Circum Carpati III: Tag der Zusammenbrüche in Iași

Gestern war der Sonntagnachmittag in Iași schon erstaunlich erfolgreich gewesen. Für heute stehen dann noch einige weitere Aufnahmen der etwas selteneren Fahrzeugtypen und insbesondere der noch fehlenden Essener M8C auf dem Programm. Was es mit dem seltsamen Titel auf sich hat? Dranbleiben – der Nachmittag wird es aufklären.


Montag, 9. Mai 2022:

Der gestrige Sonntagnachmittag war ja mal deutlich ertragreicher gewesen, als wir das im Vorhinein nach unserem 2015er Besuch erwartet hatten, als baustellenbedingt selbst am Werktag fast ausschließlich GT4 unterwegs gewesen waren. Angesichts dieser Tatsache bestand dann bei keinem von uns gestern Abend die Motivation, den Wecker für die Frühspitze zu stellen. Dazu muss man wissen, dass der Betrieb in Rumänien, insbesondere in Iași und Arad, zwischen etwa halb zehn am Vormittag und halb zwei am frühen Nachmittag doch sehr deutlich einbricht, mit niedrigeren Frequenzen und oft auch kleineren Fahrzeugen. Da uns nun ernsthaft aber nur noch die Essener M8C fehlten, bestand irgendwie nicht so richtig der Grund, noch vor dem Aufstehen vor die Tür zu treten und den Verkehr zu sondieren. Also erstmal um halb acht gemütlich runter zum Frühstück und dann anschließend noch die auslaufende Frühspitze mitnehmen. Ebenso wie das Zimmer, war auch das Frühstück sehr ordentlich. Es gab eigentlich alles was man sich so wünscht in dem recht pompös aufgemachten Saal, in dem etwa hälftig Business-Leute und Touristen anzutreffen waren. So war eine mehr als ausreichende Basis für den Tag gelegt und um kurz nach acht traten wir mal vor die Tür. Mit dem nächsten 3er ging es die eine Haltestelle zum Bahnhof hinüber. Der GT4 380 war gleich eine kleine Besonderheit, handelt es sich bei diesem doch um einen von nur drei, erst 2012 aus Nordhausen übernommenen GT4. In Nordhausen leicht modernisiert und “erst” zehn Jahre in Iași, machte dieser zumindest einen etwas besseren Eindruck als das, was sonst noch so an Kurzgelenkwagen aus Esslingen herumkurvte.


Drei der vier in Nordhausen 1991 aus Stuttgart übernommenen GT4 gelangten 2012 weiter nach Iași. GT4 380 hat zwischenzeitlich auch die aktuelle Lackierung von Iași erhalten und konnte am Bahnhof aufgenommen werden. Äußerlich ist der GT4 380 noch einer der besseren Esslinger – ob er dadurch aber den Tag unbeschadet überstehen wird?

Da das eigentliche Bahnhofsmotiv noch verschattet war, ging es gleich eine Haltestelle weiter zum Piața Unirii, mal schauen, was heute Morgen noch so läuft. Zu unserer Freude kamen im schönen Morgenlicht gleich der werbefreie Augsburger GT8 812 und der noch in vollständig in Mülheimer Farben laufende M6D 297 durch.


Die morgendliche Perspektive am Piața Unirii neben dem Grand Hotel, welches erst gegen Mittag ins Straßenbahnmotiv rückt. Der Augsburger GT8 812 ist wieder auf der Linie 9 Tehnopolis – Copou unterwegs.


Der gestern noch vor den Depottoren abgestellte M6D 297 darf heute wieder auf der 6 zwischen Târgu Cucu und Dacia ran.

Noch schien die Taktung sehr dicht, das Aufgebot interessanter Fahrzeuge entsprechend hoch, weshalb wir gleich mal durch die Fußgängerzone hinauf zum Ast nach Copou abkürzten. In der Fußgängerzone war zu unserer Überraschung auch der Tw 2 ausgestellt, den wir 2015 noch in einer hinteren Rumpelecke der Fahrzeughalle des Depou Dacia aufgenommen hatten.


Tw 2 ist in der Fußgängerzone an der Strada Alexandru Lăpușneanu ausgestellt.

Eine Hinweistafel weiß über die Geschichte der Straßenbahn zu berichten.

Am anderen Ende mündet die Fußgängerzone in den Piața Mihai Eminescu, wo wir gestern Nachmittag schon einige Zeit gewartet und den Aufstieg “gefeiert” hatten. Am Vormittag lässt sich die Perspektive von der anderen Straßenseite mit einem Universitätsgebäude auf der anderen Seite des Kreisels umsetzten. Dummerweise hatte aber die Polizei gerade den ebenfalls vom Kreisel abgehenden Bulevardul Independenței gesperrt und parkte zahlreiche ihrer Dacias ausgerechnet neben der Straßenbahntrasse, sodass das Motiv doch arg kompromissbehaftet war. So ging es schon wenig später eine Haltestelle bis vor die Universität weiter. Unzählige kleine Cafés und Snackbuden in winzigen, wohnwagenähnlichen Anhängern versorgten hier morgens die Studenten mit Kaffee, Stückchen und denkbar billigen Elektro-Klängen. Inzwischen schien die Frühspitze auch deutlich abzuebben, diverse Achtachser waren schon wieder mit dem Ziel Depou Gara unterwegs. Wir fuhren trotzdem nochmal bis zur Endschleife Copou und lichteten die letzten Morgenverstärker ab.


Aus der Fußgängerzone spühlt es uns wie geplant direkt auf den Piața Mihai Eminescu mit den Linien 1, 8, 9 und 13 an der Universität vorbei nach Copou. Durch zahlreiche Polizei-Dacias (die Schatten am rechten Bildrand) war das Motiv mit dem Universitätsgebäude und 122Na 2214 leider arg beengt.


