Nichts für Langschläfer – DUEWAG-Verstärker auf der OEG

Viel Aufmerksamkeit erhielten in den vergangenen Monaten die reaktivierten ET6+EB6 der ehemaligen Rhein-Haardt-Bahn. Umso erstaunlicher, wie fast unbemerkt vor einigen Jahren der Großteil der DUEWAG GT8(K) der OEG aus dem Betrieb verschwand, deren Einsätze sich seither nahezu auf wenige Verstärkerkurse zur HVZ beschränken. Für mich umso mehr ein Grund, das Schattendasein dieser letzten Düwag auf der „Großen Rundfahrt“ zu beenden.


Lange Zeit waren die DUEWAG GT8 aus den Jahren 1966 bis 1988 die prägenden Fahrzeuge auf der OEG-Rundfahrt. Heute verkehren nur noch einige wenige Verstärkerkurse der klassischen Achtachser von Montag bis Freitag zwischen Mannheim, Weinheim und Heidelberg. 2018 konnte ich auf der Durchfahrt noch den letzten der drei morgendlichen Kurse auf der Neckarbrücke in Heidelberg aufnehmen. Damit wäre ich auch gleich beim Problem dieser Fahrten: Der erste der drei Kurse startet am Morgen in Käfertal bereits um 5:46 Uhr zur großen Rundfahrt in Fahrtrichtung Weinheim. Jeweils 20 und 60 Minuten nach dem ersten Kurs, starten die nächsten zwei Kurse und verdichten den Takt auf der gesamten Rundfahrt in der morgendlichen HVZ so auf ein 10-Minuten-Intervall. Kurz nach 9 Uhr beendet schließlich der letzte der drei Kurse seine Runde aus Mannheim kommend in Käfertal. In den Wintermonaten sind diese Einsätze daher kaum fotografierbar und auch im Sommer sollte man keine allzu lange Anreise haben, um nicht mitten in der Nacht aufstehen zu müssen. So bot sich der knappe einwöchige Aufenthalt in Weinheim im Juni 2020 dazu an, diese letzten planbaren DUEWAG-Einsätze auf der OEG aufzunehmen. Viele städtische Motive leiden zu dieser Zeit natürlich noch unter langen Schatten, sodass sich besonders die wenigen verbliebenen „Überlandabschnitte“ anbieten. So trieb ich mich zweimal morgens rund um Edingen mit dem bekannten Wasserturm-Motiv herum, aber auch die Ausfahrt Edingen in Richtung Mannheim bietet noch ein wenig Landschaft.

Zuletzt nahm ich mir die drei Verstärker auch noch einmal in Mannheim vor. Das ging sich zeitlich dann sogar mit dem ET6+EB6 auf der RHB aus, welchen ich zuvor noch in Friedelsheim aufnehmen konnte, bevor ich nach Mannheim wechselte.

Zum Einsatz kommen schon seit Jahren die fünf noch betriebsfähigen GT8K der letzten Serie aus dem Jahr 1988 mit den Nummern 4111 und 4113-4116 und auch noch die drei GT8 4098, 4100 und 4110 der älteren Serie aus den Jahren 1973/1974. Vorhanden ist auch noch der GT8 3082 hauptsächlich als Fahrschulwagen. Unterscheiden lassen sich die moderneren GT8K von den GT8 an den getönten Fensterscheiben, dem Stromabnehmer auf dem Mittelteil und den Klimaanlagen auf dem Dach. Von den älteren Triebwagen lief während meines Besuches nur GT8 4100 im Verband mit dem moderneren GT8K 4115.


Damit nun zu der Ausbeute der morgendlichen Verstärker:


Am Morgen des 22. Juni 2020 hingen noch einige Wolken rund um Rhein und Neckar. Also nahm ich das Doppel aus GT8K 4115 und GT8 4100 erstmal im alten OEG Bahnhof von Weinheim auf. Die Ortsdurchfahrt Weinheim wurde in den vergangenen Jahren großzügig umgestaltet.


Bis Edingen hatte ich dem Gespann mit dem Auto locker den Weg abgeschnitten und erwartete den Zug im „Baumtunnel“ neben dem Wasserturm. Recht abenteuerlich ist der ungesicherte Bahnübergang in meinem Rücken, der durch die Kurve aus Richtung Edingen überhaupt nicht einsehbar ist, von Fahrrädern, Fußgängern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen aber stark frequentiert wird. In Zeiten von Kopfhörer tragenden Joggern und gut schallisolierten Traktoren alles andere als ungefährlich, bei den hier gefahrenen 80 km/h auf der Schiene.


Da die Sonne erst später am Tag in Heidelberg herauskam, konnte ich die Perspektive aus der Innenkurve mit dem Zug aus GT8 4111 und 4116 aufnehmen.


Am Morgen des 24. Juni 2020 konnte ich dann die Sonnenperspektiven von Edingen umsetzen. Als erster Hochflurkurs kamen GT8K 4116 und 4111.


