Über den Röstigraben und Retour V: Lückenfüllertag an Brienzersee und Aare

Der Titel klingt jetzt mal nicht so vielversprechend und so richtig viel Elan soll in diesem Tag auch nicht stecken. Dennoch entstanden im Rückblick einige schöne Aufnahmen besonders an der Meiringen-Innertkirchen-Bahn.


Samstag, 24. Juli 2021: Zentralbahn am Brienzersee und Meiringen-Innertkirchen-Bahn

Ein erstes Mal durfte heute ausgeschlafen werden. Das Wetter sollte spätestens im Laufe des Tages abschmieren und das unbeständige Wetter der nächsten Tage einläuten. So richtig toll war es aber auch für den Vormittag nicht angesagt und so klingelte heute der Wecker „erst“ zum Frühstück um 7 Uhr. Selbiges wurde dann auch gleich mal ausgiebig genutzt, nachdem es gestern noch hatte ausfallen müssen. Und es gab am Buffet auch alles was man sich so wünschen konnte und wurde schon nachgefüllt, bevor es auch nur ansatzweise zur Neige ging. Während das einstige Restaurant des Gasthof Steinbock geschlossen schien, ließ man sich beim servieren des Frühstücks zumindest nicht lumpen.

Was war eigentlich nun geplant für heute? Tja, eigentlich nichts, nachdem ich mein „Soll“ hier im Berner Oberland die letzten drei Tage schon erfüllt hatte. Eine weitere Nacht hatten wir hier allerdings noch, sodass ich mich nach dem Frühstück mal Richtung Brienzersee aufmachte. Das Brückenmotiv zwischen Interlaken und Ringgenberg schwirrte mir konkret noch im Kopf herum und dann mal schauen…
Das Auto ließ ich an der 6h Parkscheibe am Wendeplatz Niederried zurück und stieg auf’s Rad um. Während das andere Ufer wirklich wunderbar zu fahren ist mit dem Rad, ist es auf dieser Seite eher ein ständiger Kampf mit den Autos, gibt es doch über weite Strecken keine wirkliche Alternative zur Straße. Um an den Motiven mal eben halten zu können, war das Rad aber von unschätzbarem Vorteil. Ein erstes Bild entstand noch direkt unterhalb des Wendeplatzes mit einem Interregio nach Luzern. Die Brücke über Ringgenberg klappte auf der Fahrt Richtung Interlaken noch nicht so richtig, sodass es durch das etwas verwirrende Gewirr von Sträßchen und Wegen in Ringgenberg erstmal zur Brücke der Zentralbahn über die Aareverbindung zwischen Brienzersee und Thunersee ging. Dort stellte ich mich ans Ufer, hörte ein wenig Zeitung und wartete einfach mal auf Züge. Etwas angespannt war das Ganze aber schon, da hier an der Brücke die Vorwarnzeit extrem kurz ist, sodass praktisch mit Kamera am Anschlag gewartet werden musste. Nach zwei zu langen Interregios klappte es dann mit dem Regio zweimal zu meiner Zufriedenheit. Das war dann schon ein schönes Sonnenbild mehr, als ich an diesem Tag erwartet hatte.


Der ADLER 150 104-4 mit einem FINKen im Schlepptau der zB bei Niederried auf dem Weg nach Luzern.


Die Aarebrücke zwischen Interlaken und Ringgenberg klappte dann mit dem kurzen Regio in beide Richtungen optimal. Hier ist ein FINK auf dem Weg nach Interlaken


Wenig später kommt der Regio aus Interlaken zurück mit dem Ziel Meiringen.

Nachdem sich am Vormittag über dem See noch blaue Felder hielten, zog es nun gegen Mittag immer weiter zu. Ich hatte heute wenig Lust mit dem Rad in einen Schauer zu geraten, sodass ich den Rückweg antrat. In Ringgenberg klappte dabei das große Viadukt über den Ort sogar noch bei Licht. Beim kleinen Viadukt in Niederried schmierte die Sonne dann endgültig ab.


Ein Interregio nach Luzern überquert das Viadukt in Ringgenberg.


In Niederried folgt auf dem kleinen Viadukt noch der Regio nach Meiringen.

