Durch Lettlands Regen III: Im KTM-5 durch Daugavpils

Heute geht es mit dem Dieselzug nach Daugavpils. Neben den letzten KTM-5 sollen sich dort auch die ersten ernsthaften Sonnenstrahlen dieser Tour zeigen.


Donnerstag 26. August 2021: Von Rīga zu den KTM-5 nach Daugavpils

Der Tag begann früh: Um 07:31 Uhr sollte mein Zug von Rīga-Pasažieru nach Daugavpils seine rund 3 1/2 Stunden lange Fahrt beginnen. Mit den “offiziellen” Frühstückszeiten des Hotels ging das allerdings nicht konform. Die nette Rezeptionistin hatte mit aber gestern Abend noch angeboten, zu früher Stunde in der Lobby schon einen Kaffee zu servieren. Neben einem großen Cappuccino gab es sogar noch Joghurt und zwei kleine Gebäckstückchen dazu, was in Italien schon locker als vollwertiges Frühstück durchgegangen wäre 😉
7 Uhr war dann auch schnell durch und ich musste meinen gemütlichen Sessel in der Lobby doch langsam verlassen und mich vom Hotel Justus verabschieden – schade, dass mein Zimmer übermorgen bei der Rückkehr nach Rīga nicht mehr frei sein würde und ich anderswo würde Unterschlupf finden müssen…
Den kürzesten Weg durch die verwinkelten Gassen der Altstadt zum Bahnhof hatte ich inzwischen ganz gut raus. Noch den richtigen Aufgang des Unterführungslabyrinthes zwischen Stacija Laukums und 13. janvāra iela gefunden und schon stand ich mit Rucksack und Koffer im Bahnhofsgebäude. Der örtliche Narvesen wurde noch für ein erweitertes Frühstück konsultiert und auf der Anzeigetafel kontrolliert, ob denn das Gleis des Online-Tickets stimmte. Es stimmte und mein DR1 der Rīgaer Waggonfabrik stand schon am Gleis 10 bereit. Die Gleise 10-12 sind übrigens in umgekehrter Reihenfolge direkt am Bahnhofsgebäude gelegene Stumpfgleise Richtung Osten. Dahinter beginnen dann in aufsteigender Reihenfolge mit 1 beginnend die Durchgangsgleise.


Der DR1AM der Rīgaer Waggonfabrik steht an Gleis 12 bereit zur Abfahrt nach Daugavpils. Mit Baujahren von 1976 bis 1998 sind die Triebwagen mit der Zusatzbezeichnung “A” deutlich jünger, als ihre von 1963 bis 1970 gebauten Urahnen DR1. Das “M” steht zusätzlich für eine erfolgte Modernisierung der Antriebstechnik.


Über dem Steuerwagen des Triebzuges ragt der markante rechteckige Turm mit großer Uhr und Rīga-Schriftzug des 1957 eröffneten Bahnhofsneubau empor. Die ursprünglich sechsteiligen DR1A wurden in den 90er Jahren halbiert, wobei der “abgesägte” Steuerwagen entstand, der optisch nicht so recht zum Triebwagen passen mag.

Die Fahrt mit gemächlichen 60 bis 110 km/h und ganzen 19 Halten zog sich dann doch einigermaßen. Außer im Großraum Rīga, wo einige wenige Haltepunkte durchfahren wurden, hielt der Zug dann auch wirklich an jedem Haus das sich auffinden ließ. Nur einen Zug gibt es am späten Nachmittag, der die Strecke eine Dreiviertelstunde schneller binnen 2:45h zurücklegt. Dieser kostet auch sage und schreibe 1,42€ Aufpreis und bringt es damit auf einen stolzen Ticketpreis von 7,95€. Für ganz Wilde lässt sich sogar noch für weitere 1,40€ ein Platz in der Comfort-Class buchen – was immer darunter zu verstehen sein mag… Lustigerweise kann dieser Zug jedoch nicht online gebucht werden, sondern muss am Schalter im Bahnhof gelöst werden. Der eigentliche Grund für die Wahl des günstigen und langsameren “Frühzuges” war allerdings der angekündigte Sonnenschein für den Nachmittag, den ich mir nun wirklich nicht durch die leicht milchige Scheibe des schunkelnden und rumpelnden Urgetüms auf Rändern anschauen wollte. Viel hätte es indes auch durch klares Glas nicht zu sehen gegeben. Die Strecke dürfte zu so ziemlich dem Langweiligsten gehören, was ich je auf Gleisen gefahren bin. Eigentlich geht es bestimmt 3 der 3 1/2 Stunden einfach nur durch den Wald. Jeweils mit einer rund 50 Meter breiten Schneise um die Gleise, ziehen die Bäume zwar nicht unmittelbar vor der Scheibe durch, aber man bekommt schon das Gefühl, das dort ein besonders einfallsloser Programmierer einfach keine Landschaft in die Simulation integrieren wollte und dann halt über 300 Kilometer eine Baumwand rund ums Gleis aufgestellt hat. Was außer den Bäumen allerdings zu sehen ist, lässt sich auch bestenfalls als “Gegend” bezeichnen, wie ich nichtssagende Landschaft gern bezeichne, in die man auch mal ohne großes Aufsehen einen Windpark oder ein Atomkraftwerk klatschen kann – kennen wir hier in Niedersachsen ja Bestens. Zwischen Nordsee und Harz bestehen auch ganze Landstriche nur aus “Gegend” 😉
Was gab es sonst noch unterwegs, bevor der Zug pünktlich um kurz vor elf in den Bahnhof von Daugavpils rumpelte? Vielleicht noch die teils sportlichen Halte unterwegs, bei denen der Zug teilweise gar nicht richtig zum Stehen kam. Erinnerte mich etwas an die Rhodopenbahn in Bulgarien, wo man ebenfalls an den kleinen Haltepunkten zum Aussteigen besser nicht wartete, bis der Zug vollends zum Stillstand gekommen war, da dieser Zustand zwischen Bremsen und wieder Anfahren oft genug schlichtweg nicht existierte.
Neben langen Schlangen an Güterwagen kam der Zug schließlich am Hausbahnsteig von Daugavpils zum Stehen. Auf dem Bahnsteig entstand noch ein Belegbild, bevor ich schonmal mein Gepäck an der Rezeption parkte, um anschließend nur mit Kamera beladen den nächsten für mich neuen Straßenbahnbetrieb zu erkunden.


