Zwei Wochen in Graubünden I: Rund um Bever und Celerina

Im Juli 2019 weilte ich für zwei Wochen im wunderschönen Engadin. Vorwiegend mit dem Rad ging es in dieser Zeit fast täglich an den Gleisen der Graubündner Kantonsbahn entlang. Auch Abstecher nach Davos, ins Prättigau, zum Bernina und zum Landwasser wurden unternommen. Dank Fahrzeugmangels, war der Fahrzeugeinsatz im Engadin in dieser Zeit abwechslungsreich wie selten. In den folgenden 9 Teilen, möchte ich einen kleinen bildlichen Eindruck von den 14 Tagen entlang der Rhätischen Gleise geben.


Prolog

Im vergangenen Juli bot sich mir die Möglichkeit einer recht kostenneutralen Unterbringung im Engadin. Da sich meine Terminplanung in diesem Sommer wiedermal recht kurzfristig ergab, konnte ich mehr oder weniger spontan zwei Wochen im Juli freihalten und so für 14 Tage in Bever mein Basislager für die Fototouren entlang der Rhätischen Bahn aufschlagen.
Früh am Morgen des 20. Juli startete ich mit dem Fahrrad auf dem Dach gen Süden und nach rund 12 Stunden Fahrt, war das Engadin erreicht. Richtig zäh wurde es auf den Straßen wiedermal erst in Tirol und kurz vor Susch wartete dann aufgrund eines Motorradunfalls wenige Autos weiter vorn, auch noch eine rund einstündige Zwangspause. Aber egal, dieser Tag war ohnehin nur für die Anreise gedacht gewesen und pünktlich zum nachmittäglichen Kaffee war das Ziel erreicht und es wurde gemütlich auf dem Balkon über die bisherigen Urlaubsverläufe geplaudert, während nebenher der Auftaktsieg der Eintracht im TV verfolgt wurde. Zwei Wochen Urlaub pur lagen nun vor mir und die Vorfreude war riesig, mit dem Rad ganz entspannt die vielen herrlichen Motive im Engadin und Umgebung umzusetzen.


Sonntag 21. Juli 2019: Ein wenig Warmfahren im Engadin

Das Wetter an diesem ersten Urlaubstag war leicht bewölkt. Am Morgen ging es erstmal spontan eine Runde ins Val Bever, ohne das dort viel entstanden wäre. Am Nachmittag startete ich dann zu einer etwas längeren Fahrt durchs Engadin bis nach Zouz hinunter.
Die Betriebssituation im Engadin war in diesem Jahr von März bis September eine Besondere: Im Unterengadin bestand vom Vereina-Tunnel bis Scoul eine baubedingte Streckensperrung, während derer Bahnhöfe, Tunnels und Gleise gleichermaßen in einer großen, konzentrierten Kraftanstrengung generalsaniert wurden. Dadurch konnten weder die Engadin-Pendel Pontresina-Scoul, noch die Regios Disentis-Scoul das östliche Streckenende im Unterengadin anfahren. Kurzerhand entschied man sich bei der RhB, für diesen Zeitraum beide Linien zusammenzulegen und von Samedan bis Disentis im Stundentakt durchzubinden. Das Reststück Samedan-Pontresina wurde währenddessen von einem zusätzlich in Samedan bereitgestellten Pendelzug bedient. Im Unterengadin bestand zwischen Susch und Scoul ein Schienenersatzverkehr. Der Engadin-Star Landquart-St.Moritz, war in seiner Linienführung von der Sperrung nicht betroffen und fuhr den Tag über wie gewohnt, meist im 2-Stunden-Takt.
Betrieblich versprach diese Situation einige Abwechslung: Zum Einen konnten zahlreiche Nachmittagsmotive endlich mal ohne die sonst üblichen, Richtung Samedan stehenden Steuerwagen umgesetzt werden. Zum Anderen waren die Umläufe Samedan-Disentis natürlich schier endlos und boten daher bei den Lokeinsätzen den ganzen Tag über viel Abwechslung.

