Auf steilen Pfaden VI: Dampfbahn Furka Bergstrecke und Abends am Oberalp

Heute soll es zur Dampfbahn Furka Bergstrecke gehen, nachdem diese erst am gestrigen Tag verspätet in die Saison gestartet ist. Warum ich mit der Bahn allerdings noch immer etwas am Hadern bin und es mich am Ende schon wieder auf den Oberalp treibt, das folgt nun im neuesten Teil auf steilen Pfaden.


Samstag, 4. Juli 2020: Dampfbahn Furka Bergstrecke und Abends am Oberalp

Schon lange steht die Dampfbahn Furka Bergstrecke bei mir sehr weit oben auf der To-Do-Liste für die Schweiz. Häufig genug war ich nun in den letzten Jahren auch in der Gegend gewesen, aber irgendwie hat es nie so recht geklappt. Einzige Aufnahmen an der alten Bergstrecke sind bis heute die Dieselbilder des Swiss Alps Classic Express im Sommer 2016 geblieben.
Begeistert war ich von dieser tollen Strecke in hochalpiner Lage schon immer und noch mehr von der dort geleisteten Arbeit. Problematisch ist die Strecke eigentlich immer nur aus fotografischer Sicht gewesen, denn man muss sich am Ende schon damit abfinden, dass am Tag vielleicht nur drei, vier schöne Bilder zu machen sind. Gleichzeitig braucht man dann natürlich einen gewisse Sonnengarantie, damit es die wenigen Aufnahmen dann nicht verhagelt. Das Ende vom Lied war jedenfalls, dass es mich doch immer an der MGB hielt, wo bei einem solchen Sonnentag natürlich weit mehr Kalenderbilder entstehen können…
Das sollte nun ein Ende haben: Diesen Samstag hatte ich mir für die DFB reserviert und die Vorhersage versprach mehr als zehn Sonnenstunden.


Nachdem ich das Frühstück mit dem Gastgeber beendet hatte und das Zimmer geräumt war, startete ich gleich mal Richtung Goms. Entgegen der Versprechungen hing das gesamte Wallis noch in Wolken, ich machte mir da aber keine großen Gedanken – bei so stabiler Vorhersage würde sich der Schlonz sicher schnell auflösen. Beim Coop in Münster besorgte ich noch die Verpflegung für den Tag, bevor ich in Ulrichen auf den Bahnhof schaute, denn hier endeten, aufgrund des Unfalls am vorherigen Tag, die Züge aus Brig. Mit Postautos musste von hier die Fahrt über den Furkapass angetreten werden.


Endstation Ulrichen – Die Weiterfahrt ist dann mit dem Postauto über die Passstraße – eine ordentliche Tortour, wenn der Ausblick auch wesentlich spektakulärer ist.


Deh 4/4 51 wartet mit einem kurzen Pendel auf die Ankunft des nächsten Postautos vom Pass.

Hier gab’s nicht wirklich viel zu holen, zumal die Wolken noch immer waberten. Erster Programmpunkt an der DFB war der morgendliche Dieselzug von Realp nach Oberwald, den ich auf der Brücke am Tunnelportal unterhalb von Gletsch aufnehmen wollte. Genügend Zeit war noch, also schaute ich zuvor noch in Gletsch vorbei, von wo HG 3/4 1 morgens Richtung Oberwald hinunterfährt, um dort den ersten Zug Richtung Realp abzuholen.


Die HG 3/4 1 macht sich in Gletsch bereit für die Fahrt hinab nach Oberwald.


Ein wenig Wasser darf es noch sein.


Noch einmal zurückgedrückt und dann geht es unter großer Dampfentwicklung hinunter nach Oberwald.

Ich bezog nun meinen Aussichtsplatz auf dem Wanderpfad gegenüber des Rottenviadukts am unteren Tunnelportal des Kehrtunnels unterhalb von Gletsch. Bei einem zweiten Frühstück beobachtete ich noch gut 20 Minuten das Treiben auf der Passtraße. Da war schon ordentlich was los und das Horn des Postautos tönte ordentlich durch’s Tal, als der Chauffeur sein gelbes Gefährt gekonnt und schwungvoll um die Serpentinen scheuchte. Die Quälerei der wenigen Reisebusse, die schon wieder unterwegs waren, wirkte dagegen kläglich…


HGm 4/4 61 rollt mit Packwagen und den drei historifizierten Mitteleinstiegwagen nach Oberwald hinab.

