Einmal um die Pyrenäen Teil 6: AVE und mit der Zahnradbahn zum Kloster Montserrat

Weiter geht’s mit der Reise um die Pyrenäen. Wobei es streng genommen jetzt IN die Pyrenäen geht, die wir seit der Crémaillère de la Rhune meist nur in der Ferne gesehen haben.
Vorher möchte ich aber noch die kleinen Abstecher zur Eisenbahn der vergangenen, straßenbahnlastigen, Tage zeigen, die ich in den letzten Teilen nur erwähnt habe.

Hier noch die Links zu den bisherigen Teilen:

Teil 1: Über Paris, Orlean und Tours Spanien entgegen
Teil 2: Crémaillère de la Rhune und Euskotren
Teil 3: Bilboko Aste Nagusia und Vitoria-Gasteiz
Teil 4: Neue Tram in Zaragoza
Teil 5: Straßenbahn Barcelona

120er und Velaros

Den ersten Kontakt mit der spanischen Vollbahn gab es am Mittwoch (restlichen Mittwoch siehe Teil 4) hinter Pamplona. Für die Fahrt nach Zaragossa wollten wir uns Zeit lassen und die Nationalstraße 121 parallel der Autopista 15 nehmen. Das hat zum Einen den Vorteil, dass man an der Bahnstrecke nach Motiven ausschau halten kann und im Erfolgsfall auch keine 20km bis zur nächsten Abfahrt hat, zum Anderen spart man sich die freundlichen Halte an den Stationen mit dem großen Wort „peaje“ darüber 😉
Kurz vor dem Ort Campanas legten wir den ersten Halt ein und machten uns daran unsere reichlichen Vorräte zu dezimieren und uns weiter durch Frank Schätzing zu kämpfen. Nach 40 min Warten kam dann auch tatsächlich eine Baureihe 120 des Weges und es war abrupt vorbei mit der Ruhe.


Eine Baureihe 120 kurz hinter Campanas in Richtung Pamplona

Etwa zwei Stunden weiter in Richtung Zaragoza gab es dann einen weiteren Halt, nachdem wir schon etwa 30min nach einer geeigneten Stelle gesucht hatten, um das Tal des Ebros mit den sich in der Ferne erhebenen Hügeln umzusetzen. Nach einigem Gekurve rund um den kleinen Ort Gallur, welcher sogar über einen Haltepunkt verfügt, hatten wir den richtigen Standpunkt gefunden und warteten bei angenehmen Rückenwind auf den nächsten Zug. Aus dem Auto hatten wir jede Menge verkehr feststellen können, aber die nächsten zwei Züge waren natürlich Güterzüge von hinten *grrr*.
Nach zwanzig Minuten kam dann ein 120er, zwar auch von hinten aber die Markise war oben. Länger wollten wir dann aber nicht warten, wer weiß wann die Sprenkleranlage angeht 😉


Ein weiterer 120er bei Gallur. Im direkten Umfeld des Flusses gibt es jede Menge Landwirtschaft und grüne Oasen in der sonst dürren und nicht nutzbaren Landschaft

Zwei Tage später hatten wir es dann auf der Fahrt von Zaragoza nach Barcelona auf die Schnellfahrstrecke abgesehen. Dank Bahnbilder.ch hatte ich mir im Vorhinein eine Vorstellung davon machen können, wo die Aussichten auf Motive ganz ordentlich sein könnten. Wir verließen die AP-2 bei l’Albi und fuhren den ersten ausgeguckten Fotostandpunkt an. Leider Stand das Licht genau in der Gleisachse, aber bei dem vorherrschenden Wolkegewaber war ich schon überrrascht das es überhaupt sonnig wurde. Minutenlang Stand die Sonne genau hinter einer Wolkenkante. Hintergrund in der Sonne, Zug im Schatten… das wäre weit schlimmer gewesen als Sonne in der Gleisachse. Gespannt hingen wir aufgeteilt am Hang rechts und links der Strecke (der Sonnenstand hat also doch seinen Voteil^^) als es unvermittelt von Vorn und Hinten rauschte und binnen weniger Sekunden zwei Verlaros vorbeischossen.


