Das Fotojahr 2020 – Juli bis Dezember

Ende Juni hatte der erste Teil des Jahresrückblickes 2020 mit dem Aufbruch in die Schweiz geendet. An dieser Stelle soll es nun mit diesem Jahreshighlight weitergehen. In der Folge kam es bis zum Jahresende noch zu zahlreichen Tagesausflügen, die ebenfalls für viele abwechslungsreiche Aufnahmen sorgten.


Juli

Der Beginn der Woche Schweiz lag streng genommen noch im Monat Juni, denn schon am 29. Juni ging es vom Bodensee hinüber in die Eidgenossenschaft. Nach einem kleinen Zwischenstopp in Bremgarten, erreichte ich am Abend mein Zielgebiet für die nächste Woche, die Zentralschweiz. Konkret geplant war noch nichts, ich hatte mir nur vier grobe Ziele gesetzt: Pilatusbahn, Rigibahnen, Matterhorn Gotthard Bahn und die Dampfbahn Furka Bergstrecke. So schaute ich von Tag zu Tag und konnte am Ende abgesehen vom letzten Ziel alles zur Zufriedenheit abarbeiten. Der gesamte Reisebericht zu diesen sieben Tagen Schweiz ist hier zu finden: Reisebericht: Auf steilen Pfaden durch die Schweiz


An der BDWM schaute ich mir am 29. Juni den Abschnitt in und um Bremgarten etwas genauer an. Neu war für mich das neue Design der „Diamanten“, welches Be 4/8 5011 auf der Reussbrücke von Bremgarten präsentiert.


Nach der Weiterfahrt zum Vierwaldstättersee gab es am Abend an der Engelberglinie der Zentralbahn noch eine kleine Fotosession. Eine Traktion aus den zwei ABe 4/8 130 004 und 130 002 von 2004, genannt „Spatzen“, passiert die Fotowiese mit der kleinen Kapelle südlich von Stans. In Doppeltraktion fehlten mir diese Triebwagen auch noch, bislang hatte ich die „Spatzen“ nur mit den alten oder den Niederflur-Steuerwagen aufgenommen.


Am 30. Juni ging es gleich los mit den richtig steilen Pfaden: Der Pilatus stand auf dem Plan. Am höchsten Punkt meiner Wanderung von Seehöhe aus fällt der Blick auf die Bergstation Pilatus Kulm mit einem in der Eselwand verschwindenden Bhe 1/2.


Weiter unten auf der Mattalp lässt es sich aus unterschiedlichen Perspektiven den ganzen Tag fotografieren. Nicht selten sind dabei gleich mehrere der zum Großteil 1937 gebauten Triebwagen im Korso unterwegs. Am Nachmittag sind Bhe 1/2 auf Bergfahrt nach Pilatus Kulm.


Mein Aufenthalt in der Schweiz fiel fast auf die längsten Tage des Jahres. So konnte selbst der letzte Bergfahrer um halb sechs neben der Steilwand oberhalb von Ämsigen noch bei Sonnenlicht aufgenommen werden.


Für die nächsten Tage stand dann zunächst etwas wechselhaftes Wetter an. Ich fuhr aus dem Tal der Gotthardstraße über den Oberalp und verbrachte den 1. Juli an der MGB im Tavetsch. Während der Fahrt über den Pass konnte bereits am Morgen der Deh 4/4 23 mit seiner kurzen Pendelgarnitur zwischen Nätschen und Andermatt aufgenommen werden.


Das wechselhafte Wetter bescherte mir an diesem Tag im Tavetsch neben mehreren Ganzkörperduschen auch zwei unplanbare, wie geniale Fotomomente. Den ersten hatte es nach einem heftigen Schauer am späten Nachmittag zwischen Rueras und Dieni mit HGe 4/4 102 auf der Betonbrücke.


Der alles aufwiegende Höhepunkt eines zuvor eher mäßig erfolgreichen Tages war dann die Aufnahme von der Via Vitg hinab ins Tavetsch mit dem zweiten Regenbogen des Tages. Das dann zufällig im richtigen Moment noch ein Komet passend über die Wiese bei Dieni fuhr war kaum zu fassen. Da waren auch die folgenden Strapazen, um das Auto auf dem Oberalp noch vor der Dunkelheit zu erreichen, schnell wieder vergessen.