Zurück am Auto reihte ich mich mal in die Autokarawane Richtung Brienz ein. Die Autobahn auf der anderen Uferseite war irgendwie kollabiert, sodass sich eine ganze Menge Transit nun auf meiner Seite des Sees durch die Dörfer und Brienz quälte. Es lief zwar nicht sehr schnell, aber es lief immerhin und Eile hatte ich nun heute wirklich keine. Ich wollte einfach mal nach Meiringen schauen, fehlte mir doch noch der neue alte GTW 2/6 auf der Meiringen-Innertkirchen-Bahn. Die MIB wurde unlängst von der zB übernommen und der GTW 2/6 tauschte damit nach nur einem Jahr seine blaue Aareschlucht-Beklebung gegen eine Adaption des zB-Design. In Meiringen stand auch noch der lokbespannte Ersatzpendel herum, den ich allerdings noch nie habe fahren sehen. Nicht einmal Bilder eines Einsatzes habe ich bislang gesehen, seit FINK und ADLER auf dieser Seite des Brünigs den Regelbetrieb übernommen haben. Noch eine Kleinigkeit im Migros eingekauft und dann mal kurz mit dem Rad zum Eingang der Aareschlucht hinübergefahren. Hier befindet sich wohl der Klassiker der MIB mit der Strecke direkt an der Aare. Da sich hier zwischen Meiringen und Innertkirchen irgendwie noch die Sonne festgesetzt hatte, beschloss ich spontan, den Nachmittag einfach an dieser kurzen Strecke zu verbringen. Der Triebwagen eilt hier auf den nur 5 km Strecke im Halbstundentakt hin und her, sodass die Chancen auf Sonnenbilder nicht schlecht standen.


Der GTW 2/6 hört bei der zB nun auf den Namen 125 013 und erstrahlt bereits in einer adaptierten Version des zB-Design, die mir ausgesprochen gut gefällt. Schön, dass sich extra für diesen einen Triebwagen ein passendes Design überlegt wurde! Hier erreicht 125 013 den Haltepunkt Aareschluch West.


Zwischen Meiringen und Aareschlucht West liegt noch der Haltepunkt Meiringen Alpbach, den GTW 2/6 125 013 gleich Richtung Innertkirchen erreichen wird.

Nach zwei Aufnahmen auf der Westseite, ging es mit dem Auto über den „Pass“ nach Innertkirchen auf die Ostseite der Aareschlucht. Die Strecke ist auf dieser Seite ähnlich kurz, bietet aber am Ausgang der Aareschlucht noch ein weiteres schönes Motiv direkt am Fluss. Mein Mittagessen verdrückend, wartete ich hier einfach mal ab, bis es mit halbwegs Licht am Tunnelausgang klappte.
Anschließend lief ich noch die restliche Strecke bis Innertkirchen. In Innertkirchen stehen immer noch die alten Fahrzeuge fotogen im Bahnhof herum, da der Schuppen für die inzwischen vier Triebwagen einfach zu klein ist.
Zum Abschluss gab es dann noch ein Motiv vom „Pass“ hinab auf die Strecke entlang der Aare, mit dem in den Wolken versinkenden Grimsel im Hintergrund.


GTW 2/6 125 013 verlässt die Aareschlucht Richtung Innertkirchen.


In Innertkirchen verläuft die Strecke einmal quer durch den kleinen Ortskern mit dem Haltepunkt Grimseltor rechts dieser Aufnahme. Der Name weist schon auf die Bedeutung des kleinen Ortes als Tor zu den Pässen ins Wallis und nach Uri hinüber hin. Geradeaus führt der Sustenpass über 2224 m ü.M. nach Wassen an der Gotthard-Nordrampe hinüber. Rechts geht es über den 2164 Meter hohen Grimselpass nach Gletsch und weiter ins Goms hinüber. Innertkirchen ist damit gewissermaßen einer der Ausgangspunkte für einige der bekanntesten und gerade bei Motorradfahrern beliebten Passrouten mit dem Susten-, Grimsel-, Furka-, Gotthard-, und Nufenenpass alle in angenehmer Tagesetappen-Entfernung. Das Piaggio-Dreirad dürfte diese aber wohl eher nicht in Angriff nehmen 😉


Am Endbahnhof in Innertkirchen wartet der GTW auf die Abfahtszeit nach Meiringen.


Wenig später verlässt 125 013 den Bahnhof und eilt durch die Aareschlucht zurück zum Anschluss an die restliche zB in Meiringen.


Bis zur Inbetriebnahme des ehemaligen GTW 2/6 7004 der MVR im vergangenen Jahr, musste der BDe 4/4 11 mit Baujahr 1953 noch hin und wieder aushelfen, wenn das Stammfahrzeug BDe 4/4 8 ausfiel. BDe 4/4 11 wurde wiederum 2005 von den Jurabahnen übernommen.


