Circum Carpati V: Endzeitstimmung in Brăila?

Der fünfte Teil unserer Rumänientour knüpft auch vom Titel direkt an den Besuch in Galati am selben Tag an. Im Gegensatz zur Nachbarstadt, macht der Betrieb einen mehr als bendenklichen Eindruck. Sollte dies der letzte Besuch der Straßenbahn von Brăila werden, wie 2015 schon in Botoșani und 2007 in Reşiţa?


Mittwoch, 10. Mai 2022 III:

Etwas demotiviert verließen wir am Nachmittag gegen halb vier Galaţi. Der Grund für das zwischenzeitliche Tief war weniger die Straßenbahn selbst, als die gesamte Stadt in Kombination mit dem Wetter, aber dazu hatte ich ja schon in Teil II dieses Tages geschrieben…
Umso größer war nun die Vorfreude auf Brăila, denn dort erwarteten wir wieder viele interessante Fahrzeuge auf heruntergekommenen Strecken – dafür fährt man ja irgendwie doch ein Stück weit nach Rumänien 😀 In dieser Hinsicht sollte der Betrieb auch in keinster Weise enttäuschen, dafür ist man natürlich immer bedenklich nah dran, den Besuch als den vielleicht letzten einzuschätzen. Aber der Reihe nach:

Von Galaţi bis Brăila ist es ein Katzensprung, immer geradeaus nach Süden der Donau und der ukrainischen Grenze folgend. Der Gedanke, dass quasi in Sichtweite ein Angriffskrieg tobt, war irgendwie mehr als seltsam. Nicht das wir uns in irgendeiner Weise unsicher gefühlt hätten, immerhin steht Rumänien unter dem Schirm von NATO und EU, aber seltsam war es schon. Zumal ja auch nicht wenige Kilometer von der ukrainisch/rumänsichen Grenze entfernt, zumindest im Norden des Landes auch Luftangriffe beispielsweise auf Eisenbahnbrücken stattgefunden haben und noch immer stattfinden, um wichtige Nachschublinien aus dem Westen zu blockieren.
Die 30 Kilometer waren jedenfalls in einer halben Stunde zu bewältigen. Mit dem Zug hatte das vor sieben Jahren über eine Stunde gedauert, fährt dieser doch auch noch einen nicht unbeträchtlichen Umweg. Zwischendurch gab es noch einen Tankstopp unweit der Podul Brăila-Smârdan, einer gigantischen, im Bau befindlichen Stahlseil-Hängebrücke über die Donau. Die zwei großen Stützen sind knapp 200 Meter hoch, die Gesamtlänge beträgt fast 2200 Meter – ein gigantisches Bauwerk samt ebenso gigantischer Baustelle. Die ersten Fahrbahnteile wurden zu Beginn des Jahres eingehängt. Fertiggestellt werden sollte die Brücke Ende 2022. Irgendwie herrschte aber eine gespenstische Leere auf der gesamten Baustelle. Ob das mit der Materialknappheit oder mit dem Krieg zusammenhängt oder beides? Auch eine kurze Recherche ergab keinen Aufschluss darüber. Die nächste Donauquerung liegt flussaufwärts Richtung Süden über 60 Kilometer Luftlinie entfernt und befindet sich bereits beidseitig in Rumänien. Flussabwärts gibt es keine einzige Brücke über die Donau von Rumänien in die Ukraine, womit die Donau auf dem gesamten südlichen Grenzgebiet Richtung Schwarzmeerküste zur Ukraine eine natürliche Barriere darstellt. Vielleicht hält man es da auf rumänischer Seite derzeit nicht für die beste Idee, eine Brücke direkt ins Kriegsgebiet zu schlagen? Alles Spekulation, die Zeit wird es zeigen…


Vor den Toren Brăilas wird derzeit die gigantische Podul Brăila-Smârdan über die Donau errichtet. Eine der zwei großen Stützen sehen wir hier neben der gestrandeten Braila und unserem Scala, beim Fotohalt kurz nach einem Tankstopp. Von diesen Donauschiffen stand übrigens noch mindestens ein weiteres an der nördlichen Einfallsachse in die Stadt.

Von Norden kommend wird man auf der 22B praktisch direkt an die Straßenbahn gespült. Praktischerweise trifft man direkt dort auf die Straßenbahn, wo die beiden Radialstrecken durch die Fächer an der Kreuzung Bulevardul Dorobanților / Calea Galaţi aufeinandertreffen.