Nach 3 1/2 Stunden und rund 230 Kilometern ist Daugavpils erreicht.


Die Straßenbahn in Daugavpils besteht aus den Linien 1 bis 3 mit insgesamt rund 27 km Streckenlänge und vier Ästen. Die Hauptlinie 1 verläuft vom Bahnhof nördlich der Innenstadt in die im Nordosten gelegenen Plattenbausiedlungen zur Endschleife Butļerova iela. Während die Linie 1 am Tag zwischen fünf und acht Fahrten pro Stunde bietet, verkehren die Linien 2 und 3 deutlich seltener. Beide Linien überlagern die Linie 1 zeitweise und führen anschließend in weniger aufkommensstarke Stadtviertel. Die Linie 2 verkehrt dabei im sauberen Halbstundentakt, während die Linie 3 einen etwas ungewöhnlichen 28-min-Takt fährt.
An Fahrzeugen stehen für den kleinen Betrieb eine Vielzahl von Typen zur Verfügung:

  • Die derzeit ältesten Linienfahrzeuge sind die aus Schwerin übernommenen T3D aus den 70er und 80er Jahren, welche während meines Besuches allerdings nicht im Einsatz standen. Jeweils fünf führende und fünf geführte Fahrzeuge sind noch im Bestand.
  • Jüngeren Baujahres, aber deutlich archaischer anmutend, sind derweil die elf der ehemals 12 vorhandenen KTM-5 mit den Nummern 101 bis 112 aus den Jahren 1990 und 1991. Während meines Besuches standen die Wagen 101, 104 und 108 im Einsatz.
  • Mit Baujahr 1994 verfügt Daugavpils nur über einen einzigen der deutlich moderneren KTM-8 – weltweit dem einzigen dieses über tausendfach gebauten Typs mit Stangenstromabnehmer.
  • 2014 begann auch in Daugavpils das Niederflurzeitalter mit den Fahrzeugen 001 bis 008 und 009 bis 012. Acht Vierachser vom Typ 71-623-02 und vier sechsachsige Gelenkwagen 71-631 gingen ebenfalls aus russischer Produktion in Betrieb. Während die Vierachser mit rund 40% Niederfluranteil nahezu vollständig im Einsatz standen, waren die Gelenkwagen im Depot abgestellt.
  • Die modernsten Fahrzeuge stammen aus dem Jahr 2019. Acht Vierachser aus russischer Produktion mit der Bezeichnung 71-911 verdrängen zunehmend die letzten Hochflurfahrzeuge. Im Gegensatz zu den älteren Niederflurern, bietet diese Bauart mit den Nummern 014-021 einen durchgehend nierderflurigen Einstieg und Durchgang.

Der Fahrzeugeinsatz während meines Besuches war wohl auch durch die Sommerferienzeit geprägt. Während die fassungsstarken Niederflurwagen und Schweriner T3D-Traktionen im Depot blieben, wurde der gesamte Auslauf mit Vierachsern gestemmt. Insbesondere die Fahrten der Linie 3 mit der neuen Krankenhausanbindung und die Fahrten der Linie 1 zu aufkommensstarken Zeiten, hätten durchaus den Einsatz größerer Einheiten gerechtfertigt. Nach dem was im Netz so zu lesen ist, rücken die fassungsstarken Fahrzeuge und Verbände aber auch während der Schulzeit nur in der HVZ für einige wenige Runden aus. Dies dürfte gleichzeitig auch den viel zu großen Wagenpark erklären, wobei die Übergangsphase mit der neuesten Generation an Niederflurfahrzeugen noch zu laufen scheint. Für den Planbetrieb werden jedenfalls auch bei einem vollständigen Vierachserauslauf nicht ansatzweise mehr alle KTM-5 benötigt.