Am 2. Juli wollte ich mich dann langsam Richtung Goms orientieren, wo ich aber erst gegen Abend ankam da ich besser noch die unverhofften morgendlichen Sonnenstunden im Tavetsch nutzte. Der mit einem Zusatzwagen verstärkte Deh 4/4 23 konnte am Vormittag in der Kurve hinter dem Bahnhof Segnas Richtung Andermatt aufgenommen werden.


Anschließend blieb ich wiedermal am Oberalp hängen – einfach zu herrlich hier die Kombination aus Bahn und Landschaft. Der Kometenumlauf konnte am frühen Nachmittag zwischen Nätschen und Oberalp aufgenommen werden.


Aus dem Goms ging es am 3. Juli weiter Richtung Visp. Tagesziel war der dortige Güterzug nach Zermatt, der dann mit HGe 4/4 108, wie gewünscht gegen Mittag am bekannten Motiv bei Neubrück klappte.


Den übrigen Tag radelte ich entlang der Strecke bis Herbriggen hinauf, wo dunkle Wolken die Weiterfahrt Richtung Zermatt nicht sinnvoll erschienen ließen. Die Wolkengrenze war aber recht stationär und so gelang an der Dorfkirche von Herbriggen noch der Schuss auf Deh 4/4 22 auf dem Weg nach Zermatt.


Erst zu diesem Wochenende konnte die DFB Corona-bedingt ihren Betrieb aufnehmen. So stattete ich dieser einzigartigen Museumsbahn am 4. Juli gleich mal einen Besuch ab. HG 3/4 1 erreicht gegen Mittag den Bahnhof Muttbach Belvédère vor dem Scheiteltunnel.


Nach der Kreuzung mit dem Gegenzug geht es mit Begleithobel weiter Richtung Realp.


Gleich mehrere Umstände vertrieben mich dann am Nachmittag von der DFB: Zum einen war der Furkapass durch den gesperrte Basistunnel und das Kaiserwetter unglaublich überfüllt und ließ keinen Positionswechsel mehr zu, zum anderen würden ohne diesen einen Stellungswechsel die nächsten Züge alle im Gegenlicht durchkommen. So verschlug es mich wiedermal an der Oberalp, wo ich die restlichen Züge im Stundentakt bis zum Betriebsschluss aufnahm. Hier rollt die Komentengarnitur von der Passhöhe am Oberalpsee hinab ins Tavetsch.


Im Lokumlauf hing heute die hübsche „Glacier“ HGe 4/4 4 und konnte zwischen Oberalpsee und Nätschen aufgenommen werden.


Wenige Meter weiter kam dann eine Stunde später als letzter Zug des Tages um sieben der Kometenumlauf aus Disentis zurück Richtung Andermatt.


Mit dem 5. Juni konnte dann an der Rigi auch das letzte Ziel in dieser Gegend bei Kaiserwetter abgehakt werden, sodass ich dann am späten Abend meine Zelte abbrach und acht Stunden durch die Nacht Richtung Heimat brauste. Zuvor gab es aber noch einen der schönsten Tage dieses Jahres: Den Anfang machte an der Vitznauer Rampe BDhe 4/4 21 mit Steuerwagen am Haltepunkt Mittelschwanden.


Auch ein Dampfzug tat heute mit G 2/3 16 Dienst und konnte am frühen Nachmittag auf Talfahrt unterhalb Rigi Staffel aufgenommen werden.


An der Goldauer Rampe tragen noch immer die BDhe 2/4-Pendel die Hauptlast. Am Nachmittag ist BDhe 2/4 13 mit Bt 23 unterhalb Wölfertschen-First auf Bergfahrt.


Das derzeit noch planmäßig eingesetzte, uralte Rollmaterial an der Rigi ist einfach faszinierend. Dazu zählen auch die Bhe 2/4 1-4, die zum Großteil aus dem Jahr 1937 stammen. Am späten Nachmittag verlässt der über achtzig-jährige Bhe 2/4 1 Rigi Staffel Richtung Vitznau.


Wenig später verlässt BDhe 2/4 12 Rigi Staffel Richtung Arth-Goldau, gefolgt vom ebenfalls planmäßig eingesetzten BDhe 2/4 7 aus dem Jahr 1925.