Zur Erklärung: Die Stadt erstreckt sich vom Stadtzentrum an der Donau über zahlreiche Fächer als Halbrund Richtung Westen. Orthogonal zu den Fächern verlaufen dann jeweils Halbringe radial um das Stadtzentrum herum. Zwei dieser Radialringe werden dabei von der Straßenbahn befahren, einmal der einigermaßen zentrumsnahe Bulevardul Independenţei von der Linie 21 und der einige Straßen weiter außen liegende Bulevardul Dorobanților von der Linie 22. Während es auf dem Bulevardul Independenţei, mit breitem Baumstreifen in der Mitte und an deren Rand geführten Gleisen mit jeweils nur einer Fahrbahn daneben, recht beschaulich zugeht, ist der äußere Bulevardul Dorobanților ein typisch sechsspuriger Boulevard mit der mittig auf der Fahrbahn geführten Straßenbahn. Jeweils im Norden und Süden der Stadt führen die beiden Strecken am Ende des Halbkreises des Bulevardul Dorobanților zusammen. Nach Norden geht es in eine große Blockumfahrung durch teils ländlich anmutende, einstöckige Wohnbebauung. Über eine Stichstrecke wird das nördliche Depot angebunden. Im Süden geht es zunächst durch einen großzügigen Park, dann noch ein Stück auf einem Damm durch die Platte, an deren Ende das südliche Depot erreicht wird. Von dort geht es mit den im Park startenden Überlandlinie 25 und 24 bis zum nahegelegenen Lacul Sărat, oder gar weiter bis zum Combinat vor den Toren der Stadt.
Die 2015 noch vom Bulevardul Dorobanților abzweigende Linie 23 war inzwischen eingestellt. Ebenso stellte sich gleich bei der Ankunft heraus, dass der innere Ring über den Bulevardul Independenţei nicht befahren wurde. Die Linie 21 war dementsprechend ebenfalls eingestellt. Blieb also im Grunde nur die Linie 22 übrig und die beiden Überlandlinien 24 und 25, die nach unserer Recherche vor der Reise zu unserer Überraschung noch immer befahren werden sollten. Dafür genügt jedoch für beide Linien ein gemeinsames Fahrzeug, welches beide Linien wechselseitig im Stundentakt bedient.

Was erwarteten wir uns hier fahrzeugseitig, nachdem wir das Streckennetz doch noch deutlich umfänglicher aus 2015 kannten? In erster Linie fehlten uns noch die Grazer GT6- und GT8-Lizenzbauten von SGP. Die Fahrzeuge fanden erst 2016 den Weg nach Brăila. Auch darüber hinaus ist Brăila mit E1 aus Wien und GT8 aus Rotterdam ein Paradies für DüWag-Lizenzbauten. Ein Fragezeichen stand hinter den KT4D aus Berlin. Ob es noch immer einsatzfähige Exemplare geben würde?

Durch das Fehlen des deutlich schöneren, inneren Rings, fiel natürlich schonmal ein ganzes Stück “Arbeit” weg. Den äußeren Ring könnte man sich praktisch komplett schenken aus fotografischer Sicht. So fuhren wir gleich mal die wenigen Meter zur Blockumfahrung im Norden raus. Hier geht es auf dem östlichen Flügel wirklich rustikal zu, in gemütlicher Umgebung aus einstöckigen und in viel Grün eingebettete, ländliche Wohnbebauung. Der westliche Flügel ist nicht weniger rustikal, führt dabei aber teilweise durch mehrstöckige Plattenbauten der kleineren Art. Wir trieben uns erstmal eine wenig an der östlichen Flanke der Blockumfahrung herum.


Der E1 4689 erreicht Richtung Stadt das Ende der großen eingleisigen Umfahrung im Norden. In den Jahren 2008 und 2009 erhielt Brăila insgesamt elf 1966-67 gebaute Wiener E1 von SPG. Bei diesem Besuch standen noch die drei Fahrzeuge 4638, 4672, sowie 4689 im Einsatz. Weitere ernsthaft einsatzfähige Exemplare konnten wir zumindest auch über die Depotmauern nicht erspähen, was aber nichts bedeuten muss. Laut phototrans.eu sollte auch 4633 noch betriebsfähig vorhanden sein.


Wenige Meter weiter in die Blockumfahrung Richtung Endstation folgt der Rotterdamer GT8 1613. Zehn GT8 von Werkspoor wurden 2005 in Brăila übernommen. Sechs Fahrzeuge sind wohl noch vorhanden, von denen allerdings mindestens einer (1611) ausgeschlachtet auf dem Depot im Norden verendet war. Im Einsatz standen während unseres Besuches die GT8 1604, 1613 und 1615.


Das Haltestellenschild an der Haltestelle Strada Cezar Petrescu, steht leider ein wenig stellvertretend für den Gesamtzustand der Straßenbahn von Braila. Die Abfahrtszeiten scheinen noch für beide Linien angeschlagen zu sein. Die 21 fuhr allerdings aufgrund der Sperrung des inneren Ringes nicht. Die praktisch fast die Gesamtstrecke in der Stadt allein bedienende Linie 22 brachte es optimistisch vielleicht auf einen 15-Minuten-Takt.


Einige Meter weiter an der Ostflanke der großen Schleife folgt der Rotterdamer GT8 1615 in künstlerischer Bemalung.

Anschließend drehten wir mal eine Runde durch die gesamte Schleife und schauten zwischendurch auch beim Depot über die Mauern – bzw. ich ließ die Kamera unter Zuhilfenahme des Klappdisplays über die Mauer schauen. Was sich da auf dem Monitor darstellte, war dann allerdings doch recht erschreckend: Ein großer Haufen Schrott. Gut, hier hatte auch 2015 schon mehr oder weniger hauptsächlich Schrott herumgestanden, aber heute war das gefühlt noch extremer. Lediglich zwei Fahrzeuge sahen irgendwie so aus, als seien sie noch einsatzfähig. Und das bei dem durch die (zeitweisen?) Streckenstillegungen ohnehin schon geringen Auslauf. Lediglich fünf Fahrzeuge liefen auf der 22 und ein weiteres auf der Überlandstrecke. Was sich wenig später nach dem gesamten Umlauf auch herausstellte: Von den Grazer GT6 lief kein einziges Fahrzeug. Von den sechs erst 2016 übernommenen Fahrzeugen – von denen sicher von Anfang an nie alle in Betrieb gingen – sollten nach unserem Wissensstand zumindest noch zwei einsatzfähig sein. Nun, einen Grazer GT6 hatte ich eben beim Kamerablick ins Depot erspäht. Dem fehlten allerdings schon einige Seitenfenster… Vielleicht kommt ja morgen einer raus?!

