Mit der L45H durch’s herbstliche Zittauer Gebirge

Im Oktober 2021 konnte ein sonniger Herbsttag genutzt werden, um während des noch gültigen Hauptsaison-Fahrplans bei der Zittauer Schmalspurbahn den mit der L45H bespannten Dieselzuges zu verfolgen.

Nur den aufmerksamsten Lesern wird aufgefallen sein, dass ich von einem zweitägigen Ausflug nach Sachsen Anfang Oktober 2021 noch einen Tag an der Zittauer Schmalspurbahn schuldig geblieben war. Nachdem Samstag der 2. Oktober bei der Straßenbahn in Görlitz verbracht wurde (Görlitz Digital – Ein Oktobertag an der Neiße), ging es am folgenden Sonntag den 3. Oktober die wenigen Kilometer hinüber nach Zittau. Die L45H-Einsätze auf den 750mm-Schmalspurbahnen waren bislang irgendwie immer ein wenig an mir vorbeigegangen, obwohl mit den SDG-Bahnen und der Zittauer Schmalspurbahn gleich mehrere Strecken über einsatzfähige Maschinen dieser Rumänischen Einheitslok verfügen. Während die Maschinen am Fichtelberg in der Regel nur im Bahndienst oder als Vorspann zum Einsatz kommen, springt bei der Lößnitzgrundbahn hin und wieder eine L45H bei mangelnder Verfügbarkeit einer Dampflok ein. Aber mal eben spontan nach Dresden hinüber zu fahren, wenn erst am Morgen bekannt wird, das die Lok ein paar Runden dreht, ist eben auch nicht drin.
Die einzige Leistung, wo eine L45H also regelmäßig im Einsatz steht, ist der fahrplanmäßige Dieselzug bei der Zittauer Schmalspurbahn. Aber auch für diesen stehen neben der L45H 199 018 noch der VT 137 322 und die 199 013 zur Verfügung.

An einem prächtigen Herbsttag zur Ferienzeit standen aus meiner Sicht die Chancen für den Einsatz der leistungsstarken L45H aber nicht schlecht, sodass ich auf gut Glück Zittau ansteuerte. Nachdem der erste morgendlichen Dampfzug auf der Wiese hinter Zittau Haltepunkt abgewartet wurde (das dortige Motiv wird durch Neubauten immer kürzer), passte ich den zweiten Dampfzug im Haltepunkt Zittau Haltepunkt und hinter Zittau Vorstadt ab. Eine knappe Stunde später machte sich dann auch der Dieselzug auf den Weg ins Gebirge. Ich erwartete gespannt die Einfahrt des Zuges nach Jonsdorf am Zittauer Haltepunkt, welcher am Morgen wunderbar mit dem roten Wein in der Lichtachse liegt. Zur großen Freude schob sich dann um kurz nach zehn die L45H 199 018 mit einem schönen Fünf-Wagen-Zug in den Haltepunkt. Der Auftakt für eine dann gut sechsstündige Fotosession dieses Zuges entlang der Strecke von Zittau bis Jonsdorf. Natürlich wurde auch bei den Dampfzügen hin und wieder abgedrückt. Im Einsatz standen neben dem Rumänen-Diesel die VII K 99 758 und 99 1760.

Viel Spannendes gibt es von diesem Tag ansonsten nicht zu berichten. Es ging recht entspannt an der Strecke auf und ab, zwischendurch wurde mal ein Umlauf Pause gemacht und eine Kaffeepause auf dem Marktplatz von Zittau eingelegt. Mit dem Wetter hatte ich noch einmal großes Glück. Während praktisch ganz Deutschland unter Wolken und Regen lag, gab es nur hier am östlichsten Zipfel des Landes noch einmal reichlich Sonne, die fast bis in den Abend hielt. Erst gegen 17 Uhr wurde die Siffschicht langsam zu dick für ansehnliche Aufnahmen, bis dahin war ich mit dem Tagwerk aber auch schon mehr als zufrieden. Ohne viele weitere Worte lasse ich im Folgenden die Ausbeute des Tages für sich sprechen.


99 758 erreicht mit dem zweiten Zug des Tages Richtung Gebirge Zittau Haltepunkt. Mit dem eingereihten Speisewagen wird der Zug den ganzen Tag zwischen Zittau und Oybin pendeln, während die beiden anderen Züge die Destinationen Jonsdorf-Bertsdorf-Oybin und Jonsdorf-Bertsdorf-Zittau bedienen.


Für 99 758 ging es noch einmal an den Ortsausgang von Zittau hinter den Bahnhof Zittau Vorstadt.


Dann war es schon Zeit für den nur eine knappe Stunde später startenden Dieselzug zurück nach Zittau Haltepunkt zu wechseln. 199 018 erreicht samt Cabrio-Wagen am Zugschluss gegen 10 Uhr den Haltepunkt.


