Sachsen nach Pfingsten III: KT4D und GT6M in Zwickau

Am dritten Tag des Kurzurlaubes im Osten Deutschland stand nach Chemnitz, mit Zwickau der nächste Straßenbahnbetrieb am Rande des Erzgebirges auf dem Programm.


Mittwoch, 3. Juni 2020: Zwickau

Auch heute ging es wieder recht früh am Morgen los. Den Startschuss für den Tag gab dabei die morgendliche Öffnung des örtlichen Bäckers um sechs in der Früh. Noch so ein richtiger Dorfbäcker, der hinter dem Tresen in einer Backstube ab 4 Uhr morgens alles selber anrührt und in den Ofen schiebt und das schmeckte man auch. Irgendwie doch etwas anderes als Rohlinge, die aus hunderten Kilometer Entfernung angekarrt werden und vor Ort nur in den Ofen geschoben werden. Leider eine akut vom Aussterben bedrohte Gattung diese letzten „echten“ Bäcker. Aber das soll hier nicht Thema sein 😉
Jedenfalls erreichte ich nach dem Frühstück schon gegen 8 Uhr Zwickau und stellte das Auto neben dem Schwanenteich unweit der Dreischienenachse ab. Das Programm für heute war sehr entspannt: Einfach die vorhandenen Sonnenstunden nutzen und sich das Netz einmal genauer anschauen, nachdem meine bisherigen Besuche hier immer nur für wenige Stunden auf der Durchreise stattfanden.
Am Vormittag schob sich leider eine grelle Siffschicht vor die Sonne, die zwar noch etwas Sonnenlicht durchließ, auf Fotos aber zu meiner absolut am wenigstens beliebten Wetterlage gehört.
Entgegen meiner Erwartung löste sich die Siffschicht allerdings gegen Nachmittag auch wieder auf und ließ blauen Himmel und richtige Wolken im Wechsel zum Vorschein kommen – das gefiel dann doch schon wieder deutlich besser!
Machen wir uns einfach mit einem kleinen chronologischen Bilderbogen auf die Fahrt durch Zwickau.


Nach wenigen Minuten erreichte ich vom Schwanensee die Haltestelle Zentrum, wo das an der Stadthalle beginnende Dreischienengleis mit einem eigenen Bahnsteig für die Dieseltriebwagen der Vogtlandbahn endet. Dort werde ich mich später noch einmal genauer umsehen. Zunächst geht es aber weiter Richtung Marktplatz. GT6M 907 verlässt die Haltestelle Zentrum Richtung Marktplatz.


Zwölf GT6M erhielt Zwickau im Jahr 1993 von MAN als bis heute erste und einzige Niederflurfahrzeuge. Spätestens seit der Einstellung der kurzen Stichstrecke zum Bahnhof und dem damit verbundenen Entfall der Linie 7 im vergangenen Jahr, kann mit den zwölf Fahrzeugen auf beiden Linien jeder zweite Kurs mit Niederflurwagen gefahren werden. GT6M 908 hält am Morgen an der Haltestelle Hauptmarkt in Richtung Neuplanitz.


Zwischen den Haltestellen Alter Steinweg und Neumarkt macht die Strecke eine S-Kurve über den Schuhmannplatz durch einen kurzen Baumtunnel. KT4D 932 und 946 durchfahren die S-Kurve Richtung Hauptmarkt.


In der Gegenkurve konnte zwei Kurse später die Traktion aus KT4D 949 und 940 kurz nach Verlassen der Haltestelle Neumarkt aufgenommen werden.


Am Neumarkt treffen sich die beiden verbliebenen Linien 3 und 4 und trennen sich sogleich wieder. Die Linie 3 biegt nach Osten Richtung Eckersbach ab und überquert wenig später die Zwickauer Mulde. An der stadtseitigen Rampe konnte GT6M 908 Richtung Eckersbach aufgenommen. Die einzige Strecke, welche ich im weiteren Tagesverlauf nicht abgefahren bin. Zu eintönig waren meine Erinnerungen an diese Linie, die ausschließlich in Seitenlage oder inmitten stark befahrener Straßen auf besonderem Bahnkörper in die Platte hinausgeht.


Stattdessen wurde mit Beginn der vormittägliche Siffschichtphase an die Linie 4 zum Krankenhaus gewechselt. Im Gegensatz zur Linie 3 kommen die KT4D hier Solo zum Einsatz. Genau wie auf der Linie 3 wird aber ein erfreulicher 10-Minuten-Takt geboten. Inmitten trostloser Kulissen rollt KT4D 933 unweit der Haltestelle Brunnenstraße in die Innenstadt hinab.


Im Stadtteil Marienthal verlaufen die Richtungsgleise getrennt voneinander um den Ortskern herum. Auch eine Wendemöglichkeit besteht in der kleinen Insel. KT4D 942 verlässt die Haltestelle Fritscheplatz stadteinwärts.