Gleich der erste nachmittägliche Engadin-Star aus St. Moritz überraschte mich dabei mit einer Ge 6/6 II bei La Punt. Das Licht stand für diese Richtung aber schon nicht mehr optimal und war ohnehin gerade hinter Wolken, als die „Rundlampen“ 706 vorbeizog. Das Wolkenpech sollte mich auch weiterhin verfolgen und so entstand keine einzige vernünftige Aufnahme in den nächsten Stunden. Der RE 1341 Disentis-Samedan kam dafür um halb drei in Zouz wiederum mit einer Ge 6/6 II, diesmal der 707. Da war ich schon einigermaßen überrascht: Das die Ge 6/6 II in Ausnahmen noch vor wenigen Personenzugleistungen einspringen, hatte ich in den letzten Jahren immer wieder auf einschlägigen Kanälen mitbekommen. Selbst hatte ich aber immer Pech mit den Einsätzen und nicht einmal zur Ski-WM 2017 fuhren die schweren Sechsachser aus den 50er und 60er Jahren im Personenzugdienst. Das nun selbst auf einen Sonntag gleich zwei Maschinen im Einsatz standen, war da eine sehr freudige Überraschung und steigerte die Wahrscheinlichkeit enorm, dass mir in den nächsten zwei Wochen die ein oder andere Aufnahme dieser Kompositionen gelingen könnte, auch wenn es heute mit der Sonne noch nicht klappte. Tatsächlich führten die Ge 6/6 II in den kommenden Wochen in guter Regelmäßigkeit Personenzüge sowohl zwischen Disentis und Samedan, als auch vor den Engadin-Stars. Die Umläufe variierten dabei allerdings immer wieder.

Am späten Nachmittag ging es dann nochmal an die Wiese vor Bever, wo ein Regio Disentis-Samedan und ein Engadin-Star nach St. Moritz abgepasst wurden. Die Ge 6/6 II kam allerdings nicht mehr zurück. Anschließend ging es noch kurz für einen IR an die bekannte Wiese hinter der Ausfahrt aus Bever Richtung Albula.

Am Abend kam keine Ge 6/6 II mehr aus Landquart, dafür gelang die Aufnahme vom Regio nach Samedan mit Ge 4/4 II 725 bei bestem Sonnenlicht kurz vor Bever.


Ein bis zwei Interregios fuhren im Juli noch recht regelmäißg mit EW-Garnituren über den Albula. Um halb sechs hat Ge 4/4 III 644 Bever verlassen und strebt Richtung Spinas.


Der wenig später folgende Bernina-Express wurde einige Meter weiter hinter der steinernen Brücke auf dem Weg nach Spinas genommen. Allegra 3514 hatte heute die Aufgabe den Express über den Albula zu ziehen.

Am Abend wurde noch eine kleine Runde nach Pontresina geradelt, allerdings ragten die Baumschatten um acht schon teilweise in die Gleise, die Wiese mit dem Panorama von Pontresina müsste also nochmal eine Stunde früher angesteuert werden.


Montag 22. Juli 2019: GmP und Ge 4/4 I zwischen Celerina und Zouz

Am ersten Werktag des Urlaubs standen natürlich erstmals die Güterzüge auf dem Programm. Für den Vormittag war viel Sonne angesagt und so stellte ich den Wecker am Abend zuvor auf halb sieben, um den morgens vom Albula kommenden GmP mit Ge 6/6 II noch vor dem Brötchenholen im Val Bever aufzunehmen. Leider reichte der 22. Juli vom Sonnenstand her schon denkbar knapp nicht mehr aus: Die Sonne wanderte genau an einer felsigen Kante der Bergkette des Engadins hinauf und war zum Großteil noch verdeckt, als der kurze GmP die Wiese vor Bever hinuter gefahren kam. Ein bis zwei Wochen früher, hätte es wohl noch gereicht. Ein leichter Sonnenschimmer lag aber schon auf der Szenerie und so war der kleine Spaziergang vor dem Frühstück nicht vollkommen umsonst…


