Über Hamburg und Kiel nach Göteborg

Skandinavien – seit Jahren eine große leere Fläche auf meiner persönlichen Europakarte. Irgendwie hat es sich einfach nie ergeben und so schlummerte seit Jahren der Gedanke im Hinterkopf, irgenwann mal einen Anfang machen zu müssen. Den Ausschlag gab dann zum Ende des Jahres 2016 die Straßenbahn Göteborg mit einer Ausschreibung über 30 neue Fahrzeuge mit der Option auf weitere 60 Wagen. Das Ende der letzten schwedischen Straßenbahnwagen im Planbetrieb bekam damit ein Datum. Gut, es blieb noch mehr als genung Zeit, soll nach zwei Prototypen die Serie doch erst 2021 geliefert werden, aber 2017 war ohnehin schon voll verplant und die Dringlichkeit dieses lange gehegten Hintergedanken „Skandinavien“ rückte so langsam aber sicher in den Vordergrund.
Ende 2017 wurden dann die Planungen aufgenommen. Wenn man schon in Göteborg war, müsste man ja Schweden eigentlich gleich in einem „Abgrasen“ und auch Norrköping mitnehmen, mit den ehemaligen Duisburgern, welche wohl auch nicht mehr übermäßig lange durchhalten werden… Stockholm ist natürlich auch hochinteressant mit seinen zahlreichen verschiedenen Systemen, welche im letzten Jahrzehnt enorm angewachsen sind, teilweise aber auch noch aus der Zeit gefallene Reste wie die Saltsjöbanan übrig gelassen haben…
Diese drei Ziele wurden dann schlussendlich in eine große, achttägige Rundreise gegossen: Mit der Stena Line von Kiel nach Göteborg, dem X2000 weiter nach Norrköping und anschließend noch drei Tage Stockholm und über Arlanda mit dem Flugzeug zurück.

Einige Monate später war es dann Ende April so weit. Am Montag sollte es mit der Bahn über Hamburg nach Kiel gehen. Finde den Fehler! Richtig: mit der BAHN. Nix Enno nach Hannover, Enno fällt aus. Aus weiser Vorrausicht hatte ich aber einen Enno Zeit eingeplant auf den ICE in Hannover. Nächster Enno fährt dann auch pünktlich und ich sitzte gemütlich im Zug und freue mich auf den Urlaub und zwar genau bis kurz vor Lehrte: „Diese Fahrt endet dann in Lehrte, wegen eines Oberleitungsschadens in Hannover, die nächste S-Bahn fährt dann vielleicht in einer halben Stunde weiter nach Hannover“ – na wunderbar. Die S-Bahn fuhr dann sogar, man hatte wohl lediglich vergessen, dass da jetzt in der Rush Hour die Fahrgäste aus vier RE’s aus Braunschweig und Wolfsburg mitwollten. Ich wurde unvermeitlich in die erste Klasse durchgedrück, selbst chinesische „Tür-rein-Quetscher“ hätten hier nichts mehr ausrichten können und so blieben zahlreiche „Beförderungsfälle“ mit langen Gesichter zurück. Das Ganze konnte man nur mit stoischer Gelassenheit ertragen und mit dem ICE eine Stunde später als geplant ging’s dann nach Hamburg. Achja eins noch: Das war innerhalb eines halben Jahres schon mindestens der vierte „Oberleitungsschaden“ in Hannover, also nix einmaliger Zwischenfall, sondern geplante Misswirtschaft mit mangelhafter Kundeninformation… egal, ausbaden muss es ja nur Personal und Fahrgast…
Jetzt aber wirklich genug des Ärgers es ist schließlich Urlaub 😀
Gegen elf wurde Hamburg Hauptbahnhof erreicht. Die Stena in Kiel legte erst um 18:00 ab und so vertrödelte ich noch einige Stunden mit einem kleinen Spaziergang durch Hamburg. Die Standarttour vom Hbf über Binnenalster, Herrengrabenfleet zu den Landungsbrücken und mit der Hochbahn zurück. Der morgendliche Regen ging auch bereits in Sonnenschein über, so lässt es sich aushalten!


An den Alsterarkaden zeigte sich schon die Sonne für einige Spielereien mit dem Graufilter.