Auch der GEM 4/4 12 wurde von den Jurabahnen übernommen und dient eventuell noch dem Bahndienst.


Als Denkmal weilt mit BDa 2/2 5 einer der beiden Akkutriebwagen in Innertkirchen unter einem eigens errichteten Dach. Sein Bruder BDa 2/2 4 steht derweil im Verkehrshaus in Luzern.


Die Straßenkreuzung in Innertkirchen wird quasi als Straßenbahn überfahren und ist nur mit Lichtzeichen gesichert. Typisch für die Schweiz, scharren neben einem neuen Supermarkt am Haltepunkt der Bahn bereits die Postauto-Anschlüsse mit den Hufen, um ihre abenteuerlichen Fahrten über Grimsel und Susten zu starten. Auf die Frage, wie viel Beton für diesen neuen Ortskern geliefert werden soll, wurde allerdings auch schweiz-typisch einfach mit „Ja“ geantwortet. Das Ergebnis lässt sich schön bei google StreetView „bewundern“…


Am Ausgang von Innertkirchen verschwindet die Strecke in einem kurzen Tunnel, nach dem noch der Haltepunkt Unterwasser folgt, bevor es entlang der Aare und dem Haltepunkt Aareschlucht Ost in den Tunnel entlang der Schlucht geht.


Von der ersten Serpentine des kleinen Passes nach Meiringen hinüber, ergibt sich noch ein Blick auf die Strecke Richtung Innertkirchen entlang der Aare.

So plätscherte der Tag so dahin und die Sonnenausbeute lag um 16 Uhr schon über allem, was ich für diesen Tag erwartet hatte. Ein Muster, das sich die nächsten Tage noch wiederholen sollte…
Zurück in Meiringen machte es dann aber wirklich endgültig zu, als ich nochmal am Haltepunkt Aareschlucht West eine Aufnahme probierte. Viel besser war da die verwirrte Frage einer ausländischen Touristen-Kleinfamilie, anscheinend weit aus dem Osten stammend, wo denn hier der Zug nach Meiringen fahren würde. Dazu muss wohl gesagt werden, dass ich genau auf der Brücke hinüber zum Haltepunkt stand als ich das auf englisch gefragt wurde. Etwas irritiert deutete ich auf den kleinen Haltepunkt, worauf hin noch die Frage kam, welche Nummer der Zug den habe. Keine Nummer – „It’s running up and down every 30 minutes from the same plattform“. Das schien etwas zu beruhigen und sie ließen den GTW, er zunächst wieder nach Innertkirchen durchkam, zum Glück durchfahren und nahmen ihn dann auf dem Rückweg in die richtige Richtung nach Meiringen.

Etwas planlos gondelte ich anschließend erstmal zurück Richtung Wilderswil. In Matten holte ich mir beim Coop einen frischen Kaffee – ganz praktisch, kann man den dort im Laden doch einfach kontaktlos mit Kreditkarte ziehen und ohne durch die Kassen zu müssen wieder rausgehen. Draußen sah es dann über dem See irgendwie doch nochmal hell aus. Ich fuhr also einfach mal zurück zu meinem Parkplatz am Wendeplatz Niederried, trank gemütlich Kaffee und wartete, ob die Sonne bei einer der Zugdurchfahrten den Motiv-Klassiker noch einmal in grandioses Sonnenlicht vor dunkler Wolkenkulisse versetzten würde – tat sie nicht. Aber besseres hatte ich bei immer wieder niedergehenden Schauern auch nicht zu tun und zumindest ein Regio, in dem wie ich später erfuhr Kollege-SwissPass saß, kam bei ganz stimmungsvollem Licht durch.


Nach zwei Interregios und einem Regio nach Meiringen, kommt als letztes während der Stunde Kaffee-Trinken in Niederried noch der Regio nach Interlaken bei ganz ordentlicher Stimmung durch. Hier kann man am Wendeplatz des Ortsbusses sechs Stunden kostenlos quasi im Motiv parken – bei solchem Wetter nicht unpraktisch…

Zum Halbfinale des World-Matchplay ging dann während des Abendessens vor dem Fenster die Welt unter. Heftigste Gewitterschauer ergossen sich über Wilderswil. Zum Glück hatte ich das Auto erhöht hinter dem Haus geparkt und nicht unten am Fluss, nach den noch frischen Bildern aus dem Westen Deutschlands weiß man ja nie… Es passierte aber nichts wildes und auch am nächsten Morgen sollte Wilderswil noch stehen, wenn es dann auf der Flucht vor dem Wetter in den äußersten Westen der Eidgenossenschaft gehen soll.

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