Einmal um die Pyrenäen – Teil 9: Straßenbahn Toulouse, mit Zahnrad auf den Puy de Dome und Dijon

Die Pyrenäen liegen jetzt entgültig hinter uns. Heute werden die neuen Strecken in Toulouse erkundet und es geht mit der seit 2012 verkehrenden Zahradbahn auf den Puy de Dome bevor wir Dijon erreichen.


Die übrigen Teile dieses Reiseberichtes sind hier zu finden: Reisebericht 2016: Einmal um die Pyrenäen

05.09.2016 – Straßenbahn Toulouse

Bis zum frühen Nachmittag wollten wir uns heute die Neuerungen an der Straßenbahn von Toulouse ansehen. Neben der neuen Linie zum Flughafen, wurde auch der Hauptast Richtung Innenstadt um sechs Stationen verlängert, seit wir zuletzt im Jahr 2011 hier waren. Damals war die 2010 eröffnete erste Linie noch ganz neu. Inzwischen sind die Reste des Baus die noch zu sehen waren verschwunden und die Tram fügt sich ins Stadtbild als gehöre sie schon lange dazu.
Nachdem wir eine Tageskarte gelöst hatten ging es bis zum neuen Endpunkt „Palais de Justice“. Von hieraus soll die Strecke noch einmal bis Grand Rond verlängert werden. Recht unspektakulär kommt die bisherige Verlängerung daher, woran aber auch der Weiterbau wohl nicht viel ändern dürfte.
Die 24 Citadis 302 kommen übrigens in einem von Airbus entworfenen Design daher. Die Luftfahrt ist aus der jüngeren Geschichte dieser Stadt eben nicht wegzudenken. Sehr stimmig und nicht so übertrieben nach Aufmerksamkeit haschend wie die Straßenbahnen anderer französischer Städte, weiß das Design durchaus zu gefallen!


Momentane Endstation „Palais de Justice“ mit Wagen 5026


Die eigentlichen Sehenswürdigkeiten werden von der Tram nicht angefahren, es gibt ja auch noch die Metro

Das größte Hindernis bei der Streckenverlängerung dürfte wohl der Wechsel des Garonneufers gewesen sein. Auf der Pont Saint-Michel wurde dem MIV wahrscheinlich jeweils eine Richtungsfahrbahn „abgenommen“, wodurch sich jetzt ein dauerhafter Stau auf der Brücke bildet. Derart radikale Maßnahmen sind bei der deutschen Autolobby undenkbar, in Frankreich ist es aber völlig normal, dass der MIV beim Bau einer Straßenbahn massiv eingeschränkt wird. Und Toulouse ist hier ein Paradebeispiel was die Verkehrsbehinderung angeht. Aus meiner Sicht wurde hier teils etwas übertrieben. So könnte man auch einfach die Tram beschleunigen anstatt den MIV zu bremsen, indem man nicht ständig ohne Not Kurven mit Mindestradien verbaut und noch dazu vielleicht kurvengängige Fahrzeuge beschaffen würde. Denn die Mitfahrt ist schon ein ziemliches Geschleiche. Teilweise wären da Zeitersparnisse von 1/3 zwischen den Haltestellen locker drin. Dann müsste man den Autofahrern auch keine extra schlecht geschalteten Ampeln vor die Nase setzen, denn der Umweltbilanz und Gesamtleistungsfähigkeit des Verkehrsnetzes ist das sicher auch nicht zuträglich. So erhöht man bei potenziellen Kunden eben nicht gerade die Akzeptanz eines neuen und wichtigen Verkehrsmittels. Aber damit stellt Toulouse sicher keinen Einzelfall dar…
Wie dem auch sei, wir bereisten erstmal die gesamte T1 bis Aéro Constellation und machten ein paar Aufnahmen


Die Straßenbahn dürfte dem MIV auf der Pont Saint-Michel wohl jeweils eine Richtungsfahrbahn „abgenommen“ haben. In Frankreich nimmt man eben kaum Rücksicht auf die Interessen des MIV’s, wenn es um den Bau einer Straßenbahn geht.