Nur noch wenige Stellen entlang der OEG strahlen einen solchen Überlandcharakter aus, wie der kurze Abschnitt rund um Edingen.


In Edingen machen die Züge seltsamer Weise fast zehn Minuten Pause, sodass ich das Gespann mit dem Rad bis in den Bahnhof Edingen wieder einholte. Als Fahrgast würde mich diese Pause im Nichts zwischen Heidelberg und Mannheim schon ziemlich nerven, wenn ich täglich diese Verbindung nutzen würde…


Auch auf der anderen Seite von Edingen Richtung Mannheim gibt es noch einen wenige hundert Meter langen „Landschaftsabschnitt“ in den Äckern. Dort nahm ich den zweiten Hochflurkurs mit GT8K 4115 und GT8 4100 auf. Schön zu erkennen sind vor dem blauen Himmel die unterschiedlichen Dachausrüstungen zwischen den älteren und neueren Fahrzeugen.


Zwischen dem zweiten und dritten Hochflurkurs vergehen 40 Minuten, der Verstärkerkurs dazwischen wird von einem Niederflurwagen bedient. Während dieser Kurs im Juni noch als potenziell hochflurig im Fahrplan stand und ich daher nie genau wusste, welcher der vier Kurse niederflurig bedient wird, ist der Kurs inzwischen nicht mehr als hochflurig ausgewiesen. Zurück beim Wasserturm nahm ich den letzten der drei Hochflurer am Hauptmotiv aus der Außenkurve auf.


Am Morgen des 25. Juni nahm ich um kurz nach sieben zunächst noch den ET6+EB6 in Friedelsheim auf und wechselte dann schnell nach Mannheim, wo ich auf’s Rad umstieg. Der Zeitplan war nicht eben großzügig bemessen, aber es ging sich geradeso noch für den ersten Hochflurer der OEG aus, welcher um viertel vor Acht den Hauptbahnhof erreichte. Der farblich unpassende GT8K 4111, fällt hinter GT8K 4116 nicht weiter auf.


Ein Glücksspiel war es anschließend auf der Friedrich-Ebert-Brücke mit dem Gespann aus GT8K 4115 und GT8 4100, aber es passte alles, als der Zug in Richtung Haltestelle Universitätsklinikum den Neckar querte.


Eine recht sichere Nummer war dagegen die Einfahrt in die Haltestelle Universitätsklinikum hinter der Neckarbrücke mit dem dritten Gespann des Tages aus GT8K 4114 und 4113.


Ein kleines Kuriosum war nach dem Außerkrafttreten der Corona-Fahrpläne, der Einsatz eines Düwag-Doppels auch am Samstag. Ein planmäßiger Kurs der Rundfahrt lief dabei im Juni fahrplanmäßig den ganzen Samstag über gegen den Uhrzeigersinn. Da ich erst am späten Nachmittag des 20. Juni in Weinheim eintraf und am darauffolgenden Samstag bereits am Bodensee weilte, konnte ich diesen Kurs nur an diesem einen Abend des 20. Juni aufnehmen.


So richtig traute ich dem Fahrplan nicht und auch mit der Sonne war es am frühen Abend des 20. Juni 2020 ein Glücksspiel. Als dann tatsächlich an einem Samstag, wie im Fahrplan vermerkt, ein Hochflurkurs auftauchte und auch noch das Licht passend anging, war der Start in die knappen Woche Rhein-Neckar perfekt. GT8K 4113 und 4114 auf der Rennstrecke zwischen Weinheim und Viernheim. Welchen betrieblichen Grund es für diesen Einsatz gab wurde mir nicht so ganz klar.


Auch diesem Kurs wurde der Weg nach Edingen abgeschnitten, sodass es am Motiv noch fast 20 Minuten zu warten galt. Bei Durchfahrt war die Sonne dann leider fast ganz verdeckt. Im Nachhinein mit etwas Entwicklungsarbeit, gefiel mir die Aufnahme dann aber doch gut. Besonders der fehlende Schlagschatten auf dem Feld im Vordergrund war eher positiv.



Als kleinen Bonus möchte ich auch die wunderbare Aufnahme eines meiner beiden Mitstreiter vom Morgen des 26. Juni nicht vorenthalten, als sich die Wege unserer kleinen RNV-Expedition trennten. Zu diesem Zeitpunkt machte ich mich bereits für die Weiterfahrt nach Freiburg bereit, als GT8K 4111 und 4116 im Sonnenaufgang die lange Gerade zwischen Weinheim und Viernheim entlangeilten.

Soweit meine Eindrücke von den letzten DUEWAGs auf der Großen Rundfahrt. In den kommenden Monaten dürfte es erstmal wieder schwierig werden, diese Fahrten bei Tageslicht aufzunehmen, vielleicht aber für den ein oder anderen eine Inspiration für das Jahr 2021. Diese für die OEG typischen Fahrzeuge sollte man über den Hype der ET6+EB6 jedenfalls nicht ganz vergessen…

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