Auf steilen Pfaden II: 7 Kilometer Treppe am Pilatus – Die steilste Zahnradbahn der Welt

Heute soll es am ersten kompletten Tag in der Schweiz bereits recht gutes Wetter geben und so steht gleich die erste Bergbahn dieses Urlaubes auf dem Programm: Die Pilatusbahn. Von Alpnachstad aus geht es steil bergauf ins Pilatus-Massiv mit sagenhaften Ausblicken auf den Vierwaldstättersee.


Lange Zeit stand die Pilatusbahn schon auf meinem Wunschzettel. Bisher hatte sich ein Besuch an der steilsten Zahnradbahn der Welt aber nie ergeben, es scheiterte immer am Wetter, der Zeit oder anderen Zielen, welcher dringlicher erschienen. Wer kennt das nicht? Mit der Ankündigung, die urige Bahn, welche noch heute mehr oder weniger im Zustand der 30er Jahre verkehrt, bis 2023 umfassend zu sanieren, rückte der Pilatus in den vergangenen Jahren allerdings unaufhaltsam in den Fokus. So schielte ich bereits seit 2018 immer wieder Richtung Vierwaldstättersee, denn auch auf der Rigi stehen in den nächsten Jahren große Veränderungen bevor. Zu einem Besuch war es aber bislang noch nicht gekommen. Zumindest für die Pilatusbahn hatte ich beim gestrigen Blick in’s Wetter aber den Entschluss gefasst, dass sich dies nun ändern sollte…


Dienstag, 30. Juni 2020: 7 Kilometer Treppe am Pilatus

So richtig gut geschlafen habe ich irgendwie nicht in dieser Nacht. Ob es an der noch ungewohnten frischen Bergluft lag? Wohl eher an dem beständig bei jeder kleinsten Bewegung knarzenden Lattenrost, welches mich unbewusst wohl immer wieder aus dem Tiefschlaf aufwachen ließ. Jedenfalls war ich so schon einige Minuten vor dem für 7 angesetzten Frühstück auf den Beinen. Also schonmal einen Plan für den heutigen Tag zurechtgelegt und gleich die nächste Unterkunft für den Abend gebucht – das Mobilnetz ist hier in der Schweiz für deutsche D2 Mobilfunkkunden noch immer nicht so richtig bezahlbar… Nicht das knarzende Bett hielt mich von einer weiteren Nacht hier ab, sondern schlichtweg die Verfügbarkeit, sodass es heute Abend einen Ort weiter talaufwärts nach Wassen gehen würde.
Aber so weit ist es zum Glück noch nicht. Nach dem Frühstück, mit wie immer exzellentem Kaffee in der typisch holzverkleideten Gaststube der Pension, wurde schnell Alles ins Auto geschmissen und ab ging’s die drei Serpentinen der Postautostraße hinab zum Talgrund. Postautostraße? Welche Uhrzeiten standen da noch mal auf dem Hinweisschild, welches LKW und Gespannen zu dieser Zeit die Durchfahrt verbietet? 08:00-08:15 Uhr? Gar nicht gut! Und sogleich kam mir am Ortsausgang Richtung Gotthardstraße ein für diese Straße recht überdimensionierter Bus entgegen. Die Linie 6 wurde zwar nicht vom „richtigen“ Postauto bedient, dennoch suchte ich lieber umgehend rückwärts das Weite in eine glücklicherweise erst wenige Meter entfernte Hauseinfahrt.

