Durch Rumäniens Osten VII: Drei Tage mit der Straßenbahn durch Bukarest

Die letzten drei Tage unserer Reise durch den Osten Rumäniens bleiben nun für den großen Hauptstadtbetrieb von Bukarest. Im Gegensatz zu allen anderen Betrieben Rumäniens, stehen hier keinerlei Gebrauchtwagen im Liniendienst, sondern zahlreiche Fahrzeuge aus rumänischer Produktion.

Donnerstag, 7. Mai 2015: Bukarest die Erste

Gestern Abend waren wir in unserem Domizil unweit des Gara de Nord angekommen. Nun lagen drei Tage in der rumänischen Hauptstadt vor uns. Da es mehr oder weniger drei Tage lang ohne großen Plan kreuz und quer durch die Hauptstadt ging und auch immer wieder die kulturellen Highlights der Stadt angesehen wurden, werde ich diesen letzten Teil der Reise noch mehr als sonst die Bilder sprechen lassen und gelegentlich ein paar Worte einstreuen.


Zu Beginn aber noch ein paar Infos über den Betrieb. Auf dem rund 140 Kilometer langen Netz werden diverse Fahrzeugtypen eingesetzt:

Zu den ältesten Fahrzeugen gehören die Tatra T4R von CKD, welche zwischen 1973 und 1975 geliefert wurden. Ursprünglich wurden 131 Triebwagen für Bukarest gebaut. Eingesetzt werden die Tatras sowohl Solo, als auch in Doppeltraktion.

Ab 1973 fertigte Bukarest dann seine eigenen Fahrzeuge. Bis 1983 entstanden über 350 achtachsige, als V3A bezeichnete Fahrzeuge. Von der sechsachsigen Variante V2A entstanden weniger als 50 Fahrzeuge, von denen heute keine mehr im Einsatz stehen. Interessant an den V3A und V2A ist, das sie ursprünglich von einem von LHB gelieferten Fahrzeug, welches in weiten Teilen der 69er Baureihe der Braunschweiger Straßenbahn entsprach, abgekupfert wurden. LHB hatte ursprünglich mit der Intension einer Lizensvergabe, einen Vorführwagen nach Bukarest geliefert. Dort kümmerte man sich jedoch weniger um Lizens- und Patentfragen und baute den Wagen ohne jeglichen Lizensvertrag in weiten Teilen nach. Verändert wurden zur kostengünstigen Produktion jedoch diverse Rundungen von Scheiben und Wagenkasten.
Bis heute ist der V3A das dominierende Fahrzeug auf den Gleisen der Hauptstadt und bis ins Jahr 2006 wurden immer wieder weiterentwickelte Ableger und Neuaufbauten in Bukarest in Dienst gestellt. Aufgrund der schlechten Substanz der rumänischen Eigenbauten, werden die Fahrzeuge seit ihrer Produktion praktisch laufend modenisiert und rekonstruiert, sodass sich kein Fahrzeug mehr annähernd im Originalzustand im Einsatz befindet. Die V3A gibt es heute sowohl als Einrichter, als auch als Zweirichtungswagen.

Von den ursprünglichen V2A befinden sich heute keine mehr im Einsatz. Auf Basis von Tatra T4R wurden allerdings elf als V2A-T bezeichnete sechsachsige Neuaufbauten in einer auffälligen blauen Lackierung in Dienst gestellt, welche ausschließlich auf der Linie 5 vom Depot Militari aus eingesetzt werden.

Ein Meilenstein waren im Jahr 2006 die aus V3A neu aufgebauten Achtachser. Mit einem abgesenkten Mittelteil konnten diese Achtachser erstmals einen Niederflureinstieg anbieten.

In den Jahren 2007 und 2014 wurden schließlich von der eigenen Hauptwerkstätte mit dem „Bucur Low Floor“ in zwei Serien erstmals moderne Fahrzeuge mit nennenswertem Niederfluranteil gefertigt, welche lediglich auf der fast vollständig modernisierten Schnelllinie 1 zum Einsatz kommen.

Soviel zum groben Fahrzeugpark in Bukarest, die diversen Unterbauarten habe ich hier mal bewusst ausgelassen, habe ich doch selbst keinen genauen Überblick über die äußerlichen und technischen Unterschiede…
Stattdessen wollen wir uns jetzt auf die Fahrt durch die Hauptstadt machen.