Bei der weiteren Fahrt durch die Blockumfahrung gab es dann eine höhere Lektion in Sachsen “Treppenstufen befahren mit Straßenbahnen”. Also so etwas krasse hatte ich wohl noch nie. In Danzig hatten wir vor vielen Jahren mal eine Strecke über eine Brücke erlebt, bei der es anstelle von durchgehender Steigung, in Form von vielen kleinen Schienenbrüchen bergauf ging. Die 105Na nahmen das aber noch recht gelassen auf und es handelte sich auch jeweils höchstens um wenige Zentimeter. Inzwischen ist diese Strecke wohl längst saniert.
Aber was sich hier abspielte war wirklich jenseits von Gut und Böse. Und das sage ich als schmerzerprobter Alexandria-Besucher, wo man doch so manches arg grenzwertiges an Gleisbau erlebt…
Hier fielen die Schienen an gebrochenen Stellen wirklich teilweise um zehn Zentimeter senkrecht in die Tiefe. Wenn man es nicht gesehen hat, wird man es nicht glauben. Erst recht wird man nicht glauben, dass dort noch was fahren soll. Möglich war das auch nur durch den Einrichtungsbetrieb in der Schleife, denn so mussten diese Stufen “nur” bergab gemeistert werden. Bergauf wäre das physikalisch auch schwierig geworden. Stattdessen hatte man an Stellen, wo es bergauf ging, kurzerhand schienenähnliche Steigungsstücken hineingeschweißt. Die waren zwar vollkommen ausgefahren, irgendwie funktionierte das aber sogar bei erschreckend schneller Fahrt, ohne dass ringsherum große Spuren von Entgleisungen auszumachen waren. An einem der “Bergaufstücken” sahen wir uns dann mal etwas genauer um.


Betriebshof oder Schrottplatz? Die Übergänge scheinen in Brăila fließend. Die einzigen zwei Gleise für betriebsfähige Fahrzeuge scheinen die beiden hier ganz links zu sehenden zu sein, mit dem Rotterdamer GT8 1604 und dem Grazer GT8 582. Ansonsten liegen hier zahlreiche ehemalige Nürnberger MAN “Großraumleichen” herum. Aber auch ein ausgeschlachteter Grazer GT6, der 2015 noch in Betrieb beobachtete Rotterdamer GT8 1611, sowie ein umgebauter Timis 2 Arbeitswagen waren zu erkennen.


Der Übergang von Asphalt auf Beton war wohl mit den Jahren nicht mehr ganz höhengleich. Das hineingeschweißte Ausgleichsstück wird wohl alle paar Tage “nachgebessert” werden müssen. Erstaunlich, dass bei mehreren derartigen Stellen im Gleisnetz, der Betrieb während unseres Besuches kein einziges Mal zum Erliegen kam.


Aus dieser Perspektive wird der Höhenversatz des “Bergaufstücks” erst deutlich. Die bergab befahrenen Äquivalente muss man sich dann ohne das steigungsreiche Ausgleichsstück dazwischen vorstellen. 


Davon unbeeindruckt kommt wenig später der Grazer GT8 583 durch den westlichen Teil der großen Schleife und wird gleich erstaunlich schwungvoll die Rampe nehmen. Drei der vier Grazer GT8 581 bis 584 wurden 2016 in Brăila übernommen. Die Fahrzeuge wurden 1963 als GT6 von SGP in Lizenz gebaut. 1995 wurden die Fahrzeuge in Graz unter Zuhilfenahme ausgemusterter Wuppertaler Mittelteile zu GT8 verlängert. Gut zu erkennen ist die abweichende Herkunft des Mittelteils an den typischen deutschen “Düwagfenstern” gegenüber der österreichischen Übersetzfenster. Während unseres Besuches konnten wir die GT8 582 und 583 im Einsatz beobachten.


Sieht doch ganz harmlos aus – oder nicht? Der Grazer GT8 hat es gelassen genommen und fährt nun weiter Richtung Stadt. 


Wieder an der Stelle der ersten Aufnahme kam als letztes Fahrzeug im Umlauf noch der Wiener E1 4672 durch.