Nach dieser kurzen Störung erreichte ich aber schnell die Gotthardstraße am Talgrund und fuhr in Amsteg auf die Autobahn auf. In Alpnach sollte dann zunächst ein Coop für die Verpflegung des Tages aufgesucht werden. Zuvor müsste ich allerdings noch einen Bankautomaten konsultieren, um zu etwas für die Parkuhren unumgänglichen Kleingeld zu kommen. Nach diversen Fehlversuchen hatte ich mich von unten irgendwann an die CHF 100 angenähert und siehe da, schon wurde der ATM mein bester Freund und spuckte einige Scheine aus. Zuvor hatten sich bereits gestern zwei Automaten strikt geweigert, einen Betrag unter CHF 100 auszugeben. Ob’s an meiner Bank liegt oder an den Schweizer Automaten – ich habe es nicht in Erfahrung gebracht. Gut, weit kommt man in diesem Land mit unter 100 Geld ohnehin nicht 😀 Allein für Parkuhren allerdings doch etwas viel. Da würde ich mit meiner inzwischen angeeigneten Gewohnheit, bei Fremdwährungen einfach alles mit Karte zu zahlen, hin und wieder mal brechen können. Sonst fahren die Franken halt einfach mit nach Deutschland – der Kurs ist ja seit Jahren ohnehin konstant bescheiden…
Jetzt aber nichts wie zum Coop, den Rucksack mit Verpflegung und das Portmonee mit Münzen füllen und anschließend zur Talstation der Pilatusbahn in Alpnachstad, wo die Parkuhr das erste 5-Franken-Stück freudig verschlang. Für einen ganzen Tag parken aber nicht nur für Schweizer Verhältnisse praktisch geschenkt.
Da ich nicht so ganz wusste, welche Motive mich so erwarten, wanderte mal besser die große Kamera mit dem langen Vario ins Handgepäck, dafür gab’s dann nur eine Literflasche Wasser. Das ist auch schon die eine Sache die ich an der Schweiz so liebe: Überall sprudelt Trinkwasser aus der Erde, sodass eine einzige Flasche ausreicht, welche dann über den Tag eben immer wieder nachgefüllt wird.
Zum Warmwerden ging es nun die ersten Meter bis zum bekannten Motiv an der kleinen Brücke oberhalb von Alpnachstad hinauf. Da die nächste Stunde Weg dann ohnehin vollständig im Wald verlaufen würde, wartete ich hier gleich mal den nächsten Korso ab.


Kurz oberhalb von Alpnachstad verläuft die Pilatusbahn wenige Meter über eine Wiese und eine Brücke, bevor sie für geraume Zeit im Wald verschwindet. Bhe 1/2 21 macht sich auf den Weg zum Pilatus.


Gefolgt von Bhe 1/2 22 als letztes Fahrzeug des bergfahrenden Dreierkorsos.

Nun lag er also vor mir: Einer der brutalsten Wanderpfade entlang Schweizer Bahnlinien vom Ausgangsbahnhof in Alpnachstad auf 440 m.ü.M., hinauf nach Pilatus Kulm auf 2073 m.ü.M.. Nicht die Höhendifferenz von rund 1600 Meter ist das brutale, sondern die Kürze des Weges von gerade einmal rund 8,5 Kilometer, welche im Schnitt also etwa 20% Steigung erfordert. Also nicht lang zaudern sondern einfach jetzt da hoch quälen. Nachdem noch eine letztes Asphaltsträßchen gequert wird, geht es anschließend bis auf eine Höhe von knapp über 1000 m.ü.M. steil den Wald hinauf. Irgendwann habe ich aufgehört die Serpentinen mitzuzählen, mittels derer sich der schmale Pfad den steilen Hang hinaufwindet. Ein Flusslauf ermöglichte zumindest unterwegs das dringende erste Nachfüllen der Wasserreserven.


Nicht unbedingt ein komfortabler Wanderweg, aber völlig problemlos ohne professionelle Ausrüstung begehbar: Der „Pilatustrail“ auf der von unzähligen Serpentinen geprägten Waldetappe zwischen Alpnachstad und Ämsigen.


An einer einzigen Stelle ermöglicht eine Lücke im sonst dichten Wald einen Ausblick auf Alpnacher See vorn und Vierwaldstättersee im Hintergrund.

Gut ins Schwitzen gekommen erreichte ich schließlich gegen Mittag die erste große Lichtung an der Strecke unterhalb der Kreuzungsstation Ämsigen. Mit unter anderthalb Stunden hatte der Aufstieg garnichtmal so lang gedauert. Praktisch, dass genau an dieser ersten Lichtung der „Pilatustrail“ wieder auf die Bahn trifft, nachdem beide zuvor gänzlich andere Wege durch den Hang gewählt hatten.
Zeit für den ersten Emmi Caffè Latte des Urlaubes – bevor dieser Außentemperatur erreicht hat – und ein wenig festen Brennstoff für die nächsten Höhenmeter. Während der kleinen Pause näherten sich von unten auch schon die nächsten Wägelchen – natürlich kein Zufall das ich hier im Motiv Mittagspause machte 😉


Bhe 1/2 21 erreicht die erste große Lichtung der Strecke zwischen dem Tunnel „Oberer Spycher“ und der Kreuzungsstation Ämsigen.