Minutenlang waberte die Sonne direkt hinter dieser Wolkenkante herum, um die Spannung hoch zu halten


Doppeltes Glück bei l’Albi: Die Sonne schien und die beiden Velaros hatten gerade noch so viel Versatz, dass sie sich nicht „umfuhren“

Wir folgten jetzt der Nationalstraße, um ein Stück weiter nochmal unser Glück zu versuchen. Osmand zeigte noch einen vielversprechenden Weg an, und so versuchten wir es bei Vinaixa noch einmal. Das die VW-Navigation sich im „offroad“ Modus befand, muss ich eigentlich nicht extra erwähnen. Immer wieder erstaunlich was man für detaillierte Karten bei anderen Navigationsanbietern fast umsonst bekommt. Dagegen wirken die völlig überteuerten Karten von VW wie ein Commodore neben einem MacBook^^
Am Motiv aufgestellt begann natürlich wieder die Sonnenlotterie. Ernsthafte Chancen auf Sonne bestanden eigentlich nicht bei der aktuellen Wolkensituation, aber es waberten immer wieder kleine Sonnenspots über die Landschaft. Ein Velaro und ein 120er Doppel kamen dann auch im Dunkeln, bevor ein weiterer Velaro einen jener Spots „erwischte“.


Beim 120er Doppel befand sich der Spot gerade einen halben Kilometer weiter hinten


Der zweite Velaro schaffte es dann ebenfalls bei Vinaixa genau in den Sonnenspot zu fahren

Anschließend nahmen wir den restlichen Weg nach Barcelona unter die Räder.

02.09.2016 – Mit Zahnrad zum Kloster: Cremallera de Montserrat

Nach diesem kleinen Einschub reihen wir uns jetzt wieder in die Chronologie der übrigen Teile ein und begeben uns daher folgerichtig nach einem erholsamen Schlaf in unserem Hotel in Barcelona zum Frühstück hinab.
Den Vormittag wollten wir noch in Barcelona nutzen, um uns den Yachthafen aus der Nähe anzugucken und mit dem Transbordador Aeri über eben diesen hinwegzuschweben. Noch waren die Temperaturen sehr angenehm, solange man sich nicht auf den Metrobahnsteigen befand. Die kühlen Wasserdampf versprühenden Ventilatoren an der kurzen Warteschlange vor der Seilbahn, wären noch gar nicht von Nöten gewesen.


Der Yachthafen – diese Exemplare gehörten noch zu den weniger dekadenten Vertreter der Upper Class 😉


Blick aus dem Tranbordador Aeri. Auch wenn die Mittfahrt kein Schnapper ist, ist sie ihr Geld auf jeden Fall Wert. Besonders am Morgen, wenn Hafenpromenade und Stadt in der Sonne liegen

Im Anschluss an die Einrichtungsfahrt mit der Seilbahn vom Hafen zum Montjuïc, liefen wir zur Metrostation „Parallel“, um die Fahrt zum Auto anzutreten. Wo deren Name herrührt, wurde uns dann in der Station klar: Die Linien L2 und L3 verkehren hier niveaugleich mit direktem Umstieg auf einem Bahnsteig. Mag jetzt nicht besonders klingen, aber in Barcelona war dies die einzige Station mit direktem Umstieg die wir sahen. Und die Umsteigewege sind bei den anderen „Umsteigebahnhöfen“ teils katastrophal. Wegen einer Betriebsstörung blieb uns in dieser besonderen Station dann auch gleich eine Viertelstunde Zeit und den ersten Zug der dann kam, konnte man selbstverständlich nicht nutzen, wenn man nicht zerquetscht an einer Scheibe enden wollte 😉


Metrostation Parallel. Der Name selbsterklärend. Selbstverständlich sind solche Umsteigerelationen in Barcelona aber mitnichten