Damit war Anfang Juli bereits das Highlight des Jahres vorüber. Im weiteren Sommer war die Zeit leider knapp und im fortgeschrittenen Herbst ließ die wieder anziehende Pandemie keine weiteren Reisen mehr zu. So blieb es bei einigen Tagesausflügen. Den Anfang machte Ende Juli ein spontaner Ausflug an die Harzquerbahn, hatte doch der Einsatz eines Harzkamels im Wernigeroder Umlauf aufhorchen lassen.


Seit diesem Jahr endet der Wernigeroder Triebwagenumlauf bereits in Benneckenstein und trifft auf Anschlusstriebwagen von der Talmühle. So wird 199 861-6 am Vormittag des 21. Juli in Benneckenstein gleich für die Rückfahrt des erstaunlich langen Triebwagenersatzes umsetzten.


August

Die Kamele sollten in unterschiedlichsten Umläufen bis in den Herbst hinein immer wieder in den Harz locken. Am 16. August kam 199 872-3 auf dem Nordhäuser Dampfzugumlauf zum Einsatz. Ansonsten blieben Fotoaktivitäten abseits der heimischen Straßenbahn im August weitgehend aus.


Für den Dampfzugersatz aus Nordhausen hatte ich mir eine recht neue Lichtung bei Sorge herausgesucht. Dort klappte trotz zahlreicher Wolkenfelder sowohl am Vormittag, als auch am späten Nachmittag die Aufnahme der ungewöhnlichen Bespannung. Anders als auf meiner Lichtung, war ich am Klassiker in Elend mit Nichten der einzige Schaulustige. Auch hier kam passend zum Zug die Sonne durch die schwüle Wolkensuppe dieses Hochsommertages.


Und besagte Lichtung am späten Nachmittag mit dem von 199 872-3 bespannten, falschen Dampfzug zurück nach Nordhausen kurz hinter Sorge.


September

Im September gerieten dann gleich zwei Straßenbahnbetriebe in Sachsen-Anhalt in den Fokus. Zum einen die Hauptstadt Magdeburg, in der Ende August wegen Fahrzeugmangel infolge der Liniennetzreform acht aus Berlin übernommene KT4D in Betrieb gingen. Einen ersten Besuch stattete ich Magdeburg infolge dessen Mitte September ab, ein weiterer folgte Im November.
Zum anderen erschienen nach dem Unfall zweier Niederflurwagen in Halberstadt die alten Esslinger GT4 wieder im täglichen Liniendienst, da für die fünf benötigten Umläufe auch ohne Unfallwagen nur exakt fünf Niederflurwagen zur Verfügung stehen. Da die GT4 allerdings nur von Montag bis Freitag benötigt werden, ergab sich ein Besuch schlussendliche erst im November. Stattdessen stand weiterhin die HSB im Fokus, da das Harzkamel als Triebwagenersatz nun einen Umlauf ins Selketal übernommen hatte, wie es in den vergangenen Jahren nur äußerst selten geschehen war. Das Großdiesel lief nun rund zwei Wochen täglich zwischen Nordhausen und Harzgerode und eignete sich perfekt für einen Ausflug am Wochenende.


Am Nachmittag des 11. September wurden die ersten Eindrücke der neuen alten KT4D aus Berlin in Magdeburg eingefangen. Zunächst aber eines der nur hier verkehrenden Gespanne aus NGT8D und B6A2M auf dem Hasselbachplatz. Auch die B6A2M wurden bereits ab 2009 aus Berlin übernommen um die letzten Tatra-Großzüge ersetzten zu können.


Am späten Nachmittag überquert das KT4D-Doppel 1288+1289 den Hasselbachplatz als Linie 5 zum Klinikum Olvenstedt. Den kompletten Bericht zu den Tatraeinsätzen in Magdeburg gibt es hier: Zuwachs für die Tatra-Flotte – Berliner KT4D in Magdeburg.


Auch entlang der Selketalbahn haben sich in den letzten Monaten viele neue Sonnenspots infolge der Rodung des absterbenden Fichtenwaldes ergeben. Rund um den Bergsee bei Güntersberge war die Strecke in den vergangenen 20 Jahren immer weiter zugewuchert. Nun ergeben sich hier einige neue Möglichkeiten, wie am ersten Bahnübergang vor Günthersberge aus Stiege kommend. Mit bereits reichlich Verspätung erreicht das Harzkamel 199 874-9 am 12. September 2020 Günthersberge in Richtung Harzgerode. Durch das zusätzliche Umsetzten in Alexisbad, würde die Fuhre erst mit einer knappen halben Stunde Verspätung Harzgerode erreichen, was mir allerdings selbst mit dem Rad die Chance ließ, den Zug beim Verlassen von Alexisbad Richtung Harzgerode erneut abzulichten.