Starten wir nach diesen einleitenden Worten zu Daugavpils nun den restlichen Tag entlang der Straßenbahn. Das Gepäck war an der Rezeption untergebracht und ich lief gleich mal rüber zur Endschleife der Linie 1 und der umgeleiteten 3 unweit des Bahnhofes. Die Endschleife verläuft eingleisig um einen Häuserblock und die Bahnen enden schließlich am Rand der Bahnhofsstraße. Was hier inzwischen planmäßig fahren sollte an Fahrzeugtypen, wusste ich nicht so recht. Zunächst kamen mal zwei Niederflurwagen. Den zweiten passte ich am Beginn der Blockumfahrung ab.


Vom älteren Niederflurtypen 71-623-02 fährt Wagen 005 in die Blockumfahrung am Bahnhof ein. Im Hintergrund ist die Haltestelle Alejas iela zu erkennen. Die seltsame Kombination orange/blau ist die Standardlackierung dieses Wagentyps in Daugavpils.

Kurz hinter der Bahnhofsschleife folgt rund um die Haltestellen Alejas iela, Tirgus und Vienības nams bereits das Zentrum von Daugavpils. Hier zweigt auch die eigentliche Strecke der Linie 3 zur Zitadelle ab, welche wegen Sanierungsarbeiten aber gesperrt war. Während die Straßenbahnachse hier zwischen neuen rein pragmatisch errichteten Einkaufszentren denkbar hässlich ist, ist die parallele Fußgängerzone in der Rīgas iela vom Bahnhofsgebäude hinab bis zur Haltestelle Vienības nams schon etwas repräsentativer mit renovierten Gebäuden, Kirchen und dem Theater. Ich lief zunächst allerdings an der Strecke entlang und genau an der hässlichsten Stelle an der Haltestelle Tirgus heulte und rumpelte dann etwas weniger Modernes auf mich zu: Der KTM-5 104. Super, hatte ich doch schon befürchtet, dass nur Niederflurwagen laufen könnten. Nach der Schleifenfahrt am Bahnhof erwartete ich den KTM-5 in der Vienības iela, dem einzigen kurzen Abschnitt, an dem die Straßenbahn Daugavpils überhaupt so etwas wie innenstädtisches Flair ausstrahlt.


KTM-5 104 hat die Haltestelle Vienības nams verlassen und heult nun durch die gleichnamige Straße auf die Universität zu.

Nach dem nicht vorhandenen Frühstück war es nun aber höchste Zeit für eine kleine Stärkung. Fündig wurde ich unweit der Haltestelle Vienības nams in der eben schon erwähnten Rīgas iela. Gegenüber dem großen Einkaufszentrum befindet sich hier das “Šokoladņa”, ein kleines Kaffee mit hervorragenden Kuchen und Torten (Empfehlung!). Ein Kaffee mit Milch und Torte war hier für keine 3 € zu haben, die Preise in Rīga scheinen also eindeutig dem Tourismus geschuldet. Gemütlich kann man vor dem Laden an einem der kleinen Tischchen Platz nehmen und das Treiben in der Fußgängerzone beobachten. Viel wichtiger aber noch: Auch die Straßenbahn hat man hier gut im Blick. So entging mir auch nicht der nächste KTM-5 der zum Bahnhof hinaufheulte. Zusammen mit dem aufreißenden Himmel das Startsignal für die nachmittägliche Fotosession.


KTM-5 108 kommt vom Bahnhof hinab und erreicht den Vienības laukums.


Ein kleiner Sprint ermöglichte eine weitere Aufnahme an der Haltestelle Vienības nams, bevor der KTM-5 rasselnd und rumpelnd die Türen zuschob und seine Fahrt fortsetzte.

Da hatte sich doch glatt schon die Sonne mit ins Bild gemogelt – schön wenn der Wetterbericht mal auf diese Weise recht behält. Mangels irgendwelcher Hinweise hatte ich die Bedienung im Café mal gefragt, wo man hier eigentlich Fahrkarten her bekommt. Die Antwort lautete etwas überrascht: “In der Bahn natürlich”, als sei es das normalste der Welt. Und tatsächlich erkannte ich jetzt auch, das in jeder Tram auch eine ältere Dame mit Warnweste mitfuhr. Hier gibt es also abseits der Hauptstadt noch den klassischen Schaffnerbetrieb.
Zunächst trugen mich aber noch die Füße die Vienības iela entlang, vorüber an der Universität bis zur 90-Grad-Kurve, ab der die Strecke für geraume Zeit, im Fall der Linie 3 für über 5 Kilometer, der 18. novembra iela folgt.


Wagen 020 gehört zur neuesten Bauart 71-911 aus Russland, welche einheitlich eine dunkelrot/gelbe Lackierung trägt. Bei Sonne sieht diese recht freundlich aus, ansonsten wirkt das rot doch sehr dunkel. Der Wagen hat soeben an der Vienības iela die Haltestelle Universitāte verlassen

Einer der Klassiker in Daugavpils folgte dann an besagter 90-Grad-Kurve. Von der 18. novembra iela lässt es sich zwischen den Gebäuden die Vienības iela hinabblicken, mit den abbiegenden Bahnen im Vordergrund. Hier passte ich den inzwischen wieder am Bahnhof angelangten KTM-5 104 auf seiner nächsten Fahrt zur Butļerova iela. Auch die Sonne spielte wieder halbwegs mit.