Am ersten Morgen war das Wetter noch recht unfreundlich und nass. Dies sollte sich allerdings nach dem Erwerb eines Wochentickets am Gara de Nord schnell ändern.


Bukarest begrüßte uns am ersten Morgen mit recht unfreundlichem Wetter. So blieb beim Kauf der Wochenkarte am Gara de Nord auch Zeit für ein Bild des Trolleybusses.


Eine zehnspurige Straße mitten durch die Stadt? Vieleicht noch einen Zebrastreifen quer rüber? Und was sind eigentlich Abbiegerstreifen und die Bedeutung durchgezogener Linien? Alles Alltäglichkeiten in der rumänischen Hauptstadt, die das Verkehrsgeschehen in dieser Stadt aus meiner Sicht zu einem der wildesten in Europa machen. Und wo das ausgedehnte Straßenbahnnetz von Bukarest nicht über einen vom Autoverkehr unüberwindbar getrennten Bahnkörper verfügt, mischen die hunderten von Straßenbahnen munter in diesem Chaos mit. Auf dem Bulevardul Iancu de Hunedoara ist einer der unzähligen V3A-Triebwagen soeben aus einer Kreuzungsunterführung aufgetaucht und erreicht in Kürze die Haltestelle Pasaj Victoria.


Vor dem Depoul Victoria, konnte wie in nahezu allen Betriebshöfen einer der zu Arbeitswagen umgebauten Münchner M-Wagen angetroffen werden. Ein Betreten der Betriebshöfe ist hier beim großen Hauptstadtbetrieb allerdings verständlicherweise nicht ohne weiteres möglich, sondern würde wohl wenn überhaupt einer rechtzeitigen Anmeldung bedürfen…


Aber auch vom Tor aus ließ sich ein Bild des Betriebshofidylls mit 2535 machen.


Durchaus schaurige Ecken hat das Hauptstadtnetz zu bieten, wie hier an der Haltestelle „Calea Giulesti“ mit V3A 313.

Im März 1977 wurde Bukarest von einem starken Erdbeben erschüttert, das große Teile der alten Bausubstanz beschädigte oder zertörte. Der rumänische Machthaber Nicolae Ceaușescu nutze die Baufälligkeit der Innenstadt, um sie großflächig nach seinen kolossalen Plänen einer administrativen Innenstadt umzugestalten. Der Bulevardul Unirii wurde daraufhin unter Ceaușescu einmal quer durch’s Zentrum gepflügt und führt direkt auf den gigantischen Parlamentspalast zu, dessen Fertigstellung Ceaușescu nicht mehr erlebte. Bis heute sind weite Teile des gigantischen Komplexes ungenutzt und von Innen teilweise garnicht ausgebaut. Mit einer Grundfläche von 65.000 Quadratmetern und einer bebauten Fläche von 365.000 Quadratmetern, ist der heutige Parlamentspalast nach dem Pentagon das größte Verwaltungsgebäude der Welt.
Abseits des Bulevard haben es immer wieder einzelne historische Gebäude geschafft, die Bau- und Zerstörungswut zu Zeiten Ceaușescu’s zu überleben oder wurden später wieder aufgebaut. So ergibt sich vielerorts ein recht gewöhnungsbedürftiges Stadtbild, wenn mitten zwischen riesigen Wohntrümmern und kolossalen Machtbauten, plötzlich ein Tempel oder eine Basilika aus einem ganz anderen Jahrhundert steht, oder der prächtige Bau der Universitätsbibliotek sich stolz seinen Platz im Stadtbild sucht.
Auch die übrige Stadt ist geprägt von einem wilden Mix der Baustile. Gigantische sowjetische Plattensiedlungen mit großen Bulevards und dreispurigen Kreisverkehren an den rechtwinkligen Schnittpunkten, wechseln sich mit alten gewachsenen Stadtvierteln mit krummen Gassen, kleinen Einfamilienhäusern, viel Grün und vereinzelten Villen im Dornröschenschlaf ab. In Bukarest hat sich damit über die Zeit ein ganz eigenes und einmaliges Stadtbild entwickelt und ob es einem nun gefallen mag oder nicht, es ist in jedem Fall sehr interessant und abwechslungsreich.


Der rücksichtslose Bau des Bulevardul Unirii unter Ceaușescu und neue Trolleybuslinien haben viele Straßenbahnlinien in der Innenstadt gekappt, sodass sie im Bereich der Innenstadt rechts und links des Bulevard wenden, wie hier am Piata Unirii.


