Mit Düwag und Flexity durch Norrköping und weiter nach Stockholm

Heute bleibt in Norrköping noch genug Zeit, die beiden betriebenen Äste ausführlich kennenzulernen. Anschließend geht es gegen Abend weiter nach Stockholm.

Zum Straßenbahnbetrieb in Norrköping hatte ich im letzten Teil ja schon einiges geschrieben. Daher sollen heute hauptsächlich die Bilder sprechen. Das Wetter zeigte sich – wie überraschend – wechselhaft. Die Bilder mit Sonne gewannen dadurch aber umso mehr durch die interessanten Wolkenformationen.
Nach ausgiebigem Frühstück – es war ohnehin gerade bedeckt – startete ich den Fototag an der Linie 3 nach Klockaretorpet. Die Bilder dieses Tages sind nicht streng chronologisch geordnet, sondern ein wenig geografisch in Reihenfolge gebracht.


Wagen 66 kurz vor der Haltestelle Lokegatan.


Wagen 65 an der Haltestelle SMHI.


Das Innere der ehemaligen Duisburger zeigt noch einige Spuren der typischen Düwag-Formgebung.

Die Linie 3 zeigt sich jenseits der Haltestelle Lokegatan recht unspektakulär und so wechselte ich nach dem Bild an der Haltestelle SMHI zur Linie 2. Die Verlängerung dieser Linie nach Kvarnberget wurde erst im Jahr 2011 eröffnet. Von der Endstation aus verläuft die Linie sehr großzügig durch viel Grün und bindet dabei diverse große Wohnblöcke an die Innenstadt an. Die Wohnblöcke sind in ungewöhnlicher, großer Kreisform angelegt. Was in real von außen kaum auffällt, sieht auf den Satellitenbilder umso eigenartiger aus.


Tw 35 an der Endstation Kvarnberget.


Rund um die Haltestellen Ringdansen Centrum und Atriumhusen verläuft die Strecke durch großzügige Grünanlagen.


Tw 41 unweit der Haltestelle Atriumhusen.

Nachdem das Einkaufszentrum Hageby Centrum in Richtung Innenstadt passiert ist, erreicht die Strecke wieder urbaneres Gebiet. In der Straße Albrektsvägen ergibt sich dann auch eines der typischen Norrköping-Motive mit den charakteristischen „Schwedenhäusern“ direkt neben der Strecke. Gemeint sind damit die vollständig holzvertäfelten Häuser in meist gelber, dunkelroter oder hellblauer Farbgebung mit weißen Fensterrahmen und Türen. Leider befinden sich die Mehrzahl dieser Motive an den beiden derzeit nicht bedienten Ästen. So blieb das Bild in der Albrektsvägen das einzige klassiche „Norrköping-Bild“.


Tw 40 in der Straße Albrektsvägen neben zwei der typischen „Schwedenhäuser“

Wenige Meter weiter zweigt aus der Strecke eine große Blockumfahrung um den Stadtteil Klingsberg und den Klingsberg Park ab. Dies war vor der Verlängerung der Strecke die Endschleife der Linie 2. Mit der Inbetriebnahme der Verlängerung verlor der Stadtteil Klingsberg damit mehr oder weniger seinen Straßenbahnanschluss. Die Blockumfahrung ist aber nach wie vor vollständig vorhanden und wird vermutlich in den Sommermonaten von der Oldtimerline 1 befahren.


Im Stadtteil Klingsberg zweigt die ehemalige Endschleife in Form einer großen Stadteilumfahrung aus. Tw 35 biegt aus der ehemaligen Linienführung auf die neue Verlängerung ab. Von links und hinten kommen die Gleise der alten Strecke.


Wenige Meter weiter Richtung Innenstadt befindet sich Wagen 44 an der Haltestelle Albrektsvägen.

Nach weiteren zwei Haltestellen erreicht die Linie den zentralen Umsteigepunkt Söder Tull von Süden und teilt sich ca. 100 m die Gleise mit der Linie 3. Die Linie 3 biegt nach besagten 100 m Richtung Norden in die Fußgängerzone ab und verläuft mehrere Haltestellen schnurgeradeaus über die Drottninggatan bis zum Hauptbahnhof. Wir folgen aber zunächst weiter der Linie 2, welche die Fußgängerzone in einem großen Viereck am Depot vorbei umfährt.


