Typenvielfalt und Aprilwetter in Warschau

Nach längerer Pause möchte ich heute einen weiteren Teil an die mit den Berichten zu Graudenz und Elbing begonnene Polenrundreise hängen.

Als achte Station der Reise stand Warschau auf dem Plan. Die Hauptstadt Polens betreibt ein Streckennetz von beachtlichen 125 Kilometer, welches von nicht weniger als 24 Linien bedient wird (Quelle: wikipedia).
Damit liegt Warschau zwar was die Streckenlänge angeht nur an zweiter Stelle hinter Lodz, die Größe des Betriebes ist dennoch aufgrund der Fahrzeuganzahl von über 800 deutlich größer einzuschätzen.
Seit dem Ausscheiden der letzten 13N von Konstal, ist es mit Berichten rund um den Betrieb deutlich ruhiger geworden. Lässt man die vielen Unterbauarten der 105N außer Acht, kommt man allerdings noch immer auf eine beachtliche Anzahl von mindestens zehn verschiedenen Wagentypen. Da sollte auch ohne 13N genügend Interessantes für einen kleinen Bericht zusammenkommen 😉 Die Typenvielfalt ist durch die vielen kleineren Niederflurserien sogar deutlich angestiegen.

Während des zweitägigen Besuchs in Warschau zeigte sich das Wetter leider von seiner schlechtesten Seite, wie die meiste Zeit auf der gesamten Tour, auch wenn die ersten zwei Berichte anderes vermuten ließen… Waren am ersten Tag noch vereinzelte Ansätze von Sonnenstrahlen zu sehen, regnete es den zweiten Tag durchgehend mehr oder weniger stark. Die Motivation bei diesem Wetter hoch zu halten stellte sich zwar als etwas mühsam heraus, andererseits war es zeitweise schon wieder so nass, dass sich mit Hilfe von Reflexionen und Spiegelungen viele stimmungsvolle Bilder machen ließen.

Im Folgenden nun eine kleine Bilderserie zum aktuellen Betrieb in Warschau mit einigen Erklärungen zu den jeweiligen Wagentypen. Ergänzungen und Richtigstellungen sind wie immer willkommen, kommt es doch gerade in Warschau auch mal zu Verwechslungen der vielen Unterbauarten…

Die erste Serie Niederflurwagen erhielt Warschau im Jahr 1999. Es handelt sich dabei um 26 Wagen des Typs 116Na, welcher unter Beteiligung von Alstom und Konstal entstand. Die Wagen tragen die Nummern 3005-3030. Die Wagen 3001-3004 sind verschiedene Vorserienfahrzeuge und Prototypen, die dieser Serie vorausgingen. Die Wagen 3002-3004 weisen dabei in Aussehen und Konstruktion deutliche Ähnlichkeiten zur Serie auf, während es sich bei Wagen 3001 um einen zweiteiligen Sechsachser mit drei Drehgestellen handelt, welcher als 112N bezeichnet wird. Mit Wagen 3003 konnte eines der vier Fahrzeuge auch auf Linie gesichtet werden, allerdings ließ der Starkregen kein vorzeigbares Bild zu.
Der Einsatz der Serienfahrzeuge und Prototypen scheint vorwiegend vom Depot an der Haltestelle „Zajezdnia Praga“ aus stattzufinden. Vorwiegend sind sie damit auf den 20er Linien anzutreffen.


116Na 3022 am Rondo Radoslawa als Linie 28.

Von 2010-2013 wurde mit 180 Pesa Swing (120Na) die erste Großserie von Niederflurbahnen nach Warschau geliefert. Sie ersetzten unter anderem die letzten 13N von Konstal. Sie erhielten die Nummern 3116-3295


Das erste und damit bereits 50% der Sonnenbilder gelang auf dem Rondo Radoslawa unweit des Hotels. Pesa 3190 passiert den Kreisverkehr.

Zwischen den Haltestellen „Świętokrzyska“ und „Królewska“ findet das aufmerksame Auge einen für Warschau außergewöhnlichen Straßenbahnwagen – oder was davon übrig ist…
Der Wagen 1085 aus Lodz hat bekanntlich eine bewegte Geschichte. Das diese Geschichte hier ein weiteres und vieleicht letztes Kapitel gefunden hat, ist wahrscheinlich nicht jedem bekannt:

1961 wurde für den Straßenbahnbetrieb in Hagen der GT6 Nummer 64 gebaut. Von dort gelangte er nach der Einstellung des Betriebs 1976 nach Insbruck. Dort wurde dem Wagen das Mittelteil des ex. Bielefelder Wagens 813 eingefügt und er verkehrte fortan als Achtachser bevorzugt auf der Stubaitalbahn. Mit dem Kauf neuer Bombardier-Wagen wurde der inzwischen als Nummer 85 bezeichnete Wagen ins polnische Lodz abgegeben. Nachdem der inzwischen als 1085 bezeichnete Wagen im Jahr 2016 auch in Lodz nicht mehr benötigt wurde, wurde ein Kopf des Wagens nach Warschau transportiert und dient hier nun als Blickfang für das Bistro „Tramwaj“ an der Straße Marszałkowska.