Vom Piata Unirii ist der Parlamentspalast nicht mehr weit. Aus rund einem Kilometer Entfernung werden die gigantischen Dimensionen des Palastes bereits deutlich.


Die Frontfläche bildet lediglich eine Seite der fast quadratischen Grundfläche des Gebäudes.


Weiter geht es durch die Häuserschluchten. So wie hier an der Linie 32 mit Wagen 4045 sieht es in weiten Teilen der Stadt entlang der großen Bulevards aus.


Gebaut wird in der Hauptstadt wo und wie man will und so ergibt sich abgesehen von den unzähligen Häuserschluchten mit den allgegenwärtigen sowjetischen Plattenbauten, nirgends ein einheitliches Stadtbild. So auch am „Piata Eroii Revolutiei“, welcher hier von T4R 3338 und 3351 passiert wird.


In Gegenrichtung ist eine T4R Traktion mit 3350 an der Spitze unterwegs.


Noch ein typisches Bukarest-Bild gefällig? Bitteschön: V3A 174 mitten auf einer gigantischen, im Autoverkehr erstickenden Kreuzung, zwischen den schaurigen Ceaușescu-Bunkern.


An der Endschleife „RATB Titan“ hat die grausige Bebauung endlich ein Ende und sogar ein wenig Grün umgibt V3A 314 vor seiner erneuten Fahrt in die Häuserwüste.


Auch im Depoul Titan sind Reste der Münchner zu erkennen.


Zurück in der Innenstadt wurde die Endschleife „Piata Sf. Vineri“ der Linien 14, 40 und 55 angefahren. Die Schleife liegt unmittelbar nördlich des Bulevardul Unirii und nicht weit von der Schleife entfernt hat die größte Synagoge des Landes, der Choral-Tempel, die letzten 150 Jahre ständiger Veränderung in der Hauptstadt überdauert.


Ebenfalls nördlich des Bulevardul Unirii liegt die Endschleife „Piata Sf. Gheorghe“, welche die gleichnamige Basilika aus der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts umfährt.


Die Endschleife „Piata Sf. Gheorghe“ gibt einen kleinen Eindruck vom anderen Gesicht Bukarests, wie es einst vor dem Sozialismus in weiten Teilen der Stadt ausgesehen haben mag. Nur wenige derart „lauschige“ Ecken werden im Zentrum von der Straßenbahn noch heute befahren. V3A 148 macht hier als Linie 21 seine Pause.


Hier trafen wir auch erstmals die zu Zweirichtern umgebaute Variante der V3A an. Die Linie 5 lief baustellenbedingt vollständig mit Zweirichtern. Hier begegnet uns unweit der Haltestelle „Bulevardul Carol I“ der V3A 4042.

Viele Eindrücke hatten wir an diesem ersten Tag in Bukarest bereits auf uns einwirken lassen und waren am Abend froh, in unserem Apartment dem Großstadtlärm für einige Stunden zu entkommen. Auszuhalten ist diese Stadt wirklich nur, wenn man sich zwischen dem Fotografieren der Straßenbahn mitten im Verkehrschaos, Lärm und Gestank, auch immer wieder ausreichend Zeit nimmt, um gemütlich irgendwo etwas abseits einen Kaffee zu trinken, ein Stück Kuchen zu essen und einfach für einige Minuten abzuschalten und zu entspannen. Da wir diese goldene Großstadtregel heute recht gut befolgt hatten, konnten wir am Abend zufrieden mit dem Tag den Blick aus unserem Fenster über die Stadt schweifen lassen.


Abendstimmung am großen Kreisverkehr bei der Haltestelle „Bucur Obor“ mit V3A 353 und 302.


In Gegenrichtung hat sich V3A 361 ohne jegliche Hilfe durch Ampeln oder Warnleuchten über den Kreisverkehr gekämpft. Die zahlreichen Blessuren der Fahrzeuge in Bukarest verraten, dass dies nicht immer derart unbeschadet vonstatten geht.


Blick aus dem Fenster unseres Apartments in Norden der Stadt.