Als nächstes wollte ich nun die Kreuzungsstation Muttbach Belvédère vor dem Scheiteltunnel anlaufen, wo die beiden Dampfzüge des Tages um kurz nach halb zwölf kreuzen sollten. Nun lösten sich auch in Windeseile die Wolken auf und mein Spaziergang von der Furkastraße zum Bahnhof hinauf, fand schon im schönsten Sonnenschein statt. Am Bahnhof angekommen, blieb mir noch fast eine halbe Stunde Zeit, zumal der Zug aus Oberwald mit deutlicher Verspätung eintraf. Es gibt dann aber wesentliche schlechtere Orte, um auf einen verspäteten Zug zu warten 😉


Im Bahnhof Muttbach Belvédère wartet schon der Begleithobel 506 auf den Zug Richtung Realp, an dessen Zugschluss sich der Hobel für den Fall einer Havarie im Tunnel setzten wird.


Aus Realp trifft HG 3/4 9 in Muttbach Belvédère ein, während der Gegenzug noch auf sich warten lässt.


Viertel vor zwölf erreicht schließlich HG 3/4 1 den Bahnhof Muttbach Belvédère. Wie alle Kreuzungsbahnhöfe ist auch Muttbach Belvédère in der Ebene angelegt, um aufwendige Zahnstangenweichen zu vermeiden. An den ein und Ausfädelungen lässt sich immer eindrücklich das Einsetzten des zusätzlichen Zahnradtriebwerkes beobachten. Rechts am Hang die Furkapassstraße.


Wenig später geht die Fahrt mit dem Begleithobel weiter in den Scheiteltunnel. Ja, so hatte ich mir die DFB immer vorgestellt. Schade das an einem Tag nur so wenige Aufnahmen in dieser tollen Landschaft möglich sind… Das muss was gewesen sein, als hier im Sommer noch im Stundentakt „richtige“ Züge rüberfuhren.

Jetzt galt es irgendwie den Pass zu überwinden und den Zug in Realp wieder abzufangen. Zeitlich sollte das eigentlich möglich sein, denn die Fahrt der Dampfbahn ist alles andere als schnell, auch wenn die Strecke wesentlich kürzer ist – der Weg ist eben das Ziel…
Die Fahrt über den Furkapass, die mir bislang eigentlich immer in guter Erinnerung war, entpuppte sich allerdings als einziger Krampf. Vielleicht lag es auch daran, dass ich bislang immer früh am Morgen, spät am Abend oder bei schlechtem Wetter über den Pass gefahren war. Jedenfalls kroch es nur so vor sich hin, ständig bildeten sich lange Schlangen hinter den im Schritttempo bergauf schwitzenden Rennradlern, unfähige Wagenlenker überdimensionierter Karossen kamen in Straßenmitte entgegen, oder Wohnmobile verzahnten sich mit entgegenkommenden Bussen. Dazwischen jagten gefühlt noch einmal doppelt so viele Motorräder herum, wie übrige Verkehrsteilnehmer unterwegs waren. Hatte ich eigentlich geplant, im Laufe des Tages vom Pass nochmal zur Strecke herabzusteigen, konnte ich diesen Plan ganz schnell begraben, denn die Stellflächen entlang der Passstraße waren schon ausnahmslos alle bis auf den letzten Quadratmeter vollgestellt. Endlich in Realp angekommen, verspürte ich nicht die Lust, heute nochmal in Richtung Pass zu fahren. Zunächst stand aber auch noch die Ankunft des blauen Zuges aus, denn selbst bei dem Geschleiche auf der Straße, ist die Fahrzeit auf der Zahnstange noch viel länger. Das Auto mit Tagesmiete am DFB-Parkplatz abgestellt, ordentlich Proviant eingepackt und los ging es Richtung Strecke. Tagesmiete und Proviant waren meiner Planlosigkeit ob des weiteren Tagesverlaufes geschuldet, vielleicht würde ich nach dem blauen Zug weiter Richtung Tiefenbach laufen. Zunächst aber nahm ich den blauen Talfahrer auf der Stützmauer an der Reuss kurz vor Erreichen von Realp.


Vor dem Dampfzug noch einen Blick auf den Autozug in Realp – aufgrund der Sperrung des Basistunnel heute beschäftigungslos.


Der blaue Zug mit HG 3/4 1 erreicht in Kürze Realp und fährt die letzten Meter auf der Stützmauer entlang der Reuss.