Die acht Bhe 1/2 21-28 sind auf der Pilatusbahn erst die zweite Fahrzeuggeneration und wurden zur Elektrifizierung der Strecke im Jahr 1937 beschafft. Seither wickeln die acht Triebwagen den Betrieb auf der mit bis zu 48% steilsten Zahnradbahn der Welt ab. Die Ablösung der Triebwagen nach nunmehr über 80 Betriebsjahren wurde vor einigen Jahren beschlossen. Die einmaligen Begebenheiten dieser einzigen Zahnradbahn nach System Locher, bedürfen bei Bau und Konstruktion neuer Fahrzeuge allerdings einer besonders langen Vorlaufzeit, sodass mit der Inbetriebnahme nicht vor 2023 zu rechnen ist.


Einige Meter dahinter folgt der Einzelgänger Bhe 1/2 30 im Korso mit den Fahrzeuge 21, 30, 24 und 23.

Bhe 1/2 30 wurde 1968 beschafft und unterstützt seither seine rüstigen Verwandten. Vom Grundkonzept identisch, unterscheidet sich der Wagen auch äußerlich in zahlreichen Details von den deutlich älteren Wagen. Leider trägt momentan ausgerechnet der Einzelgänger eine auffällige Uhrenwerbung.


Nach einer kurzen Pause folgen die beiden letzten Fahrzeuge des Korsos. Bhe 1/2 24 ist gerade aus dem Tunnel „Unterer Spycher“ aufgetaucht und überquert nun die Lichtung.


Für Perspektivwechsel bleibt zwischen den einzelnen Fahrzeugen eines Korsos immer genügend Zeit, kriechen die Wägelchen doch gerade einmal mit 12 km/h die Steigung hinauf. Bhe 1/2 23 und 24 erreichen gleich ebenfalls die Mittelstation Ämsigen und kreuzen dort die Talfahrer vom Pilatus.


Bhe 1/2 26 ist der erste Talfahrer des entgegenkommenden Korsos. Die Wolken waberten allerdings noch bis zum Nachmittag um das Bergmassiv, sodass die Motive ab Ämsigen immer wieder verschattet wurden. Während die Fahrgäste vom Vierwaldstättersee nichts sehen können, eröffnet sich für die Wanderer auf dem „Pilatustrail“ nach langer Durststrecke durch den Wald, erstmals wieder der grandiose Blick auf den See und die dahinter thronende Rigi.

Nun aber weiter den Berg hinauf, die nächsten Korsos wollte ich irgendwo an oder oberhalb der Mittelstation Ämsigen ablichten und einige Höhenmeter müssten bis dahin doch noch überwunden werden. Durch die Korsos dauert das Kreuzungsprozedere doch recht lange, sodass die nächsten Talfahrer von Vorn schon wieder im Anmarsch waren. In der Kreuzungsstation ging aber nicht so richtig was, sodass ich nur die Wasserreserven auffüllte und die gerade in die Station einlaufenden Talfahrer ignorierte. Stattdessen machte ich noch einmal geschwind etwas Strecke, jedenfalls in dem Maße wie es die abartige Steigung zuließ, und erwartete die Bergfahrer am nur locker bewachsenen Hang zwischen Ämsigen und Mattalp.


Bhe 1/2 22 zwischen Ämsigen und Mattalp.


Einige Meter weiter oben und aus anderer Perspektive ein weiterer Bergfahrer des Korsos in Gestalt von Bhe 1/2 28. Jetzt ist auch deutlich der Grund für die verschatteten Aufnahmen ab Ämsigen zu erkennen: Rund um das felsige Bergmassiv staut sich noch einiges an Gewölk und wabert unmotiviert vor sich hin.

Wenige hundert Meter weiter wechselt die Strecke schließlich die Hangseite und überquert dabei in moderater Steigung die Mattalp. Ab der Wiese unterhalb von Ämsigen wandelt sich der Charakter von Bahnlinie und Wanderpfad schlagartig: Ging es die ersten rund 600 Höhenmeter einfach nur mitten im Wald brutal steil den Berg hinauf, lichtet sich nun das dichte Grün und gibt alle paar Meter neue spektakuläre Blicke, wahlweise Richtung Vierwaldstättersee oder Richtung felsiges Pilatus-Bergmassiv frei. Einfach nur herrlich hier oben, auch liegt der „Pilatustrail“ eher abseits der teils gut besuchten Wanderwege rund um den Vierwaldstättersee. Wahrscheinlich ist es den meisten dann doch zu steil und unwegsam und auch außerhalb von Corona-Zeiten dürfte man abseits von Pilatus Kulm wohl kaum auf Touristenmassen aus Übersee treffen… So traf ich während der gesamten Wanderung vielleicht gerade mal auf zwei Dutzend weitere Wanderer, von denen zudem einige mehrmals die gleichen gewesen sein dürften – durch die Fotohalte und meinen recht schnellen Schritt dazwischen, überholte ich immer wieder dieselben Figuren – und umgekehrt 😀


