Durch Rumäniens Osten III: GT4-Paradies Iași

Sonntag, 3. Mai 2015: GT4-Paradies Iași

Wo waren wir im letzten Teil stehen geblieben? Richtig, wir sind in Botoșani gegen Mittag in den Regio nach Suceava gestiegen, mit dem Ziel Iasi. Die Fahrt heute ging zwar nicht schneller, aber wenigstens deutlich entspannter ohne Kindergeschrei vonstatten und unser „Eidgenossendiesel“ hatte auch im Gegensatz zu dem Hobel von gestern keinerlei Mühen mit den leichten Hügeln westlich von Botoșani.


Mal wieder Umsteigen in Suceava

In Suceava war dann wieder Umsteigen angesagt und ab Paşcani wurde es dann Richtung Iasi ein erstes mal auf dieser Reise so richtig voll im Zug, sodass auch die Stehplätze mehr und mehr ausgebucht waren. So waren wir dann auch froh gegen 13:00 Uhr in Iași anzukommen und aus unserer Desiro-Sardinenbüchse entlassen zu werden.


Nach fast vier Stunden endlich angekommen in Iasi. Diese Caravelle im Bahnhof von Iasi war allerdings nicht unser Transportmittel.

Fast vier Stunden waren wir jetzt für die eigentlich nur 100 Kilometer Straßenentfernung mit der Bahn unterwegs gewesen, allerdings sollten die beiden übelsten Etappen damit auch hinter uns liegen. Jedenfalls dachten wir das…
In Iași war derweil noch das selbe Kaiserwetter wie in Botoșani und so stürzten wir uns, nach dem obligatorischen Tageskartenkauf, direkt in die Straßenbahn ins Zentrum zum Piaţa Unirii. Dort hatten wir im Astoria gebucht, einem Nebengebäude des bekannten Grand Hotel Traian direkt am Piaţa Unirii.


Vor dem Hauptbahnhof werden wir direkt von dem aus Augsburg übernommenen GT4 111 empfangen.

Nachdem die Koffer verstaut waren, ging es natürlich direkt ans Fotografieren. Schnell stellte sich allerdings heraus, dass am Sonntag lediglich die Esslinger GT4 unterwegs waren. Die insgesamt 108 Fahrzeuge erreichten Iasi über aus Augsburg, Halle, Nordhausen und Stuttgart. Den vollständigen Werdegang der Esslinger GT4, aus Deutschland bis nach Rumänien, habe ich in diesem Artikel nachgezeichnet: Straßenbahnen im Exil: Der Werdegang der Esslinger GT4 von Stuttgart bis Iași
Mir war der Fahrzeugeinsatz erstmal relativ egal, da mir der gesamte Betrieb noch neu war und daher erstmal die zahlreichen Motive bei schönstem Sonnenschein abgearbeitet werden wollten. Vom „Piaţa Unirii“ ging es die Hauptmagistrale der Straßenbahn über „Filarmonica“ nach „Targu Cucu“ und anschließend im großen Bogen am Hotel Europa vorbei zum Kulturpalast.


Der aus Halle übernommene GT4 124 am Piaţa Unirii.

„Kulturhauptstadt Rumäniens“ – So nennt sich die Stadt Iasi gerne selbst und das hat durchaus seine Berechtigung. Ungewöhnlich viel alte Bausubstanz blieb hier vor Ceaușescu verschont und wurde in den vergangenen Jahren teils mustergültig hergerichtet und so bieten die Strecken neben rumänientypischen, pitoresken Ecken, gerade im Innenstadtbereich auch unzählige Motive mit sehenswerter Architektur.


An der Haltestelle „Filarmonica (Teatrul National)“ rollt der im Jahr 2000 aus Stuttgart nach Iasi gekommene GT4 325 in Richtung Piata Unirii. Das Gebäude neben dem GT4 ist im Übrigen nicht das Nationaltheater, dieses befindet sich rechts der Strecke, und wartet noch auf ein wenig frische Farbe im Gegensatz zu Tw 325, der eine der vielen farbenfrohen Lackierungen von Iasi trägt.


Wenige Meter weiter begegnet uns Tw 316 zwischen den Haltestellen „Filarmonica“ und „Târgu Cucu“.


Die Wehranlagen um das Kloster „Golia Monastery“ laden rund um die Haltestelle „Târgu Cucu“ ebenfalls zum Fotografieren ein und bilden die Kulisse für ein großes GT4 Wiedersehen: Die aus Augsburg übernommenen GT4 110 und 106 nehmen den Haller 141 in ihre Mitte.


