Sachsen nach Pfingsten IV: Zwischen dem Regen nach Plauen

Für den Donnerstag ist zunächst viel Regen und kaum Sonne vorhergesagt, sodass fotografisch nicht viel zu reißen ist. Am Freitag sieht es dafür schon wieder deutlich besser aus und zwischen zwei Regenfronten steht die Chance auf Sonnenbilder in Plauen gar nicht mal schlecht.


Donnerstag, 4. Juni 2020: Rundfahrt durch’s Erzgebirge und Dauerregen in Chemnitz

Der Wecker war heute eigentlich zum ersten Mal in diesem Urlaub auf gemütliche 8 Uhr gestellt. Vor dem Fenster schien dann aber wiedererwartend die Sonne und so ging es doch schon um sieben zum Bäcker im Ort hinab. Schienen und Fotografie sollten heute aber trotzdem eine verschwindend geringe Rolle spielen. Mit dem Rad sollte es am Vormittag nach Annaberg-Buchholz gehen und anschließend einen großen Bogen schlagend irgendwie wieder zurück.
Auf dem Weg nach Annaberg schien zwar etwas Sonne durch die dünne Siffschicht, dafür war es aber drückend schwül – Tropenhausatmosphäre. Nicht ganz unglücklich war ich daher über den einsetzenden Regen bei der Weiterfahrt nach Wolkenstein während einer ausgedehnten Kaffee- und Mittagspause bei einem Café gegenüber des Wolkensteiner Bahnhofsambientes. Nach durchaus ergiebigen Regenfällen war ich auf der Rückfahrt auch schon wieder luftgetrocknet.


Am Morgen war der Blick zurück auf das verschlafene Hormersdorf, wo meine Rundfahrt ihren Ausgangspunkt hatte, durchaus noch freundlich. Die drückende Schwüle kann auf dem Bild aber auch nur erahnt werden…

Nach einem Stück Kuchen war es um 4 Uhr aber irgendwie noch zu früh um jetzt gar nichts mehr mit dem restlichen Tag anzufangen. Also ging es noch einmal mit dem Auto hinab nach Chemnitz. Tatra-Kurse waren aber sowohl in Bernsdorf, als auch auf der Neubaustrecke zum Technopark Fehlanzeige. Kaum angekommen, setzte dann auch ein ordentlicher Starkregen ein, sodass es mehr oder wenig unverrichteter Dinge nach zwei Stunden wieder zurück ging.


Variobahnen und ein Skoda teilten sich heute den Dienst auf dem Linienumlauf der 1/2. Variobahn 910 erreicht noch kurz vor dem nächsten ergiebigen Regen die Endschleife in Bernsdorf.

Für morgen sieht die Prognose aber schon garnicht mehr so schlecht aus. Je nach Dienst zwei bis vier Stunden Sonne und zumindest bis späten Nachmittag kein Regen. Einem Besuch in Plauen sollte also nichts im Wege stehen.


Freitag, 5. Juni 2020: Tatras und Flexitys in Plauen

Eine besondere Stellung nimmt bei mir seit dem Jahr 2010 der Straßenbahnbetrieb von Plauen ein. Mit Plauen an sich hat das eigentlich gar nichts zu tun, eher durch zufällige Umstände blieb mein erster Besuch bei dem kleinen Betrieb im Vogtland im Gedächtnis. So war Plauen am 2. Juli 2010 zum Abschluss einer Polen- und Tschechien-Rundfahrt der letzte deutsche Straßenbahnbetrieb, den ich von der „Fehlliste“ streichen konnte. Seither bin ich zumindest in Deutschland einmal rum, zu entdecken gab es aber natürlich auch im eigenen Land in den letzten 10 Jahren noch jede Menge. Seither hat es auch nur zu einem weiteren Besuch in Plauen im Jahr 2014 auf der Durchreise zur JHMD in Böhmisch Kanada gereicht. Mehr als einige Bilder der damals neuen Flexity’s sind dabei aber kaum abgefallen und so war es längst wieder Zeit für einen intensiven Besuch in Plauen.
Unweit der Schleife Waldfrieden parkierte ich am Vormittag das Auto und wie inzwischen zur Routine geworden, ging es den übrigen Tag per Zweirad durch die Stadt.


An der Haltestelle Dr.-Karl-Gelbke-Straße kam sogleich das neueste Fahrzeug in Gestalt von Flexity 309 vorbei. Erst im Jahr 2017 wurden die letzten drei Flexitys 307-309 ausgeliefert. Die Wagen 301-306 wurden demgegenüber von 2013 bis 2014 geliefert, sodass mit den nun neun Fahrzeugen bereits rund die Hälfte der Umläufe niederflurig gefahren werden kann.