Ge 6/6 II 701 erreicht mit dem frühmorgendlichen Albula-GmP gegen 7 Uhr Bever. Die Wiese vor der Ortseinfahrt dürfte so ziemlich die einzige Stelle sein, an der diese Leistung mit Sonne funktionieren könnte. Allerdings war es schon ein bis zwei Wochen zu spät, oder der Zug einfach zu pünktlich 😉

Nach dem Frühstück ging die Güterzugjagt direkt weiter. Den gegen 10 Uhr in Samedan einlaufenden Albula-Gz wollte ich im Val Bever ablichten. Wie über die ganzen zwei Wochen, wurden sämtliche Gz-Leistungen der normalen Albula-Umläufe von Ge 6/6 II erbracht und so kam die 703, leider mit einem recht kurzen Zug, das Tal Richtung Engadin herunter.


Ge 6/6 II 703 um kurz vor zehn im Val Bever Richtung Samedan.

Nach den ersten Kilometern Fahrt gestern und heute, wurde der Hinterreifen für unbefestigeten Schotter als unzureichend erklärt und bot auf grobem Schotter auch recht wenig Komfort. Also ging es erstmal schnell zurück zum Basislager – doch was verfolgte mich da plötzlich aus Spinas Richtung Bever? Eine Ge 4/4 I mit sehr schmuckem Gz aus zwei Holzwagen und drei Schotterwagen! Blöd nur, dass der Weg ins Val Bever hier kurz vor Bever am Vormittag auf der falschen Sonnenseite liegt, aber ein Blick zurück verriet, dass der Zug stark bremste, das Einfahrtsignal Bever musste also noch rot sein. Mit allem was ging wurde in die Pedale getreten, um noch durch den Ort auf die andere Seite der Strecke zu gelangen. Glücklicherweise war gerade keine größere Spaziergängergruppe unterwegs, und so schaffte ich es gerade rechtzeitig, als die Ge 4/4 I 603 wieder zu beschleunigen begann.


Ge 4/4 I 603 erreicht mit einem morgendlichen Gz Bever.

Warum hatte ich diesen Zug eigentlich nicht auf dem Schirm? Ganz einfach: Weil es keiner der Albula Gz mit fester Fahrplantrasse war. Stattdessen war es der Albulatunnel-Bauzug, für den im grafischen Fahrplan diverse fakultative Trassen vorgesehen sind, von denen aber natürlich nur einige wenige am Tag genutzt werden. Die Leistung 10:35 Uhr Bever an, stellte sich in den nächsten beiden Wochen allerdings als sehr zuverlässig heraus. Die beiden Holzwagen stammen im Übrigen wahrscheinlich aus Surava oder einem der anderen kleinen Holzverladestellen an der Albulastrecke, welche keine Personenhalte mehr sind. Jedenfalls sahen wir die Ge 4/4 I eines frühen morgens Lz von Preda Richtung Filisur eilen, wahrscheinlich auf dem Weg eben jene Holzwagen abzuholen, welche regelmäßig in diese vormittägliche Leistung Richtung Samedan eingereiht waren.
Das war dann ja mal der erste Volltreffer in diesem Urlaub, bei dem ich mir die vom Abgang bedrohten Altfahrzeuge in Form von Ge 4/4 I, Ge 6/6 II und Be 4/4, auf dem Stammnetz ganz besonders vorgenommen hatte.
Nun konnte aber endlich der Hinterreifen gewechselt werden. Einen fabrikneuen Conti-Mantel geländegängigerer Bauform, hatte ich vorsorglich in den Kofferraum geschmissen. Mit dem neuen Pneu sollte es dann wie schon gestern das Engadin Richtung Zouz hinunter gehen, stand doch die Chance auf Sonne heute deutlich höher. Der Engadin-Star 1342 aus St.Moritz, kam wie schon gestern mit Ge 6/6 II, allerdings war damit lichttechnisch auch heute nicht mehr anzufangen als gestern. Dafür hatte der frühnachmittägliche Güterzug 5942/5943 Samedan-Zernez-Samedan, eine freudige Überraschung zu bieten. So kam aus Samedan die Ge 4/4 I 605 als Lz Richtung Zernez durch. Die Rückleistung wartete ich dann an der Straßenbrücke der Nebenstraße zwischen Zouz und Madulain ab.