Bei Olbersdorf Niederdorf gelang die nächste Aufnahme des Rumänen-Diesels. Über 300 dieser Lokomotiven wurden von FAUR in Rumänien zwischen 1967 und 1985 gefertigt und ersetzten auf den damals noch zahlreichen Schmalspurbahnen mit Spurweiten von 750mm bis 1000mm unter anderem in Rumänien, Polen und Ungarn einen Großteil der Dampftraktion. Spätestens mit dem Zusammenbruch der UdSSR wurden fast alle verbliebenen Schmalspurbahnen dieser Länder um die Jahrtausendwende eingestellt, einige wenige blieben als Museum- oder Touristenbahnen erhalten. Einige der hunderten L45H gelangten anschließend meist für den Bahndienst auch nach Westeuropa. Drei Maschinen und zwei Ersatzteilspender befinden sich heute bei der SDG. Eine weitere, die 199 018, ist seit 2011 remotorisiert bei der SOEG im Einsatz und als einzige recht regelmäßig auch im Personenverkehr zu erleben.


In Bertsdorf besteht Anschluss an den Reichsbahnzug mit VII K 99 1760-0 nach Oybin. Für 199 018 geht es auf dieser Runde weiter nach Jonsdorf.


Wirklich lang sind die einzelnen Äste der Zittauer Schmalspurbahn nicht, sodass 199 018 schon zwölf Minuten später in den Endbahnhof Jonsdorf einrollt.


Recht schnell setzt die FAUR vom Zug ab. Schon nach zehn Minuten Pause geht es zurück Richtung Zittau. Bis zum späten Nachmittag bedient der Dieselzug die Strecke Zittau-Jonsdorf und der Reichbahnzug den Gebirgspendel Oybin-Bertsdorf-Jonsdorf. Erst am späten Nachmittag gelangt der Dieselzug auch zweimal nach Oybin.


Die Motive an der Zittauer Schmalspurbahn wiederholen sich aufgrund der Kürze der Strecke bei mehreren Besuchen doch schnell. Auf dem Zettel stand aber noch die Waldschneise vor der Einfahrt Bertsdorf, die sich zumindest im Herbst nur mit einem Zug umsetzen lässt. Mit dem 10:57 Uhr ab Jonsdorf passte es perfekt.


Zwischen Zittau Vorstadt und Zittau Süd springt der Dieselzug über die Straße – immer wieder ein etwas seltsamer Anblick.


Am Mittag startet 199 018 in Zittau zur zweiten Runde ins Gebirge und erreicht wenig später den Bahnhof Zittau Süd.


Nach einer Kaffeepause auf dem Marktplatz von Zittau, wurden auch die beiden anderen Züge nochmal abgepasst. 99 758 erwartete ich im Bahnhof Olbersdorf Oberdorf.


Für den im Gebirge pendelnden Reichsbahnzug ging es dann noch einmal in den Bahnhof Jonsdorf, wo die Einfahrt und das Umsetzten festgehalten wurde.


99 1760-0 setzt für die Fahrt über Bertsdorf nach Oybin um. Da in Bertsdorf erneut Kopf gemacht wird, dürfte die Crew des Gebirgspendels wohl die Hälfte der Arbeitszeit mit dem Umsetzen der Lok beschäftigt sein…


Die bekannte Wiese in Jonsdorf mit den windschiefen Telegrafenmasten durfte natürlich auch bei diesem Besuch nicht fehlen und wurde mit dem nachmittäglichen Dieselumlauf umgesetzt.


Es siffte nun doch immer mehr zu, sodass die Zeit für bahnhofsbetontere Aufnahmen gekommen war. 99 758 hat in Zittau Vorstadt den Dieselzug gekreuzt und verlässt den Bahnhof in Richtung Oybin.


Wenig später erreicht der Dieselzug Zittau Hauptbahnhof und setzt für eine weitere Fahrt Richtung Gebirge um.


Immer wieder einen Besuch wert ist dabei das markante Bahnhofsensemble am Zittauer Hauptbahnhof mit der überdachten Durchfahrt.


Um 16 Uhr startet der Dieselzug schließlich ein letztes Mal Richtung Gebirge, hier in Zittau Vorstadt, nun auf dem Weg nach Oybin. Nach einer weiteren Runde Oybin-Bertsdorf-Oybin, wird der Dieselzug schließlich mit Ankunft um 18:25 Uhr in Zittau den letzten Zug des Tages bilden.


Ich hielt hingegen nur noch die Ausfahrt Richtung Gebirge fest, wo sich jetzt doch eine dicke Siffschicht breit machte und beschloss damit den Besuch bei der Zittauer Schmalspurbahn.

Das war doch ein durchweg gelungener Besuch im Zittauer Gebirge. Angesichts der doch noch recht langen Rückfahrt zum Abschluss dieses Wochenendes, war das Eintreffen der angedrohten Wolken noch vor dem Sonnenuntergang dann auch gut verschmerzbar. Noch einmal volltanken in Zittau und dann ging es zurück Richtung Nord-Westen. Der kleine zweitägige Ausflug an den östlichsten Zipfel Deutschlands hatte sich aber mehr als gelohnt, zumal im Rest des Landes das Wetter wirklich so schlecht war, wie angesagt, während hier zwei Tage fast durchweg die Sonne geschienen hatte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.