Dem Grazer mussten wir dann anschließend hinterhersetzen. Wer weiß wann der einrückt und was dann morgen rauskommt. Im Verlauf des Bulevardul Dorobanților war das allerdings gar kein Problem an dem GT8 vorbeizukommen. Besonders seltsam ist hier, wie schon in Galaţi, die Fahrbahnführung an den in der Mitte gelegenen Haltestelleninseln. Vor den sechsspurigen Kreuzungen gibt es jeweils an der linken Spur – also mitten auf der Straße – eine schmale Haltestelleninsel, auf deren linker Seite allerdings nicht nur die Straßenbahnen zum Halten fahren dürfen, sondern auch der MIV. Der steht dann natürlich an der Haltestelle (legal) gern mal vor der roten Ampel und blockiert die Haltestelle für die nachkommende Straßenbahn. Sehr sinnvoll das Ganze, denn wenn die Straßenbahn bei grün endlich zur Haltestelle vorrücken kann, steht sie nach dem Halten natürlich gleich wieder vor der inzwischen roten Ampel…

Wir steuerten den langen “Damm” durch die Wohnviertel vom Park zum Depot an und nutzten das Restlicht für einige Aufnahmen. Dabei kam auch sogleich der sechste Wagen angeschaukelt. Zu unserer Überraschung der KT4D 9069. Waren die also auch nicht totzukriegen hier in Brăila. Wobei – so ganz lebendig sah der nicht mehr aus. Auf Fußbodenhöhe waren teils durchgehende Löcher in die Außenwände gerostet, die Türen von unten her komplett rostzerfressen. Das war hier wirklich die Endstufe der Verwahrlosung der Fahrzeuge, selbst für osteuropäisches Niveau. Nicht nur in Sachen Gleisbau, auch was die Fahrzeuge anging, errang Braila damit auf dieser Rumänientour den absoluten Spitzenplatz in Sachen schrottreif – kein sehr ehrenvoller Titel. Auch wenn Craiova später noch Konkurrenz machen sollte, so waren wir uns doch einig, dass dieser Betrieb mit Abstand am schlimmsten daherkam und aus unserer Sicht akut auf der Abschussliste steht. Einzig ein wenig instandgesetzt war der äußere Ring über den Bulevardul Dorobanților. Das restliche Gleisnetz war, soweit nicht schon eingestellt, einfach nur Kernschrott. Auch am seit Ende 2021(?) zur “Sanierung” eingestellte inneren Ring über den Bulevardul Independenţei, zeigte sich am nächsten Tag kein großer Baufortschritt. Einzig an den Knotenpunkten mit dem äußeren Ring waren die Gleisanlagen erneuert und Haltestellen errichtet worden. Ansonsten waren an manchen Stellen die Schienen herausgerissen, hier und da standen Warnbaken herum. Von richtigen Baustelleneinrichtungen, geschweige denn aktiven Bauarbeiten, war keine Spur. Hoffen wir, dass dies nicht unser letzter Besuch hier ist, wie 2007 schon in Reşiţa und 2015 in Botoșani, wo wir jeweils bereits ein ähnliches Gefühl der “Endzeitstimmung” hatten. Irgendwie spürt man das doch immer ein bisschen, wenn einem Betrieb langsam das Leben ausgeht. Hoffen wir, dass wir unrecht behalten sollen…


Einmal die Radialstrecke über den Bulevardul Dorobanților herum, waren wir wieder vor dem Grazer GT8 583, der hier hinter der Parkdurchfahrt über den langen Damm zum Depot Radu Negru fährt.


Erstaunlich dicht gefolgt erneut vom E1 4672, der dann zur Erklärung direkt im Depot verschwand.


Aus der Gegenrichtung erneut der Rotterdamer GT8 1615. Jetzt kommt nur noch Bekanntes…


…außer KT4D 9069. Dieser war mit der Bedienung der Überlandlinie betraut, welche von auswärts kommend bereits in der Schleife im Park endet und uns somit im Norden der Stadt nicht begegnet war. Als Linie 24 kommt der KT4D von einer abendlichen Combinats-Runde.


Durch eine auf der Sandpiste fußballspielende Kinderhorde sind wir inzwischen am Ende der langen Geraden am Depot und der davor liegenden Zwischenschleife angekommen. Dort enden die Stadtlinien 21 und 22, von denen derzeit nur die letztere verkehrt. E1 4689 ist wieder an der Reihe und erreicht seine Endstation.


Auch die Schleife vor dem Depot wirkt vollkommen verwahrlost…


Es folgt vom Park der KT4D 9069, der an Schleife und Depot vorbei zum Combinat schaukelt.

Im südlichen Depot war hinter dem Zaun ebenfalls hauptsächlich Schrott zu sehen. Im Grunde stand dort neben dem eben eingerückten E1 4689 noch genau ein betriebsfähig erscheinender Wiener. Ansonsten zahllose halb ausgeschlachtete und oder beschmierte Fahrzeuge. Lediglich ein Grazer GT6 war hier auszumachen, der vielleicht noch einsatzfähig wäre. Natürlich könnte sich auch in der Arbeitshalle noch das ein oder andere Fahrzeug verstecken, aber insgesamt musste man sich schon fragen, womit denn die Linie 21 überhaupt noch bedient werden sollte, wenn sie jemals wieder ans Netz gehen würde. Zwar war auch 2015 bei den Besuchen in den Depots die erkennbare Betriebsreserve kaum höher – vielleicht zwei bis drei Fahrzeuge inklusive des damals letzten Nürnberger Zuges – allerdings waren damals auch noch die Linie 21 und 23 in Betrieb und insgesamt 13 Fahrzeuge auf Strecke (Vier Rotterdamer, vier Berliner und fünf Wiener). Zur Erinnerung: Derzeit wird mit sechs(!) Fahrzeugen der Gesamtbetrieb geschmissen. Alles ein recht trauriges Gesamtbild.

