Heute steht ein weitgehend planloser Zwischentag ohne Rad an. Verbringen wollte ich diesen mit etwas Herumhängen an der Dampfbahn Furka Bergstrecke auf Seite Oberwald und an dem immer wieder schönen Stück der MGB zwischen Hospental und Realp.
Freitag, 27. Juni 2025
Gut erholt von der eh nicht sonderlich anstrengenden, gestrigen Etappe, verließ ich gegen acht das Hotel. Frühstück war hier nicht inkludiert, also verzichtete ich wie immer darauf und fuhr direkt los an die erste Stelle für heute, das “Drone only”-Viadukt unterhalb Lax. Nachdem das muntere Fluggerät bislang den ganzen Urlaub auf irgendwelchen Parkplätzen im Kofferraum verbracht hatte, sollte es heute etwas Flugstunden bekommen. Überhaupt mit der erste “ernsthafte” Einsatz, seit ich mir das Gerät Anfang des Jahres zugelegt hatte. Entsprechend waren teilweise auch noch die Ergebnisse. Sowohl das richtige Auge für das Motiv, als auch das Fliegen selbst brauchen eben schon ein wenig Übung, damit hinterher irgendwas mit Mehrwert bei rauskommt. Ich stellte das Auto in Lax auf den Bahnhofsparkplatz und lief Richtung Südwesten aus dem Ort hinaus bis auf Höhe des Viaduktes. Der erste Versuch hatte einen leicht unpassenden Auslösezeitpunkt, es wäre aber auch ein Kunststück gewesen, den einzeln Richtung Visp fahrenden Orion genau in dem kleinen Spot auf der Brücke zu platzieren. Ich hoffte also auf einen längeren Zug in Gegenrichtung. Blöd nur, war der dann zu lang, bzw. ich hatte mich beim Motiv massiv verschätzt. Blieb es also doch beim Orion, denn die DFB drückte nun doch langsam.
Traut sich eigentlich niemand, diese Fehlversuche zu zeigen, oder können das Timing alle anderen von Anfang an perfekt? Das Problem ist in diversen Foren jedenfalls hinlänglich bekannt. Wie es sich technisch erklärt, ist mir ein Rätsel, denn die ganzen Steuerbefehle laufen quasi in Echtzeit, warum dann nicht das Foto-Auslösen? Etwas besser wird es bei mir mit Vorfokussieren und dem Reduzieren auf 12MP (mehr gibt die Optik ohnehin nicht her, die 45MP sind eher ein Marketing-Gag). Eine halbe Sekunde Verzögerung bleibt gefühlt trotzdem noch. Die Serienbildfunktion ist derweil vollkommen nutzlos, die macht gefühlt fünf Bilder innerhalb einer hundertstel Sekunde und das Intervall lässt sich nicht verändern. Wer hat sich das denn ausgedacht? Steuerungsseitig sind die DJI-Drohnen wirklich absolut ausgereift und ziemlich genial. Sowohl was das HMI-Interface angeht, als auch alles, was die Sensorik und Software selbst tut – und das ist eine ganze Menge. Es braucht inzwischen im Grunde schon Vorsatz, die Teile irgendwie zu versenken. Aber bei der ganzen, zu sehr “androidisierten” Foto- und Videosteuerung, ist doch noch einiges an Potenzial, wo sich “normale” Kameras einfach extrem zuverlässig, intuitiv und schnell bedienen lassen.

Die unerklärliche Auslöseverzögerung der DJI-Drohnen, von ungefähr einer halben Sekunde, erfordert viel Übung beim genauen Platzieren der Fahrzeuge im Motiv. Ein so kurzer Spot wie am Viadukt südlich Lax ist da natürlich denkbar schlecht zum Üben. Ein Orion ist hier Richtung Visp unterwegs und ich löste erheblich zu früh aus.
Wie fast jedes Jahr, wurde der Fahrplan der DFB auch zur vor einer Woche gestarteten Saison 2025 erneut etwas geändert. Für den heutigen Freitag bedeutete das eine durchgehende Dieselfahrt von Realp bis Oberwald mit Ankunft 10.45, anschließend von 11.45 bis 12.05 nach Gletsch. Von Oberwald würde vorher der Dampfzug Richtung Realp abfahren mit Fahrzeit 10.50 bis 13.05, ein zweiter von 13.50 bis 16.15. In Gegenrichtung laufen die zwei Züge von 10.20 bis 12.35, sowie von 14.20 bis 16.35. Wer genau aufgepasst hat vermisst jetzt die Rückfahrt des Dieselzuges. Der huscht im waldbrandgefährdeten Bereich – vermutlich zwischen Gletsch und Oberwald – als Löschzug durch die Gegend. Am Abend geht der dann wahrscheinlich als Betriebsfahrt nach Realp zurück.
Ich gondelte nun also einmal das ganze Obergoms hinauf, besorgte ein Frühstück am Coop in Münster und ließ das Auto in Oberwald am Ortsparkplatz stehen. Den Gommer Höhenweg am Ortsrand lief ich bis zur Kreuzung mit der DFB hinauf und richtete mich dort für die nächste Stunde mit meinem Frühstück auf der Bank ein. Überraschend kam ein Mountainbiker-Pärchen vorbei und wollte angesichts der schweren Befahrbarkeit wissen, ob der Weg wieder besser würde. Ich konnte auch nur meine Ahnungslosigkeit eingestehen, kommt ja auch immer auf das eigene Material und die Fahrkünste an. Grundsätzlich erlaubt ist es in der Schweiz ja überall, solange es nicht ausdrücklich verboten ist, was dieses Land zur Mountainbike-Destination Nummer 1 in den Alpen macht. Jedenfalls schlugen die sich weiter den Berg hinauf. Bald kam dann mit leichter Verspätung auch der Dieselzug hinabgerollt und die Drohne stand ein erstes Mal in der Luft.