Bei der Mattalp offenbart sich erstmals der grandiose Blick auf das Felsmassiv – sofern sich die Wolken für einen kurzen Moment lichten – wobei es nicht weniger spektakulär ist, wenn die hunderte Meter hohen Felswände plötzlich wie aus dem Nichts auftauchen. Vor dieser Kulisse bremst Bhe 1/2 22 talwärts. Die kleine Unterführung ermöglicht auf der Mattalp beiderseits der Trasse, je nach Sonnenstand, den ganzen Tag über die verschiedenen Perspektiven umzusetzen.


Es folgt Bhe 1/2 23 und, hier im Bild, Bhe 1/2 28. Während nun auf der Alp die Sonne scheint, sind im Gegenzug weite Teile der Felswand wieder verschwunden. Bis zum späten Nachmittag war dies ein ununterbrochenes Wechselspiel, bei dem teils nur für Sekundenbruchteile aus dem weißen Nichts grandiose Blicke in die Landschaft aufblitzten.

An der Mattalp trennen sich die Wege der Bahnstrecke und des Wanderweges bis hinauf nach Pilatus Kulm. Dennoch bleibt am Gegenhang der spektakuläre Trassenverlauf hinter der Alp durch die fast senkrechte Felswand stets im Blick. Jedenfalls theoretisch. Denn vorerst tauchte ich mal in eine Dicke Wolke ein und sah um mich herum nichts als grelles Weiß.


Ein letzter Blick auf zwei Talfahrer, die soeben aus dem um zwei Galerien verlängerten Rosegg-Tunnel die Mattalp erreichen, dann verschwinde ich in undurchdringlichem Weiß.

Der Pfad im Felsgeröll war aber jederzeit problemlos auszumachen und so stand ich, einige Serpentinen duch den Geröllhang später, auf einer kleinen Zwischenebene. Hier trifft mein Trail auf die Route des westlichen Aufstiegs nach Pilatus Kulm, welcher eventuell etwas weniger steil ist, dafür aber bis hierher stets weit abseits der Pilatusbahn verläuft. Zu sehen ist hingegen wenig, aufmerksam wurde ich auf die Verzweigung eher durch den gelben Wegweiser auf dem Pfad. Dann plötzlich taucht aus zuvor noch undurchdringlichem Weiß die Gipfelstation Pilatus Kulm auf, darunter die einmaligen Trassenführung entlang der Eselwand mit den drei kurzen Tunnels hinab zur Mattalp.


Ein Dutzend Serpentinen durch Felsgeröll später, zieht es unvermittelt wieder auf…


…und der Blick fällt auf die letzten Meter der spektakulären Trasse entlang der Eselwand.


Erstmals fällt mein Blick auf der kleinen Zwischenebene mit der Weggabelung auch in Richtung Berner Oberland, wenngleich die von dort herüberwabernden Wolken auch keine wirklich weite Sicht zulassen…

Nicht gleich mit dem ersten Triebwagen klappte die Aufnahme wie gewünscht, so wie hier zu sehen. Bei dem ersten Bergfahrerkorso war der Himmel noch gänzlich weiß und gab irgendwie keinen wirklich schönen Kontrast ab. Die anschließenden Talfahrer waren derweil von meiner Wiese aus garnicht zu sehen, alles war mal wieder weiß. Mit den nächsten Bergfahrern klappte es dann aber wie gewünscht mit verschiedensten Brennweiten, von denen ich mir an dieser Stelle aber die meisten spare. Es gab aber ohnehin deutlich schlimmeres, als hier eine knappe Stunde auf der Wiese herumzusitzen und bei einem Nachmittagsimbiss Natur und Landschaft zu genießen. So trieb mich auch nicht die innere Unruhe zum Aufbruch, sondern vielmehr die fortschreitende Zeit, denn mit 17:45 Uhr ist die letzte Talfahrt vom Pilatus nicht wirklich spät. Sollten mir auf dem Rückweg an den Motiven also nicht die Kurse ausgehen, musste ich nun um kurz nach 15 Uhr doch allmählich kehrt machen. Den Plan, auch noch die letzten Meter nach Kulm hinauf zu steigen, hatte ich zwischenzeitlich ohnehin verworfen. Den besten Blick auf die exponiert gelegene Gipfelstation ergibt sich ohnehin von hier und mit Aussicht Richtung Nordwesten dürfte es angesichts der Wolkensituation dort oben heute ohnehin nicht weit her sein.
Also kurz vor dem Gipfel kehrt gemacht und die Serpentinen durch das Geröll wieder hinab zur Mattalp. Auf dem Weg entstanden noch Aufnahmen der kleinen Wägelchen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln.