KTM-5 104 biegt hinter der Haltestelle Vienības iela am Ende selbiger in den Verlauf der 18. novembra iela ein, dem die Linie 1 für drei, die Linie 3 sogar für über fünf Kilometer folgen wird.


Um die Ecke herum kommt wenig später der KTM-5 108 zurück Richtung Bahnhof. Zunächst verläuft die Strecke an der Haltestelle Cietokšņa iela noch unterhalb der 18. novembra iela an einem kleinen Parallelsträßchen, bevor die Strecke hinter der nächsten Haltestelle auf die vierspurige 18. novembra iela einschwenkt.


An der nächsten Haltestelle Pilsētas poliklīnika folgt 71-911 018. Im Hintergrund ist die Rampe hinauf auf die 18. novembra iela zu sehen.

Nun machte ich aber mal von einer Mitfahrt Gebrauch, bis die Linie 2 an der Haltestelle Ventspils iela hinzustößt, denn die Strecke entlang der 18. novembra iela ist dann doch irgendwie maximal unfotogen. So übersprang ich die Haltestelle Baznīcu kalns und stieg erst an der Haltestelle Ventspils iela wieder aus. Blöd nur, dass die Linie 2 unmittelbar vor meiner Bahn in beide Richtungen abgefahren war- bei einem Halbstundentakt irgendwie nicht so toll. So hatte ich aber zu mindestens gleich gesehen, dass auch hier nur zwei Vierachser der ersten Niederflurgeneration liefen, womit ich die Linie ohnehin erstmal hinten anstellen konnte. Die Mitfahrt kostete mich übrigens 30 Cent, was mir etwas zu wenig vorkam. Und tatsächlich kosteten alle weiteren Fahrten dann auch 50 Cent. An der Rückwand einer Fahrerkabine wurde das Rätsel dann auch aufgelöst. Normalpreis sind 50 Cent pro Fahrt. Ermäßigt für alle möglichen Gruppen wie Studenten kostet die Mitfahrt 30 Cent. Etwas eigenartig mutet aber die zweite Ermäßigungsstufe an, die ich etwa Rentner und Schüler bezahlen sah: Ganze 5 Cent kostete diese Gruppe eine Mitfahrt. Großartiger Nebeneffekt: Die Schaffnerin kommt in den Besitz unzähliger 5 Cent-Stücke, die dann massenweise an jeden ausgegeben werden, der nicht passend bezahlt – Merke: Zahle immer passend oder flüchte so schnell es geht vor dem Wechselgeld 😀


Die Linie 2 stößt erst im Verlauf der 18. novembra iela an der Haltestelle Ventspils iela auf die Linien 1 und 3. Bis zum Abzweig der Linie 1 und 2 fahren dann alle drei Linien entlang der vierspurigen Straße parallel. Wagen 001 konnte ich noch soeben beim Abbiegen von der 18. novembra iela in die Ventspils iela Richtung Maizes kombināts aufnehmen.


Eine Haltestelle weiter entlang der 18. novembra iela kommt an der Haltestelle Jelgavas iela wiedermal KTM-5 104 entgegen.

Die Strecke entlang der Jelgavas iela ist wirklich nicht seht doll und geprägt von dichtem Auto- und LKW-Verkehr. Heute begegneten sich hier allerdings immer die beiden eingesetzten KTM-5 104 und 108, sodass unmittelbar nach der letzten Aufnahme von hinten der KTM-5 108 angerumpelt kam. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen – nichts wie rein da und bis zur Endschleife Butļerova iela am Depot mitgefahren.
Die Mitfahrt mit diesen Karren ist wirklich ein Erlebnis. Dass die Fahrzeuge das Baujahr 1990 verzeichnen, möchte man dabei kaum glauben. Sämtliche “moderne” Elektronik scheint mit Abwesenheit zu glänzen – ich wiederhole: Baujahr 1990(!). Statt eines leisen summen oder hochfrequenten sirren ist schon bei langsamer Fahrt das laute Heulen der Motoren zu vernehmen, das eher an Fahrzeuge aus den 50er Jahren erinnert und das laute Gerappel und Geschepper von Wagenkasten und Fahrgestellen zu übertönen versucht. Absolutes Highlight sind dann allerdings die für diesen Wagentyp so typischen Außenschiebetüren. Filigran ist an dieser Konstruktion nichts, eher wirkt es, als hätte ein Kleinkind sich im Lego-Kasten bedient: Die Türen laufen an einer am Wagendach angesetzten Führung, bis sie an einem Anschlag an der Seitenwand abrupt ihre Endlage erreichen. Bewegt wird das ganze über eine einfache rostige Kette – Technik vom Feinsten. Dagegen scheint der T3 von CKD und seine Unterbauarten aus ähnlicher Epoche, der in der Produktionsstückzahl dem KTM-5 und seinen Unterbauarten einzig Konkurrenz macht, nahezu filigran und technisch fortschrittlich…


Bis zur Endstation Butļerova iela bin ich mit dem KTM-5 gerumpelt. Die Schleifenfahrt und Pause findet auf dem Gelände des großen Betriebshofes statt, in dem noch zahlreiche Fahrzeuge auf arbeitsintensivere Zeiten oder die Verschrottung warten.