Erst die lange Pause in Harzgerode ermöglichte dem Zug wieder in die Planlage zurückzukommen und mir, bis nach Straßberg voraus zu fahren und das Gepann auf der dortigen Wiese vor dem Haltepunkt Glasebach abzulichten. Mit 199 874-9 hatte ich nun alle drei betriebsfähigen Harzkamele in diesem Jahr im Plandienst ablichten können.


Das Harzkamel war nun Richtung Nordhausen mit dem Rad uneinholbar entflohen. Eine gewaltige Lichtung zwischen Güntersberge und Albrechthaus hatte aber unterwegs mein Interesse geweckt und tatsächlich ließ sich dort der Dampfzug mit 99 6001-4 perfekt in Szene setzten. Für den Winter, so es ihn denn in dieser Höhe dieses Jahr geben sollte, wurde die Stelle für eine mittägliche Triebwagenleistung aus der Gegenrichtung vorgemerkt. Inzwischen hat die HSB wohl bis in den Frühling den Betrieb abseits der ÖPNV-Leistungen eingestellt, sodass dieses Motiv wohl noch etwas länger auf Winter warten darf…


Schon am nächsten Tag ging es noch einmal mit verstärkter Mannschaft in den Harz. Für mich persönlich stand vor allem der Ausblick vom Aussichtspunkt Dreitälerblick auf die Lichtung bei Netzkater ganz oben auf der Liste. Nach kurzem Fußmarsch war der Aussichtspunkt erreicht und 199 874-9 kam schon nach wenigen Minuten mit ihrem kurzen Ersatzzug nach Nordhausen angedröhnt, übertönt vom infernalen Lärm hunderter Motorräder, die die lauschigen Täler des Harzes in den vergangenen Jahren immer mehr zur Horrorshow verkommen lassen…


Oktober

Der goldene Oktober fiel leider weitgehend ins Wasser. So ein fast durchgehend nasses und trübes Wetter hatte ich im Herbst dann doch selten erlebt. Die wenigen guten Tage kollidierten dann auch zuverlässig mit anderen Aktivitäten, sodass sich für’s Fotografieren, abgesehen von einigen spontanen Aufnahmen in der Löwenstadt am Abend des 2. Oktober, keine Gelegenheit bot.


Seit August drehte mit 1952 auch der zweite Tramino II seine Runden durch die Löwenstadt. Am 2. Oktober verlässt der Wagen auf der Linie 3 die Haltestelle Botanischer Garten Richtung Innenstadt.


November

Für den November war ursprünglich nochmal eine kleine Tour angedacht gewesen, ohne das ein genaues Ziel festgestanden hätte. Vielleicht etwas Straßenbahnen im Osten Deutschlands, vielleicht eine herbstliche Alpentour mit Lärchenfärbung. Doch nach etwas gelockertem Sommer holte uns Corona bekanntlich ab Ende Oktober wieder mit voller Wucht ein. Das Wetter schien sich aber im Oktober unglaublich viele Tage mit spätherbstlichem Kaiserwetter für den sonst so trüben und ungemütlichen November aufgespart zu haben. So wurde die freie Zeit im November dann eben wie bereits im Frühjahr für zahlreiche Tagesausflüge zu benachbarten Straßenbahnbetrieben genutzt. Den Anfang machte Halberstadt am 4. November mit besagtem GT4-Einsatz. Es folgte Dessau am 7., Magdeburg am 11. und noch einmal Halberstadt am 18. November. In Sachen Fototouren dürfte der November dieses Jahres damit einen neuen Rekord aufgestellt haben, ist es bei mir doch aufgrund des Wetters und der kurzen Tage sonst meist einer der fotoärmsten Monate.


Fast vergessen hätte ich Braunschweig. Dort wurde unter anderem am Nachmittag des 2. November eine kleine Fotosession bei anbrechender Dunkelheit rund um das Wendentor eingelegt. Der Mannheimer-Zug aus GT6 7756 und 7771 passiert das Wendentor und die Okerbrücke auf der Linie 10 stadtauswärts.


