Tirol, Trentino, Bernina – Alpentour 2019 VIII: Über Bernina, Albula und Davos zurück zum Bodensee

Heute bricht nun schon der letzte Tag unserer Rundreise an. Ein wenig wollen wir uns noch im Val Poschiavo herumtreiben, bevor es über Bernina und Albula nach Davos und weiter zurück gen Bodensee gehen soll.


Der Tag brach erneut mit viel Sonne an und nach dem Frühstück ging es direkt mal an den Ortsausgang von Tirano, um den nach unserer Schätzung mit ABe 4/4 III fahrenden Zug vom Bernina abzulichten. Wie erhofft kam das Doppel aus 56 und 55 mit einem Güterzug aus drei Holzwagen nach Tirano hinab.


ABe 4/4 III 56+55 mit drei Holzwagen nach Tirano unmittelbar vor der Ortseinfahrt.

Anschließend ging es erstmal zurück zum Bahnhof und schauen, was da so los ist. Außer einem weiteren Holzwagen auf dem Vorplatz, war allerdings garnichts los und so begannen wir, uns langsam die Strecke bis Poschiavo hinauf zu arbeiten. Mehrere Punkte standen da noch auf meinem Zettel: Neben einem Motiv am Fluss, wollten auch noch das Brusio-Viadukt und der Lago di Poschiavo inszeniert werden.


Das einzige italienische Empfangsgebäude der Rhätischen Bahn in Tirano.


Auf dem Vorplatz wartet ein Holzwagen auf den Abtransport.


Hinter Li Curt verläuft die Strecke Richtung Tirano unmittelbar am Fluss. Auch Allegra 3514 bringt noch einige Wagen Holz nach Italien.


Der Regio mit 3514 wurde am berühmten Kreiskehrviadukt von Brusio festgehalten.


Nachdem das morgendliche ABe 4/4 III Doppel, welches morgens stets leer von Poschiavo nach Tirano fährt um einen Bernina-Express abzuholen, zuvor mit einem Wolkenschaden durchfuhr, klappte der Regio mit Allegra 3508 wieder perfekt am Lago di Poschiavo.


Der erste Bernina-Express von Norden kam mit dem ABe 4/4 III Doppel 51+54 daher. Leider scheint die neue Doppelspur oberhalb von Poschiavo im Rechtsverkehr befahren zu werden.

Zwischenzeitlich waberte schonmal eine ganze Menge Siff aus Tirano das Val Poschiavo hinauf, allerdings verzog er sich noch einmal und ermöglichte uns die vielen Sonnenbilder im Tal. Die Uhr drückte jetzt allerdings, es war schon fast Mittag und wir hatten für heute ja noch einiges an Strecke vor uns. Letzter Fixpunkt war die nachmittägliche Krokodilfahrt von Davos nach Filisur und so nahmen wir den Bernina in Angriff. Bei Lagalp blieb noch einmal Zeit um einen Zug je Richtung abzupassen, bevor es hinab ins Engadin ging.


Der Regio mit 3514 überquert die obere Berninabach-Brücke.


Aus der Gegenrichtung erwartete ich wieder ein ABe 4/4 Doppel, allerdings schaffte es eine Wolke im entscheidenden Moment nicht mehr ganz aus dem Bild und so erreichte der Regio mit 56 und 55 nicht ganz den optimalen Auslösepunkt.


Auf dem Weg hinab ins Engadin gelang noch eine Aufnahme von Allegra 3505 kurz hinter der Montebello-Kurve.

Im Engadin war es dann doch recht siffig am Himmel, aber die Sonne schaffte es doch immer mal wieder bis zur Schiene durchzudringen. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit beließen wir es allerdings bei einem kurzen Besuch auf dem Bahnhof von Samedan. Wie immer war der Hofhund 214 am hin- und herhobeln und ließ sich dabei auch recht fotogen auf Gleis 1 blicken. Ansonsten war gerade Zugpause und nur der Pendelzug nach Pontresina wartete auf die nächsten Anschlusszüge. Aufgrund der Baustelle im Unterengadin, waren die RE’s von Disentis bis nach Samedan durchgebunden und die Engadinpendel entfielen demzufolge vollständig, was allerdings jenen Pendelzug von Samedan nach Pontresina nötig machte, welcher eine halbe Stunde in Samedan herumsteht und nach eintreffen der Anschlusszüge schnell eine Runde nach Pontresina und zurück jagd.


Der Hofhund in Gestalt von Ge 3/3 214 war in Samedan wiedermal wild am hin- und herjagen.