Tw 42 biegt nach rechts zum zentralen Umsteigepunkt Söder Tull in die Nygatan ein. Von Links kommt die Linie 3 die Nygatan herunter.

Die Linie 2 befährt nun den restlichen Abschnitt der Nygatan nach Westen. An der Haltestelle Stortorget kann etwas ältere Architektur mit ins Bild gebracht werden.


Wagen 32 an der Haltestelle Stortorget, bereits am vergangenen Abend aufgenommen.

Nach der ersten 90-Grad Kurve bei der Haltestelle Centralbadet verläuft die Strecke entlang der Östra Promenaden in Mittellage neben der Allee und passiert dabei die nach Westen abzweigende Betriebsstrecke zum Depot.


Wagen 44 kurz vor Erreichen der Haltestelle Djäkneparksskolan auf dem Weg zum Bahnhof.


Tw 40 an der Haltestelle Djäkneparksskolan in Gegenrichtung. Im Hintergrund ist noch Tw 44 beim Befahren der nächsten 90-Grad Kurve zu sehen, welche die Strecke wieder zurück in die Innenstadt bringt.

Vor der Haltestelle Styrmansgatan befindet sich die zweite 90-Grad Kurve, welche die Strecke wieder nach Osten in die Fußgängerzone und zur Linie 3 bringt.


Tw 42 kurz nach Verlassen der Haltestelle Styrmansgatan

Nach der Haltestelle Nya Torget trifft die Linie 3 dann am Rathaus wieder auf die Linie 2. Über den dritten Viertelkreis biegt die Strecke neben dem Rathaus nach Norden in die Drottninggatan ein.


Tw 35 trifft neben dem Rathaus auf die Linie 2 in der Drottninggatan.


Ein Gegenlichtblick die Drottninggatan hinauf. Von Links zweigt die Linie 3 ein.

Wirklich viel schneller ist die Linie 3 übrigens trotz des gerade einmal 1/3 so langen Weges durch die Fußgängerzone nicht. Zudem befindet sich an diesem Streckenstück noch eine Gleisverschlingung, welche Fahrzeugbegegnungen nicht möglich macht und so zusätzlich zu Verzögerungen führt. Aber auch auf der Strecke der Linie 2 wird, wie fast im gesamten Netz, ziemlich geschlichen, sodass sich beide Linien immer wieder in ihrer Langsamkeit überbieten 😀

Gemeinsam verlaufen die Linien anschließend über den Rest der Drottninggatan über die Brücke am Grand Hotel zur Centralstation, wo im April wegen Bauarbeiten das Ende der Fahrt erreicht war.

Auf diesem Stück gelang mir beim zweiten Analuf auch eine Aufnahme des nach einem Unfallschaden mit neuer Frontpartie ausgestatteten Wagen 61. Schöner ist der Wagen dadurch zwar nicht so richtig geworden, einzigartig aber in jedem Fall.


Ein Kurs der Linie 3 überquert die Brücke zum Hauptbahnhof.


Der nach einem Unfallschaden mit neuer Front verkehrende Tw 61 zwischen Hauptbahnhof und Rathaus.


Tw 65 vor der schmucken Centralstation von Norrköping.

Hier an der Centralstation endet die Fahrt mit der Straßenbahn von Norrköping. Zwischenzeitlich wurde der Koffer geholt und ein wenig Proviant für die Weiterreise eingekauft. Es soll nach Stockholm weitergehen. Vorher bleibt noch ein wenig Zeit im Bahnhof für einen Besuch des allgegenwärtigen Espresso House und ein paar Bilder der „großen“ Bahn.

Der Bahnhof von Norrköping bietet dabei für Mitteleuropäer völlig ungewohnte Bahnsteizugänge: Es geht mitten über die Gleise. Dies geschieht natürlich nicht ungesichert. Die Übergänge werden bei Zugbewegungen von großen Schranken und akustischen Signalen gesichert, dennoch kommt einem das Ganze schon etwas ungewöhnlich vor, zumal die Bahnsteige scheinbar gerade erst saniert wurden und dabei keinerlei Anstalten gemacht wurden, an dieser aus der Zeit gefallenen Situation etwas zu ändern. Naja, ich fand’s jedenfalls sehr interessant 😀


Die Bahnsteige werden ganz einfach über die Gleise erreicht, natürlich mit Schranken gesichert.