Nach einem kräftigen Anstieg erreicht die Strecke eine Station vor dem Ende den Virchowplatz. KT4D 938 kommt vom Krankenhaus herab gerollt und nimmt einige Fahrgäste Richtung Innenstadt auf.


Die Endschleife Städtisches Klinikum liegt am Stadtrand in dichtem Wald. KT4D 933 hat die Schleife durchfahren und erreicht anschließend die Haltestellenanlage.


Dort wartet der Tatrawagen anschließend auf die Abfahrtszeit. Für den Fahrer genügt die kurze Pausenzeit für eine Zigarette.


Zurück in die Innenstadt: An der zentralen Haltestelle Neumarkt wechselte ich wieder zur Linie 3, um nun den langen Streckenast nach Neuplanitz abzuarbeiten. KT4D 932 und 946 verlassen die Haltestelle Neumarkt Richtung Neuplanitz. 19 KT4D sind heute für den Planverkehr noch im Bestand der Zwickauer Straßenbahn. Alle noch eingesetzten Fahrzeuge wurden in den 90ern bei MGB modernisiert, äußerlich gut erkennbar an den Matrixanzeigen und Außenschwenktüren.


An der Haltestelle Alter Steinweg folgt als nächster Kurs wieder ein Niederflurwagen. Die GT6M werden derzeit bei Cegelec nach und nach einer Frischzellenkur unterzogen. Die Fahrzeuge 904, 907 und 909 befinden sich seit Ende 2019 und Anfang 2020 aufgefrischt wieder im Linieneinsatz. Äußerlich ist die Frischzellenkur allerdings kaum erkennbar.


Die Haltestelle Hauptmarkt zeigte sich nun deutlich besser ausgeleuchtet und wurde erneut aufgenommen, diesmal mit dem KT4D-Doppel 949+940. Anschließend war erstmal ein Kaffeepäuschen bei einem Bäcker um die Ecke angesagt. Auch der Pflaumenkuchen war vorzüglich…


Kaum war die Siesta beendet, kam auf dem Dreischienengleis der nächste Dieseltriebwagen der Vogtlandbahn an der Haltestelle Zentrum an. Nachdem die etwas zickige Ansteuerung der Spezialweiche schließlich überwunden war, konnte der Stadler RegioShuttle 153 an seinen Endpunkt neben der Straßenbahnhaltestelle Zentrum fahren. Die acht im Jahr 2012 beschafften RegioShuttle sind bereits die zweite Fahrzeuggeneration, welche die Zwickauer Innenstadt über den 1999 eröffneten Dreischienenabschnitt erreichen. Für den Einsatz im BOStrab-Bereich sind die Fahrzeuge geringfügig angepasst worden. Zur Sonderausstattung gehören unter anderem Ablend- und Blinklichter, Klingel und Transponder für die Weichenansteuerung. Letztere scheinen nicht immer reibungslos zu funktionieren… Aufgrund der nicht STVO-Konformen Breite von 2,9 Meter, ist der gesamte Bereich des Dreischienengleises von der Stadthalle bis zur Haltestelle Zentrum für den Individualverkehr gesperrt.


Dank der Scherereien mit der Weiche reichte die Wendezeit für den Fahrer gerade noch aus, um den Füherstand zu wechseln und den RegioShuttle der RB1 wieder abfahrbereit zu machen. Die separaten Bahnsteige an den Haltestellen Zentrum und Stadthalle sind an die 600mm Einstiegshöhe der Regionaltriebwagen angepasst. Möglich macht den Einsatz der Eisenbahnfahrzeuge auch die geringe Achslast der Leichttriebwagen von nur rund 11 Tonnen.


Der Takt der Linie 3 war durch irgendeine Störung durcheinandergeraten. So kam nach einer langen Pause eine KT4D-Traktion, welcher an der Stadthalle eine Kurzwende vollzog, direkt gefolgt von einem weiteren Tatrazug nach Neuplanitz. Letzteren nahm ich an der Haltestelle IHK/Saarstraße auf.


An der Stadthalle kamen dann schon wieder zwei Kurse KT4D dicht hintereinander. Der Vordere fuhr erneut auf das Nebengleis und wendete durch die Schleife, um den Takt der Linie wieder einigermaßen zu synchronisieren. Der Wechsel zwischen Nieder- und Hochflurkursen hatte sich durch die Störung für den restlichen Tag damit allerdings erübrigt. So gelang allerdings das nicht alltägliche Bild mit zwei Tatrazügen nebeneinander an der Haltestellenanlage Stadthalle. Während KT4D 931 und 948 links nach Neuplanitz weiterfahren, wenden 949 und 940 anschließend durch die Schleife Stadthalle. Ganz links befinden sich die Bahnsteige für die Regionalbahnen, die hier von der EBO-Strecke in den Straßenbahnbereich übergehen.


Die Schleifenfahrt von 949 und 940 wurde natürlich auch noch festgehalten.