Drei auf einen Streich: Ein Korso Bergfahrer erstreckt sich über die Mattalp.


Das ist noch zu toppen: Ein viertes Wägelchen lugt zwischen Rosegg- und Eselwandtunnel aus dem Fels, während eines die untere Galerie des Roseggtunnel durchquert und die zwei unteren sich noch auf der Alp befinden.


Ein letzter Blick Richtung Pilatus Kulm und Eselwand. Ein Wägelchen lugt zwischen dem Eselwandtunnel und dem Fleimentunnel hervor. Irgendwie schon lustig, aus dieser Entfernung zu beobachten, wie die roten Karawanen langsam den Berg hinauf und hinab schleichen und dabei zwischen den Tunnels immer wieder kurz hervorluken.


Bis zu diesem See muss ich irgendwie wieder hinunter… Blick über den „Pilatustrail“ hinab zum Alpnacher See. Unten links die Mattalp


Schon kriecht wieder eine knappe Hand voll Wägelchen den Berg hinunter. Die Wolkengrenze hat sich nun erstmals deutlich von der Mattalp Richtung südliche Felswand verschoben, also nichts wie runter und die Sonne auf der Alp nutzen.


Für die nächsten Bergfahrer war ich an Ort und Stelle. Nur noch zwei Wagen fahren jetzt am späten Nachmittag in Gestalt von Bhe 1/2 21 und 24 bergwärts.

Gegen Abend werden die Züge dann doch recht zeitig knapp: So war es nun gerade einmal kurz nach 16 Uhr aber nur noch zwei Bergfahrer und drei Talfahrer waren im Fahrplan vorgesehen. Dem Bedarf schien dies aber gut angepasst zu sein, denn anders als noch am früheren Nachmittag, genügten nun schon ein oder zwei Wägelchen pro Korso, um die verbliebenen Gäste vom Berg zu bringen und die letzten Kurzentschlossenen noch einmal hoch und runter zu fahren.

Das Licht reicht so im Hochsommer aus, um praktisch von morgens bis abends alle Züge irgendwo in der Sonne aufzunehmen, was natürlich schon heute morgen an meinem viel zu späten Aufschlagen gescheitert und auch nie das Ziel gewesen war. Die letzten abendlichen Kurse wollte ich nun aber im schönen Abendlicht noch ausnutzen. So hatte ich noch einige Blickwinkel rund um die Mattalp auf dem Zettel und auch an der Strecke hinunter nach Ämsigen wollte ich noch einen Blick auf den Vierwaldstättersee umsetzen.


Als nächstes kamen die Bhe 1/2 21 und 25 vom Berg. Hinter einer kleinen Kuppe harrte ich aus, bis das Wägelchen weit genug in’s Motiv gefahren war und kam erst dann aus der Deckung. So blickten dann die Kühe fotogen in die Kamera des Neuankömmlings. Anschließend waren sie allerdings der Meinung, sie würden nun auf einen neuen Weidegrund geführt werden und trotteten geschlossen zum Ausgang der umzäunten Wiese. Das Missverständnis wurde jedoch bald erkannt und das gemächliche Fressen und Wiederkäuen wurde fortgesetzt.


Beim Hangwechsel über die Mattalp ist die Steigung einige Meter deutlich geringer als die 48% Maximalsteigung, sodass die auf die größere Steigung ausgelegten Fenster der Wagen in der Seitenansicht deutlich kippen.


Der Schatten der südlichen Felswand wächst bereits bedenklich. Zu viel Zeit sollte ich mir für das Motiv mit dem Vierwaldstättersee also nicht mehr lassen.


Auf Bhe 1/2 21 folgt noch der Wagen 25 nach Alpnachstad hinunter.


Die Kurve von der Mattalp Richtung Ämsigen hinunter lässt sich am späten Nachmittag gut umsetzten. Hier konnte Bhe 1/2 25 erneut aufgenommen werden. Bergab ist es keine große Herausforderung auf der Wiese mit den Wagen Schritt zu halten.