Donnerstag, 7. Mai 2015: Bukarest die Zweite

Neuer Tag neues Wetter und so viel der Blick zunächst mal aus dem Fenster und verkündete frohe Botschaft: Das sah mal nicht schlecht aus. Also wurde das ausgezeichnete Frühstück auf der Dachterasse des „Resorts“ eingenommen, wo man auch sogleich wieder den gigantischen Parlamentspalast „bestaunen“ konnte. So werden die Dimensionen erst richtig deutlich, wenn sich der Palast über den Dächern der Stadt auftürmt…


Da hatten wir aber schon deutlich schlechtere Aussicht beim Frühtück. Wenn da mal nicht jemand irgendwann noch ein höheres Gebäude zwischen betoniert…


Der Blick schweift hinüber zur neuen Überquerung des Nordbahnhofes. Die große Halle auf der Brücke ist die Straßenbahnhaltestelle, die wir uns gleich heute morgen mal etwas genauer ansehen wollen.


Unser „Resorts“ ist ein Sinnbild für das Bukarester Stadtbild – es passt einfach garnichts zusammen. Mitten zwischen dubiosen Hinterhöfen und abgewrackten Industriehallen, steht plötzlich diese gigantische moderne Residenz.


In der modernen und fasst schon „durchdesignten“ Umgebung der neuen Bahnhofsbrücke aus dem Jahr 2011, wirkt der schrapelige V3A 353 völlig fehl am Platz…


Da passt ein Vertreter der neusten Fahrzeuggeneration schon viel besser. Der Wagen 401 trägt als erster der Niederflurserie eine abweichende Lackierung.


Unter der großen Brücke hindurch verläuft die eher unbedeutende Linie 44, welche von Solo Tatras, hier T4R 3400, bedient wird.


Auf der Schnelllinie 1, die uns nun schon häufiger über den Weg gelaufen ist, verkehren alle Bucur Low Floor Trams. Hier Wagen 402 im normalen Erscheinungsbild der Serie auf Talfahrt in die Unterführung unter dem „Piata Victoriei“.


Auf dem „Piata Victoriei“ über der Unterführung fahren die Linien 24 und 46. Da uns hier auf der 24 einige V3A-Zweirichter und V3A-Einrichter mit abweichender Front auffielen, folgten wir der Linie zur Endstation „Cartier Damaroaia“. V3A-Zweirichter 034 pausiert an der Endstation.


Recht beschaulich ist die Linie hier im nördlichen Außenbezirk der Stadt und geprägt von den typischen kleinen rumänischen Einfamilienhäusern und üppigen Laubbäumen rechts und links der Straße. In wenigen Metern wird sich das Bild allerdings radikal ändern, wenn die Strecke wieder auf eine der großen Einfallsachsen in die Stadt einbiegen wird, den
„Bulevardul Bucureștii Noi“. Hier zu sehen ist einer der V3A-Einrichter mit der moderneren(?) Frontpartie.

Weiter geht die wilde Fahrt durch Bukarest. Unser nächstes Ziel war der äußerste Westen der Stadt mit dem Depou Militari, in dem die neuaufgebauten, blauen Sechsachser beheimatet sind. Leider war gerade mal ein Fahrzeuge auf der Linie 8 im Einsatz, sodass lediglich eine Fahrzeugaufnahme entstand. Dafür liefen hier auch zahlreiche T4R Solo und in Traktion.


T4R 3311 wartet an der Endstation „Depou Militari“.


Die große Schleifenanlage am Ghencea liegt im gleichnamigen westlichen Stadteil. Hier enden die Linien 41 und 47. Auf ersterer kommen vermehrt die Neuaufbauten mit Niederflurmittelteil zum Einsatz.


Aus Ghencea ging’s erstmal wieder Richtung Stadtzentrum um noch ein paar der „Museumsinseln“ anzuschauen. Erste Station war der Piața Sfântul Anton nördlich des Piata Unirii. Hier steht die „Biserica Buna Vestire“, welche von 1545 bis 1554 errichtet wurde und damit die älteste Kirche in Bukarest ist. Das Gesamtensensemble mit dem schräg dahinter verfallenden Geschossbau, mutet mal wieder ein wenig kurios an – typisch Bukarest eben…
Diese Örtlichkeit etwas abseits des tosenden Autoverkehrs, war dann auch mal wieder genau der richtige Platz für einen Kaffee mit einem außerordentlich leckeren Stück Käsekuchen.


