Quer über den Balkan I – Aus dem Ruhestand zurückgeholt: Pt-Wagen auf Frankfurts Linie 15

Der Balkan. Seit einiger Zeit stand bereits der Plan im Raum, den Straßenbahnen in dieser Ecke Europas einen Besuch abzustatten. Doch aus diversen Gründen hatte es bisher nicht geklappt. Ende Mai diesen Jahres fand sich dann schließlich eine dreiköpfige Reisegruppe zusammen, den in ihrer zweiten bis dritten Heimat gelandeten Wagen aus Köln, Bonn, Basel, Mannheim und wo sie alle herkommen, einen Besuch abzustatten. Das Vorhaben würde sicherlich kein erholsamer Urlaub werden, vielmehr eine stundenlange Busodyssee von einer vom Verkehr erstickten Stadt zur Nächsten. Aber was tut man nicht alles für’s Hobby und ich glaube ich übertreibe nicht, wenn ich die nun folgenden zwölf Tage als hochinteressant und vollen Erfolg zugleich bezeichne.

Aber der Reihe nach: Der Plan sah vor mit zwei Dritteln der Reisegruppe in Norddeutschland mit dem Auto zu starten, in Hessen das dritte Mitglied der illustren Reisegruppe einzusammeln und dann von Frankfurt aus den Flieger nach Zagreb zu nehmen. Dort gab es zwar für mich, ebenso wie in Osijek nichts Neues, aber auch hier würde man die Zeit gut rumkriegen. Ab Osijek würde es für mich dafür mit Sarajevo, Belgrad und Sofia umso interessanter werden. Von all diesen interessanten Betrieben und den stundenlangen abenteuerlichen Bustransfers über die Landstraßen des Balkans, davon möchte ich euch in den nächsten Wochen berichten…

Tag 1: Aus dem Ruhestand zurückgeholt – Pt-Wagen auf der Frankfurter Linie 15

Die aberwitzige Idee, am Morgen des ersten Reisetages noch die morgendlichen Verstärkerfahrten auf der OEG mit den Düwag Achtachsern abzulichten, hatten wir, nach einem Blick auf die Fahrzeiten und die damit verbundene, notwendige Abfahrtzeit in der Heimat, schnell wieder verworfen. Sattdessen stand nun einzig der in Frankfurt aus dem Ruhestand zurückgeholte Pt-Wagen auf dem Zettel. Werktags wird aufgrund des in Frankfurt inzwischen ständig herrschenden Wagenmangel auf der Linie 15 vom Haardtwaldplatz zum Südbahnhof ein Kurs mit diesem 1977 gebauten Wagen bestückt.

Zu deutlich humanerer Zeit ging es daher schließlich rechtzeitig vor der morgendlichen Rush-Hour den üblichen Weg Richtung Süden über A39, A7 und A5 nach Frankfurt. Geparkt wurde strategisch günstig in Neu Isenburg am Ende der Waldbahn. Anschließend ließen wir uns mehr oder weniger planlos durch Frankfurt treiben, denn außer dem Pt-Wagen stand aber mal so gar nichts auf unserer Liste, für das man in Stress hätte ausbrechen müssen. Das Wetter zeigte sich zudem auch erst ab spätem Nachmittag von seiner besseren Seite. Lange hielt sich hartnäckig der größte Feind des Fotografen am Himmel: Eine helle Siffschicht, welche nur difusses Dämmerlicht erzeugte.

Im Folgenden ohne viele Worte die Ausbeute des Tages entlang der Linie 15:


Das heutige Ziel in der Endschleife Niederrad Haardtwaldplatz: Pt-Wagen 148.


Wagen 148 wurde weitestgehend in einen historischen Zustand zurückversetzt und war bereits als Museumswagen aus dem Plandienst ausgeschieden.


An der Haltestelle Niederräder Landstraße trifft die Linie 15 auf die Linien 12, 19 und 21.


Der „Museumskurs“ ist von der Stresemannalee in die Gartenstraße abgebogen und fährt Richtung Südbahnhof.


Zum Abschluss ist 148 auf dem Schweizer Platz zu sehen.

Trotz des zwischenzeitlich schwierigen Wetters, war ich am Ende mit der Ausbeute des Pt-Wagens sehr zufrieden. Das eigentliche Highlight folgte allerdings, als wir nichtsahnend an der Haltestelle Stresemannallee/Gartenstraße auf die nächste Bahn nach Neu Isenburg warteten. Beim Warten auf einen Kurs in entgegengesetzter Richtung für ein letzte Bild des Tages, rollte ein R-Wagen an den Bahnsteig Richtung Neu Isenburg, auf dem wir uns für das Foto positioniert hatten. Bei einem flüchtigen Blick über die Schulter verharrte der Blick auf dem Fahrer: Kurz geschorenes, silbergraues Haar, eine riesige goldumrahmte Sonnenbrille und ein blitzendes Grinsen, das sofort deutlich macht: „Ich weiß genau was ihr zwei schrägen Gestalten da treibt“. Langsam rollt der Meister seinen R-Wagen vor, zieht lässig die Seitenscheibe nach hinten, macht den hawaiianischen „Shaka“-Gruß mit den Worten „Alles gechillt bei euch, ihr wartet bestimmt auf den Pt-Wagen“. Wir grüßen gleichermaßen verdutzt und belustigt zurück und schon zieht der Meister mit seinem R-Wagen um die Kurve. Später, nachdem die Reisegruppe vervollstängt ist, erfahren wir, dass es sich dabei nur um den „BahnBabo“ gehandelt haben kann. Und tatsächlich war es die lokale Brühmtheit der VGF mit Spitzname BahnBabo, welcher seit über 30 Jahren „gechillt“ seine Straßenbahn durch Frankfurt chauffiert. Frankfurtexperten wissen sicher sofort bescheid, allen anderen empfehle ich diesen Beitrag des hr über den Bahnbabo:https://www.youtube.com/watch?v=QR3tKUlKHIw. Schön wenn ein Verkehrsbetrieb solche Identifikationsfiguren hat, die noch Spaß daran haben „Ihre“ Bahn durch die Stadt zu fahren und stets ein schräges Grinsen und einen flotten Spruch für Fahrgäste und Fuzzies übrig haben!


Achja, das Bild nach der Begegnung mit dem Bahnbabo gelang auch noch…

Das war’s dann auch schon mit dem ersten Tag. Morgen geht es dann mit der vervollständigten Reisegruppe auf nach Zagreb.

Bis dann,
Tobias

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