Wie auf Kommando zeigten sich mit der Ankunft in Plauen die ersten blauen Lücken am Himmel. So kam Flexity 207 vor der Haltestelle Vogtland-Klinikum, an der die Linien 3 und 6 aus Waldfrieden auf die Linie 4 aus Reusa treffen, bereits bei Sonnenschein durch.


Auch Flexity 204 in Gegenrichtung bekam etwas Sonne ab.


An der Neuen Elsterbrücke dann auch das erste KT4D-Sonnenbild mit KT4D 205 vor der Kulisse der Überreste des Schloss Plauen. Insgesamt 15 in den 90ern modernisierte KT4DMC mit Baujahren von 1981 bis 1988 befinden sich heute noch im Plauener Fahrzeugbestand.


Eine Lackierung gibt es in Plauen leider schon seit Jahren nicht mehr. Jeder Wagen trägt eine mal mehr, mal weniger knallige Vollwerbung. Zu den auffälligen Vertretern zählt der pinke KT4DMC 232, der aus der Innenstadt vor dunkler Wolkenkulisse die Haltestelle Neue Elsterbrücke erreicht. Abgesehen von der Linie 1 verkehren auf diesem kurzen Abschnitt alle Plauener Straßenbahnlinien.


An der zentralen Haltestelle Tunnel mit allen fünf Linien angekommen, überraschte mich der Schleifwagen 0202. Das Licht war leider mehr als grenzwertig, aber mehr als dieser Schuss auf den Arbeitswagen war auf die Schnelle nicht drin.


Ein großes Dreieck mit Bahnsteigen an jeder Flanke bildet an der Haltestelle Tunnel das Drehkreuz der fünf Straßenbahnlinien 1 und 3 bis 6. Hier biegt KT4DMC 236 als Linie 3 von Waldfrieden kommend nach Neundorf ab. Eine Besonderheit sind in Plauen die Linien 1, 3 und 6, welche gemeinsam einen großen Dreiecksverkehr zwischen den Endschleife Neundorf (1 und 3), Oberer Bahnhof (1 und 6), sowie Waldfrieden (3 und 6) bilden. Die Linien verkehren dabei jeweils nur in eine Richtung und gehen an jeder Endstation auf die jeweils nächste Linie über.


Als nächste 3 heult KT4DMC 243 den Berg zur Haltestelle Neues Rathaus hinauf. In meinem persönlichen Ranking bildet diese Vollwerbung rein optisch die absolute Spitze der Zumutungen.


Nun ging es zunächst die Linie 3 nach Neundorf hinaus. Entgegen kamen die Bahnen dabei durch den Dreiecksverkehr als Linie 1 zum Oberen Bahnhof. Hinter der Kreuzung mit der B92 erwischte ich in einem kurzen Sonnenspot den KT4D 238 zwischen den Haltestellen Hans-Löwel-Platz und Dittrichplatz. Der unverwüstliche Lada Niva samt Anhänger lieferte sich dabei auch auf akustischer Ebene einen Wettstreit mit der heulenden Tatra.


Der eigentliche Grund für das Warten an dieser Stelle war jedoch das Motiv in Gegenrichtung. Beim zweiten Versuch klappte es dann mit KT4DMC 238 sogar mit Sonne. Von dieser Fahrzeugseite einer der schöneren KT4D in Plauen.


Der letzte Abschnitt der Strecke zwischen dem Westbahnhof und Neundorf bietet entlang der Liebknechtstraße zahlreiche tolle Motive in alter Bebauung. Mein „Lieblingswagen“ 243 fährt hier gerade in die Endschleife Neundorf ein.


Unweit der Haltestelle Westend wartete ich dann mehrere Kurse ab, bis alle Perspektiven bei gewünschter Helligkeit im Kasten waren. Der Takt ist mit 12 Minuten zwar etwas eigenartig (wahrscheinlich Umlauf-optimiert) aber angenehm dicht. Den Anfang machte Flexity 209 als Linie 3 in Richtung Neundorf.


Schon nach wenigen Minuten kommt Flexity 309 von der Endschleife Neundorf zurück, nun als Linie 1 zum Oberen Bahnhof.


Um die Ecker herum folgt als nächstes der Flexity 307.