Noch schräger ist derweil das Ensemble an der „Biserica Zlătari“, welche nur noch zur Straße hin frei steht und ansonsten vollständig von Plattenbauten umzingelt und überragt wird. Einst war diese Kirche wohl ein gut sichtbares, stolzes Gebäude, heute wirkt sie irgendewie in die Enge getrieben…
Während Ceaușescu’s „Umgestaltungwahn“ drohte vielen Kirchen im innerstädtischen Bereich rund um den heutigen Bulevardul Unirii und Parlamentspalast der Abriss. Engagierten Bürgern war es zu verdanken, das viele der Kirchen gerettet wurden, indem sie auf Schienensystemen mit Seilwinden kurzerhand um teils hunderte Meter versetzt wurde. Das sozialistische Regime tolerierte diese Umsiedlungen zwar, veranlasste allerdings, dass die Kirchen in Hinterhöfen zwischen Plattenbauten verschwanden, um sie bestmöglich im öffentlichen Straßenbild zu verstecken. Insgesamt sieben Kirchen wurden so in Bukarest verschoben.
Auch Kirchen die nicht verschoben oder abgerissen wurden, wurden wie die „Biserica Zlătari“ systematisch mit neuen Plattenbauten umzingelt.


Vor dem „Piața Universității“ treffen sich zwei Trolleybusse des Typs Ikarus 415 T.


Einmal um die Ecke liegt das im Jahr 1704 als erstes Krankenhaus der Stadt eröffnete „Spitalul Clinic Colțea“. Schon damals schien es im Trend zu liegen, um ältere Gebäude einfach drumherum zu bauen und so wirkt das bereits 1695 erbaute Kloster „Colțea“ links im Bild, bis heute wie ein Fremdkörper im ansonsten vollständig symmetrischen Ensemble des Krankenhauses.


Anschließend ging es wieder zur Schleife am „Piata Sf. Gheorghe“, welche vom Krankenhaus nur etwa hundert Meter entfernt ist. Das Flair der alten Gassen hatte uns gestern so gut gefallen, das wir noch einmal dorthin wollten. Außerdem hatten wir dort gestern noch ein weitere Umbauvariante der V3A gesichtet, welcher wir noch einmal auflauern wollten. Hier pausiert gerade V3A 103.


Der gesuchte Wagen erschien dann auch nach kurzer Zeit und sogleich lud uns der wie so oft in Rumänien freundliche und sehr an unserem Treiben interessierte Fahrer ein, seinen rustikalen Arbeitsplatz genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir fuhren mit dem V3A 361 bis zur Endschleife „Pasaj Colentina“, wo er sich in der Abendsonne präsentierte.


Auf dem Weg zum Hotel wurde mal wieder am „Bucur Obor“ umgestiegen. V3A 126 verlässt die Haltestellenanlage.


Eher zufällig stießen wir auf Nahrungssuche auf die gigantische IMAX-Mall im Westen der Stadt. Plötzlich hätte man auch überall in Westeuropa oder sonstwo sein können. Die Dinger sehen einfach überall auf der Welt gleich aus. Sogar eine Eisbahn gab es in der riesigen Mall


Samstag, 9. Mai 2015: Bukarest die Dritte

Eigentlich hatten wir alles „Wichtige“ bei der Straßenbahn abgearbeitet und so konnten wir recht gelassen in unseren dritten und letzten Tag in Bukarest starten. Einige kulturelle Punkte hatte ich noch auf dem Zettel und das lässt sich ja meist ganz gut mit einigen Straßenbahnbildern verbinden. Ansonsten würden wir diesen Tag verbringen wie ich es auf solchen Touren am liebsten mache: Einfach mit der Tram durch die Stadt treiben lassen und nach Motiven Ausschau halten, an denen dann spontan aus der Bahn gesprungen wird.


Gestartet wurde der Tag mit einer Tatra auf der Linie 44. Am Feiertag der Unabhängigkeit sind die meisten Wagen beflaggt unterwegs, so auch T4R 3421.


Teilweise sind die Wagen mit Niederflurmittelteil in einem auffälligen Gelb gehalten. Im Gegensatz zu den neuen Niederflurwagen kommen diese auch auf anderen Linien als der 1 zum Einsatz, wie 224 als Linie 41 unweit der Endschleife „Piata Presei Libere“.


Namensgebend für die Endschleife ist das gigantische stalingotische Pressehaus aus sozialistischer Zeit. Was wohl der Namensgeber dieses Baustils von der heutigen Plakatierung mit der Werbung für ein deutsches Telekommunikationsunternehmen gehalten hätte…


Von hieraus gelangt man schnell in die großzügigen Parkanlagen um den See „Herăstrău“.