Eine Haltestelle weiter direkt am Hauptgebäude der Universität wird derweil der nicht abreißende Strom an Autos zum Problem. Bei der Durchfahrt von GT4 128 ging es sich aber gerade aus mit einer kleinen Lücke. Der 2003 aus Halle übernommene Esslinger war uns schon mehrmals durch seine auf das Jubiläum “1959-2019 – 60 Jahre GT4” hinweisende Bandenwerbung aufgefallen. Passend wurde mit dem GT4 128 auch eines der bereits 1959 gebauten Exemplare ausgewählt. Während zu diesem Jubiläum in Deutschland sogar noch Museumswagen quer durch die Republik gehahren wurden, sind die GT4 in Iași im Planverkehr noch immer die unverzichtbaren Hauptakteure.


Ein nicht enden wollender Strom von Fahrzeugen schiebt sich den Bulevardul Carol I vor der Universität hinunter, mittendrin auch Pesa 2202. Die gesamte weitere Strecke ab dem Piața Mihai Eminescu folgt schnurgeradeaus diesem Bulevardul.


Die Endschleife Copou umfährt am Fahrbahnrand den Rond Agronomie auf dem Bulevardul Carol I. An der stadteinwärtigen Abfahrtshaltestelle wartet der Augsburger GT8 804 noch auf Fahrgäste. Mit dem Ziel Depou Gara geht es auch für 804 über den Vormittag erstmal wieder ins Depot.


Wenig später befindet sich schon wieder ein GT4-Großaufgebot in der Schleife, dass den ausgedünnten Vormittagsverkehr auf den Linien 8, 9 und 13 bestreitet.

Nicht nur der Verkehr ließ jetzt merklich nach, auch das Licht schmierte irgendwie deutlich ab. Wir setzten uns mit einem kühlen Getränk einfach mal einen Moment auf eine Bank in der Grünanlage beiderseits des Bulevardul und warteten, was denn da noch kommen möge. Nach einer ganzen Weile kam dann auf der 9 doch nochmal ein Berner, sogar einer ganz in Rot. Das Licht war aber irgendwie nicht mehr sehr brauchbar. Auch der Be 8/8 167 schilderte sogleich Depou Gara ein. Wir stiegen trotzdem ein und ließen uns vom Schweizer zurück Richtung Innenstadt bringen. Am Piața Mihai Eminescu stiegen wir nochmal aus, die Polizei-Dacias hatten sich inzwischen verschoben. Das Licht machte die folgende Aufnahme aber auch nicht besser als vorhin. So ging es dann mit dem nächsten 9er, der vor hatte auf Linie zu bleiben, dem Augsburger GT8 812, weiter Richtung Tehnopolis.
Kaum noch Verkehr und Nicht-Licht, da kann man doch einfach mal eine Runde fahren. So genehmigten wir uns die Fahrt mit dem Typ Mannheim auf voller Länge bis in den Süden der Stadt zur Schleife Tehnopolis. Bis zum Kreisel auf dem Piața Podul Ros hatten wir die Strecke gestern schon abgearbeitet und alles dann noch Folgende war wirklich völlig nichtssagend. Es geht einfach immer in mitten der vier- bis sechsspurigen Ausfallachse fast schnurgeradeaus zwischen Plattenbauten zum Stadtrand. Da sorgte nicht nur der Siff am Himmel für wenig Gründe auszusteigen…


Mit dem Berner Be 8/8 167 geht es von Copou zunächst zurück bis zum Piața Mihai Eminescu. Die vielen deutschsprachigen Anschriften im Innenraum zeugen noch von der ersten Heimat des Wagens.

Der Innenraum ist dann doch mal eine deutliche Abwechslung zum DüWag-Einheitsbrei, den man aus so vielen Städten in Deutschland und inzwischen den zweiten bis dritten Heimaten in Osteuropa kennt. Deutlich kantiger geht es in den 1973 von SWS, BBC und SAAS gebauten Be 8/8 zu und auch die Gelenkportale weichen deutlich vom bekannten “Standard” ab.


Weiter nach Tehnopolis geht es dann einmal durch die ganze Stadt im Typ Mannheim aus Augsburg. Auch hier noch jede Menge deutsche Anschriften, aber diesmal mit DüWag-Patent-Falttür…


…und den so vertrauten Rundungen und Innenraumausstattungen der DüWags aus den 50er bis 70er Jahren. Zum Baujahr 1976 der Augsburger Typ Mannheim war dieses Design und die verbaute Technik im Grunde schon deutlich aus der Zeit gefallen, wurden doch parallel schon die ersten M/N-Wagen gebaut.


Zur Endschleife Tehnopolis wechselt die Strecke aus der Mittellage des Boulevards an den Rand. Die Schleife ist mit durchgehend zwei Gleisen und einer separaten Ankunftshaltestelle durchaus großzügig ausgelegt. Zur Rush-Hour fahren die Bahnen der Linie 9 aber auch gern mal in dichter Folge und überholen sich teilweise in der Endschleife. Jetzt am späten Vormittag ist das Angebot dagegen eher mager und wird zum großen Teil von den Pesa Swing abgewickelt.

Der Siff formierte sich allmählich zu richtigen Wolken mit immer wieder hervorstechenden Sonnenspots und lud damit schon wieder etwas mehr zum Fotografieren ein. Angesichts des mageren Verkehrs und der weitgehend nichtssagenden Linie fuhren wir aber gleich mal wieder in Innenstadt zurück. Der Pesa füllte sich ordentlich und die Straßen zwischen dem Kuturpalast und Târgu Cucu wahren schon auf der Hinfahrt weitgehend kollabiert, sodass ich kurzentschlossen den Vorschlag äußerte, schon am Kulturpalast auszusteigen und stattdessen zu Fuß durch die Fußgängerzone zum Piața Unirii zu schreiten. Umgehend wurde dem Folge geleistet und in normalem Schritt wären wir auch weit vor unserem Swing am Piața Unirii gewesen. Es gab aber wenig Grund zur Eile und so schlenderten wir gemütlich die “Kulturmeile” von Iași hinauf und fotografierten hier und da eine der Sehenswürdigkeiten.