Zurück am Auto buchte ich mal ein Hotel für heute Abend. So ganz einfach war das nicht, denn viel vertrauenerweckendes gab es hier gar nicht. Ein Motel in zweiter Reihe hinter dem Bulevardul Dorobanților ohne Frühstück musste da reichen. Mal sehen ob es das nachher auch wirklich gibt 😀

Wir beschlossen, einfach noch zum Combinat rauszufahren, schließlich war da gerade der KT4D hinaus gehumpelt. Der müsste dann ja auch bald zurückkommen. Er kam allerdings schneller zurück als gedacht, sodass ich ihn gerade noch kurz hinter der Endstation erwischte, während das Auto noch nach einer Abstellmöglichkeit suchte. Ganz schnell wird hier dann allerdings auch nicht mehr gefahren, sodass wir den Wagen bald überholt hatten und noch am Straßenabzweig zum Lacul Sărat erwischten. Die Strecke selbst verschwindet dann wenig später auf dem Weg zum Lacul Sărat im Unterholz.


KT4D 9069 startet als Linie 24 vom Combinat zurück zur Parkschleife in der Stadt. Hier vermittelt alles noch ein wenig mehr Endzeitstimmung als schon auf den Stadtlinien. Eine ganze Reihe Berliner KT4D erreichte 1997 Brăila. Etwa zeitgleich mit den Nürnberger Großraumzügen waren dies die ersten Gebrauchtwagen in Brăila. Im Gegensatz zu den Nürnbergern haben sich die scheinbar unzerstörbaren KT4D bis heute gehalten, noch immer nahezu im Auslieferungszustand, wenn auch merklich angefressen. 2015 liefen noch eine Handvoll KT4D, beim diesjährigen Besuch nurmehr der KT4D 9069.


Das “Nichtlicht” war uns von Iaşi über Galaţi bis Brăila heute weitgehend erhalten geblieben. Am Kreisverkehr zum Lacul Sărat legten wir dennoch einen letzten Fotohalt ein.

Das war es dann fotografisch gewesen für heute. Nächster Punkt: Essensaufnahme. Und das sollte schwieriger werden als gedacht. Nichtsahnend und den Essenssymbolen bei Osmand folgend, steuerten wird die Innenstadt im Zentrum des Fächers unweit der Donau an. Von hier führt eine lange Fußgängerzone hinaus zum Bulevardul Independenţei, dem inneren, eingestellten Straßenbahnring. Dumm nur, dass hier aber so rein gar nichts war mit Essen. Außer einem Italiener – wirklich schon wieder? – waren nur einige Spelunken und Bars auszumachen. Nur an einer Bücherei sammelten sich Menschenmengen. Dort schien wohl eine Lesung mit anschließender Autogrammstunde zu Ende zu gehen. Wie das immer so ist, versammeln sich dann um solche Ansammlungen immer nochmal so viele Menschen, die einfach nur schauen, was denn da vor sich geht. Unserem eigentlichen Ansinnen half das aber nicht weiter.


Die sogenannte Innenstadt von Braila gleich neben der Donau ist wirklich nicht sehr sehenswert. Stellvertretend hier eine morbide Ecke neben dem zentralen Piata Traian. Auch die dort beginnende Fußgängerzone wirkte fast vollständig ausgestorben.

Also zurück zum Auto. Eine auf der Vorbeifahrt ausgemachte Lokalität stellte sich als recht tot heraus. Gerade wendeten wir am südlichen Zusammelschluss der Linie 21 und 22 an der modernen Catedrala Nașterea Domnului, als ich am Rand im westlichen Quartal des Kreisverkehres ein großes Restaurant entdeckte, in dem zumindest etwas Leben zu sein schien. Also nochmal halb rum um den Kreisel, das Auto rumänientypisch irgendwo an den Rand geschissen – ääähm ordnungsgerecht geparkt wollte ich natürlich schreiben – und rüber in die Lokalität. Die Karte war riesig und unübersichtlich. Einfach zu viel Auswahl. Für mich gab es schlussendlich wie immer einen Hauptspeisensalat und einen großen Teller knusprig frittierten Hühnchens, Mozzarellas und Pilze. Mein Gegenüber wählte mit Steak und Kartoffelzubereitung(?) einer mir inzwischen entfallenen Darreichungsform etwas eher Klassisches. Schmackhaft war es jedenfalls beides und ich konnte die diversen auf der Karte feilgebotenen Fleischberge wiedermal umschiffen 😀 Hier am Rande des riesigen Kreisverkehrs hinter einer kleinen transparenten Wand im Freien zu sitzen – typischer für einen rumänischen Städtetrip ging es doch gar nicht.

Dem Versuch einer Kommunikationsaufnahme von schon reichlich angetrunkenen Gästen entgingen wir gekonnt, da wir kurz zuvor bereits die Rechnung geordert hatten. Der Gast schien unser Deutsch erkannt zu haben und hatte uns aufgrund seiner deutschen Arbeitsvergangenheit interessiert angesprochen – gar nicht auf die unfreundliche Weise, aber der Tag war doch lang geworden und wir wollten los.