Nach einem kurzen Blick durch die Depoteinfahrt – das restliche Gelände ist durchgehend durch eine meterhohe Betonmauer nicht einsehbar – lief ich den Streckenast der Linien 1 und 2 bis zum Abzweig von der 18. novembra iela zurück und passte dabei besonders die beiden KTM-5 gezielt ab.


In der hintersten Ecke des Depots war die Betonmauer doch noch kurz unterbrochen und offenbarte diesem Blick auf den scheinbar nicht mehr ganz taufrischen Gelenkwagen 71-631 012. Die Gelenkwagen wurden abweichend zu den Vierachsern der ersten Generation im aus meiner Sicht deutlich ansprechenderen rot/weißen St. Petersburger Lackschema geliefert.


Eine Haltestelle stadteinwärts hält Wagen 001 an der Haltestelle Ciolkovska iela.


So gerade eben konnte der entgegenkommende Wagen hinter der Haltestelle Jātnieku iela hinter KTM-5 104 versteckt werden. Im Gegensatz zu der mittlerweile vollständig sanierten Innenstadtstrecke und Teilen der 18. novembra iela, ist der Gleisbau an den Außenästen der Linien 1 und 2 noch recht rustikal. Umgeben ist die Strecke hier von typischen Plattenbauten, die für die engen Taktung der Linie 1 sorgen.


Der Nachmittag entwickelte sich jetzt wirklich prächtig. Eine tolle Bewölkung gab immer im richtigen Moment den Blick für die Sonne frei, wie hier an der Haltestelle Kultūras pils mit Wagen 004.


Zwischen den Haltestellen 13. vidusskola und Kultūras pils kommt erneut KTM-5 108 entgegen. Ich beschloss, an dieser Ecke auch gleich auf die Rückfahrt zu warten.


Zunächst kam in Gegenrichtung noch Wagen 006 durch.


Nach einem Kurs der Linie 2 war dann auch schon der KTM-5 108 an der Reihe und biegt hier in Richtung der Haltestelle 13. vidusskola ab.

Mit dem KTM-5 104 fuhr ich anschließend nochmal zur Endschleife zurück, um an der dortigen Straße noch eine Türseitenansicht umzusetzen. Allerdings stand die Sonne noch genau in der Gleisache und auch der KTM-5 war wohl der Ausdünnung des Fahrtenangebotes zum Opfer gefallen. Also erstmal zurück in die Innenstadt und nach der dürftigen Versorgungslage über den bisherigen Tag etwas vollwertiges zu Essen suchen. Fündig wurde ich am großen Einkaufszentrum bei Čili Pizza. Dankenswerterweise war Bedienung und Küche hier sehr schnell mit der Pizza, sodass mir nicht allzu viel des kostbaren Nachmittages verloren ging, aber ohne diesen Imbiss hätte ich es nicht mehr weit gebracht…
Einen genauen Plan gab es jetzt nicht mehr, entscheidend würde hauptsächlich sein, wo die Sonne noch ausreichend die Strecke beleuchtet. Ein Anfang machte die Strecke zwischen Bahnhof und der Innenstadt.


Zurück aus der Platte wurde noch der Wagen mit Lizenz zum Töten an der Haltestelle Vienības nams mitgenommen 😉


Nach der Pizza passte auf der kurzen Strecke zwischen Bahnhof und Innenstadt der Sonnenstand. Nach zwei Fehlversuchen klappte es mit 005 als umgeleitete Linie 3. Wer genau darauf geachtet hat, dem ist schon aufgefallen, dass die Fahrzeuge der Baureihe 71-623-02 nicht einheitlich mit Stromabnehmern ausgerüstet sind. Einige Fahrzeuge haben sowohl einen Pantografen, als auch einen Stangenstromabnehmer, andere verfügen wahlweise über nur einen der beiden Stromabnehmer. 005 gehört zu den Wagen ohne Stange.


In der Kurve am Vienības laukums haben wir heute Mittag schon den KTM-5 108 gesehen. Jetzt am frühen Abend scheint die Sonne perfekt von außen und ermöglicht diesen Blick auf 016. Die neueste Niederflurserie verfügt einheitlich nur noch über Pantografen.


Auch an der Ecke 18. novembra iela / Vienības iela habe ich schon am frühen Nachmittag gestanden. Jetzt scheint die Abendsonne aber perfekt in die Allee neben der 18. novebra iela, die auf ihrem Damm zum späteren Überqueren der Daugava aber nicht weiter auffällt.