An vielen Stellen hat sich Iași wirklich herausgeputzt. Der Bulevardul Ștefan cel Mare și Sfânt zwischen dem Kulturpalast und dem Piața Unirii ist heute auf halber Länge autofrei und mit liebevollen Blumenrabatten entlang der historischen Gemäuer geschmückt. Hier fällt der Blick zurück Richtung Kulturpalast.


Auch vor dem Rathaus (Primăria Municipiului) zeigt sich viel grün, punktuell mit prächtigen Geranien aufgehübscht.


Das Nationaltheater liegt deutlich vom Bulevardul zurückgesetzt hinter der kleinen Theaterparkanlage. An der Rückseite streift fast die Straßenbahnstrecke zwischen Piața Unirii und Târgu Cucu an der Haltestelle Filarmonica das Theater.


Und wenige Meter weiter die andere Realität von Iași: Der hintere Teil des Bulevardul Ștefan cel Mare și Sfânt Richtung Piața Unirii ist für den Autoverkehr freigegeben und daneben wieder geprägt von teils gigantischen Wohnanlagen aus sozialistischer Zeit. Die Architektur ist für Außenstehende ja durchaus eindrücklich, irgendwie im gleichen Maß aber auch menschenfeindlich…


Am Piața Unirii stand nun am Mittag natürlich DER Klassiker von Iași an: Die Perspektive mit dem Platz und dem Grand Hotel Traian. Was könnte da Ikonischeres vorbeikommen als ein GT4? Mit GT4 447 sogar noch einer der 2008 direkt aus Stuttgart übernommenen.


Dann kam auch endlich mal ein roter Berner passend durch. Be 8/8 167 scheint nach seiner kurzen Vormittagspause nun doch schon wieder für den dichteren Nachmittagsverkehr ausgerückt zu sein. Einen einzigen Berner konnten wir auch im neuen Grün/Schwarz sichten, allerdings blieb dieser die Ganze Zeit im Depot stehen.

Streckenmäßig stand jetzt neben der Linie 11 vor allem noch der große Ring durch die östlichen Stadtteile auf unserem Plan. Bei unserem 2015er Besuch war dieser nur bis zur Zwischenschleife Tătărași Nord befahren, was den damals so geringen Fahrzeugauslauf erklärte. Inzwischen waren die damals in Sanierung befindlichen Teilstücken fertiggestellt und auch die Strecke durch die “Senke” bei der Haltestelle Padurii wurde in der Zwischenzeit vollständig saniert. Mit der Sanierung der “Senke” und der Stilllegung der Uferstrecke der ehemaligen Linie 6 waren damit seit unserem letzten Besuch leider auch die letzten “echten Rumpelstrecken” verschwunden. Klar, aus Sicht der Fahrgäste und der Zukunft des Betriebes sehr zu begrüßen, aber als “Fan” fährt man ja irgendwie doch auch ein wenig genau wegen solchen völlig runtergerockten Strecken nach Rumänien… Aber noch gibt es bei anderen Betrieben noch ausreichend oder gar bedenklich viele solcher Ecken – wir wollen keine Namen nennen (Brăila, Craiova, Arad,…) 😀 Bevor wir aber zum Ritt über den Ring starteten, gönnten wir uns am Piața Unirii erstmal noch Kaffee und Stückchen am Café beim Hotel Select. Dummerweise schienen wir uns in den falschen Bereich gesetzt zu haben und nun am Restaurant zu sitzen. War zwar kuchentechnisch kein Unterschied, aber gefühlt kaufte das Restaurant Kaffee und Kuchen beim Café ein und schlug nochmal eine Gewinn- und Service-Marge obendrauf. Das war mit Abstand unsere teuerste Kaffeepause in diesem Urlaub und teurer als manches Abendessen – waren eher so aus Deutschland bekannte Preise… Aber die kurze Pause tat trotzdem mehr als gut.
Anschließend enterten wir mal den nächsten GT4 in die “Senke”, um ein paar Vergleichsbilder zu machen, nichtsahnend, dass mit der Bereisung des Rings das Fahrzeugunheil des Nachmittages seinen Lauf nehmen sollte.


GT4 145 hält am Grund der “Senke” zwischen den östlichen Stadteilen und der Innenstadt an der Haltestelle Padurii.


Kleiner Flashback: Im Jahr 2015 sah das hier alles irgendwie noch etwas rumpliger aus. Die ehemaligen Hallenser 128 und 132 durchfahren am 4. Mai 2015 die “Senke” rund um die Haltestelle Padurii.


Und so sah die Rampe aus, die wir auf dem vorletzten Bild hinter GT4 145 gesehen haben. Am 4. Mai 2015 kämpfte sich GT4 128 hier noch durch “Naturgleis”.


Noch genauso unübersichtlich ist das Einfädeln in die Straße am Ende der “Senke”. Besonders durch das Vorwegfahren des lila GT4 120 wurde es für den Duster brenzlich, konnte er den entgegenkommenden GT4 380 doch erst im letzten Moment sehen.


Vor sieben Jahren war die Kurve hier doch noch bedeutend eckiger, als GT4 318 den Berg hinauf geheult kam. Mehr Bilder zum Vergleich aus 2015 gibt’s im entsprechenden Reisebericht von damals.

Von der nächsten Haltestelle Ateneu wollten wir dann eine Station bis zur Zwischenschleife Tătărași Nord weiterfahren, wo die von hier aus stadtauswärts startenden Linie 11 endet. Dort liefen zumindest gestern jede Menge M-Wagen und wir hofften immer noch auf einen Essener M8C. Dumm nur, dass die dort nicht endenden Linien an der an den Straßenrand verschwenkten Zwischenschleife gar nicht halten, sondern in Straßenmitte bis zur nächsten Station Dr. Savini weiterfahren. Die Mitfahrt hätte man sich schenken können, mussten wir nun doch weiter zurücklaufen, als es von Ateneu gewesen wäre… Die nächsten 11er brachten zudem auch nur GT4 – ob die scheuen M-Wagen erst zur Nachmittagsspitze wieder herauskommen?