Gezielt verfehlten wir beim ersten Versuch unser Motel in zweiter Reihe hinter dem Bulevardul Dorobanților. Beim zweiten Anlauf klappte es dann aber, auch wenn der vermeintliche Parkplatz komplett gefüllt war. Von außen machte das Ganze einen etwas merkwürdigen Eindruck, aber an der Rezeption überreichte man uns problemlos die Zimmerkarte und das Zimmer war geräumig, modern und sauber. Mehr braucht es für eine Übernachtung in Braila nun wirklich nicht. Höchstens noch die übliche große Wasserflasche, deren letztes Exemplar während des Tankstopps dummerweise an die Scheibenwaschanlage verfüttert wurde. Also noch mal schnell um die Ecke zum nächsten Non-Stop und ein neues Paket Wasser beschafft. Für das Frühstück hatten wir für morgen früh dann auch schon das McCafé unweit des Parks in der Hinterhand, war doch das kulinarische Angebot in der sogenannten Innenstadt mehr als ausbaufähig gewesen.


Mittwoch, 11. Mai 2022 I:

Auch dieser Tag wird sich wieder in mehrere Teile aufteilen. In diesem Teil geht es noch weiter bis zum frühen Nachmittag. Bis dahin werden wir uns noch an den rumpeligen Gleisen von Brăila herumtreiben und auf einen Grazer GT6 hoffen. Im nächsten Teil geht es dann am Nachmittag weiter mit Ploieşti.

Nachdem wir gestern Abend noch die Decken im Schrank gefunden hatten – ich brauchte eigentlich eh keine – war an der Nacht hier nichts auszusetzten. Aufgrund des nicht angebotenen Frühstücks ging es dann am Morgen umgehend mal auf Nahrungssuche. Wie erwartet, eröffnete sich uns kein einladendes Café. Die zahlreichen Wegholbuden á la Panda hatten zwar auch diverse Leckereien im Angebot. Aber irgendwo gemütlich hinsetzten und einen Kaffee dazu durfte es schon sein. Derweil nahm bei mir die Odysse mit dem Nachladen des Datenvolumens ihren Anfang: Durch das Streamen des Eintrachtspiels war das nun doch an seine Grenzen gekommen. Eigentlich kein Problem, durch das Dazubuchen von Zusatzvolumen ließ sich das bislang immer beheben. Etwas umständlich natürlich, mit der nun auf 64kBit limitierten Verbindung auf der 1&1-Seite das Zusatzvolumen zu ordern. Wer denkt sich eigentlich sowas aus? Die Bestätigungsmail kam dann aber doch umgehend. Nur die Geschwindigkeit erhöhte sich irgendwie nicht. Aber erstmal frühstücken jetzt. Wie schon geplant zum McD zwischen Kathedrale und der Parkstrecke und bei McCafé Croissant und Cappuccino zusammengestellt. Einige Schüler genehmigten sich derweil schon zum Frühstück erste Burger und Fritten – Mahlzeit!
An unserem Tisch gab es sogar Tramblick, sodass wir gleich mal erspähen konnten, was denn so unterwegs war. Es schienen zwar teils andere Wagen als gestern zu laufen, ein Grazer GT6 wurde vorerst aber nicht gesichtet.

Wir standen dann nach dem Frühstück gleich mal rüber an die Ecke, die wir aus dem McD die ganze Zeit schon beobachtet hatten. Als nächstes kam mit dem E1 4638 zumindest ein Wiener daher, der gestern nicht gelaufen war. Anschließend durchschritten wir den üppig grünen und wirklich lauschigen Park bis hinüber zur Endschleife der Überlandlinie. Mit GT8 582 lief heute auch der gestern im nördlichen Depot gesichtete zweite von drei Grazer Achtachsern. Ebenso der gestern dort geparkte Rotterdamer GT8 1604. Das waren aber auch schon alle “neuen” Fahrzeuge heute. Der E1 4689 und die beiden Rotterdamer 1615 und 1613 hatten für die drei eingewechselten Fahrzeuge heute einen Tag Pause bekommen. Von den Grazer GT6 war keine Spur. Wir wurden auch mit dem Bild der Depots von gestern im Hinterkopf das Gefühl nicht los, dass wir nun schon bald 100% des einsatzbereiten Fahrzeugparks kannten…

Eigentlich waren die sechs Grazer GT6 von SGP erst 2016 nach Brăila gekommen und damit gerade im Vergleich zu den heruntergerockten Wienern noch einigermaßen frisch. Drei Fahrzeuge waren aber wohl von Anfang an Ersatzteilspender geblieben, hatten sie doch nie ein Kennzeichen abbekommen. Zumindest 263 und 268 sollten laut phototrans.eu aber noch im Einsatz stehen, aber das muss ja auch nicht immer aktuell sein. Die jüngsten Aufnahmen stammen dort von 2019. Aus dem August 2021 sind bei youtube noch Aufnahmen des GT6 268 zu sehen. Durchaus möglich also, dass wir einfach nur Pech hatte an diesen zwei Tagen. Im August 2021 lief eben auch die Linie 21 noch, wodurch noch ein paar Wagen mehr benötigt wurden.


An unserem “McD-Frühstücksblick” nahmen wir nach selbigem dann gleich mal den E1 4638 mit, einen von drei heute “neuen” Wagen zwischen dem großen Park und der Kathedrale am südlichen Ende der Radialringe.


Auch mitten in dem großzügigen und lauschigen Park hat es eine Haltestelle. Der Grazer GT8 583 erreicht die Haltestelle Polivalentă in einem kurzen morgendlichen Sonnenspot.