Da die KTM-5 auf der Hauptlinie 1 nun aufgrund der Taktausdünnung aus dem Verkehr gezogen schienen, wollte ich mich mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages einmal dem Ast der Linie 2 nach Maizes kombināts zuwenden. Am Abzweig Ventspils iela an der 18. novembra iela aus der Linie 1 ausgestiegen, war die 2 Richtung Maizes kombināts natürlich gerade wieder abgefahren. Also zu Fuß weiter. Schon ab dem Abzweig verläuft die Strecke bis zur Endschleife eingleisig mit mehreren Ausweichen. Ab der Haltestelle Jātnieku iela wird es dann sehr rustikal: Die Straße ist für einige Zeit nur noch eine Sandpiste und auch die Gleise liegen mehr oder weniger im “Dreck”. Auffällig aber: Wie entlang des gesamten Netzes, wurde die Oberleitung samt Fahrleitungsmasten bereits vollständig erneuert. Welche Art von Vetternwirtschaft allerdings hinter den Abständen der Fahrleitungsmasten steckt bleibt fraglich. Zwischen zwei Masten passt jeweils kaum ein vierachsiges Fahrzeug – da kannte wohl jemand jemanden, der Fahrleitungsmasten herstellt oder Fundamente gießt…
Unweit der Haltestelle Jātnieku iela kam mir dann jedenfalls wieder etwas entgegen. Die Sonne reichte gerade noch bis zu den Gleisen und versteckte sich auch nur halb hinter Wolken.


Wagen 008 passiert hinter der Haltestelle Jātnieku iela eine kleine Grünanlage. Der Abstand der neuen Fahrleitungsmasten ist dabei schon sehr auffällig – die Hälfte hätte es wohl auch getan… Beim Holzhaus im Hintergrund beginnt die rustikale Strecke auf unbefestigter Straße.

Ich durchschritt nun den etwas morbiden Abschnitt zwischen den Haltestellen Jātnieku iela und Aglonas iela. Die Strecke verläuft hier wie schon erwähnt eingleisig im Dreck. Die Straßen sind typische lettische Sandpisten, wie man sie auf dem Land überall abseits der Fernstraßen findet. Die Häuser sind mehrheitlich eingeschossige Holzbauten in unterschiedlichsten Erhaltungszuständen. Das Ganze gab doch einen etwas seltsamen Eindruck ab. Teilweise waren die Häuser gut in Schuss und die Grundstücke mit Mauern gesichert. Gleich daneben konnte aber auch eine völlig zerfallene Ruine stehen. An mancher Stelle standen durchaus repräsentative Wagen vor der Tür, vor der nächsten Baracke schlichen dann wieder etwas windig anmutende Gestalten herum. Im Dunkeln wäre mir hier allein vielleicht nicht ganz so wohl gewesen.
An der Haltestelle Aglonas iela verlässt die Strecke in einer 90-Grad-Kurve dieses Viertel wieder und erreicht eine längere zweigleisige Ausweiche. In die Kurve schien vor einem verlassenen Lebensmittelladen im Gegensatz zu dem morbiden Viertel noch die Sonne, sodass ich hier auf den nächsten Kurs wartete. Schade, dass das Wetter morgen schon wieder abschmieren sollte, aber diesen Streckenabschnitt würde ich mir trotzdem nochmal vornehmen.
So wartete ich dann an der Ecke und beobachtete das unergründliche Treiben einiger windiger Gestalten vor dem verlassenen Supermarkt. Zur Planzeit erwartete ich schon das charakteristische Summen und Singen eines russischen Niederflurers, doch als es anfing auf den Gleisen zu rumpeln, blieb das Summen weiterhin aus. Und so schob sich wenige Augenblicke später zu meiner großen Überraschung und nicht minderen Freude der KTM-5 104 um die Ecke zur Haltestelle Aglonas iela – das war ja mal ein krönender Abschluss des sonnigen Nachmittages! Irgendwie war der Wagen wohl nach seinem Abzug von der Linie 1 auf die Linie 2 gewechselt – schade, dass ich davon erst jetzt mitbekam, aber die unverhofften abendlichen Sonnenaufnahmen des KTM-5 sollten dafür mehr als entschädigen.


KTM-5 104 rumpelt durch die Ausweiche auf die Haltestelle Aglonas iela zu. Die Öffnungszeiten 8-22 des Partiva scheinen nicht mehr ganz aktuell…

Eine Mitfahrt im KTM-5 durch die Abendsonne konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Also schnell zur Haltestelle vorgelaufen und hinten aufgesprungen. Auf dieser eingleisigen Strecke entlang der Holzhäuser am Straßenrand, an Abzweigen teilweise auf die Gegenspur ausholend, war das nochmal besser, als zuvor auf der Linie 1.
An der Endschleife reichte die Pause, um schnell für ein Bild heraus zu springen und den Wagen anschließend zurück Richtung 18. novembra iela zu nehmen – eine halbe Stunde wollte ich dann doch nicht herumstehen hier draußen.


Auch von Innen sind die KTM-5 eher einfach gehalten. Die dicken Bezüge der Sitze lindern zum Glück die heftigen Schläge der rustikalen Federung etwas. Die Absperrbänder dienen noch als Corona-Distanzmaßnahme, wurden aber von Zeit zu Zeit auch ignoriert. Im Vordergrund längs angeordnet der Platz der Schaffnerin, die es im fast leeren Wagen allerdings bevorzugt, in Fahrtrichtung zu sitzen.


KTM-5 104 in der Endschleife Maizes kombināts am Rande eines Industriegebietes.

Schlussendlich fuhr ich mit dem Wagen noch bis zum Abzweig der Linien 1 und 2 von der 18. novembra iela an der Haltestelle Valkas iela. Dort nahm ich dann noch einen Wagen der Linie 3 auf, die hier noch für weitere zwei Kilometer der 18.novembra iela folgt. Die Sonne schmierte leider kurz vorher ab und ich nahm anschließend den Wagen der Linie 3 zurück in die Innenstadt.