Als vorletzter Bergfahrer klettert Bhe 1/2 28 noch einmal den Berg hinauf und konnte an selber Stelle aus etwas anderer Perspektive aufgenommen werden.


Das Motiv nach Ämsigen hinunter mit dem Vierwaldstättersee drängte nun doch langsam, die Sonne sank bedrohlich schnell zur Felswand hinab. Da merkte ich die extrem langen Tage dann doch, denn auch die vorletzten Talfahrer in Gestalt von Bhe 1/2 28 und 24 gingen hier noch bei Sonne durch. Letzterer bremst hier gen Tal. Zwei der wenigen Wanderer hätten diese Aufnahme durch ihr Auftreten auf dem Weg unmittelbar vor dem Triebwagen fast zu Nichte gemacht, erkannten mein Anliegen aber rechtzeitig und warteten freundlicherweise geduldig ab, bis der Wagen vollständig durch’s Motiv gekrochen war, was bei der wahnwitzigen Geschwindigkeit ja doch etwas dauert 😉


In Ämsigen kreuzte das Pärchen Bhe 1/2 25 als letzten Bergfahrer des Tages. Auch dieser kam auf der Geraden noch im letzten Sonnenlicht durch.

Nun war es mit Sonne aber doch langsam vorbei. Auf der Mattalp wäre sicher auch der letzte Talfahrer noch gegangen, stattdessen hatte ich aber noch die Lichtung unterhalb von Ämsigen im Kopf. Hier hatte ich mich aber mit dem Sonnenstand, beziehungsweise dem Streckenverlauf deutlich verschätzt, so stand die Sonne längst in der Innenkurve hinter den hohen Fichten und die gesamte Strecke lag dementsprechend im Schatten. Also blieb es bei den grandiosen Landschaftsblicken ohne rote Wägelchen an der Mittelstation Ämsigen, bevor ich den rund einstündigen Abstieg in Angriff nahm.


Am Abend liegen Alpnacher See und Vierwaldstättersee von Ämsigen aus gesehen im schönsten Abendlicht. Hinten links thront die Rigi am nordöstlichen Ufer des Sees über der Landschaft. Das wäre mein zweites großes Ziel hier am Vierwaldstättersee. Ob es das Wetter ergibt, wird sich dann in den noch kommenden Tagen zeigen…

War der Aufstieg in erster Linie etwas anstrengend, bei den an manchen Tagen mit dem MTB in Angriff genommenen Strecken aber nichts Ungewohntes, hatte es der Abstieg dann doch in sich. Die ständige statische Belastung auf den Oberschenkeln beim Abfedern ist dann doch etwas ungewohnt, in erster Linie waren aber die Knie heilfroh, als der See langsam aber sicher näher rückte. Schon am nächsten Morgen sollten aber alle kleineren Wehwehchen dieser Tour wieder vergessen sein und dieser Tag am Pilatus geht als voller Erfolg in den Reisebericht ein. Nachdem ich bislang nur zwei Mal an der Talstation gewesen war, wollte ich diese Bahnstrecke in der grandiosen Landschaft mit spektakulärer Linienführung unbedingt noch einmal in ihrer nun seit über 80 Jahren währenden Form mit den urigen Triebwagen der 30er Jahre erleben. Dahinter konnte ich schonmal einen großen Haken setzten.


Der Abstieg ist fast geschafft, der Alpnachersee ist schon sehr nahe gerückt und ich aus dem Wald aufgetaucht.

Inzwischen war 19 Uhr durch und Schweiz typisch alle einheimischen Supermarktketten geschlossen. Bezüglich Abendessen könnte das zu einem Problem werden. Osmand spuckte aber direkt auf dem Weg Richtung Gotthard in Stans einen Lidl aus, welcher bis 20 Uhr geöffnet sein sollte. So konnten noch allerlei Leckereien für ein spätes Abendessen auf dem Zimmer im heute morgen gebuchten Hotel in Wassen eingekauft werden.
Für morgen ist das Wetter dann mal sehr wechselhaft angesagt. Grobes Ziel ist es über den Oberalp an die Strecke der MGB durch’s Tavetsch Richtung Disentis zu fahren. Mal schauen, was dabei so abfallen soll. Nach dem heutigen Tag, kann mir erstmal nichts mehr die Laune verderben. Dachte ich jedenfalls. Von den grandiosen Wetterkapriolen am Oberalp und einer abendlichen Irrfahrt durch’s Gebirge erzählt dann der nächste Teil, wenn es wieder auf steilen Pfaden durch die Schweiz geht…

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