Am südlichen Rand liegt kurz vor der Ausfahrt aus dem Park die Schleifenanlage der Überlandlinie. Theoretisch kann hier auch aus der Stadt kommend gewendet werden, diese Möglichkeit schien aber schon lange nicht mehr genutzt geworden zu sein, da die Stadtlinien bis zum Depot weiterfahren und die Überlandlinien hier von auswärts kommend enden. Auch ein vermodertes drittes Gleis liegt hier noch im Grün versteckt, von dem aus wir die Durchfahrt des schon von gestern bekannten E1 4672 in schwierigen Lichtverhältnissen festhielten.


Aus der Gegenrichtung folgt wenig später mit 582 der zweite Grazer Achtachser. Darf man phototrans.eu Glauben schenken, so ist der dritte im Bunde – GT8 584 – wohl schon seit 2018 wieder ausgemustert – wenn er denn je in Betrieb gegangen war…


Hinter der Schleife befindet sich die großzügig möblierte Abfahrtshaltestelle der Überlandlinien 24 und 25. Die noch stehenden Fahrscheinbuden wurden inzwischen von Fahrscheinautomaten mit der grandiosen Auswahl zwischen einer, oder drei Einzelfahrten abgelöst. Wo man hier noch Tageskarten herbekommt, bleibt ein Rätsel. Vielleicht am Bahnhof oder in irgendwelchen Non-Stops in der Stadt? 2015 hatten wir es irgendwie hinbekommen, aber bei dem derzeitigen Fahrtenangebot kam uns eine ausgiebige Befahrung des “Netzes” ohnehin nicht in den Sinn.


Vom “Damm” kommt wenig später die Überlandbahn. Auch heute ist wieder der vollkommen abgerockte KT4D 9069 für diesen Dienst eingeteilt. Als Linie 24 vom Combinat kommend, wird der Wagen nach einer kurzen Pause in der Parkschleife zur kürzeren Runde zum Lacul Sărat aufbrechen.


Ein Berliner KT4D im Endstadium. Wer sich nicht benommen hat muss eben nach Brăila. Andere haben es mit Modernisierung und anschließendem Exil beispielsweise in Stettin noch etwas besser getroffen, oder dürfen gar eine entspanntes Rentnerdasein mit gelegentlichem Sonntagseinsatz in Wehmingen führen.


Einmal umgedreht kommt schon der E1 4638 zurück. In Gegenrichtung ist mit dem Rotterdamer GT8 1604 der dritte “neue” Wagen des heutigen Tages zu sehen.


Schon steht die nächste Fahrt für KT4D 9069 an, nachdem er einige Minuten in der Parkschleife pausiert hat.

Für heute hatte ich noch einige Sonnenaufnahmen in der interessanten großen Blockumfahrung im Norden der 22 auf dem Zettel. Dafür wechselten wir dann im Anschluss einmal auf die andere Seite der Stadt. Von der Endstation am Abzweig zum Depot ließen wir uns bis zum Zusammentreffen der Schleife Richtung Süden treiben, wobei in der abwechslungsreichen Umgebung der Schleife einige Aufnahmen entstanden. Insgesamt ist das Treiben hier doch extrem gemütlich, abseits der sonst rund um die rumänischen Straßenbahnstrecken oft so präsenten großen Straßen mit tosendem Verkehr. Hier wurden entspannt die Kinderwagen auf der Straße geschoben, die kleinen Vorgärten am Straßenrand gepflegt, hinter den hohen Mauern der Gärten zu den einstöckigen Häusern irgendwas betoniert oder einfach auf der Straße geplauscht und gelungert. Ja, hier dominierte eindeutig das “Lungern” und mal nicht das “Fahren” 😉 Wobei das “Lungern” gar nicht mal negativ belegt sein soll. Man trifft sich hier typisch für südlichere Länder einfach zum gemütlichen Plausch auf der Straße, anstatt das jeder sein anonymes Leben hinter den eigenen vier Wänden führt.


Der Wiener E1 4672 startet zu einer weiteren Runde in den Süden der Stadt. An der Ecke im Hintergrund befindet sich die Endhaltestelle Scoala Nr.20 in der großen eingleisigen Blockumfahrung. Dort befindet sich auch der Abzweig zur Depotstrecke. Niedrige Plattenbauten und einstöckige, ländliche Bebauung wechseln sich am westlichen Flügel der Blockumfahrung auf der Strada Octav Doicescu ab.


Eine Haltestelle weiter auf der Strada Octav Doicescu kam wenig später mit E1 4638 der zweite heute eingesetzte Wiener. Glücklicherweise setzte der White-Van nicht zu einem Überholmanöver an…


Über die Strada Walter Mărăcineanu mündet der westliche Schenkel der Blockumfahrung schließlich wieder in den Östlichen. Dort konnte zum Abschluss der Grazer GT8 583 aufgenommen werden.

Im Grunde waren wir jetzt schon recht weit durch hier. Bleiben nur noch die Grazer GT6, für die wir wieder in den Süden wechselten und den Versuch einer Depotbesichtigung starteten. Bislang war das in Rumänien abseits von Bukarest eigentlich nie ein Problem gewesen. Die Pförtnerin gab sich auch sichtlich Mühe am Telefon, konnte dem Betriebsleiter aber offensichtlich keine Erlaubnis abringen. Das kannten wir so aus der Provinz auch nicht. Meist war es früher schon der Jackpot, wenn von der Pforte zu irgendeiner “wichtigen” Person telefoniert wurde. So waren wir auch hier in Brăila 2015 problemlos ohne vorherige Anmeldung auf beide Depots gekommen. Aber die Zeiten scheinen sich auch in Rumänien langsam zu ändern. Vielleicht ist denen der Schrott, der hier auf den Betriebshöfen so vor sich hingammelt, auch langsam unangenehm?


