Revival der ET6/EB6: Düwag Verstärker auf der RHB und in Ludwigshafen

Im Januar 2020 kehrten, nach vielen Jahren der Abstellung beziehungsweise des Reservedaseins, die drei verbliebenen ET6+EB6 Hängerzüge der Rhein-Haardtbahn in den Linienbetrieb zurück. Diese kultigen Fahrzeuge konnte ich mir letztendlich nicht entgehen lassen und so entstanden im Rahmen des einwöchigen Aufenthaltes im Rhein-Neckar-Raum auch einige Aufnahmen dieser einmaligen Züge.


Im Herbst 2019 machte die überraschende Meldung die Runde, dass die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) für den durch die Sperrung der Konrad-Adenauer-Brücke anfallenden Mehrverkehr, die drei verbliebenen RHB-Hängerzüge ET6+EB6 1015+1055, 1017+1057 und 1018+1058 für den Linienverkehr reaktivieren würde. Während der Zug aus 1017 und 1057 in den vergangenen Jahren für Sonderfahrten und als „eiserne Reserve“ diente, waren die beiden anderen der ehemals zehn Gespanne bereits seit Jahren abgestellt.
Mit überraschender Geschwindigkeit wurde das Vorhaben in die Tat umgesetzt. Die drei Züge wurden technisch überholt und sogar in ein neues Farbschema versetzt, nachdem sie in ihren letzten Betriebsjahren allesamt Vollwerbungen trugen. Noch vor dem Jahreswechsel wurden diverse Schulungsfahrten mit der ansonsten planmäßig schon seit Jahren nicht mehr eingesetzten Technik durchgeführt und zum 7. Januar wurde der planmäßige Betrieb, kaum zwei Monate nach der Ankündigung, aufgenommen.


Seit Anfang Januar spielte sich das Betriebsgeschehen, mit kleineren Änderungen, in etwa gleich ab. Haupteinsatzort ist dabei vorerst bis September die Linie 7E zwischen Ludwigshafen Ebertpark und Oppau gewesen. Im Juni stellten sich die Einsätze folgendermaßen dar:
Zum Einsatz kamen die drei Züge auf der Strecke Ebertpark – Oppau in Ludwigshafen in der Früh- und Nachmittags-HVZ. Ein besonderes Highlight war dabei ein morgendlicher Verstärkerumlauf auf der alten Stammstrecke der Züge nach Bad Dürkheim. Bereits um 5:47 Uhr rückte dieser Zug in Mannheim aus dem Betriebshof Möhlstraße in Richtung Bad Dürkheim aus. Abfahrt in Bad Dürkheim war um 7:05, sodass der Kurs auf der RHB-Strecke im Sommer im schönsten Morgenlicht aufgenommen werden konnte. Im Anschluss pendelte der Zug gemeinsam mit den zwei anderen Zügen im 20-Minuten-Takt auf der Strecke Ebertpark-Oppau. Die beiden anderen Kurse rückten dabei aus dem Betriebshof Rheingönnheim in Ludwigshafen aus. Gegen 10 Uhr erreichten alle drei Kurse schließlich wieder die Betriebshöfe, aus denen sie ausgerückt sind. Die Ein- und Ausrückfahrten waren dabei nach kurzer Zeit für Fahrgäste geöffnet worden.
Am Nachmittag wiederholte sich das Spiel: Mit Abfahrt um 14:54 (Betriebshof Rheingönnheim), 15:14 (Betriebshof Rheingönngeim) und 15:19 Uhr (Betriebshof Möhlstraße) rückten die drei Züge, diesmal ohne die Fahrt nach Bad Dürkheim, auf die Strecke Ebertpark-Oppau aus. Ab 18:00 Uhr rückten die Verstärker schließlich wieder ein, wobei jeweils ein anderer Kurs in die Möhlstraße einrückte, sodass eine tägliche Rotation der Züge, vermutlich aus Gründen der Wartung, bestand. So lief auch jeden Tag ein anderes Gespann am Morgen nach Bad Dürkheim.