HGm 4/4 62 kommt mit dem Wander-Express, der zu deutlich reduzierten Preisen genutzt werden kann, aus Realp und erreicht gleich den Endpunkt in Oberwald. Mir als nicht sonderlich Dampflokaffinen, wäre ja ehrlich gesagt ein Stundentakt mit solchen Zügen lieber, als zwei Dampfzüge am Tag. Aber das ist natürlich ein ganz anderes und wahrscheinlich deutlich schlechter laufendes Konzept. Über dem zweiten Wagen ist die Bank zu sehen, auf der ich die gute Stunde an dieser Stelle verweilte.

Kurz nach der Einfahrt des Dieselzuges startete schon der Dampfzug in Gegenrichtung, gezogen von der altbekannten HG 3/4 9.

Einige Meter weiter Richtung Gletsch behält die Drohne den Überblick.

Die HGm 4/4 62 hat sich in Oberwald schnell den Löschwagen geschnappt und folgt dem Dampfzug mit einer Minute Abstand.

Zwischenzeitlich war HGm 4/4 62 wieder hinab nach Oberwald gerollt und hatte sich ihren Wander-Express geschnappt, mit dem es eine Dreiviertelstunde hinter dem Dampfzug bis Gletsch geht. Das Goms schob sich derweil schon ordentlich mit einem gräuslich hellen Wolkensiff zu.

Auch dem Wander-Express lauerte noch einmal der Quadrocopter auf.
Ich brach meine Zelte hier anschließend ab und lief zurück zum Auto. Den ersten Dampfzug Richtung Oberwald wollte ich in der Schlucht unterhalb Gletsch mit der Drohne abfangen. Klappte nur so mäßig, von meinem Standpunkt aus war das Funksignal beim tiefergehend allzu schnell verschattet, zum Positionswechsel blieb keine Zeit mehr. Man lernt eben noch… Dafür kam wenigstens mal die HG 4/4 704. Die beiden Maschinen dieses Typs fehlten mir hier noch.

Notschuss mit der Drohne auf den Dampfzug Richtung Oberwald in der Schlucht unterhalb Gletsch.
Ein Blick in den Bahnhof Oberwald hatte eben etwas Ungewöhnliches erkennen lassen: Eine vierteilige Pullmann-Garnitur. Ich erinnerte mich, dass es doch schon seit vielen Jahren ein oder zweimal im Jahr den sogenannten “Swiss Alps Classic Express” gibt. 2016 hatten wir den hier im Goms sogar mal fotografiert. Ob der jetzt überführt wurde oder mit Fahrgästen unterwegs war, wusste ich zwar nicht, aber man könnte ja mal schauen. Ich fuhr nochmal zurück nach Oberwald, wo der Zug mit der HGe 4/4 36 Richtung Zermatt noch immer im Bahnhof stand und beschloss, dem ein Stück voraus zu fahren. Die Wahl fiel noch einmal auf mein vorgestern entdecktes Flussmotiv zwischen Biel und Blitzingen. Ich rollte das kurze Stück aus dem Ort schnell mit dem Rad runter. Am Ende ließ sich der Zug dann aber doch noch etwas Zeit und ging letztlich auch ziemlich im Siff durch. Naja, kann man mitnehmen.

HGe 4/4 I 36 mit der Pullman-Garnitur zwischen Biel und Blitzingen.
Auf der Suche nach Sonne beschloss ich, jetzt bereits am Nachmittag über den Furka zu fahren und zu schauen, ob es auf der anderen Seite besser ist. Von oben wollte ich nochmal die Drohne ins Tal zur DFB schicken, irgendwie verflog ich mich aber arg und aus der Aufnahme wurde nichts.
Richtung Andermatt war es dann tatsächlich wunderbar locker bewölkt, anstelle dieser grellen Suppe im Goms. Aus einer Laune heraus beschloss ich, den restlichen Tag einfach mit dem Rad ein wenig zwischen Andermatt und Realp umherzugurken. Ich ließ das Auto am bekannten “Viadukt-Blick-Parkplatz” oberhalb Hospental stehen, radelte für einen Einkauf nach Andermatt hinab und anschließend im Laufe des weiteren Nachmittages die Strecke bis kurz vor Realp hinauf.