GT8 583 haben wir durch die Stadt wieder überholt und konnten ihn beim Abbiegen in die Schleife neben dem Depot erneut aufnehmen.

Nun, dann eben keine Grazer GT6. Blieb uns aber noch die Überlandstrecke, auf der wir beim letzten Besuch ohne Auto nicht viel hatten reißen können, abgesehen von einer abenteuerlichen Mitfahrt zum Lacul Sărat.

Wir wollten mal etwas mit See versuchen und steuerten die Zwischenschleife am Lacul Sărat an, um dem KT4D anschließend noch ein wenig entgegen zu laufen. An der weitgehend zugewucherten Strecke zwischen Depot und Lacul Sărat bot sich an einer Lücke im Gebüsch zumindest ein kleiner Durchblick auf den etwas modrig riechenden See – wie das wohl erst im Hochsommer werden soll?


KT4D 9069 auf seiner halbstündigen Befahrung der Überlandstrecke kurz vor der Zwischenschleife am Lacul Sărat, wo jede zweite Runde Endstation ist. So auch bei dieser Fahrt, wie an der Linie 25 zu erkennen ist.


Für die Rückfahrt ging es noch einige Meter weiter auf eine trocken gefallene Wiese. Ungünstiger Sonnenstand und Hochlicht machten es nicht einfach, sodass wir diese seitliche Perspektive wählten.

Auch die Combinats-Strecke konnten wir uns nicht entgehen lassen – ein Wunder, dass hier überhaupt noch was läuft. An einer Zufahrt zum weitgehend toten Combinat parkten wir im Schatten und warteten auf die nächste Runde des KT4D. Irgendwas schien sich da in dem Gelände schon noch zu tun. Jedenfalls fuhr hin und wieder ein LKW hinein und ein Aufpasser war auch unterwegs, der sich aber nicht im Geringsten daran störte, dass wir da am Rande der Zufahrt herumstanden. Gefühlt waren die LKW auch eher mit dem Abriss von irgendwas beschäftigt.

Die Wartezeit nutzten wir derweil, um uns die Karten für den weiteren Tag zu legen. Mein Vorschlag, noch einmal auf Kaffee und Kuchen bei McD einzukehren und dabei zu beobachten, ob zum Nachmittag noch etwas Neues herauskäme, wurde ohne Gegenstimme angenommen. Käme nichts Neues, würden wir uns im Anschluss auf den Weg nach Ploieşti machen. Das war schließlich mit knapp 180 Landstraßenkilometer auch nicht eben ein Katzensprung.
Dann war auch langsam schon Zeit für den KT4D. Die ganze Endschleifenanlage hier vor dem Combinat wirkte wie ein Lost Place. Das hier noch Straßenbahnen fahren, war lediglich an den blanken Gleisen zu erkennen. Die zwischen Straßenbahnanlage und Combinat verlaufende, hier schnellstraßenähnliche 20, wurde einst zum Schichtwechsel durch großzügige Unterführungen unterquert. Heute bieten diese nur noch Rückzugsorte für Flora und Fauna – ganze Bäume wuchsen inzwischen aus der Unterführung hervor, streunende Hunde hatten es sich rund um die Anlagen gemütlich gemacht.


Lost Place Endstation Combinat. Zu sehen ist die einstige Unterführung unter der vierspurigen Straße hindurch. Von rechts ragt das Dach der großzügigen Wartehalle ins Bild. Einst war hier zum Schichtwechsel sicher einiges los gewesen. Heute ist es vielmehr erstaunlich, dass überhaupt noch eine Straßenbahn raus zum Combinat fährt.

Ob das allerdings noch lange gut geht, ist angesichts solcher Aufnahmen mehr als fragwürdig – absolute Endzeitstimmung…


Ausgerechnet zum stündlichen KT4D 9069 musste dann eine Wolke für Ärger sorgen. Zumindest Halblicht hatte es mit etwas Hilfe von Photoshop noch. Hinter dem Wartehäuschen war derweil ein mit Reifenschaden liegen gebliebener, ukrainischer LKW gestrandet, sodass ein interessanter Durchblick nicht umgesetzt werden konnte.


Blick von einer der Combinatseinfahrten von der anderen Straßenseite – das Abschiedsfoto von der Combinats-Strecke – oder gar von der gesamten Straßenbahn Brăila?


Nicht ganz: Zumindest ein Nachschuss auf den von dannen schaukelnden KT4D durfte noch sein.

Mit diesen Eindrücken verabschiedeten wir uns von der Straßenbahn Brăila. Hoffentlich nicht für immer. Die anschließende halbe Stunde Kaffeetrinken brachte keine neuen Fahrzeug auf Strecke, sodass wir uns dann auf den zähen Weg nach Ploiesti machten. Das richtige Programm für die warmen und hochlichtigen Mittagsstunden.

Mit der Straßenbahn von Ploieşti soll es dann auch im nächsten Teil weitergehen, wo wir uns auch morgen noch den halben Tag aufhalten, bevor es am frühen Nachmittag weiter nach Craiova geht.

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