Während der knappen Woche zwischen Rhein und Neckar begab ich mich gleich zweimal an die RHB-Strecke nach Bad Dürkheim, am 23. und 25. Juni. Beide Male lief ich den Haltepunkt Friedelsheim an, bieten sich hier doch gleich mehrere Motive zwischen den Weinreben mit dem Hügelzug am Rande der Rheinebene im Hintergrund. Die nachmittäglichen HVZ-Umläufe sah ich mir am 23. Juni genauer an, wobei leider nur zwei der drei Kurse mit einem ET6+EB6-Gespann bedient wurden. Am 25. Juni lauerte ich schließlich noch dem morgendlichen Einrücker in die Möhlstraße in Mannheim auf. Gemeinsam mit einigen Aufnahmen der übrigen dreiköpfigen Reisegruppe, unter anderem vom 24. Juni, ist so doch ein recht abwechslungsreicher und umfänglicher Bilderbogen der reaktivierten RHB-Züge entstanden. Schauen wir uns zunächst die Ein- und Ausrücker aus Mannheim nach Bad Dürkheim und aus dem Betriebshof Rheingönnheim in Ludwigshafen an:


Um 5:47 Uhr rückte am 25. Juni 2020 aus dem Mannheimer Betriebshof Möhlstraße der Hängerzug 1018+1058 aus und erreichte um 6:54 Uhr die Endschleife in Bad Dürkheim. Auf dem Weg dorthin konnte ich das Gespann hinter der Haltestelle Friedelsheim aufnehmen.


Auf die einmaligen sechsachsigen Beiwagen darf es schonmal ein Nachschuss sein.


Um kurz nach sieben kommen 1018 und 1058 aus Bad Dürkheim mit dem Ziel Oppau zurück und wurden erneut bei Friedelsheim erwartet.


Bereits am 23. Juni konnte ich diesen Umlauf nur wenige Meter weiter Richtung Bad Dürkheim auf dem Weg nach Ludwigshafen aufnehmen. Auch an diesem Tag war der Zug aus 1018 und 1058 für den Umlauf eingeteilt, während am Tag zuvor der Zug aus 1017 und 1057 in den Umlauf ab Möhlstraße rotiert war. In Oppau wird sich das Gespann in die Verstärkerfahrten einreihen und gemeinsam mit den anderen beiden Zügen im 20-Minuten-Takt verkehren.


Nach der Früh-HVZ in Ludwigshafen rücken ET6 1018 und EB6 1058 über Kurt-Schumacher-Brücke, Hauptbahnhof und Seckenheimer Straße gegen halb zehn in das Depot Möhlstraße in Mannheim ein. Am 25. Juni 2020 konnte das Gespann auf Einrückfahrt unweit der Haltestelle Werderstraße aufgenommen werden.


Der Triebwagen 1017 ist immer schon von Weitem an den höher sitzenden Scheinwerfern und dem abweichenden Stromabnehmer zu erkennen. Am 23. Juni rückt der Triebwagen mit EB6 1057 aus dem Betriebshof Rheingönnheim aus. Die Fahrten ab der nächsten Haltestelle Giulini bis in die Innenstadt sind inzwischen auch für Fahrgäste freigegen, obwohl die Strecke ansonsten derzeit nicht planmäßig bedient wird.


Am Abend des 23. Juni rückt der morgens in Mannheim gestartete Zug 1018+1058 in das Depot Rheingönnheim ein und konnte kurz vor der Endhaltestelle Giulini aufgenommen werden. Auf diese Weise wechseln jeden Tag jeweils zwei der Züge den Betriebshof – wohl aus Gründen der Wartung.

Schauen wir uns nun die Verstärkerfahrten zwischen Ebertpark und Oppau in Ludwigshafen an. Die meisten Bilder sind dabei auf dem südlichen Streckenteil vom Ebertpark zur Marienkirche entstanden, welcher zwar auch nicht vor Motiven strotzt, aber noch einiges fotogener ist, als die Strecke nach Oppau. Die Aufnahmen entstanden überwiegend am 23. Juni 2020, einige auch am 24. Juni.


Am Morgen des 24. Juni 2020 wendet der dritte Zug aus 1015 und 1055 durch die Endschleife Ebertpark.