Ich lief mal bis zur ersten Serpentine der Schweigstrasse weiter und checkte die Aussicht. Nicht schlecht, aber das Bild würde ich dann doch von weiter unten machen – sollte ja auch etwas Zug zu sehen sein, wenn der Zug dann in über einer Stunde mal kommen würde. Und da wäre ich wieder bei meinem Problem mit der DFB: Diese wenigen Züge – das ist ja fast wie in Österreich, nur das sich die Züge nicht mal begleiten lassen. Das soll natürlich keinesfalls eine Kritik an der DFB sein, die hier Jahr für Jahr Ungewöhnliches und Beeindruckendes leistet! Vielmehr handelt es sich dabei um ein Fotografenproblem, das dem Rest der Welt herzlich egal sein kann. Dazu zählt vor allem, dass die beiden Züge, die jetzt noch aus Oberwald über den Pass kommen würden, auch noch beide praktisch die gesamte Strecke in brutalem Gegenlicht liefen. So saß ich hier einigermaßen unentschlossen ob des weiteren Tagesprogrammes herum, aß meinen frischen Silserkranz mit Frischkäse und wartete auf den Blauen Richtung Oberwald. Der würde zumindest nochmal im Licht kommen aber dann… Ja was dann? Darüber würde ich anschließend entscheiden müssen. Zunächst genoss ich das Bergidyll mit dem tosenden Fluss und den sich im Schneckentempo den Furkapass emporquälenden Fahrzeugen am Gegenhang. Wie ich mich dann irgendwann wieder auf die kleine Straße an den Ort des Motives unweit der Reussbrücke begab, hielt eines der wenigen vorbeifahrende Autos sogar an und ein sonnengegerbter Hofbewohner fragte mich, ob er mich mit hinunter nehmen solle. Ich lehnte dankend ab und erklärte das ich auf den Zug warten würde. Über 1500 m ticken die Uhren irgendwie überall noch etwas anders – man ist zwar etwas kauzig aber freundlich und hilft sich…


Nach fast zwei Stunden macht sich HG 3/4 1 wieder auf den Weg nach Oberwald. Dummerweise warf die Lok mit ihrem Rauch einen Schatten auf sich selbst. In Oberwald wird die Maschine den Zug stehen lassen und zurück nach Gletsch zur Übernachtung fahren wird.

Ich fasste einen Entschluss: Das war es hier für heute. Eigentlich hatte ich mir mehr erhofft, andererseits hatte ich ein paar schöne Aufnahmen gemacht und diese einzigartige Bahn endlich mal in Aktion erlebt. Mehr war einfach nicht herauszuholen und ich verabschiedete mich Richtung MGB. Wie ich beim Brückenmotiv von Hospental feststellte, pendelte zwischen Realp und Andermatt den ganzen Tag ein einsamer Komet hin und her – das war also auch nicht sehr verlockend.


Ein Komet ABDeh 4/8 pendelte den ganzen Tag zwischen Andermatt und Realp, hier auf dem Viadukt bei Hospental.

Was blieb da noch übrig? Schöllenenbahn? Da dürften die extrem kurzen Sonnenfenster längst verstrichen sein. Bleib nur noch eins: Oberalppass. Denn meine heutige Unterkunft war zum dritten Mal an der Gotthardstrasse zum Vierwaldstättersee hinab gelegen. So was Ärgerliches aber auch, da blieb mir schon wieder nichts anderes übrig, als mich an der herrlichen Passtrecke herumzutreiben – wirklich ärgerlich 😀

Beim Coop in Andermatt vorsorglich schonmal ein Abendessen in Gestalt zweier Salate besorgt, noch ein Koffeinsüppchen und ein Stück Kuchen zum nachmittäglichen Kaffeepäuschen mitgehen lassen und schon machte ich mich am späten Nachmittag wiedermal auf den Weg an den Oberalp. Zunächst fuhr ich bis zum Bahnhof auf Passhöhe durch und lichtete die Motive zwischen den zwei Tunnels Richtung Disentis hinunter ab. Die hatte ich so am Nachmittag vom Gegenhang auch noch nie umgesetzt.


Unbeeindruckt von der durcheinander geratenen Betriebslage auf der übrigen MGB, zieht am Oberalp noch immer Deh 4/4 23 seine Bahnen mit dem dreiteiligen Pendel. Zwischen den zwei Tunnels vor der Passhöhe konnte das Gespann vom Gegenhang aufgenommen werden.