Mit seiner Fülle verschiedener Fachwerkensemble entlang der zwei kurzen Linien, ist der Kleinstbetrieb von Halberstadt in Deutschland einmalig. Wenn dann noch, wie in diesem Herbst, täglich ein GT4 eingesetzt wird, ist dieses Kleinod wie ein kleines Paradies für Trambahnfuzzies. Einen wirklichen Verkehrsbedarf deckt die Straßenbahn abseits des Schülertransportes und der Strecke zum Bahnhof leider kaum ab und so sind die Bahnen oftmals genauso verlassen, wie die Gröperstraße am 4. November 2020 bei Durchfahrt des GT4 168. Ein ausführlicher Bericht über die beiden Ausflüge nach Halberstadt im November findet sich hier: GT4 zurück im Liniendienst – Ein Spaziergang durch Halberstadt


Die kurzen Tage im November verleiten mich dann meist noch zu Aufnahmen bei anbrechender Dunkelheit, um den Fototag so wenigstens auf acht Stunden zu strecken. Hinter der Haltestelle Johannesbrunnen erreicht der Leoliner 4 das zweite große Fachwerkensemble, dass sich bis hinter die nächste Haltestelle an der Vogtei zieht. Die beiden Unfallfahrzeuge gingen derweil erst Mitte November zur Ausbesserung, sodass noch einige Monate mit dem Einsatz von ein bis zwei GT4 von Montag bis Freitag gerechnet werden darf. Derzeit stehen die GT4 aufgrund eines corona-bedingten 30min-Taktes allerdings wieder im Betriebshof.


Auch wenn der Wagenpark in Dessau seit fast zehn Jahren nur noch aus den zehn Flexity’s besteht, bietet das zweite kleine Netz Sachsen-Anhalts eine große Abwechslung an Motiven, sodass mit am 7. November keinesfalls langweilig wurde. Flexity 303 biegt hier neben dem neuen Bauhausmuseum vor der Kulisse der Hauptpost in die generalsanierte und menschenfreundlicher umgestaltete Kavalierstraße ein.


Fast ländlichen Charakter versprüht dagegen der kurze Abschnitt hinter der Haltestelle Lindenstraße der Linie 3 Richtung Junkerspark. Der kleine Teich im Vordergrund ist aber eigentlich nur eine vollgelaufene Baugrube des Neubaugebietes, welches diese Idylle in kürze der Vergangenheit zuführen wird.


Auch in Dessau wartete ich noch auf die blaue Stunde, um in dieser besonderen Stimmung auch einige Perspektiven umzusetzen, welche in der kurzen Novembersonne nicht mehr richtig ins Licht rücken. So etwa die neue Haltestelle Bauhausmuseum auf der Kavalierstraße mit Flexity 309. Der ausführliche Bildbericht aus Dessau ist hier zu finden: Bauhausmuseum, Platte, Historismus – Die Straßenbahn Dessau.


Am 13. November stand der zweite Anlauf in Magdeburg auf dem Programm. KT4D 1286 und 1287 passieren kurz vor der Haltestelle Domplatz als Linie 5 das Postamt.


Auch die letzten T6A2 und B6A2 sind weiterhin unverzichtbar. Der Zug aus 1281 und 2147 kam an diesem Tag auf der Linie 10 nach Sudenburg zum Einsatz und erwischte mit etwas Glück neben dem Schauspielhaus einen Sonnenspot ohne Autos.


Bei etwas unsicherer Wetterprognose ging es am 18. November für einige Ergänzungen erneut nach Halberstadt. Ein kleiner Streifen blau hielt sich aber wie vorhergesagt den ganzen Tag über dem Vorharz und sorgte für so manche Theaterbeleuchtung. Am Morgen drehte sogar der GT4 167 noch eine Runde, bevor er gegen einen Leoliner ausgetauscht wurde. Ich erwischte das Fahrzeug an der Haltestelle Westerhäuser Straße, die wie so manches in dieser Stadt noch aus einer vergangenen Zeit zu stammen scheint.


Zu diesen Relikten zählt im Übrigen auch der Bahnübergang wenige Meter weiter, der nach wie vor mit einer WSSB-Anlage aus DDR-Zeiten gesichert wird und zu den klassischen Motiven entlang der Halberstädter Straßenbahn gehört. Als zweiter GT4 wurde an diesem Tag erneut 168 eingesetzt und konnte gegen Mittag kurz vor dem Übergang aufgenommen werden.