Wir nahmen mal den Albula in Angriff, wobei sich gleich eine Serpentine oberhalb von La Punt ein kleines Drama abspielte:
Der Winter hatte der Passstraße ganz gut zugesetzt und so war hier bereits die erste von zahlreichen Baustellen. Auf einer provisorischen, einspurigen Schotterfahrbahn, galt es diese ampelgeregelt zu umfahren. Allerdings quälte sich ein Baulaster im Schneckentempo durch eben jene Baustelle und brachte die Fahrzeugschlange hinter sich kurzzeitig zum Stehen. Beim Versuch, auf dem Schotter in der Steigung wieder anzufahren, begann der etwas betagte Ford vor uns dann, sich mit durchdrehenden Rädern in den Schotter zu fressen. Anstatt sanft anzufahren und so wieder in Gang zu kommen, fraß sich die Wagenlenkerin mit ihrem Fahrzeug immer weiter in den Schotter und grub sich so worwörtlich ihre eigene Grube und fing auch noch an, mit Schotter um sich zu werfen. Alarmiert liefen die italienischen Arbeiter der Baustelle herbei und versuchten die ebenfalls italienische Lenkerin in ihrer Vollgaswut zu besänftigen und gleichzeitig von hinten anzuschieben. Doch immer wenn es fast geschafft war, ging die Faherein entweder vom Gas, oder begann wieder voll durchzulatschen, was natürlich jeweils damit endete, dass sie wieder in ihre Grube zurückrollte. Zunehmend machte sich Verärgerung bei den Arbeitern breit und wilde italienische Schimpftiraden prasselten auf den Ford nieder, die wir zwar nicht verstanden, die Fahrerin aber wohl schon.
Wir beobachteten das Schauspiel aus sicherer Entfernung, um nicht auch noch in den Schotterregen der Vorderräder des Fords zu geraten, während erste Motorräder aus der Gegenrichtung begannen, ob der mittlerweile schon mehrmals duchgelaufenen Grünphase, sich auch noch mühsam an der Szenerie vorbei zu quetschen.
Beim inzwischen wohl zehnten Anlauf klappte es dann doch noch und die inzwischen sichtlich verunsicherte und aufgelöste Fahrerin konnte sich auf den sicheren Asphalt retten. Wir überholten mal besser schnell bei nächster Gelegenheit, wer weiß, was da sonst noch alles kommt…

In Preda ging es dann mal kurz zum Bahnhof, wo gerade zwei mit Allegras bespannte Albulaschnellzüge kreuzten. Im Verladegleis der Tunnelbaustelle, zog die Ge 4/4I Stück für Stück ihre Wagen unter den Schuttauswurf.


Allegra 3511 mit einem Albulaschnellzug in Preda.

In Bergün hatten wir den Schnellzug wieder überholt. Da gerade die Sonne schien und wir hinter Filisur ohnehin nach Davos abbiegen wollten, nahmen wir den Zug einfach an der „Standardstelle“ hinter Bergün auf. In Filisur wurde noch schnell der örtliche Coop aufgesucht, bevor es mit frischen Stärkungen hinauf zum Krokodil in Davos ging.


Bis Bergün hatten wir den Allegra wieder überholt und nahmen ihn einfach mal schnell an der „Standardstelle“ hinter Bergün auf.

In Davos schwebte mir für das Krokodil, dass kurz nach vier zu seiner zweiten Runde des Tages aufbrechen sollte, die Wiese hinter Frauenkirch vor. Mit der Sonne war das allerdings so eine kleine Lotterie geworden und so wurde es ständig hell und dunkel, während wir unser jüngst erworbenes Proviant beim Warten vertilgten. Der Regio von hinten aus Filisur, ging bei schönstem Sonnenschein durch, für das Krokodil reichte es dann allerdings um Sekunden nicht. Wir schafften es aber bis Monstein ohne Raserei an dem Reptil vorbei und nahmen den Zug dann bei Sonne im Bahnhof auf. Die steile Perspektive hatte den netten Nebeneffekt, dass von den doch aus fotografischer Sicht recht fragwürdigen Anhängseln, möglichst wenig zu sehen war.


Eigentlich war hier in der Wiese bei Frauenkirch das Krokodil geplant gewesen. Die Sonne schien aber nur beim Nachschuss auf den Regio mit Ge 4/4II 418.


Dafür hatte die Sonne beim letzten Bild dieser Tour in Monstein noch einmmal ein Einsehen und beleuchtete Ge 6/6 I 415 im richtigen Moment.

Wie – schon das letzte Bild? Die Wolkenlotterie ließ jetzt immer weniger zu. Zu allem Überfluss gab jetzt auch noch die Bremse des rechten Vorderrades unangenehme Geräusche von sich, da sich der Bremssattel nicht mehr so ganz freiwillig von der Scheibe entfernen wollte. Also wollten wir das Glück in beiderlei Hinsicht nicht länger herausfordern und traten die noch verbliebenen rund vier Stunden Heimfahrt an. Dank der gerade noch gültigen 8-Tages-Vignette, konnten wir uns nach den einhundert Kreiseln von Liechtenstein, die Orstduchfahrt von Bregenz sparen und erreichten zum späten Abendessen den Bodensee. Lang wurde der Abend nach der anstrengenden Fahrt aber nicht mehr und am nächsten Morgen trat ich dann, nunmehr allein zurück im eigenen Gummigefährt mit funktionstüchtiger Bremse, die zweite Etappe der Heimreise ohne weitere Fotohalte an.

Damit lag auch unsere gemeinsame 2019er Tour schon wieder hinter uns. Trotz einiger Wetterkapriolen ließen wir uns die gute Laune eigentlich auf der ganzen Tour nicht verderben und gerade der Tag am Bernina hat das Ganze auch aus fotografischer Sicht nochmal herausgerissen.
Bei den vielen entspannten Abenden in italienischen Pizzerias oder bei Gösser und Forst an der kühler werdenden Abendluft auf den Balkonen und Veranden der Unterkünfte, kam neben all dem Fotografieren sogar so etwas wie „Urlaubsfeeling“ auf 😀
Vielleicht auch gerade wegen des Wetters, ging man die Tage auch einfach etwas entspannter an und ließ sich für den ein oder anderen Kaffee, einfach mal die Viertelstunde mehr Zeit. Neben dem Bernina, waren dann aber auch der Vormittag im Stubaital und die Wanderung entlang der Rittnerbahn kleine Höhepunkte dieser Tour und selbst zwischen Trient und Mezzana gelang die ein oder andere Aufnahme, ohne das ich sagen könnte, dort alles gesehen zu haben und nicht wieder hin zu müssen…

Alles in Allem war es wieder eine schöne Woche und die Freude auf unsere nächste Tour ist schon wieder groß – mal sehen wo es nächstes Mal hingeht…

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