GT4 418 wendet als Linie 11 an der an den Straßenrand verschwenkten Zwischenschleife Tătărași Nord. Während die Linie 11 die Innenstadt vollständig meidet und hier in stadtauswärtige Richtung wendet, ist im Hintergrund eine Linie 3 zu erkennen, welche in Gegenrichtung wendet. Eigentlich würde die 3 im weiteren Verlauf des Ringes an der Haltestelle Tătărași Sud vom Ring Richtung Dancu abzweigen. Allerdings ist sowohl diese Strecke, als auch die ebenfalls vom Ring abzweigende Strecke der Linie 7 nach Tutora derzeit wegen Sanierungsarbeiten eingestellt. Entsprechend wendet die Linie 3 schon in Tătărași Nord und die Linie 7 – so vermuteten wir – in Baza 3. Eingeschildert waren weiterhin die alten Ziele, sodass nicht gleich ersichtlich war, wo die Linien denn nun wenden würden. Beide Stichstrecken vom Ring waren aber zumindest im Bereich der Abzweige schon weitgehend fertiggestellt.

Der Ring ist ansonsten recht nichtssagend. Abwechslungsreich wäre wohl die in Tătărași Sud abzweigende Linie 3 gewesen, die aber nun in Tătărași Nord wendete. So fuhren wir mal bis zum Abzweig der Linie 7 im Industriegebiet weiter. Aber schon direkt nach dem Aussteigen war zu erkennen, dass es auch hier kaum etwas Spannendes zu reißen gäbe und die Linie 7 wie vermutet nach wie vor wegen Sanierungsarbeiten nicht nach Tutora lief. Etwas Spannendes passierte dann aber doch und damit Begann das Unheil des Nachmittages: Wie ich mich so nach einem auf die Kreuzung zu heulenden GT4 umsah, fiel mir das recht seltsam aussehende Schleifeisen direkt ins Auge – es war durchgebrochen und stand jetzt seltsam nach oben ab. Nur der Bruchteil einer Sekunde lag zwischen meinem Bemerken des Schadens und dem Einfädeln des gebrochenen Stückes in ein Querträgerseil der Oberleitung. Damit war es auch schon zu spät. Das gebrochene Schleifeisen fädelte ein und es riss den ganzen Stromabnehmer nach hinten weg. Mitten auf der vierspurigen Straße blieb der GT4 121 kurz hinter der Haltestelle Piața Ing. Virgil Sahleanu liegen.


GT4 121, *1964 in Esslingen bei Stuttgart, † 8. Mai 2022 in Iași. Kennt hier jemand den Streifen “Hard Powder”? Ein Hollywood-Remake mit Liam Neeson des norwegischen, von morbidem Humor geprägten “Einer nach dem anderen”, in denen es nach und nach allen Mitgliedern zweier verfeindeten Clans an den Kragen geht, bis am Ende – natürlich – nur noch Liam Neeson als dritte Partei und nicht unwesentlicher Beitrag zu den Morden, überlebt. Höhepunkt des schwarzen Humors ist jedenfalls, dass nach jedem der zahlreichen Verluste eine kurze Traueranzeige des Verstorbenen mit den kaum zu einer Traueranzeige passenden Gang-Namen des Betroffenen bildschirmfüllend geschaltet wird. Da ich den Film erst vor kurzem gesehen hatte und begeistert in den dafür empfänglichen Freundes- und Familienkreisen verbreitet hatte, fühlten wir uns im Laufe des weiteren Tages irgendwie immer wieder an die morbiden Todesanzeigen erinnert, wenn wiedermal ein Fahrzeug geschieden war. Hier sehen wir nun also den GT4 121, mit halb weggerissenem Stromabnehmer auf dem Piața Ing. Virgil Sahleanu gestrandet. Der übrige Verkehr sucht sich schon nach kürzester Zeit seinen Weg um das Geschehen herum. Besonders interessant dabei der ehemalige MVG MAN 5307.


Natürlich wird dieser Zwischenfall nicht wirklich das Ende des GT4 121 markiert haben. In der Werkstatt schnell einen neuen Stromabnehmer drauf und dann läuft der wahrscheinlich schon morgen wieder…


Zunächst wunderten wir uns, warum der folgende GT4 402 den 121 nicht einfach aus dem Weg schob, die genauere Ansicht dieser Aufnahme gab dann aber wenig später Aufschluss. Auch GT4 402 kam mit gebrochenen Schleifeisen daher. Wir verabschieden damit zumindest für heute auch GT4 402: *1963 in Esslingen bei Stuttgart, † 8. Mai 2022 in Iași.

Schneller als wir, schienen dann auch die Fahrer der ersten beiden Fahrzeuge bemerkt zu haben, dass da etwas an der Fahrleitung nicht stimmte und alarmierten den nachfolgenden Verkehr, sodass sich in den nächsten 20 Minuten eine veritable Fahrzeugaufstellung an der Calea Chișinăului bildete. Die Aufhängung der Fahrleitung hatte sich an einer Stelle gelöst und das Teil hing nun so ungünstig herab, dass sich die Schleifeisen der beiden GT4 genau mit diesem Teil kollidierten und brachen.


Obwohl man an der nicht weit entfernten Zwischenschleife Baza 3 hätte wenden können, wurden ertsmal zahlreiche Bahnen weiter in die Vollsperrung geschickt. Der Fahrleitungstrupp ist derweil schon angerückt und wird das Problem im Laufe des Nachmittages behoben haben.

Von Baza 3 aus kamen wir anschließend wenigstens mit der Linie 8 wieder weg von hier, nachdem der Ringverkehr weitgehend zusammengebrochen war. Von den M8C war derweil auch auf der 11 nichts zu sehen gewesen und nun lief diese Linie aufgrund des Zwischenfalls auch erstmal nicht so richtig. Wir beschlossen also mal am Depou Gara vorbeizuschauen. Vom Piața Unirii liefen wir quer die kleine Anhöhe zum Depot hinab, die die Tram in einem großen Schlenker über den Bahnhof meistert. Einmal ums Depot gelaufen, war aber auch dort kein Anzeichen der M8C zu erkennen, die wir ohnehin eher in Dacia erwarten würden. Zumindest aber einer der türkischen Niederflurwagen stand tief eingegraben und kaum zu erkennen hinter der Mauer – auch kein Grund hier einen Depotbesuch anzustreben. Ansonsten stand wie immer jede Menge Schrott herum, hier insbesondere unzählige GT4 in unterschiedlichsten Zuständen und nicht wenige, teils halb ausgeschlachtete Be 8/8. An der Depotzufahrt an der Strada Silvestru war derweil wie immer wildes Treiben, war jetzt doch wieder Zeit für das große Ausrücken zur Nachmittagsspitze und ohnehin werden ja laufend Wagen ausgewechselt, sei es zum Fahrerwechsel, oder weil sie einfach hinüber sind.