Eingleisig folgt die Linie 3 hinter dem Abzweig der 1 und 2 noch weitere zwei Kilometer der 18. novembra iela. Hier eielt Wagen 002 die lange Gerade hinauf und trifft an der Haltestelle Valkas iela gleich auf die beiden anderen Linien.

Zurück in der Stadt ging es nun nochmal Čili Pizza, diesmal folgte ein Salat mit Pommes und Pilsbierhaltigem. So gestärkt, schlenderte ich anschließend noch ein wenig durch die langsam in Dunkelheit versinkende Stadt. Vor dem Theater war eine Leinwand aufgebaut, auf der ein Innen abgehaltenes Live-Konzert verfolgt werden konnte. Wie bereits erwähnt waren die Corona-Restriktionen hier noch deutlich strenger als bei uns in Deutschland und der Einlass in das Theater streng limitiert.


Auf dem Vienības laukums war neben dem Theater eine Leinwand aufgebaut worden, die ein Konzert aus dem Inneren auch den Draußengebliebenen nahebrachte.


Das Theater ist auch eher von pragmatischer Schönheit.


Die Svētā Pētera Ķēdēs an der Rīgas iela.

Nach diesem kleinen Bummel ging es dann doch langsam die Rīgas iela hinauf zurück zum Hotel am Bahnhof. Dort checkte ich noch “offiziell” ein und bezog ein schönes Einzelzimmer für sparsame 35 Euronen. Für morgen stehen dann bis zum frühen Nachmittag noch die beiden Äste der Linien 2 und 3 auf dem Plan, bevor es an einem Tag ganz ohne Sonnenstrahlen zurück nach Rīga geht.


Freitag, 27. August 2021 I: Die Waldstrecke von Daugavpils

Frühstück sollte es erst um 8 Uhr geben, sodass ich vorher schonmal zur Straßenbahn in der Endschleife am Bahnhof schaute. Schon als zweiter Kurs der Linie 1 kam auch wieder der KTM-5 104 angerumpelt. Ansonsten war, wie ich vergeblich vorsichtig gehofft hatte, auch zur morgendlichen HVZ fahrzeugseitig alles beim Alten geblieben. Der Auslauf entsprach nahezu 1:1 dem von gestern, außer das von der neuesten Fahrzeuggeneration nochmal ein Fahrzeug mehr unterwegs war. Da konnte ich beruhigt nichts zu verpassen, erstmal frühstücken. Selbiges überzeugte leider nicht wirklich. Was da so in den Warmhalteschalen herumdampfte, wirkte alles nicht wirklich appetitlich. So blieb es bei Cerealien, Joghurt und frischem Kaffee – reicht mir ja eigentlich auch zum Frühstück…

Anschließend checkte ich aus, ließ das Gepäck aber wieder an der Rezeption zurück und wandte mich erneut der Straßenbahn zu. Auf dem Programm stand für heute an erster Stelle der Besuch der “Waldstrecke” der Linie 3 nach Stropu ezers. Diese war erst unlängst über einen neuen Streckenabschnitt neu am Krankenhaus vorbei trassiert worden. Viel war vorher berichtet worden, die “Waldstrecke” sei damit Geschichte, was ich im weiteren Verlauf des Tages nicht ganz nachvollziehen konnte. Aber der Reihe nach. Zunächst schlenderte ich zum Vienības laukums herunter und nahm dabei noch einige Bahnen auf.


Der Stangenniederflurer mit Lizenz zum Töten zwischen den Haltestellen Alejas iela und Bahnhof.


Auch KTM-5 108 war wieder auf der Linie 1 unterwegs und verlässt die Haltestelle Vienības nams neben dem Theater.

Jetzt sprang ich aber erstmal auf den nächsten 3er zur Waldstrecke auf. Dabei erwischte ich mit 71-911 020 eines der neuesten Fahrzeuge. Einerseits bieten die Wagen natürlich den großen Vorteil, erstmals über vier niederflurige Einstiege und einen durchgehend barrierefreien Wagenboden zu verfügen. Andererseits wirkt das Ganze dann technisch auch nicht so ganz auf dem Stand westeuropäischen Fahrzeugbaus. Allein schon diese billigen nach innen drehenden Bustüren. Vor allem aber die Fahrgeräuschen geben teils Rätsel auf. So ertönt zum Ende der Bremsphase kurz vor dem Stillstand und in der Langsamfahrt ein infernales, hochfrequentes Sirren und Zischen. So richtig ist dieser Ton gar nicht zu beschreiben, jedenfalls findet das wirklich in einer Lautsärke statt, wie ich es bei noch keiner Elektronik eines Niederflurwagens erlebt habe. Gestern konnte ich diesen Lärm zunächst überhaupt nicht zuordnen, weil der Wagen noch hinter der nächsten Ecke war und auch als sich das Gerät um die Ecke schob, ordnete ich es zunächst nicht der Straßenbahn zu – die macht schließlich nicht solche Geräusche… Von Innen ist der Lärm allerdings deutlich weniger vernehmbar, sodass ich ihn der Elektronik auf dem Dach zuordnete. Die Mitfahrt in den Wagen selbst gestaltet sich jedenfalls durchaus komfortabel. Die Tatsache des durchgehend niederflurigen Durchgangs sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass bauartbedingt viele der Sitzplätze insbesondere im Bereich der Drehgestelle natürlich auf hohen Podesten angeordnet sind. Alles andere würde aber auch an ein konstruktives Wunder grenzen.