Ein weiteres optisches Highlight war der X10 der SagaRail nach Stockholm Central. Wer sich diese schweinchenrosane Lackierung ausgedacht hat, muss schon ein gesundes Selbstvertrauen haben. Noch mehr gilt dies allerdings für den Schaffner des Triebwagens, welcher eine vollständig zur Wagenfarbe passende Dienstbekleidung tragen „durfte“. Bei dem Anblick diese Zuges samt Personal, muss man sich schon sehr zusammenreißen nicht laut los zu lachen 😀
Die Diesellok 3 der Praterbahn, welche von mir dank ihrer Manner-Werbung auf den Spitznamen „Schweinchen“ getauft wurde, erhielt an diesem Tag jedenfalls harte Namenskonkurrenz aus Schweden 😀


Ein X10 der SagaRail nach Stockholm in Schweinchenrosa.

Die anschließende Fahrt mit dem SJ Intercity nach Stockhom war weniger erholsam als noch gestern die Fahrt mit dem X2000. Auf dieser Strecke wurde einer der X40 Doppelstocktriebwagen eingesetzt. Die Optik dieser Karren mag ja vielleicht Geschmackssache sein, aber auch in punkto Fahrkomfort und Geräuschkulisse können diese Triebwagen den X2000 mit ihren antriebslosen Zwischenwagen und der Neigetechnik nicht ansatzweise das Wasser reichen.
Aber ich hatte ja nur gut 1 1/2 Stunden Fahrt vor mir und so war gegen halb Acht Stockholm Central erreicht. Nachdem in dem riesigen Bahnhof die Tunnelbanan gefunden war, löste ich die übliche 72h-Karte. Auch hier musste zunächst eine Basiskarte erstanden werden, auf die dann die 72h-Karte geladen wurde. Das war dank des besetzten Schalters allerdings kein Problem und mit umgerechnet 26€ auch nicht wirklich teuer. Man bedenke, dass man damit auch mit den gesamten Pendeltag-Vorortzügen und allen sonstigen SL-Verkehrsmitteln inklusive der Fähren fahren darf!

Mit der grünen Linie der Tunnelbanan ging es erstmal zum Hotel bei Alvik einchecken, drei Minuten die Füße hoch legen und dem gerade niedergehenden Regenschauer zusehen. Dann war allerdings schon wieder Aufbruch angesagt, denn die abziehenden Schauer versprachen eine wunderbare Abendstimmung die natürlich noch bildlich festgehalten werden wollte.
Also wieder in die Tunnelbanan bis in die Altstadt „Gamla Stan“. Von dort lief ich am bekannten Motivklassiker, der vor der Kulisse der Altstadt aus der Station Gamla Stan auftauchenden Tunnelbanan, vorbei ans Südufer des Riddarfjärden. Hier gibt es einen wunderschönen Panoramaweg entlang des steilen Ufers. Die meisten Touristen konzentrieren sich zu dieser Tageszeit schon auf die Lokalitäten und Clubs der Gamla Stan, sodass hier oben ein angenehm moderates Treiben herrschte und ganz in Ruhe mit Stativ die herrliche Aussicht über Stockholm genossen werden konnte.


Häuserschlucht entlang des steilen Südufer des Riddarfjärden.


Blick in Richtung der Gamla Stan. Im Vordergrund, wo das Segelschiff liegt, die Halbinsel mit der Riddarholmskyrkan.


Gamla Stan und die dazugehörige Station der Tunnelbanan.


Beeindruckende Wolkenkulisse über Stockholm.


Blick über den Riddarfjärden

Einfach toll, wie lange die Dämmerung hier oben andauert. Man bemerkt kaum wie es dunkler wird, so langsam verschwindet das Licht und auch über zwei Stunden nach Sonnenuntergang leuchtete noch das Abendrot am Horizont.
Mit diesen Eindrücken endete der Tag. Auch mein Reisebericht endet hier in dieser Form. Aber keine Sorge, es geht natürlich weiter, nur werde ich bei den nächsten drei Tagen Stockholm nicht mehr chronoligisch vorgehen, sondern nacheinander die verschiedenen Schienenverkehrsmittel dieser nicht nur aus dieser Sicht hochinteressanten Stadt vorstellen. Ein chronologisches Vorgehen würde hier in einem völligen Chaos enden, da ich ständig, je nach Wetter und Motivation, zwischen den verschiedenen Bahnen hin und her gewechselt bin.

Bis demnächst in Stockholm,
Tobias

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