Gegen Mittag erreichten wir das Auto und nahmen die 50km zur Talstation der Cremallera de Montserrat in Angriff. Die Fahrt verlief zu dieser Tageszeit völlig reibungslos und so kamen wir gegen eins im kleinen Ort Monistrol de Montserrat an.
Als erstes wollten wir die große Brückenkonstruktion ablichten, welche das Betriebszentrum der Bahn „Montserrat Vile“ mit der Endstation „Monistrol de Montserrat“ verbindet. Das Licht war schon sehr grenzwertig, aber besser würde es nicht mehr werden. Vorher vielleicht noch ein paar grundlegenden Infos zu dieser eher unbekannten Bahn:
Bereits von 1892 bis 1957 existierte eine Zahradbahn auf den Montserrat. Wegen schlechten Beförderungszahlen und einem schweren Unfall wurde sie schließlich stillgelegt. Im Jahr 2003 wurde nach langer Planung und Bau die heutige ca 5km lange Bahn, mit 5 GTW 2/6 von Stadler, eröffnet. Die Bahn verkehrt von der Station Monistrol Vile aus im 20min Takt zum Kloster. Dies ist die ehemalige Talstation und hier befindet sich auch ein großer Busparkplatz für die zahlreichen Pauschalreisenden. Über den ehemaligen Endbahnhof hinaus, führt die Bahn heute im Stundentakt über eine große, talquerende Brücke, bis zum Bahnhof Monistrol de Montserrat. Hier besteht Anschluss an die ebenfalls meterspurige S-Bahn nach Barcelona, sodass der Montserrat bequem als Tagesausflug von Barcelona aus erreichbar ist.


Eine große Brücke verbindet das Betriebszentrum „Monistrol Vile“ mit dem End- und Umsteigebahnhof „Monistrol de Montserrat“


Schon sehr grenzwertig war der Sonnenstand für die Motive mit der beeindruckenden Bergkulisse. Hier bei der Einfahrt in den Bahnhof Monistrol Vile

Unsre Vorräte gingen langsam zur Neige, um nicht zu sagen, es gab keine mehr und so war Nahrungssuche angesagt. Das Navi behauptete es gebe einen Laden und nach einigem Gekurve durch das enge Einbahnstraßensysthems des kleinen Örtchens, fanden wir den Laden letztendlich auf dem Hauptplatz – das hätten wir einfacher haben können… Ein LKW blockierte die Straße und Menschen wimmelten wild hin und her, wärhend die Dorfältesten das Treiben von einer Schattenbank aus schwatzend beobachteten. Der LKW stellte die tägliche Nachschublieferung an den kleinen Dorfladen dar und schien gleichzeitig der tägliche Lebensmittelpunkt zu sein. Wir bekamen mit etwas Improvisation auch ohne die noch nicht ausgepackte Warenlieferung genug für eine kleine Mahlzeit zusammen und verließen den Trubel wieder. Echte Provinz hier 😉
Oberhalb des Ortes ist über eine kleinen Anschlussweg per Auto der Wanderweg zur Daseinsberechtigung der Zahnradbahn erreichbar: Das Kloster Santa Maria de Montserrat. Natürlich hatten wir bei den 35 Grad im Schatten nicht vor, den Berg zu Fuß zu erklimmen, aber wir vermuteten, nach einem kurzen Fußweg einige Motive erreichen zu können. Und so war es auch. Von den kargen Felshügeln rund um den Wanderweg, ließ sich einiges Umsetzten, auch wenn das eigentliche Hauptmotiv, mit der beeindruckenden Bergkulisse, wegen dem Sonnenstand nicht mehr schmerzfrei zu machen war.