Mit ihrem 28-Minuten-Takt wird auch die Linie 3 nicht wirklich dicht befahren. Auch die Fahrzeit lässt durch den elendig langsamen Kreuzungsvorgang an der Haltestelle Komunālie kapi etwas zu wünschen übrig. Zumindest die Neubaustrecke vorbei am Krankenhaus scheint aber ihren Zweck zu erfüllen. Aus der Innenstadt bis zum Krankenhaus war der Wagen für einen Vormittag beachtlich gefüllt und leerte sich dort schlagartig. Der kleine Schwenk über dieses Zwischenziel könnte der Linie also durchaus die Existenz gerettet haben. Die Klagen unter Enthusiasten ob des Verlustes der alten “Waldstrecke” sind für mich derweil nur schwer nachvollziehbar, denn an der ehemaligen Haltestelle Pilsētas slimnīca schwenkt die Neubaustrecke schließlich wieder auf die alte rustikale Waldstrecke ein, die hier kaum anders aussieht, als auf der ehemaligen Geraden zwischen den Haltestellen Brāļu kapi und Pilsētas slimnīca. Auch die lauschige Endschleife inmitten von Nadelbäumen hat sich nicht verändert.


71-911 020 wendet in der Endschleife Stropu ezers der Waldstrecke. Die Endschleife ist nach dem großen See benannt, der sich nur wenige Meter hinter den Nadelbäumen hinter der Schleife befindet.


Zwischen der Endschleife und Pilsētas slimnīca sieht die Strecke im Grunde genauso aus, wie auf der “alten” Waldstrecke, die von hieraus geradeaus weiter bis zur 18. novembra iela verlief. Heute fahren die Bahnen einen Schlenker über das örtliche Großkrankenhaus. So ist Wagen 005 gerade von links von der Neubaustrecke auf die alte Trasse eingebogen.


Zahlreiche Fahrgäste warten bei der Rückfahrt von 005 in die Stadt bereits an der neuen Haltestelle am Krankenhaus. Die neue Strecke ist durchgehend auf Grüngleis angelegt. Ob das hier draußen so viel Sinn macht sie mal dahin gestellt – hat wahrscheinlich mit Förderrichtlinien zu tun. Jedenfalls war den ganzen Tag ein Trupp damit beschäftigt, die zahlreichen Grüngleisabschnitte der Neubaustrecke und der sanierten Abschnitte des Altnetzes mit Trimmern(!) zu mähen.

Inzwischen setze aus der seit heute Morgen schon grauen Suppe wechselnd stark bis mäßiger Regen ein – willkommen zurück beim Titel dieses Reiseberichtes. Den Sandpistenabschnitt an der Linie 2 von gestern Abend wollte ich trotzdem noch einmal fotografisch festhalten. Mit der Linie 3 ging es also zurück bis zu Haltestelle Ventspils iela und von dort dann abermals zu Fuß bis in das morbide Stadtviertel. Auf der Linie 1 hatte ich zwischenzeitlich mit Wagen 101 einen dritten KTM-5 ausgemacht, auf der 2 liefen heute aber wieder zwei Niederflurwagen der ersten Generation. So am Tage war das Warten in diesem Stadtviertel schon fast lauschig, aber auch heute geisterten einige zwielichtige Vögel umher, bis 71-623-02 004 vorbeigesummt kam.


71-623-02 004 auf der Linie 2 zwischen den Haltestellen Aglonas iela und Jātnieku iela.


In die Gegenrichtung folgt nach weiteren zehn Minuten warten 71-623-02 002. Abgesehen von der neuen Fahrleitung ist die Strecke hier noch sehr rustikal.


Auf dem Rückweg zur 18. novembra iela passte ich 002 noch bei der Rückfahrt zwischen den Haltestelle Arodu iela und Ventspils iela.

Nach dem tollen gestrigen Tag hatte ich nun aber genug vom Daugavpilser Dauerregen. Zurück in der Stadt genehmigte ich mir in meinem zwischenzeitlich zum Stammkaffee avancierten “Šokoladņa” in der Rīgas iela während einer kurzen Regenpause noch einen Kaffee mit Stückchen und buchte mich währenddessen noch in den Nachmittagszug mit Abfahrt 13:07 nach Rīga ein. Zum Abschied wurde mir noch eine Aufnahme des KTM-5 108 “zugelaufen”. Dann eben nochmal den “Stangenniederflurer” 007, bevor ich die Rīgas iela hinauf zum Bahnhof schlenderte, meinen Koffer auslöste und mir einen Platz im Dieselbrummer nach Rīga suchte.


Zum Abschied gibt es nochmal 007 an der Haltestelle Vienības nams.

Von der Rückfahrt und 1 1/2 weiteren Regentagen in der Hauptstadt dann aber im nächsten Teil mehr.

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