Vor dem Güterzug kam noch der Engadin-Star 1335 mit Ge 4/4 II 620 und dem neuen Steuerwagen 52803 durch. Diese Einheit war die einzige Pendelzugleistung im Engadin und fuhr die zwei Wochen recht zuverlässig einen Kurs des Engadin-Stars.


Dann kam der eigentliche Grund für das Warten bei Zouz: Ge 4/4 I 605 als Gz 5943 von Zernez nach Samedan. Diese Leistung wurde über die ganzen zwei Wochen mit Ge 4/4 I erbracht und bestand immer aus einem Postwagen und drei leeren Abraumwagen der Albula-Baustelle, welche in Zernez geleert wurden und in Samedan wieder an den Tunnelbauzug übergeben wurden.

Es war zunehemend siffig geworden – Zeit für einen Kaffee. Gegen Abend sollte es aber wieder klarer werden und so radelte ich einfach mal zur bekannten Fotowiese vor Celerina, mit dem grandiosen Panoramablick über das Dreieck St. Moritz – Samedan – Pontresina. Nachdem verschiedene Perspektiven umgesetzt waren, genoss ich am Abend einfach auf einer Bank den phänomenalen Ausblick vom oberen Weg durch die Wiesen.


Die neue Doppelspur zwischen Bever und Samedan war weitgehend fertiggestellt, allerdings in Bever noch nicht an den Bahnhof angeschlossen. RE 1345 mit Ge 4/4 621 zwischen Bever und Samedan.


GEX 902 mit Ge 4/4 II 614 vor Celerina erreicht in Kürze sein Ziel St. Moritz.


Der abendliche Engadin-Star 1358 St. Moritz-Landquart war mit Ausnahme weniger Tage, während der zwei Wochen eine feste Bank für die Ge 6/6 II. Heute wurde er von Ge 6/6 II 705 gezogen. Das die Sonne dabei in Celerina noch nicht voll schien, war eher Segen als Fluch, hätte das Licht doch noch garnicht richtig gestanden…


Engadin-Star 1351 mit der „LGB“-Ge 4/4 II 617 nun von einer Stichstraße weiter unten aus Celerina gesehen, als zuvor noch der Glacier Express.


Anschließend ging es für die nächsten Züge auf den obersten Weg von Celerina durch die Weisen.


Wenig später durchfährt ein artreiner Albula-Zug, bestehend aus Allegra und Alvra-Gliederzug, das Panoramamotiv. Rechts Celerina, im Hintergrund Pontresina und dazwischen die Kirche San Gian aus dem 15. Jahrhundert.

Damit endete der heutige Fototag. Ich rollte von meinem erhöhten Aussichtspunkt hinunter nach Celerina und die letzten Kilometer zurück nach Bever. 70 Kilometer standen schon wieder auf dem Tacho, obwohl ich ja eigentlich nur ein wenig hin und her gefahren war 😉
Schon am ersten Werktag waren dafür zwei schöne Ge 4/4 I Aufnahmen gelungen, mit denen ich so garnicht gerechnet hatte und auch der Engadin-Star mit Ge 6/6 II war schonmal dokumentiert, wenn auch ausbaufähig…
Dieser Punkt soll dann morgen angegangen werden. Strahlender Sonnenschein ist vorhergesagt und das soll genutzt werden, um mal bis hinab nach Zernez vorzustoßen.

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