Nur wenige Meter entfernt ist GT4 432 vor dem großen Turm der Wehranlage des Klosters Golia zu sehen.


Heute ist das Eintreten in das 1652–1660 erbaute Kloster ohne Hindernisse durch das große Tor im Turm möglich. Eine Oase der Ruhe, mitten im Gewusel der Großstadt.


Nächstes motivliches Highlight auf unserem großen Bogen um die Innenstadt ist die orthodoxe Kirche „Biserica Sfântul Nicolae Domnesc“. Links der Gleise das „Casa Dosoftei“, dazwischen der Haller GT4 133.

Rechts der Strecke befindet sich hier der große neogotische Kulturpalast, welcher zwischen 1906 und 1925 errichtet wurde und heute neben einer Bibliothek, auch die größte Kunstsammlung des Landes beherbergt. Ein Bild wurde allerdings nicht nur durch den falschen Sonnenstand verhindert, sondern auch durch die zu großen Teilen mit Baugerüsten eingehüllte Fassade des Palastes. Nach diesem ausgiebigen Stadtbummel war es erstmal Zeit für den traditionellen Nachmittagskaffee auf der von üppigen Bäumen beschatteten Terasse einer Pizzeria, unmittelbar neben dem Kulturpalast – natürlich mit Tramblick 😉
Anschließend ging es an der gänzlich unsanierten Strecke am Südufer des Bahlui entlang, in den westlichen Stadtteil Dacia. Die tiefstehende Sonne ermöglichte hier am nach Südwesten hin unbebauten Stadtrand noch zahlreiche Aufnahmen im Abendlicht.


Die Strecke am Südufer des Bahlui ist noch gänzlich unsaniert und so kann man beim Mitfahren in den rüstigen GT4 schon mal leicht seekrank werden. GT4 426 hält an der Haltestelle „Pod Cantemir“.


Großes Wiedersehen die Zweite: Der Augsburger 110 trifft an der Endschleife „Dacia“ auf die Stuttgarter 426 und 432. Einst fuhren die drei Wagen bereits gemeinsam in Stuttgart.


GT4 424 hat die Haltestelle „Columnei“ verlassen und wird gleich die Endschleife „Dacia“ erreichen.

Nach dem kleinen Snack heute Nachmittag, meldete sich nun doch langsam richtiger Hunger und so traten wir den Rückweg zum Piata Unirii an. Dort schien die Sonne kurz vor Untergang perfekt in die Straßenflucht und ermöglichte ein paar letzte Aufnahmen der GT4 an diesem Abend.


Der Augsburger GT4 106 erreicht mit den letzten Sonnenstrahlen den Piata Unirii.


Die Bezeichnung „Kulturhauptstadt“ bezieht sich nicht nur auf alte Steine, sondern auch auf ein ausgeprägtes Nachtleben und so ströhmen auch am Abend noch große Mengen, vor allem jungen Publikums, in die Innenstadt. Einige davon hat soeben der GT4 316 im letzten Streiflicht am Piata Unirii in das Nachtleben entlassen.

Auf der Suche nach Essbarem wurde nun auch der von der Tram nicht befahrene „Bulevardul Ștefan cel Mare și Sfânt“, welcher vom Piata Unirii direkt zum Kulturpalast führt, durchmessen. Kirchen, Kathedralen und Klöster säumen diese Hauptader von Iasi und ab der Hälfte der Länge wurde der Bulevar mitlerweile für den Individualverkehr gesperrt und zur Fußgängerzone erklärt. Daran könnten sich viele andere rumänische Städte gern ein Beispiel nehmen…


Das Kloster „Sf. Trei Ierarhi“ am „Bulevardul Ștefan cel Mare și Sfânt“

Schlussendlich landeten wir bei unserer Suche nach Essen allerdings wieder am Piata Unirii, denn die Lokalitäten entlang des Bulevard waren entwerde Fast Food oder sahen nach Touristenschuppen aus – ja auch sowas gibt’s schon in Rumänien, wenn auch die meisten Touristen noch aus dem Inland kommen. Unmittelbar am Piata Unirii fanden wir ein Restaurant/Pizzeria und die dargebotene Pizza entsprach höchsten italienischen Ansprüchen. Ein würdiger Abschluss dieses schönen Tages!
Morgen haben wir dann noch mal einen ganzen Tag für Iasi, schließlich wollen wir auch die anderen Fahrzeugtypen mal vor die Linse bekommen. Für einige würden wir vielleicht auch das ein oder andere Depot aufsuchen müssen, denn wir hatten einige Baustellen im Netz registriert, welche wohl zu einem deutlich verminderten Wagenauslauf führen dürften. Aber davon morgen mehr…

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