Früherer Endpunkt der T1 „Arénes“ mit Wagen 5007


Bei der Station Déodat de Séverac prallen zwei völlig verschiedene Architekturen aufeinander


Das unvermeidliche Einheitsbild am Hospital 😉


Unspektakulär zeigt sich die Endstation „Aéro Constellation“


Unweit der Station Grand Noble fährt Tw 5026 Richtung Aéro Constellation


Bei „Patinoire Barradels“ erwischten wir den Prototypen für die Verlängerung der Wagen auf neun Segmente. Ob die Wagen den Budapester Längenrekord knacken? 😉

Anschließend war die kurze neue Linie T2 an der Reihe. Diese zweigt hinter der Station Ancely aus der Trasse der T1 aus und führt zum Flughafen von Toulouse. Die T2 verkehrt jedoch nur im 15min Takt.


Endstation am Flughafen. Tw 5025 wartet auf die Rückfahrt


Wagen 5027 kurz vor der Haltestelle Nadot in Richtung Flughafen

Wir hatten gesehen was wir sehen wollten und so ging es nach einem Koffeinsüppchen mit zugehörigem Gebäckstück zurück zum Auto und wir traten die Fahrt zu unserem nächsten Ziel im Massif Central an: Der Puy de Dome.
Bei unserer Ankunft wölkte es sich leider ein und so gab es nur noch einen Blick zur Talstation. Die Geschichte der Zahnradbahn auf den Puy de Dome steht gewissermaßen sinnbildlich für die französische Verkehrspolitik und weist viele Parallelen zur Straßenbahn auf:
Bereits von 1907 bis 1925 verkehrte eine dampfbetriebene Bahn auf den Puy de Dome. Diese wurde jedoch zu gunsten einer zweispurigen Straße mit großem Parkplatz aufgegeben. Im Jahr 2010 begann man dann wiederum, auf die Straße eine neue, eingleisige Zahnradbahn zu bauen und die nun einspurige Straße für den MIV zu sperren. Auf der Straße dürfen im Übrigen nicht einmal Fußgänger laufen. Nur die Versorgungsfahrzeuge der Berggastronomie und der Bahn rasen hier entlang.
Der Puy de Dome gehört übrigens zur „Chaîne des Puys“ einer Kette von Vulkanbergen und ist mit 1465m deren höchster Gipfel.


Wagen 4 kommt nach der ca. 15 minütigen Fahrt an der Talstation an

Wir bezogen im Anschluss unser Hotel in einem Vorort von Clermont-Ferrand und fuhren am Abend für einen kleinen Stadtbummel und eine Pizza in selbiges.

06.09.2016 – Puy de Dome

Am nächsten Morgen verhieß der Blick ins Wetter nichts Gutes. Dichter Nebel und Wolken waberten um die Berge. Laut Prognose sollte sich dieser aber gegen Mittag auflösen und so fuhren wir einfach mal mit der Bahn auf den Berg. Die Talstation der Bahn liegt mitten im Nichts, neben einem riesiegen Parkplatz für Busse und PKW. Mitten in dieses Nichts wurde ein großer Komplex samt Abfahrtsterminal gesetzt.
Leider zeigte sich nach dem Auflösen des Nebels, das die Wolkenuntergrenze genau auf der Höhe des Berges lag, und so gelang von drei Versuchen, zwischen denen es jeweils 40 Minuten Wartezeit bei einem Kaffee auszuharren galt, nur ein vorzeigbares Bild mit Clermont-Ferrand im Hintergrund. Ansonsten war der Hintergrund schlichtweg nicht vorhanden, sogar der Zug selbst war beim letzten Versuch nur zu erahnen…


Tw 4 fährt in die Abfahrtshalle ein


In der Bergstation sieht man, was heute eher nicht zu sehen war: Der Puy de Dome


Für wenige Sekunden verschob sich die Wolkenkante einige Meter über unsere Köpfe und gewährte beim zweiten von drei Versuchen einen kurzen Blick auf Tw 4 und Clermont-Ferrand im Hintergrund


Wieder unten noch ein Bild des Abfahrtsterminals

Es waren noch einige Kilometer bis Dijon, unserem Ziel für’s Abendessen und so machten wir uns auch ob der Aussichtslosen Lage auf den Weg. Die Wolken hatten sich eigentlich überall aufgelöst, nur um die Bergkette hingen sie hartnäckig.
Wieder gute 300km näher an der Heimat ereichten wir Dijon. Nach einer Wok-Box gab es auf dem Place Darcy noch ein paar abendliche Versuche in der blauen Stunde mit der Tram.
Alles Weitere zu Dijon und zu unserem letzten Ziel Besançon gibt’s dann im letzen Teil dieser Reihe.


Wagen 1001 auf dem Place Darcy


Wagen 1015 ebenfalls auf dem Place Darcy vor dem prächtigen Grand Hotel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.