Anschließend fuhr ich zurück in die Innenstadt. Einen Kaffee und ein Brötchen später kam wieder die Sonne heraus und ich hatte noch die Linie 4 nach Preißelpöhl mit den beiden Blockumfahrungen am Linienende auf dem Zettel. Auf der Innenstadtachse kam mir bereits Flexity 301 zur Haltestelle Tunnel hinab entgegen. Die Linie 4 ist nicht in den großen Dreiecksverbund integriert und verkehrt in beide Richtungen zwischen den Schleifen Reusa und Preißelpöhl.


Am Albertplatz zweigt die Linie 4 aus den Linien 1, 5 und 6 aus und verläuft in nordöstliche Richtung. KT4DMC 205 erreicht den Albertplatz und biegt auf die Innenstadtachse Richtung Tunnel ein.


Anschließend konnte der Wagen nach dem Halt am Albertplatz erneut auf der Fahrt hinab zur Zentralhaltestelle Tunnel aufgenommen werden.


Auf dem Weg nach Preißelpöhl kam mir Flexity 302 in der August-Bebel-Straße entgegen.


An der Endhaltestelle Preißelpöhl in der zweiten Blockumfahrung wartet bereits Flexity 231. Da die Linie 4 nicht zum Dreiecksverbund gehört, begegneten mir hier mal wieder andere Fahrzeuge, nachdem am Vormittag an den Linien 1, 3 und 6 immer die gleichen Wagen im „Kreis“ gefahren waren.


Zu den markantesten Motiven in Plauen zählen die alten Fabrikkulissen in den zwei Blockumfahrungen in Preißelpöhl. Der Klassiker ist wohl das Einbiegen der Wagen am Ende der stadtseitigen Umfahrung in die August-Bebel-Straße, hier erneut mit KT4DMC 231.


Eine letzte Aufnahme des Wagens erneut stadteinwärts, wenige hundert Meter weiter hinter der Haltestelle Chamissostraße.


Die längste Strecke der Straßenbahn in den Norden der Stadt nach Plamag, beurteilte ich nach Sichtung der Satellitenbilder als die Langweiligste. Sicher kann dieser Eindruck getäuscht haben, dennoch ging es nun erstmal zum Oberen Bahnhof und die Linie 5 nach Plamag sollte die einzige unfotografierte Strecke des Tages bleiben. In der Endschleife Oberer Bahnhof/Stadtpark hält KT4DMC 208, hier wieder im Linienverbund der 1, 3 und 6. Der obere Bahnhof wird dabei von der Linie 1 aus Neundorf erreicht und von der Linie 6 nach Waldfrieden wieder verlassen.


Ohne großen Aufenthalt verlässt KT4DMC 238 die Schleife wieder. Hier hinter der Haltestelle Oberer Bahnhof Busbahnhof.


Nun zog es sich doch endgültig zu. Dennoch schaute ich noch einmal an der Endschleife der Linie 5 in der Südvorstadt vorbei. KT4DMC 229 wenige hundert Meter vor der Endschleife.


Dort wartet der Wagen wenig später auf die Abfahrt Richtung Plamag.


Nun war nicht mehr viel zu wollen. Auf der Neuen Elsterbrücke entstand noch eine Aufnahme von KT4DMC 205 nach Preißelpöhl.

Bei der anschließenden Fahrt zur Schleife Reuse, erwischte mich dann allerdings der erste heftige Regenschauer und ohne weitere Umtriebe ging es schnellstmöglich querab zum Auto an der Schleife Waldfrieden zurück. Für die gerade einmal zwei vorhergesagten Sonnenstunden waren dann doch erfreulich viele Sonnenbilder entstanden. Und auch die sonnenfreien Bilder fanden durch die dunklen und kontrastreichen Wolken durchaus gefallen. Das ist mir doch in Summe deutlich lieber, als den ganzen Tag ein grelle Siffschicht durch die nur halbgares Sonnenlicht hindurchschimmert…
Am Abend zog es dann bei meiner Ferienwohnung sogar noch einmal für eine Stunde auf und so wurde die schöne Abendstunde noch für eine abschließende Radtour durch die Hügel der Erzgebirgsausläufer genutzt. So war ich am Ende mit den vier Tagen hier sehr zufrieden und hatte bei allen drei Betrieben eine ordentliche Ausbeute auf den Chips.
Morgen geht es dann bei erneut sehr wechselhafter Wettervorhersage über Gera und Naumburg zurück Richtung Heimat.


Eine grandiose Wetterstimmung lud am Abend zu einer abschließenden Runde durch die Hügel ein. Das kleine Hormersdorf liegt bereits einige Höhenmeter unter mir in der Senke.

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