Der nächste Ausfall auf der heute langen Liste: GT4 111 *1962 in Esslingen bei Stuttgart, † 8. Mai 2022 in Iași. Zumindest erreicht dieser noch aus eigener Kraft das Depou Gara. Dass es bei den Fahrzeugen eine extra Zielanzeige “Defect” gibt, ist vielleicht nicht das beste Zeichen…

Dann also raus zum Depou Dacia. Wenn der M8C nicht zu uns kommt, müssen wir eben zu ihm. Am Bahnhof enterten wie den nächsten 6er – mal wieder der Darmstädter ST10 278 – und machten uns auf dem Weg nach Dacia. Doch was begegnete und da unweit der Depotzufahrt? Ein gelber M-Wagen, aber erstaunlich lang! Da hatte Dacia wohl doch freiwillig seinen M8C zu uns geschickt. Ein Grund zur Hektik war das indes nicht, denn der Wagen würde ja in der Schleufe Târgu Cucu wenden und uns wenig später folgen. Für vernünftige Aufnahmen war es also nicht die schlechteste Idee, einfach bis Dacia weiter zu fahren. Einfach sollte das allerdings wieder nicht werden. Hinter der großen Brücke ging es für unseren Darmstädter plötzlich vor der Haltestelle Statie Familial nicht mehr weiter. Gescheppert hatte da nichts, aber irgendwie passte es nicht. Nach kurzer Zeit öffnete der Fahrer zumindest die Türen und wir traten mit vielen anderen Fahrgästen mal auf die Straße raus.

Zumindest für den letzten Darmstädter ST10 mussten wir keine Todesanzeige schalten. Problem war diesmal nicht eine defekte Tram, sondern der entgegenkommende Bus an der Straßenbahnhaltestelle in Gegenrichtung. Irgendwie seltsam das Ganze. Erstmal hatte der Bus an der Haltestelle nichts zu suchen und dann stand er auch noch im Profil der Straßenbahn und machte keinerlei Anstalten weiterzufahren. So richtig schien auch kein Fahrer anwesend. Hatte es hier einen (medizinischen) Zwischenfall gegeben? Die Blaulichtfraktion war jedenfalls nicht zugegen. Vielleicht war der Busfahrer auch einfach nur auf dem Markt Milch holen…

Ich nutzte die Gelegenheit, mir an einer der Buden einige dieser köstlichen Gebäckleckereien zu holen, die es hier in Rumänien praktisch an jeder Ecke zum Mitnehmen gibt. Dann schien es auch schon weiter zu gehen und wir enterten an der eigentlichen Haltestelle wieder unseren Darmstädter. Vor dem Fenster wurde es derweil immer dunkler und sah langsam sehr sicher nach Regen aus. Dafür gab es an einem Taxistand ein interessantes speziell rumänisches Phänomen zu beobachten: Das “Rückwärtsvorrücken”, war jener paradoxe Neologismus, den ich mir sogleich dafür ausdachte und der sich umgehend etablieren sollte. Durchaus üblich ist ja, dass an einem Taxistand jeweils immer das vorderste Fahrzeug die nächsten Kunden aufnimmt und neu ankommende Taxen sich hinten anstellen. Durch das Vorrücken nach der Abfahrt des vordersten Taxis, rückt man langsam nach Vorn durch. Hier scheint aber nun jeweils das Fahrzeug zuerst bestiegen, dass am nächsten am Grund für den Taxistand steht, also die nächste Kreuzung, der Eingang eines Einkaufstempels, etc. Liegt nun aber dieser “Grund” für den Taxistand hinter selbigem, wird jeweils das hinterste Taxi bestiegen, welches anschließend ablegt und alle anderen Taxen rückwärts eine Position vorrücken – das “Rückwärtsvorrücken”. Das Ganze sieht dann in real irgendwie einigermaßen bizarr aus, wenn das hinterste Taxi ablegt, an der Schlange vorbei fährt, während alle nacheinander oder auch gleichzeitig rückwärts eine Position aufrücken und sich am Anfang der Schlange ein neues Taxi rückwärts anstellt. Jedenfalls sollten wir diese bizarre Choreografie noch mehrmals beobachten und anderswo war mir das noch nie aufgefallen.

In Dacia fing es dann wirklich an zu regnen und der Wind war in kurzer Hose und Aufstiegstrikot wirklich unangenehm. Aber bis zum Essener M8C würden wir hier noch ausharren. Für die niedergehenden Regenmengen waren dann auch die Schuhe langsam ungeeignet und ich verlegte mich zeitweise unters Haltestellendach neben dem ExpressCaffé. Mit den dunklen Wolken hatten die Regenbilder derweil auch etwas für sich und brachten mal etwas Abwechslung in die vielen Sonnenbilder.


Keine Doppeltraktion, sondern der nächste Liegenbleiber des Tages stellt sich die Weiche für die Geradeausfahrt ins Depot. Wir verabschieden GT4 402 *1963 in Esslingen bei Stuttgart, † 8. Mai 2022 in Iași.


Bei Regen geht dann in Dacia auch mal die Gegenlichtperspektive mit dem startenden Darmstädter ST10 278. Rechts die Wendeschleife, hinter dem Darmstädter die Strecke zum Depou Dacia.


Dann kam er auch schon: M8C 289. Einer von sieben 2018 aus Essen übernommenen M8C, noch weitgehend im letzten Essener Betriebszustand.