Die Überreste von Wagen 1085 aus Lodz.

2007 erhielt Warschau die erste Straßenbahnlieferung von Pesa. Insgesamt 15 Wagen des Typs Tramicus(120N), des Vorgängers des Swing, wurden geliefert und mit den Nummern 3101-3115 eingereiht.


Wagen 3101 am „Rondo ONZ“.

Der immer noch mit Abstand am Häufigsten anzutreffende Wagentyp in Warschau ist der 105N in verschiedensten Ausführung. In seiner ursprünglichen Form ist er hingegen nicht mehr ganz so häufig zu finden, erst recht nicht im alten Lackschema.


Ein noch sehr ursprünglicher 105Na am Plac Zawiszy. Wagen 1122 und 1123 warten wie so oft in der Innenstadt auf die Möglichkeit den Platz zu Passieren. Das kann schon mal einige Ampelumläufe dauern… typisch für Warschau sind die Haltestellenschilder, welche nach Fahrtrichtung an der nächsten Kreuzung sortiert sind.


Ein etwas modernisierter Konstal 105Na auf der Weichselbrücke. Konkurrenzlos schnell, mal abgesehen von den zwei Metrolinien, geht es auf den Ausfallachsen mit der Tram voran.


Auch die zweiten 50% Sonnenbilder sollen nicht vorenthalten werden, auch wenn die Sonnenstrahlen aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit nur noch sehr schwach sind. 105Ne 1408 und 1407 an der Haltestelle Dworzec Wileński.

Anschließend setzte der Regen ein und zauberte in den Abendstunden bunte Lichtreflexionen auf die Straße – man muss es ja mal positiv sehen 😉

Die Triebwagen 2122 und 2123 gehören zum Typ 105N2K von Konstal und Alstom. Insgesamt 62 Wagen mit den Nummern 2074-2135 sind im Einsatz.


Tw 2122 und 2123 auf der anderen Seite der Kreuzung an der Haltestelle „Dworzec Wileński“, während sich ein Gewitter über Warschau ergießt.


An der Haltestelle Stare Miasto(Altstadt) beginnt ein kurzer Tunnel welcher die nach dem 2.Weltkrieg neu aufgebaute Altstadt unterquert Hier Wagen 3186 auf der Linie 4.

Der jünste Straßenbahntyp in Warschau ist der dreiteilige Pesa Jazz (134N). Im Jahr 2015 wurden insgesamt 30 Fahrzeuge mit den Nummern 3801-3830 ausgeliefert.


Der dreiteilige Pesa Jazz Nummer 3814 an der Haltestelle „Stare Miasto“.

Am zweiten Tag war nun an Sonne nicht mehr zu Denken. Dichter Wolkensiff wechselte sich mit Starkregen ab. Also wurde sich auf die Suche nach den noch fehlenden Wagentypen gemacht.
Mit Wagen 3501 wurde einer der sechs Pesa Swing Zweirichter(120Na Duo) auf dem Linienbündel, welches an der neuen Metroendstation „Metro Młociny“ endet, gefunden.


Der Swing Zweirichter 3501 durchquert das kurze Waldstück vor der großen Wendeanlage „Metro Młociny“.

Auch die fünfteiligen Zwerichter vom Typ Jazz(128N) aus dem Jahr 2015 waren hier in großer Stückzahl anzutreffen. Insgesamt 50 dieser Wagen mit den Nummern 3601-3650 wurden geliefert.


Auf der anderen Seite des Waldstücks erreicht Wagen 3602 in Kürze die Haltestelle „Zajezdnia Żoliborz“. Hier befindet sich eines der großen Depots der Warschauer Straßenbahn, sodass hier vor und nach der HVZ diverse Ein- und Ausrücker zu beobachten sind.


Zurück in der Innenstadt konnten Tw 2120 und 2121 vor der Kulisse des Kulturpalastes und der modernen Skyline abgelichtet werden.

Im Jahr 2007 wurden insegesamt 30 Neuaufbauten auf alten 105Na in Dienst gestellt. Die als 123N bezeichneten Wagen erhielten die Nummern 2136-2165.


Wagen 2142 und 2143 vor der Kulisse der Altstadt.


Wagen 2052 vom Typ 105N2K, zu erkennen unter Anderem an den drei Paaren Außenschwenktüren, an der Haltestelle „Stare Miasto“.


Konstal 1312 und 1311 an der Haltestelle Zajezdnia Praga. Rechts die Gleise zur Depoteinfahrt, welches unter anderem die erste Niederflurserie beherbergt.


Erneut Wagen 1312 und 1311.


Zum Abschluss 105Na 1314 am Ende der Weichselbrücke an der Haltestelle Rondo Waszyngtona.

Damit soll der kleine verregnete Rundgang durch die Typenvielfalt der Warschauer Straßenbahn enden.

Bis zum nächsten Mal,
Tobias.

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