Trotz bereits sechs von sieben in Betrieb genommener Tramino II, drehen auch Ende 2020 noch die letzten Hochflurzüge ihre Runden auf Braunschweigs Linie 10. Am 25. November nahm ich mir wiedermal einige Stunden Zeit, um diese letzten Kurse noch an dem ein oder anderen Motiv umzusetzen. LHB GT6 8157 und B4 8175 verlassen die Haltestelle Nordhoffstraße im Norden der Stadt mit dem Ziel Hauptbahnhof. Der große Jahresrückblick zur Straßenbahn Braunschweig findet sich hier: In Zeiten von Corona – Die Straßenbahn Braunschweig 2020


Dezember

Nachdem der November noch einmal etwas umtriebiger war, folgte im Dezember nur noch am 2. des Monats ein letzter kleiner Ausflug nach Brandenburg an der Havel. Den restlichen Monat fielen dann nur noch einige Aufnahmen der Braunschweiger Straßenbahn ab, die sich zum Ende des Monats mit den verschärften Corona-Maßnahmen inklusive Schulschließungen vorerst bis Mitte Januar in den Ferienfahrplan verabschiedete.


Bereits ein Jahr nach der Umstellung auf elektrischen Betrieb wurde in Brandeburg an der Havel im Jahr 1912 die Überlandstrecke ins rund 14 km entfernte Kirchmöser eröffnet. Der marode Zustand der Brücke über den Plauer See wurde schließlich 2002 zum Anlass genommen, die Linie nach 90 Jahren nahezu zu halbieren und zur Anton-Saefkow-Allee zurückzuziehen.
Auf dem letzten Streckenabschnitt zwischen Waldcafé Görden und Anton-Saefkow-Allee bietet sich aber auch heute noch die klassische eingleisige Überlandcharakteristik dieser Strecke mitten im Forst. Alle halbe Stunde bedient am Vormittag eine Bahn der Linie 1 diesen letzten Rest der Überlandstrecke und besonders zur laubfreien Zeit bieten sich auch mitten im Wald einige Motive an. Am 2. Dezember 2020 konnte KTNF6 176 am Vormittag kurz vor der Haltestelle Waldcafé Görden Richtung Hauptbahnhof aufgenommen werden.


Ein weiteres Highlight der Brandenburger Straßenbahn sind die Havelquerungen. Besonders die Luckenberger Brücke unweit der Haltestelle Kanalstraße gibt am Nachmittag mit dem angrenzenden Häuserensemble ein tolles Motiv ab. Selbst um 14 Uhr herrscht im Dezember wunderbares Licht und der Sonnenuntergang ist schon wieder erschreckend nahe, als KTNF6 178 die Brücke Richtung Hauptbahnhof überquert.


Zur blauen Stunde des letzten Einsatztages der Hochflurzüge zumindest für 2020 fand ich mich noch einmal am Hauptbahnhof ein. Für die Rush-Hour war das Treiben durch geschlossene Schulen, Einzelhandel, Gastronomie, Freizeit- und Sporteinrichtungen recht beschaulich. Dennoch zogen die Hochflurer an diesem letzten Einsatztag noch unbeirrt ihre Runden. Um 17 Uhr passte dann wirklich alles: Die blaue Stunde hatte genau die richtige Resthelligkeit erreicht und die Mannheimer Züge 7758+7775 und 7756+7771 begegneten sich an der Haltestellenanlage am Hauptbahnhof. Eine Aufnahme, die so auch nur dank des Einsatzes auf der Linie 1 möglich war, kreuzen doch die Fahrzeuge der hier endenden Linie 10 erst am J.-F.-Kennedy-Platz. Ein wenigstens fotografisch perfekter Jahresabschluss…


Damit endet mein Rückblick auf dieses wenig erfreuliche Jahr 2020. Trotz allem konnte ich einiges unternehmen und insbesondere in Deutschland mal wieder den ein oder anderen Punkt von der To-Do-Liste streichen. Einziges richtiges Highlight bleibt dann aber doch die Woche in der Schweiz im Sommer…

Ich wünsche allen Lesern einen besseren Start in das neue Jahr 2021 und bedanke mich für das diesjährige Interesse, alle Kommentare und netten Zuschriften 🙂

Bis dann in 2021