ET6 1018 und EB6 1058 erreichen am späten Nachmittag des 23. Juni die Endschleife Ebertpark. Auf dem kurzen Abschnitt von der Hohenzollernstraße bis zur Schleife verlaufen die Richtungsgleise getrennt durch einen Grünstreifen. Zudem besteht in Richtung der nur eingleisigen Endschleife auf der Geraden noch eine Überholmöglichkeit.


Eine Runde zuvor biegt der Zug an der Haltestelle Fichtestraße aus der Hohenzollernstraße Richtung Schleife Ebertpark ab. Geradeaus ist der Betrieb derzeit eingestellt, sodass auch die Linien 6, 6A und 7 in der Schleife Ebertpark wenden.


Anschließend geht es auf der Hohenzollernstraße über die Haltestellen Klinikum und Heinrich-Ries-Halle zur Marienkirche. Wirkliche Motive bieten sich dabei bis zur Marienkirche nicht, stellvertretend die Aufnahme von 1017 und 1057 unweit der Haltestelle Klinikum in Richtung Ebertpark.


Rund um die Haltestelle Marienkirche und das kurze Stück durch den Friedenspark, bieten sich dann wieder einige Motive. 1017 und 1057 verlassen die Haltestelle Marienkirche Richtung Ebertpark. Die Zielanzeige hatte der Fahrer auf dieser Runde wohl vergessen zu wechseln…


Kurz zuvor hat der Zug die Rohrlachstraße überquert und erreicht die Haltestelle Marienkirche.


Wiederum nur wenige Schritte weiter biegen 1018 und 1058 aus dem Friedenspark über die Rohrlachstraße zur Haltestelle Marienkirche ab.


Hinter der Straßenkreuzung rollen 1017 und 1057 das kurze Stück durch den Park auf dem Weg nach Oppau.


Da ich an dieser doch eher unschönen Strecke nicht vorhatte ein komplettes Linienportrait zu erstellen, gibt es die nächste Aufnahme erst wieder kurz vor dem Rathaustunnel am Ludwigsplatz aus der Kamera eines Mitstreiters mit ET6 1017 und EB6 1057.


Wenige Meter später verschwindet das Gespann im Rathaustunnel.


Die absolute Krönung an Scheußlichkeit stellt dann aber der nördliche Ast der Strecke ab dem Rathaustunnel dar. Immer am Rande des gigantischen BASF Werks entlang, verläuft die Strecke inmitten vielbefahrener vierspuriger Straßen auf eigenem Bahnkörper. Erst auf den letzten Metern wechselt die Strecke dann auf einen Grünstreifen in Seitenlage, wirklich fotogen ist das Ganze aber auch nicht. Nur ein kurzes Stück zwischen den Haltestellen BASF und Schopenhauerstraße ist mit Rillenschienen in eine Asphaltdecke eingelassen. Viel Glück gehört dazu, einen der Züge, wie hier 1018 und 1058, ohne Autos zu erwischen.


Weiter als bis zur vorherigen Aufnahme habe ich es dann am Nordast fotografisch auch nicht gebracht. Praktisch wenn man nicht allein unterwegs ist… Zur Vervollständigung daher an dieser Stelle nochmals zwei Aufnahmen meiner Mitstreiter, die sich auch dieses Erlebnis nicht nehmen ließen 😀 1017 und 1057 befinden sich auf dem erwähnten letzten Stück in Seitenlage. Die Sonnenfenster sind für die langen Züge allerdings sehr knapp.


Auch die Endschleife Oppau bietet kaum eine Möglichkeit, die Veteranen vernünftig abzulichten. Zum Abschluss unserer Fahrt daher dieses dokumentarische Bild von 1018 und 1058 in der Schleife Oppau.

Das soll es dann gewesen sein zu den ehemaligen RHB-Zügen in Ludwigshafen. Die Strecke vom Ebertpark ins Zentrum wird schon bald nicht mehr von den Düwag’s befahren werden. Mit der Freigabe des Berliner Platzes in Ludwigshafen sollen die Düwag-Züge dann voraussichtlich ab dem 14. September 2020 auf der ursprünglich angedachten Linie 6E zwischen Rheingönnheim und Mannheim Hauptbahnhof eingesetzt werden.

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