Wagen 5 und 2 auf Tahlfahrt


Tw 5 und 2 fahren gleich in das Betriebszentrum „Monistrol Vile“ ein. Über die Brücke im Hintergrund wird der S-Bahnhof „Monistrol de Montserrat“ erreicht. In der Senke rechts befindet sich der zugehörige Ort


Der stündliche S-Bahn Anschluss überquert die Brücke


Tw 3 und 4 auf Bergfahrt


Tw 5 und 2 durchqueren einen kleinen Felsdurchbruch

Anschließend ging es rauf auf den Berg. Etwa 500m höher erreichten wir das Kloster Santa Maria de Montserrat. Hier herrschte auf einen Schlag wieder Massentourismus, allerdings nach Barcelona harmlos 😉
Das Licht stand leider schon brutal schlecht, aber der Klassiker mit Kloster und Berg musste natürlich trotzdem sein. Anschließend trieben wir uns noch ein wenig herum und schauten was sonst noch mit Bahn gehen könnte. Nicht viel war das Ergebnis, aber schon des monumentalen Klosters wegen hatte sich die Fahrt auf den Berg gelohnt. Merke: Unbedingt Vormittags oben anfangen!


Gleich ist die Endstation erreicht. Nachmitttags ist dieser Klassiker leider sehr schlecht im Licht


Wagen 3 und 4 verlassen den Endbahnhof


Ein Versuch von der Seite. Dieser Hang ist aber recht dicht bewaldet und eine Aussichtsterasse war gesperrt


Blick vom Parkplatz auf den Ort Monistrol und Umgebung

Wir hatten gesehen was wir sehen wollten und es galt nun, den Weg nach Ribes de Freser anzutreten. Das kleine Städchen liegt mitten in den Pyrenäen und ist Ausgangpunkt einer weiteren Zahradbahn, der Cremallera de Núria. Im Gegensatz zur heutigen Bahn, die eher eine S-Bahnverlängerung mit Zahnrad ist, kann man die „Cremallera de Núria“ guten Gewissens als echte Bergbahn bezeichnen. Sie galt es morgen zu erwandern. Auf dem Weg machten wir noch einen kurzen Halt für ein Bild der S-Bahn von Barcelona nach Manresa, welche an die Montserratbahn anschließt. Die Linie gehört, wie beide Zahradbahnen, zum meterspurigen Netz der „Ferrocarrils de la Generalitat de Catalunya“.


Kurz vor dem Endpunkt Manresa gelang ein Bild der Ferrocarrils de la Generalitat de Catalunya(FGC)

Die weitere Fahrt gestaltete sich angenehm ereignislos. Es war toll zu beobachten, wie sich die Landschaft langsam verwandelte. Je weiter man Richtung Norden in die Pyrenäen eindrang, desto grüner wurde es. Dichte Laubwälde überzogen die Berge. Nach einer Woche karger Hügellandschaft und staubtrockener Luft, war das viele Grün sehr wohltuend und der starke Regenschauer eine Erfrischung statt Schlechtelaunebringer. Hier in den Bergen herrscht auf gut 900m Höhe halt schon ein ganz anderes Klima. In Ribes de Freser angekommen, hatte sich das Wetter wieder beruhigt, aber die erfrischenden 20 Grad waren geblieben. Es sollte noch ein Zug vom Berg kommen und obwohl die Sonne schon hinter den Bergen versunken war, stellten wir uns mal im Ort auf, wir hatten ja nichts Besseres zu tun und Essen gibt’s in Spanien bekanntlich nicht vor neun 😀


Ein GTW 2/6 überquert in Ribes de Freser den Freser

Anschließend schlenderten wir durch das kleine Städchen. Wie immer tobten die Kinder noch weit nach neun auf dem Marktplatz herum und alle Anderen saßen bei einem Bierchen beisammen und schwatzten wild durcheinander – Spanien halt.
Wir ließen uns vor einem kleinen Lokal nieder und ließen, bei persönlich vorgetragener Speisekarte, den Abend ausklingen. Mein Spanisch und das Englisch des freundlichen Wirtes reichten irgendwie aus, um einigermaßen zu umschreiben, was heute auf dem Speiseplan stand 😉 Letztendlich gab es mit Fleisch gefüllte Obergine mit Käse überbacken – sehr lecker!

Morgen wagen wir uns dann an die etwa tausend Höhenmeter nach Núria hinauf. Mal sehen was an der Bahn so gehen würde – wir sollten positiv überrascht werden!

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