Nach einer Fahrzeugaufnahme in der Schleife sprangen wir noch schnell auf den vorweg startenden Pesa auf, um dem Essener voraus zu fahren. Ich musste nun wirklich erstmal kurz ins Hotel und mich wettertechnisch umkleiden. So gab es dann am Bahnhof die Aufnahme des uns folgenden M8C und mit eben jenem ging es dann noch eine Haltestelle weiter bis zum Hotel. Nachdem ich wieder draußen war, kam der Essener auch schon aus der Stadt zurück und bekam auch fast schon wieder Sonnenschein ab. Damit wäre auch dieses Thema abgehakt – genial, dass Dacia uns den heute Nachmittag noch auf Linie geschickt hatte.


Wenn man am Bahnhof aus dem Zug steigt, wird man in Iași direkt von dieser Kulisse empfangen, wie wir vor sieben Jahren auch schon. Dass die Stadt durchaus einiges zu bieten hat, lässt sich dabei nicht unbedingt erahnen. Vielleicht sollte man einfach rückwärts vom Bahnhof zur Tramhaltestelle gehen und dabei lieber das recht schmucke Bahnhofsgebäude betrachten.


Direkt links in der Straße liegt unser Hotel. Auch wenn schon wieder die Sonne rauskommt, war der Wechsel auf lange Kleidung und wasserabweisende Schuhe durchaus noch angesagt. So kann das Fotografieren gleich weitergehen und passend startet GT4 140 ins Bild und erreicht gleich die Haltestelle Strada Bacinschi. Der Essener bekam im Anschluss wieder deutlich weniger klare Sonne ab, sodass hier mal wieder ein GT4 herhalten darf.

Die Sonne kam nun tatsächlich wieder raus und wir hatten ja noch gar nicht richtig gesehen, was denn abseits der M-Wagen-Linien so rausgekommen war am Nachmittag, also insbesondere an “großen Schachteln” auf der 9. Wir enterten also mal die nächste Bahn für die Nachmittagsansicht am Piața Unirii. Im Dunstkreis des Piața Unirii hielten wir es dann anschließend eine ganze Stunde aus und ließen die bunte Fahrzeugvielfalt im schönsten Nachmittagslicht an uns vorbeiziehen.


Statuia lui Alexandru Ioan Cuza und Hotel Unirea am Piața Unirii.


Der kurzzeitig heftige Regen hat für Fotos am Piața Unirii nette Spuren hinterlassen, sodass einige Experimente mit der Spiegelung entstanden. Hier verlässt der Nordhäuser GT4 380 die Haltestelle auf der Linie 3.


Der schreckliche “Werbe-Berner” Be 8/8 168 verfolgte uns die Tage irgendwie, aber bei solchem Licht drückt man dann doch ab 😉 Natürlich als Linie 9 nach Copou. Das nun wieder prächtige Eckhaus auf der rechten Seite war beim letzten Besuch noch in einem recht heruntergekommenen Zustand.


Dann zog leider ohne Licht eine Doppeltraktion Be 8/8 durch. Doppeltraktion? Besser wohl Schleppfahrt, denn der hintere Berner war das nächste Opfer des Nachmittages. Jedenfalls folgte wenig später der Darmstädter ST10 278 und hielt perfekt hinter der Pfütze, sodass genug Zeit blieb, die Spiegelung endlich mal bestmöglich zu positionieren und dabei nicht von hinten von einem Auto überfahren zu werden. Grund war ein aus nicht erkennbare Ursache entstandener Rückstau vom Abzweig nach Copou.


Da auch die 16 Berner Achsen kurzzeitig in diesem Rückstau gefangen waren, konnte ich noch zu einem Sprint vor den Abzweig ansetzten und die beiden Be 8/8 beim Hinabrollen zum Bahnhof doch noch bei Sonne ablichten. Wir verabschieden uns derweil von Be 8/8 161, *1973 in Bern, † 8. Mai 2022 in Iași. Be 8/8 167 tauchte indes nach der betreuten Fahrt zum Depot wenig später wieder im Umlauf der 9 auf.


Der Stau löste sich jetzt wieder auf, sodass dicht an dicht die Fahrzeuge zum Bahnhof hinabrollten. Es folgte erneut der ST10 278.


Und wenig später der hübsch bunte GT4 106.


Zurück am Piața Unirii kam dann auch der Essener M8C auf der 6 nochmal wunderbar im Licht durch, bevor es anschließend für den restlichen Abend dunkel wurde.

Diese 1 1/2 Stunden Sonne zur nachmittäglichen Rush-Hour waren nochmal richtig genial gewesen. Längst nicht alle interessanten Fahrzeuge dieser Session konnte ich hier jetzt zeigen, aber es waren zahlreiche Berner und Augsburger am Nachmittag auf die 9 ausgerückt, die jetzt auch zunehmend wieder das Ziel Depou Gara einschilderten und damit langsam den Abendverkehr einläuteten. Ohne großen Plan bei dem jetzt wohl nicht mehr zurückkehrenden Licht beschlossen wir, einfach unsere vorhin durch den Oberleitungsschaden jäh unterbrochene Netzbereisung abzuschließen. Mit dem nächsten Wagen ging es weiter bis Târgu Cucu, wo wir dann auf den nächsten 9er warteten, um zum uns noch fehlenden Stück der 11 auch gleich noch die Verbindung zwischen Târgu Cucu und C.E.T. zu befahren. Beim Warten auf den nächsten 8er tauchte dann auch der Be 8/8 167, der eben noch seinen Kollegen zum Depou Gara gebracht hatte, wieder auf der Linie 9 Richtung Tehnopolis auf. In Gegenrichtung kam derweil schon die nächste Doppeltraktion, diesmal wieder gebildet aus zwei GT4, wie man es in Rumänien sonst nur aus Arad kennt. Die Traktion war natürlich wieder unfreiwillig zustande gekommen: GT4 447 schob den Nordhäuser GT4 380 mit aller Kraft und ordentlich schleudernden Räder in die Schleife Târgu Cucu und dort auf die planmäßig nicht befahrene Verbindung Richtung Süden, wo der Nordhäuser den Linienfahrzeugen nicht im Weg stand. Für GT4 447 ging es dann auch sogleich weiter, während der Nordhäuser an der Schleife auf bessere Zeiten wartete.