Auch den Grund für den Einsatz der Zweirichter auf der Linie 5 erfuhren wir wenig später, als V3A 4044 über die Kletterweiche am provisorischen Ende der Linie am Piata Baneasa humpelte.


Mit der Metro gelangt man schnell in den neuen Hightech- und Buisness-Bezirk Pipera im Norden der Stadt. Auch wenn es die Bilder nicht vermuten lassen, haben sich hier zahlreiche Firmen niedergelassen. Die Straßenbahnlinie mutet derweil eher etwas aus der Zeit gefallen an, als V3A 194 durch den Bezirk rumpelt.


Scheinbar werden die Fahrzeuge hier nach Nummern eingesetzt, denn es folgte V3A 193 😉


An der Endschleife „Platforma Industrială Pipera“ begegnet uns V3A 132. Nicht schlecht staunte man im örtlichen Café, als sich drei Touristen hierher verirrten und eine kleine Kaffeepause auf der hölzernen Veranda mit Blick auf die Straßenbahnendschleife einlegten.


Nun ging es wieder in die Innenstadt für ein wenig Kulturprogramm. Eines der schönsten Gebäude der Stadt ist wohl das 1885 erbaute Athenäum, welches heute unter anderem einen Konzertsaal mit rund 800 Plätzen beherbergt. Sogar das gesamte Umfeld wirkt hier gepflegt und stilsicher.


Kaum weniger prächtig ist derweil die Universitätsbibliothek gegenüber des nationalen Kunstmuseums am Piața Revoluției.


Am Teatrul Odeon sieht es derweil schon wieder etwas mehr nach dem typsichen Bukarester Baudurcheinander aus.


Sogar eine quirlige Fußgängerzone gibt es in der Innenstadt.

Neben diversen kleineren und größeren Sehenswürdigkeiten die wir nebenbei mitnahmen, stand noch ein großer Punkt auf der Liste: Der Patriarchenhügel südlich des Bulevardul Unirii. Mit der Straßenbahn ist der Patriarchenhügel von der Haltestelle „11 lunie“ zu erreichen. Zuvor wurde sich aber auf dem Piața Libertății unweit des „Parcul Carol I“ noch eine vorzügliche Pizza im Schatten der Bäume genehmigt.


V3A 292 erreicht den Piața Libertății.


T4R 3392 ebenfalls auf dem Piața Libertății


Anschließend ging es zum Patriarchenhügel. Am Fuße des des Hügels passiert V3A 024 bei der Haltestelle „11 lunie“ ein echtes Highlight der Bukarester Baukunst…


Nach diesem letztem kulturellen Programmpunkt ließen wir uns einfach ein wenig mit der Tram durch die Stadt treiben und gelangten unter anderem zur Schleife „Zetariol“, welche hier von V3A 135 erreicht wird.


Im warmen Abendlicht erreicht der graue 401 die Haltestelle „Calea Rahovei“ auf der Stadtbahnlinie 1.


Das letzte Bild aus Bukarest gebührt aber – wie könnte es anders sein – einem V3A, in diesem Fall dem 248 kurz vor Erreichen der Haltestelle „Calea 13 Septembrie“.

So endete auch der dritte und letzte Tag in Bukarest.


Am nächsten Morgen ließen wir uns nur noch vom Hotel mit einem Taxi zum Flughafen fahren und traten den Heimweg an. Viel hatten wir wieder gesehen auf dieser Tour und Rumänien hat bei mir wieder mal einen sehr positiven Eindruck hinterlassen, gerade auch was die Freundlichkeit bei den Verkehrsbetrieben angeht. Auch auf ausgetrampelte Touristenpfade trifft man hier eher nicht, sondern kann überall Neues entdecken. Aber auch sonst ist es immer wieder eine Freude dieses Land zu bereisen und auch den enormen Fortschritt festzuhalten, welcher hier in den vergangenen Jahren Einzug gehalten hat. Wer weiß wo beim nächsten Besuch schon überall Niederflurwagen oder die nächste Generation Gebrauchtwagen aus Westeuropa durch die Straßen rumpeln wird.
Schlussendlich weiß man jedoch nach über einer Woche auf den rumänischen Straßen und Schienen so manches zuhause in Deutschland wieder mehr zu schätzen, was man sonst einfach als selbstverständlich ansieht…

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