntlich 2011 stillgelegt wurde. Von den Randbedingungen ähneln sich jedenfalls beide Betriebe stark, wurden sie doch beide Ende der 80er, Anfang der 90er eröffnet, seither vollständig auf Verschleiß betrieben und schon in den 2000er Jahren nur noch durch Gebrauchtfahrzeuge aus Deutschland am Leben gehalten.
Bleibt zu hoffen, das die Kommunalpolitik hier pro Straßenbahn entscheidet und dies nicht mein einziger Besuch in Botoșani bleiben wird. Lange wird es die Straßenbahn in diesem Zustand ohne dringend notwenige Investitionen wohl nicht mehr machen…

Damit endete gegen Mittag unser Besuch in Botoșani. Wir enterten den Dieselzug zurück nach Suceava und machten uns erwartungsvoll auf die Reise nach Iasi. Aber davon im nächsten Teil mehr…

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