Wir verabschieden GT4 380, *1960 in Esslingen bei Stuttgart, † 8. Mai 2022 in Iași. GT4 447 hatte jedenfalls ordentlich zu kämpfen mit der Schubfahrt den Berg hinauf. Wenn es dem als Spätfolge mal nicht als nächstes an den Kragen geht….


Entweder am Vormittag, oder eben bei Bewölkung lässt sich auch der Turm der Festungsanlage Târgu Cucu schön mit der Tram umsetzten, hier mit Swing 2212.


Wegen den ungewöhnlichen, für ältere Schweizer Fahrzeuge aber typischen, nach außen klappenden Türen und dem herunterfallenden Tritt, lohnt sich bei diesen auch immer mal ein Bild während des Fahrgastwechsels. Be 8/8 167 ist von seiner Schleppfahrt zum Depou Gara zurück und darf noch eine Runde auf der 9 nach Tehnopolis drehen.


In C.E.T. waren wir dank unserer Abkürzung mit der 9 wieder vor dem Pesa 2212 auf der 13. Diesem folgt dann auch direkt der 11er, mit dem wir dann die letzte uns bei diesem Besuch noch fehlende Verbindung abfuhren. So richtig viele Gründe auszusteigen, gibt es hier am Ring durch den Osten und auch auf der weiteren Strecke der 11 allerdings nicht…


Wir fuhren gleich bis kurz vor den Kreisverkehr mit der Auffahrt auf den Kreiskehrviadukt der Linien 6 und 11 Richtung Dacia weiter. Dort steht unser GT4 418 noch an der Haltestelle Podu de Piatra. Ein wahrlich maximal abgerockter Vertreter der GT4, der seit 2008 direkt aus Stuttgart übernommen in Iași weilt. Eine Flachstelle samt völlig ungeschliffener Schienen, machte die Fahrt zu einer mittelschweren Belastungsprobe für die Ohren.

Anschließend liefen wir über die Bahlui-Brücke zum Kreisverkehr hinüber, wo die Linie 11 auf die 6 trifft und beide gemeinsam über die große Brücke Pasajul Alexandru cel Bun nach Dacia gelangen. Auf der Brücke hatten wir uns gestern Abend ja schon rumgetrieben. Heute sah es aber gar nicht nach stimmungsvollen Abendbildern aus, sodass wir uns einfach auf den Kreisverkehr stellten und mal schauten, was denn aktuell noch auf den M-Wagen-Linien 6 und 11 lief. Derweil schmierte das Fotolicht auch endgültig ab. Irgendwie ist es aber in all den Jahren gerade in Rumänien zum Running-Gag geworden, dass man sich mindestens einmal am Tag auf einem riesigen Kreisverkehr, mindestens eine halbe Stunde mitten im tosenden Verkehr wiederfindet, einfach das wilde Treiben samt Tram beobachtet und sich dabei ständig fragt, wer zur Hölle denn freiwillig so etwas in seinem Urlaub macht und wie man das zuhause irgendwem vermitteln soll… 😀

Spätestens auf diesem Kreisel fielen mir auch die vielen Dacia Spring auf, das erste vollelektrische Fahrzeug der rumänischen und inzwischen zum Renault-Konzern gehörenden Automarke. Erst wenige Tage vor dem Urlaub hatte ich auf dem AMS-Youtube-Channel den E-Auto-Supertest von Alex Bloch gesehen, der mit diesem Fahrzeug irgendwie zur reinsten Comedy geriet. In der Realität fiel jetzt erst richtig auf, wie klein dieser Wagen wirklich ist, was ich eigentlich ganz charmant finde bei all den E-Panzern, die unsere Straßen so bevölkern. Der Versuch im Test, sich mit 1,90 auf die Rückbank zu quetschen, wirkte damit natürlich noch absurder. Getoppt wurde das alles allerdings mit dem Versuch, diesen Wagen nicht nur von 0 auf 100 zu messen, sondern auch umgekehrt. Denn für beides müsste man ja erstmal auf 100 kommen, was auf dem Testgelände nur unter Zuhilfenahme von gaaanz viel Anlauf und unter wildesten Kapriolen des Fahrwerks in den dafür nötigen Kurven möglich schien. Immerhin kann bei diesem Wagen in Ruhe in der Kurve Kaffee getrunken werden, denn die Lenkung bleibt, einmal eingeschlagen, auch bei Kurvenfahrt einfach in dieser Position stehen – Rückstellkraft? Fehlanzeige! Durch das Video waren meine Sinne für dieses Fahrzeug jedenfalls geschärft und jedes mal musste ich grinsen, wenn ich einen der kleinen E-Kisten irgendwo entlangeiern sah… Zur Ehrenrettung sei noch gesagt, dass diese Fahrzeug ursprünglich für den chinesischen Markt entwickelt wurde und dort zum teils halben Preis gegenüber dem europäischen Markt verkauft wird. Das Preis-Lesitungsverhältnis wird durch die überhöhten Preise gerade in Deutschland arg verzerrt.

Auf der Schiene und am Himmel geschah jedenfalls nichts Bemerkenswertes mehr. Es kam noch ein M6D, der M8C, wie immer der Darmstädter ST10 und natürlich gaaanz viele GT4 durch, während sich der Himmel immer weiter verdunkelte. Kurz vor dem drohenden Nass von oben erklärten wir den Fototag dann für beendet und liefen zur stadteinwärtigen Haltestelle Pasaj Alexandru cel Bun hinüber. Gerade kam aus Dacia der ST10 zurück, der uns durch den stärker werdenden Regen bis zum Piața Unirii bringen sollte.


GT4 426 kommt vom Kreisverkehr vor der großen Brücke Pasaj Alexandru cel Bun auf die Haltestelle Podu de Piatra zu. Am rechten Bildrand ist noch die Weiche auf die ehemalige Uferstrecke der damaligen Linie 6 hinüber zum Piatra Podu Ros zu erkennen.