Nur noch der kurze Tunnel muss vor dem Bahnhof Oberalppass durchfahren werden.


Während sich der Gegenzug im Bahnhof versteckt, fährt Deh 4/4 23 bereits weiter hinab nach Andermatt.


Wenig später setzt sich auch die Komentengarnitur in Gang und fährt hinab ins Tavetsch. Einfach herrlich diese Panoramen, irgendwie finden sich in dieser tollen Landschaft doch jedesmal wieder neue Blickwinkel.

In dieser Situation war es sogar mal perfekt gewesen, dass der Komet durchkam. Zum einen perfekt für den Nachschuss ins Tavetsch hinunter, zum anderen würden nun in der nächsten Stunde der Lokbespannte und der Deh 4/4 am Oberalp kreuzen. Ich stellte das Auto wiedermal hinter der Galerie am See ab und kundschaftete zwei Stellen an der Strecke hinab nach Nätschen aus, wo ich die beiden Züge optimal würde aufnehmen können. Am Nachmittag geht das perfekt von der Straßenseite aus und mit dem Rad konnte ich ja überall parken 😉 Zuvor musste ich allerdings noch einen der klaren Bergbäche anzapfen, die hier von den Gipfeln heruntersprudeln, denn Brunnen hatte man hier am Pass vergessen, wie ich schon vor zwei Jahren festgestellt hatte.


Aus Andermatt kommt Deh 4/4 23 mit seinem Pendel zurück Richtung Disentis und wurde in einer der zahlreichen Schlenker zwischen Nätschen und Passhöhe aufgenommen.


Der Lokumlauf schien irgendwie jeden Tag zu wechseln, jedenfalls hatte ich diesen Zug vor zwei Jahren auch immer am Abend vom Oberalp Richtung Brig davonfahren sehen. So war heute die „Glacier-Lok“ HGe 4/4 II 4 im Einsatz. Den Weg nach Brig würde die Lok allerdings heute Abend nicht antreten können….


Bergab war es natürlich gar kein Problem, den Zug zu Überholen und noch einmal in den Schleifen zwischen Nätschen und Andermatt aufzunehmen.


Da ein Nachschuss bei diesem Zug zwischen Nätschen und Passhöhe nicht möglich wäre, wartete ich gleich in den Schleifen auf die Rückkehr des Lokbespannten aus Andermatt. Die Wende ist für eine nicht verpendelte Einheit wirklich enorm sportlich, so kam der Zug schon 25 Minuten später wieder den Berg hinauf.


Aus Disentis kam nun als letzter Zug des Tages wieder der Komet über den Oberalp. Die Bergschatten wurden nun um 19 Uhr auch schon bedrohlich lang, das Licht dafür immer schöner.

An ein, zwei Stellen hätte es sogar noch Licht gehabt. Aufgrund der fast ausschließlich touristischen Bedeutung dieser Strecke, endet der Verkehr am Oberalp allerdings bereits mit der Kreuzung um 18:50 Uhr. Alles weitere würde dann als Bus stattfinden, aber das Vergnügen hatte ich ja schon vorgestern 😀

Was für ein herrlicher Tagesabschluss – ich weiß schon warum es mich immer wieder hier hoch an den Pass treibt 😉 Nun ging es gemütlich wieder hinab ins Tal der Reuss zur Gottharstrasse. In Intschi hatte ich noch gestern Abend eine Unterkunft gebucht, die ich nun gegen 20 Uhr erreichte, nachdem es von Andermatt hinab nach Göschenen im Kriechtempo hinter einem landwirtschaftlichen Gespann her ging – egal, eilig hatte ich es nicht mehr heute Abend.

Und morgen? Ja, für morgen ist nochmal richtiges Kaiserwetter angesagt, was auch der Grund für meine Übernachtung hier an der Gotthardstrasse ist: Es soll auf die Rigi gehen. Eines meiner Ziele ganz oben auf der Liste in den letzten Jahren, könnte damit vielleicht abgehackt werden. Ob es danach noch weiter geht? Ich weiß es noch nicht so recht, so richtig toll sieht das Wetter dann bis Mitte der Woche nicht aus. Entweder würde ich nochmal in eine ganz andere Ecke weiterfahren, oder mit dem Highlight Rigi, so es denn eines werden sollte, den Urlaub beenden, wenn es am Schönsten ist. Aber diese Entscheidung vertagte ich vorerst auf Morgen.

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