Die U3 fährt inzwischen vollständig mit den neuen DT5. Hier zwischen Landungsbrücken und Baumwall


Und irgendwie macht man doch jedes mal wieder den Klassiker am Binnenhafen 😀 Mit DT5 und Sonne hatte ich das Bild wenigstens noch nicht.


Teile der neuen Elbpromenade haben bereits Gestalt angenommen. Architektonisch durchaus interessant. Aber vielleicht etwas viel Beton…


Ein weiterer DT5 auf dem Weg zu den Landungsbrücken.


Ein Hamburg-Spaziergang ohne Landungsbrücken? Undenkbar 😀


Beim letzten Besuch im Januar 2017 war noch deutlich mehr Baugelumpe vor der Elbphilharmonie von der Hochbahnstation Landungsbrücken aus gesehen. Inzwischen beschränkt es sich auf ein erträgliche Maß.

Gegen zwei waren dann die Füße erst mal gut platt gelaufen und die Lust am Koffer schieben ging gegen null. Die sechs Euronen für die wenigen Stunden Schließfach waren mir dann doch wieder zu viel 😀
Also sollte der RE nach Kiel um 14:22 genommen werden. Einen Strich machte mir allerdings der Fußball dazwischen. Das Montagsspiel der 2.Bundesliga wurde heute zwischen Nürnberg und Kiel ausgetragen und da beide Vereine dem Aufstieg nahe waren, reisten entsprechend viele „Clubberer“ aus Nürnberg an und der Zug war 10 min vor Abfahrt bereits gut voll. Also wieder raus und noch eine halbe Stunde auf dem lebhaften Bahnhof vertrieben, um dann den nächsten RE mit Abfahrt 15:22 direkt nach der Einfahrt zu entern, es war schließlich noch mehr als genug Zeit bis zum Ablegen der Fähre.


Generationstreffen im Hamburger Hauptbahnhof.

Die anschließende Fahrt mit einem der neuen Twindexx Züge kann nur als sehr angenehm beschrieben werden, sodass ich unversehens einnickte 😀 In Kiel wurden die Clubberer, die sich aber erstaunlich gesittet gebaren, auch direkt in die Stadionbusse umgeleitet.


Die Stena Scandinavica liegt am Schwedenkai in Kiel und wartet auf’s Auslaufen.


Der im Jahr 2010 fertiggestellte „neue“ Schwedenkai.

Nach einem kleinen Snack bei der Nordsee – ist das hier nicht die Ostsee? – ging’s auf die Fähre. Zum Zeitvertreib ging es dann vor dem Ablegen noch beim bordeigenen Shop vorbei. Der Shop stelle sich allerdings als die reinste „AlkoholeindeckstationfüreinJahr“ heraus. Mit Sackkarren(!!!) – wirklich war, ich konnte es auch nicht glauben und musste fast laut lachen 😀 – rafften sich die Schweden palettenweise Dosenbier zusammen, welches als eine Art Insel in der Mitte der „Alkoholstation“ aufgetürmt war und ständig nachgefüllt wurde. Umgeben war die ganze Szenerie von Regalen, welche bis unter die Decke mit Hochprozentigem gefüllt waren…
Nach diesem Schmunzler ging es auf’s offene Deck um das Auslaufen und den Sonnenuntergang zu genießen. Auf dem Gang hing dann sogar eine Infotafel, die darüber informierte, das die Fährfahrten zwischen Göteborg und Kiel ursprünglich ausschließlich den Zweck des zollfreien Alkoholkaufs an Bord hatten…
Auch wenn die Sonne in leichtem Schmodder unterging, gab es nach der Ausfahrt aus der Kieler Förde noch eine grandiose Wolkenstimmung bei der Parallelfahrt mit einer SCA-Fähre.


Museumsbrücke und Seegartenbrücke liegen im Abendlicht.


Nach einer 180 Grad Drehung geht es die Kieler Förde gen Norden Richtung Schweden entlang.


Vorbei am Leuchtturm Friedrichsort.

Mit Einbruch der Dunkelheit ging es in die Koje. Morgen um neun soll Göteborg erreicht werden. Dann geht es zwei Tage kreuz und quer mit den urigen Hägglund-Vierachsern durch Göteborg.

Bis dann,
Tobias

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.