Noch wenige Meter verlaufen beide Strecken hinter der Haltestelle Stadthalle parallel, bevor die Bahnstrecke nach Nordwesten zum Hauptbahnhof verläuft und die Straßenbahn Richtung Südwesten nach Neuplanitz. Aus den KT4D 945 und 928 ragen vor den grünen Bäumen die Signale der hier beginnenden EBO-Strecke heraus.


Eine nette Überraschung gab es anschließend zwischen den beiden nächsten Haltestellen Reuterweg und Geinitzstraße/Westsachsenstadion: Der Schleifwagen 200 kam unverhofft Richtung Neuplanitz durch. Der KT4D wurde zwischen 2006 aus Plauen übernommen und bis 2008 zum Schleifwagen 200 umgebaut.


An der Haltestelle Himmelfürststraße wurde wiedermal der modernisierte GT6M 907 Richtung Neuplanitz aufgenommen.


Den Weg nach Neuplanitz kürzte ich anschließend durch die alten Ortsteile Nieder- und Oberplantz mit interessanten Backsteinvierteln ab. Trotz zahlreicher geparkter Autos waren die Straßenzüge irgendwie gespenstisch leer, sodass auch Tony’s Pils Eck eher wie einer Filmkulisse entsprungen wirkte.


Die Straßenbahn erschließt derweil eher den neueren Plattenbau-Stadtteil Neuplanitz. An der Endschleife konnten die KT4D 931 und 948 aufgenommen werden. 948 ist neben dem Atw 200 der letzte verbliebene, aus Plauen übernommene KT4D in Zwickau. Seit 2005 kommt der ehemalige 215 aus Plauen in Zwickau zum Einsatz.


Am lauschigen Motiv neben dem Planitzbach zwischen den Haltestellen Reuterweg und Westsachsenstadion, kam auf dem Rückweg dann auch noch das KT4D-Doppel 945+928 passend durch. Der führende Triebwagen trägt eine abweichende Lackierung mit rot lackierter Stoßstange, nun weißen Schürzen und nur noch vorn in Rot lackierter Dachkante.


Erneut war ich nun zurück an der Zentralhaltestelle Neumarkt. Bevor ich mich zum Abschluss noch der Linie 4 Richtung Pölbitz widmete, konnte noch die KT4D 949 und 940 auf der Linie 3 beim Abbiegen am Neumarkt Richtung Neuplanitz aufgenommen werden.


Nach einem gescheiterten Versuch, gelang unweit der Haltestelle Lessingstraße 20 Minuten später mit dem nächsten KT4D-Kurs ein Bild ohne Autos und mit Sonne. KT4D 933 kommt aus Pölbitz Richtung Innenstadt.


Der erst in diesem Jahr modernisierte GT6M 904 zeigte sich unweit der Haltestelle Schlachthofstraße noch ohne Werbung in frischem Lack und war mir eine weitere Aufnahme wert. Sehr erfreulich sind für Fotografen auch die nachgerüsteten LED-Matrixanzeigen der GT6M, welche nicht so schnell zum Flackern neigen und auch bei kurzen Verschlusszeiten gut ablesbar sind.


Am Betriebshof vorüber ging es zur Endschleife Pölbitz weiter. Im Depot waren noch einige KT4D-Traktionen, ein GT6M und der wieder eingerückte Atw 200 zu sehen – nichts Spektakuläres also… Kaum an der Endschleife angekommen, wendete auch schon KT4D 938 durch den dichten Bewuchs.


Anschließend wartet 938 an der Haltestelle auf die Abfahrtszeit. Auch das eigene Gefährt wartet abfahrbeitert auf den Startschuss zum Rennen in die Innenstadt. Das Duell stand allerdings unter ungleichen Vorzeichen, da mich der KT4D an den allesamt auf der Fahrbahn gelegenen Haltestellen Richtung Neumarkt immer wieder ausbremste…

Mit den nun aufziehenden dicken Wolken, die das regnerische Wetter für den morgigen Tag ankündigten, hatte es wenig Sinn, noch auf eventuell schönes Abendlicht zu warten. Stattdessen steuerte ich zurück zum Schwanensee, verlud das Zweirad und verbrachte den späten Nachmittag bei Kaffee und Kuchen mit dem Sichten der bisherigen Ergebnisse dieses Kurzurlaubes. Nicht ganz unzufrieden war ich nach Kopieren der Aufnahmen auf das Tablet mit der ersten Urlaubshälfte, sodass mir der unterirdische Wetterbericht für den morgigen Tag die Laune nicht verderben konnte. Abgesehen von zwei Sonnenstunden am Morgen, sollte es mehr oder weniger den ganzen Tag bei schwüler Wärme immer wieder regnen. Einen Tag Puffer hatte ich aber ohnehin, den ich dann eben zum Radeln im Erzgebirge nutzen würde, bevor es am Freitag noch Richtung Süden nach Plauen gehen soll.