Der klassische Straßenblick auf das Viadukt bei Hospental direkt vom Parkplatz mit Blick Richtung Andermatt und Oberalppass. Die Kometen-Garnitur passt perfekt von der Länge. Der zweiteilige Niederflursteuerwagen hat bereits das neue Design mit roter Frontpartie.

Eine gute Stunde später bin ich mit dem Rad vom Einkauf aus Andermatt zurück und auf die andere Seite der Strecke oberhalb Hospental gewechselt. Deh 4/4 II 95 schiebt einen Regio Richtung Furka, der Gegenzug steht noch im Bahnhof Hospental.

Der Blick zur Seite zeigt denselben Zug unterhalb der Stützmauer der Straße Richtung Furka, darüber der Beginn des Gotthardpasses.

Die lange Gerade an der Straße kurz vor Realp durchfährt man normalerweise ohne einen weiteren Blick. Vom Trail auf der anderen Seite des Flusses bekommt man aber eine andere Ansucht und eine Brücke hinüber zur Straße erlaubt zumindest ein Motiv mit etwas weniger prominentem Asphalt. Da der späte Glacier Richtung Zermatt mit HGe 4/4 II 4 sowieso gerade an stand und die Sonne sich blicken ließ, drückte ich hier mal auf den Auslöser.

Weiter auf der Nordseite der Reuss auf einem schmalen Trail bleibend, entdeckte ich noch dieses mir noch unbekannte Motiv. Gemütlich setzte ich mich auf einen der Felsen, hörte Podcast und sah zu, wie sich bei jeder Zugdurchfahrt zuverlässig die Wolkenkante über mir ein Stück Richtung Motiv schob und alles verdunkelte. Es sollte nicht sein. Ohne Erfolg im fotografischen Sinne, aber nach einem super entspannten Nachmittag, radelte ich bald zurück Richtung Hospental.

Ein bisschen was gab es während der gemütlichen Siesta doch zu fotografieren: iPhone sagt ein Spinnweb Hauswurz.

Völlig unerwartet tat es sich kurz vor Hospental doch noch einmal auf. Für Sekunden zumindest und genau in diesen Sekunden kam der nächste Regio Richtung Furka mit Deh 4/4 II 92 hinten über das Viadukt gerollt. Rad hingeschmissen, Kamera herausgerissen, abgedrückt. Drive-By-Shooting nennt sich das, wenn ich mich nicht irre 😉
Um 19 Uhr war ich zurück am Auto. Während der Siesta hatte ich mir ein Zimmer in der Arena Lodge in Flims gesichert. Großes Einzelzimmer mit eigenem Bad, ohne Frühstück für 84 CHF: check! So konnte ich dann heute Abend auch noch ein ganzes Stück Strecke auf dem Weg nach Arosa abreißen. Und die Strecke über Oberalp und das Rheintal hinunter fährt sich am Abend auch einfach wunderbar angenehm. Das ist Cruisen vom Feinsten. Dachte sich wohl auch eine Rallye-Ausfahrt. Ich hatte mich schon gewundert, was all die Fotografen dort am Oberalp trieben, zumal die MGB auf dieser Strecke den Betrieb so früh einstellt, dass da jetzt nichts mehr kommen würde. Die Menschen schienen sich auch eindeutig mehr Richtung Straße zu orientieren. So kamen mir dann von der Passhöhe hinab bis nach Disentis hinein immer wieder tolle Fahrzeuge verschiedenster Couleur entgegen. Vom modernen Supersportwagen über klassische 911er, bis zu Rallye-Fahrzeugen aus den 80ern und älter. Am Straßenrand in den Orten immer wieder kleinen Menschengruppen, die sich das teils lautstarke Spektakel nicht entgehen lassen wollten und den Piloten zujubelten.
Im Rheintal wurde es dann ruhig und rollte ganz entspannt bei etwas Musik das Tal hinab. Noch den kleinen Anstieg hinauf nach Flims genommen, dann erreichte ich gegen 21 Uhr meine Unterkunft. Das zwischenzeitlich noch am Bahnhofs-Avec neben einem Kaffee für die Fahrt erworbene Abendessen wurde vertilgt, dann hieß es bald Schlaf tanken für den letzten Tag dieser Reise zwischen Peist und Arosa. Dann, nach fotografisch zwei eher schmalen Tagen, auch nochmal mit einigen echten Motiv-Highlights. Eine Etappenstatistik gibt es heute nicht. Das bisschen hin und her rollen rund um Hospental zählt nicht.