Und wiedermal finden wir uns auf der Mitte eines Kreisverkehrs wieder. M6D 286 kommt von der Pasaj Alexandru cel Bun aus Dacia und wird den Kreisel als Linie 11 um 180 Grad umfahren.


Mit dem einsetzenden Regen flüchteten wir mit dem Darmstädter ST10 278 Richtung Innenstadt, hier kurz hinter dem Bahnhof – Zeit für’s Abendessen!

Beim gerade strömenden Regen hatte jetzt niemand Lust, groß noch auf die Suche nach DEM kulinarischen Highlight von Iași zu gehen. Also durch das Nass schnell in unseren Stamm-Italiener am Piața Unirii hinübergelaufen. Erneut gab es für mich mit einem großen Salat und einer Pizza laut Karte zwei Hauptspeisen, während mein Gegenüber heute einen klassischen Drei-Komponeten-Teller wählte. Die musikalische Begleitung war heute aber doch arg Eros Ramazzotti lastig. Einer davon geht ja mal, aber wenn man das emotional-kitschig aufgeladene italienische Gedudel dann eine halbe Stunde lang auf dem Ohr hat, ohne zu wissen, ob eigentlich noch immer derselbe, oder inzwischen schon der zehnte Ramazzotti herzzerfließend aus den Boxen jault, wäre es spätestens Zeit, die nächste Playlist zu starten. Scheinbar war der Musikverantwortliche aber im Angesicht des Gejaules selbst eingeschlafen, nachdem zuvor und gestern eigentlich ein sehr unterhaltsamer Mix quer durch die Popmusik der vergangenen 60 Jahre gelaufen war. Der heute wenig engagierten Bedienung geschuldet, ging es gegen halb zehn ohne abschließenden Cappuccino zurück zum Hotel. Es hatte aber aufgehört zu regnen, sodass der noch nasse Piața Unirii zu einigen Nacht-Versuchen einlud.


Auch zu später Stunde dreht der heute sehr aktive Be 8/8 167 noch seine Runden auf der 9 und erreicht aus Tehnopolis soeben den Piața Unirii.


Aus der Gegenrichtung kommen – wie könnte es anders sein – gleich mehrere GT4 des Weges. GT4 401 passiert hinter der Haltestelle Piața Unirii noch vor GT4 148 das Select Hotel, wo wir heute Mittag die sündhaft teure Kaffeepause eingelegt hatten.

Nun war aber endgültig Schicht. Wir schlenderten zum Hotel hinunter, holten noch bisschen Wasser aus dem nächsten Non-Stop und dann passierte auch nicht mehr viel bis zu Nachtruhe. Morgen verlassen wir dann Iași gleich am Morgen und drehen nun abrupt nach Süden Richtung Galaţi und Brăila ab.


Dienstag, 10. Mai 2022 I: Kurzes Vorbeischauen in Tehnopolis

Am Dienstagmorgen entstanden bei der Abfahrt aus Iași noch ein paar Aufnahmen in der Schleife Tehnopolis. Um den folgenden Teil dann thematisch geschlossen zu halten, hängen diese also noch hier an:

Los ging es wie gestern Morgen, nur dass wir heute noch an der Rezeption zahlten und anschließend unseren Scala wieder aus der Tiefgarage holten. Zuvor wurde noch ausgehandelt, wer von Beiden denn jetzt zur Rush-Hour einmal quer durch die Stadt fährt. Als ich gerade ein Bani-Stück werfen wollte wurde erst klar, dass für mich der Gewinn wäre, fahren zu dürfen, für den nicht Mitreisenden das Gegenteil 😀 Na, dann kann das olle Bani-Stück auch in der Tasche bleiben. Ich find das auf den ersten Blick etwas wilde Gefahre hier in den Städten ja einfach mega lustig. Denn auf den zweiten Blick läuft das Ganze irgendwie doch erstaunlich kollegial und harmonisch ab. Man lässt sich gegenseitig rein und bedankt sich, wenn es aber mal jemand eilig hat und das nicht tut oder etwas rabiat fährt, kommt auch keiner auf die Idee diesen dann mit einer Ladung Wut zu schelten. Alle bleiben auch hinterm Lenkrad einfach mehr Mensch, als mir das manchmal bei uns hier so vorkommt, auch wenn der Verkehr in Deutschland natürlich insgesamt deutlich geordneter und sauberer abläuft. Mit deutscher Einstellung würde es in Rumänien einfach alle drei Minuten scheppern…
Unser Weg führte uns also durch den großen Kreisverkehr am Piata Podu Ros und dann immer entlang der Linie 9 bis Tehnopolis, wo wir noch eine kurze Pause an der Endschleife einlegten, um zu schauen, was heute in der Rush-Hour so an Achtachsern läuft.


Mit dem Werbe-Berner haben wir es irgendwie. Auch heute Morgen beehrt uns der Be 8/8 168 in der Schleife Tehnopolis noch einmal zum Abschied. Ziel ist allerdings schon Depou Gara, die Frühspitze ebbt also bereits ab.


Anschließend kam es zu einer perfekten Parallelfahrt der beiden Augsburger GT8 810 und 812, passend der eine noch teils in Augsburger Farben, der andere im neuen Farbkleid von Iași .


GT8 812 darf im Anschluss noch mindestens eine Runde drehen, während es für GT8 810 ebenfalls ins Depou Gara geht. Noch haben die beiden Fahrer aber etwas Zeit, um noch eine Runde zu quatschen.


Aus der Stadt kamen dann auch schon wieder nur noch Pesa. Passend fuhr aber nochmal ein Münchner MAN neben Swing 2203, der auf seine Phase für das Abbiegen in die Schleife wartet.

Über Galaţi wollten wir es heute noch bis Brăila schaffen. Ein ordentliches Programm und vor allem eine Menge Landstraßenkilometer lagen also noch vor uns, sodass wir uns nicht länger in Iași aufhielten und gegen halb neun auf die Reise machten. An dieser Stelle geht es dann im nächsten Teil weiter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.